100 Jahre Qantas!

Foto: Qantas

Als Queensland and Northern Territory Aerial Services, abgekürzt Q.A.N.T.A.S. wurde die Australiens Airline am 16. November 1920 gegründet. Die Gesellschaft entwickelte sich zu einem bedeutenden Unternehmen, auch wenn sich dieses Jahr ganz anders entwickelt hat als erhofft.

100 Jahre Qantas! | Geschichte

Schon vor 100 Jahren sprach vieles für die Notwendigkeit einer Fluggesellschaft in Australien. Neben Fracht- und Postflügen waren es auch Zählflüge für große Viehherden und natürlich der Passagiertransport in den den vielen strukturschwachen Regionen Australiens. Schnell fand die junge Gesellschaft zahlungskräftige Investoren und die Flugzeugflotte bekam Zuwachs. Der zweite Weltkrieg dämpfte jedoch diesen noch jungen Erfolg, die Hälfte der Maschinen wurden zerstört. Doch schon 1945 flog Qantas dann zum ersten Mal nach London. Als Känguru-Route mit der Flugnummer QF 1 ist diese heute noch bekannt und wurde so noch bis zur Krise geflogen.

Die Airline wurde im Laufe der Zeit verstaatlicht, die Destinationen wurden mehr und die Flotte wuchs bis hin zur Boeing B747. In den 90er Jahren übernahm Qantas die Australian Airways und wurde privatisiert, 2008 kam der erste Airbus A380. Einige Jahre später wurde eine Kooperation mit Emirates gestartet, in Folge dessen verschwand Frankfurt aus dem Flugplan. London Heathrow ist seitdem die einzige europäische Destination im Streckennetz.

Aktuell sind 126 Flugzeuge in der Flotte, dazu kommen noch weitere Maschinen der Tochtergesellschaften. In dem Regionalverbund QantasLink operieren mehrere Unternehmen und führen Nebenstrecken durch. Qantas Freight ist für Frachtflüge zuständig, 2004 wurde der Billigflieger Jetstar gegründet.

100 Jahre Qantas! | Heute

Insgesamt stehen noch über 130 Flugzeuge auf der Orderliste, das sind mehr als die Kernmarke zur Zeit in der Flotte hat. Die mit Abstand meisten Bestellungen wurden bei Airbus platziert, darunter 36 Einheiten des Airbus A321XLR. Das Flugzeug liegt voll im Trend und eignet sich nahezu perfekt für das Brot- und Buttergeschäft in Australiens Inland und nach Neuseeland. Durch die hohe Reichweite sind aber auch Ziele in Asien und von Perth sogar Indien nonstop und wirtschaftlich erreichbar.

Das beherrschende Thema ist – wie bei allen Fluggesellschaften auch – die Corona-Pandemie. Qantas musste sogar den internationalen Flugverkehr einstellen und die gesamte Langstreckenflotte stillegen. Vom Jumbo-Jet hat sich die Airline im letzten Sommer vorzeitig getrennt, dessen Abschied jedoch würdig gefeiert.

Qantas sagt bye bye zum Jumbo und malt ein Känguru in den Himmel

Seitdem hoben die verbliebenen Langstreckenjets nur noch selten ab. So gab es im vergangenen Monat einen Sightseeing-Flug über Australien, eine Ausnahme. Selbst neue Auslieferungen sind betroffen, so wurde ein Dreamliner jetzt direkt vom Boeing-Werk in die Wüste zum Langzeit-Parken gebracht.

Dabei waren die Pläne auf der Langstrecke so vielversprechend. Der Carrier hat die Zukunft bei der Ultra-Langstrecke gesehen und sich intensiv damit auseinandergesetzt. Im März 2018 wurden erfolgreich die Städte Perth und London verbunden, das Ziel war es die Känguru-Route von Sydney ab 2022 ebenfalls ohne Zwischenstopp anzubieten. Jetzt liegt das Project Sunrise auf Eis, der weitere Verlauf der Pandemie muss abgewartet werden.

Dabei gab es zahlreiche Testflüge wie z.B. direkt von New York nach Sydney, einem weiteren Wunschkandidaten der Australier. Über 19 Stunden war der Dreamliner von der U.S. Ostküste nach Australien unterwegs und sammelte neue Erkenntnisse. Potentielle Ziele wären aber auch Paris, Rio de Janeiro, Kapstadt und sogar in Frankfurt.

Als einer der wenigen Airlines möchte Qantas auch noch am Airbus A380 festhalten. In die 12 Riesenjumbos wird sogar weiter investiert, der Umbau zur komplett neuen Kabine wurde nicht gestoppt. Man war bis zuletzt sehr zufrieden mit dem Riesenjumbo. Die Hoffnung an die Zeit nach der Krise scheint noch sehr  groß zu sein.

Das Vorhaben eine Großbestellung für QantasLink zu platzieren ist indessen in der Prioritätenliste nach hinten gerutscht. Die Regionaltochter muss wohl noch mit ihren fast 20 Jahre alten Boeing 717 und den noch älteren Fokker 100 weiter auskommen. Eine Verkleinerung der Flotte ist sehr wahrscheinlich.

 

100 Jahre Qantas! | Partner & Konkurrenten

Die Qantas war am 01.02.1999 Gründungsmitglied der globalen Allianz oneworld, das zweitgrößte Luftfahrtbündnis nach der Star Alliance. Eine intensive Partnerschaft besteht zudem seit 2012 mit Emirates. Flüge von Sydney nach London wurden zunächst über das Drehkreuz in Dubai geleitet, andere Zubringer nach Europa wurden von Emirates durchgeführt.

Zuletzt wurde der Flug nach London wieder über Singapur geführt, die Partnerschaft mit Emirates besteht aber nach wie vor. Beide Airlines profitieren voneinander, denn Emirates-Passagiere können von den Großflughäfen Sydney, Melbourne, Brisbane und Perth zu all den anderen Destinationen in Australien reisen. Meilen sammeln und Anerkennung des Status inklusive.

Die Airline hat, bedingt durch die geografische Lage, auch weitere Partnerschaften wie z.B. mit KLM oder der Lufthansa. Hier bestehen zwar keine Vorteile bei den Vielfliegerprogrammen, allerdings gibt es Durchgangstarife und das Gepäck wird bei einem Umstieg weiterbefördert.

Größter Konkurrent ist die Virgin Australia, die als Netzwerkairline mit einem vergleichbar guten Produkt unterwegs ist. Diese kooperiert zudem mit Air New Zealand, einem Vorteil über der Tasmansee. Auf der Langstrecke sieht Virgin Australia allerdings keine Zukunft mehr und wird sich zunächst nur noch auf die Kurz- und Mittelstrecke konzentrieren.

Weitere starke Konkurrenz kommt hauptsächlich aus Südostasien, hier war Singapore Airlines nach Sitzplätzen und Frequenzen der stärkste Gegner. Grösster Vorteil ist deren geografisch perfekt gelegene Hub in Singapur.

100 Jahre Qantas! | Sonderlackierungen

Die große Party wird es nicht geben, schließlich gelten Restriktionen und für eine Feier fehlt das Budget. Wenigstens feiert man sich mit Sonderlackierungen wie die 787-9. Die Maschine welche den Testflug von New York nach Sydney absolviert hat, wurde bereits im entsprechenden Design ausgeliefert. Darauf lässt sich der Wandel des Qantas Logos seit den Anfängen schön erkennen.

Die Airline hat, was Sonderlackierungen angeht, schon einiges geboten. Einprägsam waren insbesondere die beiden Jumbos „Wunala Dreaming“ und die „Nalanji Dreaming“, angelehnt an die Kunst der Aborigines. Die Ureinwohner Australiens wurden schon auf sechs Jets bei Qantas geehrt, alles echte Hingucker!

Die 747 ist zwar nicht mehr zu sehen, ein Dreamliner hat die Jumbos in spezieller Lackierung aber beerbt. Vor zwei Jahren kam die „Yam Dreaming“ in die Flotte. Die Lackierung solle mehr Menschen dazu ermutigen, die indigenen Elemente zu entdecken, die Teil des Geistes von Australien seien.

Während diese Maschine aber aktuell geparkt ist, fliegen einige der B737-800 weiter. Diese beiden Exemplare sind im Retro-Design unterwegs und erinnern an vergangene Tage.

100 Jahre Qantas! | Frankfurtflyer Kommentar

Richtig feiern kann man leider nicht, aber man darf Qantas würdigen und gratulieren! Eine sympathische Airline mit einer langen Geschichte und vielen Ideen. Die Entwicklungen auf der Ultralangstrecke waren noch bis zu Beginn des Jahres ziemlich erfolgreich, daran könnte eines Tages wieder angeknüpft werden. Doch bis dahin ist es wohl noch ein weiter Weg.

Die Hoffnung, das Känguru-Logo wieder regelmäßig in Deutschland zu sehen, dürfte weiter in die Ferne gerückt sein. Alles hängt von der weiteren Entwicklung ab und da ist viel Geduld gefragt.

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