5G Chaos in den USA: Flugverkehr läuft wieder normal, aber was war eigentlich das Problem?

In den USA wurde in den vergangen Tagen das Mobilfunknetz ausgebaut und der 5G Standard an vielen Orten eingeschaltet, inklusive Funktürmen in direkter Nähe von Flughäfen. Dies führte schon in der Vergangenheit zu massiven Protesten der Airlines, da man mit Störungen des Flugverkehrs rechnete und genau dies ist nun auch passiert.

Am Mittwoch den 19. Januar wollten die Mobilfunkanbieter in den USA wie AT&T, Verizon und T-Mobil die 5G Sendemasten einschalten und daher haben viele Airlines wie Emirates, JAL, ANA ihre Flüge in die USA kurzfristig abgesagt und auch die Lufthansa musste z.B. die Boeing 747-8 gegen ältere Boeing 747-400 tauschen.

Betroffen waren hier vor allem die Boeing 777 und auch die Boeing 747-8, nicht aber z.B. die Boeing 747-400, Boeing 787 oder Airbus Flugzeuge. Dies wirft natürlich vor allem die Frage auf, was hier überhaupt die Gründe für dieses Chaos sind und warum nur manche Flugzeuge betroffen sind.

Ist 5G in den USA anders als in Europa?

5G ist keine wirklich neue Erfindung und in Europa gibt es diesen Netzstandard schon seit mehreren Jahren, auch wenn er nicht überall verfügbar ist, sollte man meinen, dass man hier nichts komplett Neues in den USA ausrollt. Dabei gibt es aber einige Unterschiede zu dem was in den USA zugelassen wurde und zu dem wie man in Europa mit 5G umgeht.

So ist die Sendeleistung der 5G Antennen in den USA bis zu 3 mal höher als in Europa und die Antennen wurden in den USA im 90° Winkel zum Boden montiert, was dazu führt, dass sie im selben Maße in den Himmel abstrahlen, wie in Richtung Boden. Damit hat man zwar besseren Empfang im Flugzeug, aber im Sinne des Erfinders liegt dies eigentlich nicht. In Europa und Japan hat man die Antennen mit einem leichten Winkel Richtung Boden montiert.

Zusätzlich sind die Abstände zwischen Flughäfen und den 5G Sendeantennen im Rest der Welt größer gewählt als in den USA.

Eines der größten Probleme ist allerdings das Frequenzband, welches man in den USA gewählt hat. Dieses liegt zwar immer noch unterhalb der für den Luftverkehr reservierten 4,0 bis 4,2 GHz, allerdings ist man mit 3,7-3,98GHz doch erstaunlich nah an diesem Frequenzen. In Europa bewegt man sich zwischen 3,3 und 3,8 GHz um hier einen Sicherheitsabstand zu haben.

Die EASA beobachtet natürlich auch in Europa das 5G Netz und mögliche Einflüsse auf den Flugverkehr, allerdings konnten hier keinerlei Anzeichen auf Störungen oder auch Zwischenfälle festgestellt werden.

Quelle: FAA

Sorge um das Bodenradar

Alle diese oben genannten Faktoren führen dazu, dass man in den USA bei der FAA die Sorge hat, dass es zu Störungen des Bodenradars kommen könnte. Dieses nutzen Passagierflugzeuge im Anflug bei schlechter Sicht, um die exakte Höhe zu bestimmen und entsprechend Sicherheitsrelevant sind diese System auch.

Es gibt aktuell keinen Nachweis darauf, dass das 5G Netz wie es in den USA installiert ist auch nur geringe Auswirkungen auf die Systeme von Flugzeugen hat, allerdings die Sorge der FAA und damit auch die eine Warnung an Airlines und Hersteller.

Hersteller (Boeing und Airbus), sowie die FAA müssen also die einzelnen Flugzeugtypen für den Betrieb unter dem Einfluss des 5G Netzes in den USA freigeben und dies ist offensichtlich nicht für alle Flugzeuge vor dem 19. Januar passiert. Hiervon waren vor allen Boeing 787, Boeing 777 und auch die neuen Boeing 747-8 betroffen.

Inzwischen hat die FAA aber einen Hinweis an Airlines und Hersteller geschickt, dass man den Flugbetrieb mit allen Typen wieder normal aufnehmen kann. Teilweise bedarf es hierfür Anpassungen in den Handbüchern der Flugzeuge, was nichts ungewöhnliches ist. Warum dies allerdings erst nach einem Tag Chaos passiert, kann niemand wirklich beantworten.

Die Netzbetreiber haben sich auch freiwillig dazu verpflichtet, die Pufferzonen um Airports zu vergrößern und hier teilweise die Sendemasten noch nicht zu nutzen oder sie nur mit begrenzter Leistung zu betreiben.

5G Chaos in den USA: Flugverkehr läuft wieder normal, aber was war eigentlich das Problem? | Frankfurtflyer Kommentar

In einem Interview mit CNN hat der Emirates CEO Tim Clark es recht treffend beschrieben und seinem Ärger Luft gemacht. Worte wie peinlich, amateurhaft und unverantwortlich sind hier mehrfach gefallen und auch, dass er so etwas armseliges wie die Leistung der FAA beim Ausrollen des 5G Netzes in den USA in seinen 40 Jahren in der Luftfahrt noch nie erlebt hat.

Airlines haben schon vor Monaten davor gewarnt, dass es ohne die entsprechenden Freigaben der Behörden in den USA zu Chaos kommen wird und leider wurde dies in Washington D.C. nicht gehört. Es war hierbei nie wirklich so, dass die Airlines große Angst vor dem 5G Netz in den USA hatten, sondern eher vor der FAA und dass sie Flugzeuge festsetzt oder umleitet, da die entsprechenden Zertifikate fehlen.

Es ging wirklich um fehlende airworthiness directive (AD), welche einfach für manche Typen am 19. Januar noch nicht vorlagen. Hierbei ist mir nicht ganz klar, ob es nur an Boeing lag, welche die benötigte Dokumentation für die Flugzeuge liefern muss oder ob man bei der FAA gepennt hat.

Klar ist aber, dass die AD nun für alle Typen vorliegt und vorerst der Flugverkehr in die USA wieder normal laufen kann. Was ein Zirkus!

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