Air France Tochter Joon wird wieder eingestellt

Vor gerade einmal einem Jahr hat Air France eine günstige Tochter aus der Taufe gehoben. Mit Joon wollte man besonders auf Strecken wieder Geld verdienen, welche Air France nicht mehr wirtschaftlich bedienen konnte. Doch schon wenige Tage nach dem ersten Geburtstag von Joon hat Air France nun entschlossen, dass die Tochter wieder eingestellt wird.

Gerüchte, dass die Air France Tochter Joon wieder eingestellt wird, gab es schon Ende letzten Jahres, nun hat es der Air France Vorstand allerdings auch offiziell bestätigt. Die Tochter Airline wird eingestellt und die Flotte wird wieder in die Mutter, Air France, zurückgeführt. Ein genaues Datum für die Einstellung von Joon gibt es noch nicht, allerdings soll noch dieses Jahr der letzte Flug starten.

Dass die Air France Tochter wieder eingestellt wird ist wohl der erste Schritt des Umbauprogramms, welches der neue CEO von Air France/ KLM, Benjamin Smith, aktuell vorantreibt. So wollte er wohl nicht nur Joon wieder einstellen, sondern auch die Airbus A380 Flotte von Air France mindestens halbieren. Dies könnte in den kommenden Wochen eine weitere Ankündigung aus Paris werden.

War Joon nur ein Werkzeug in den Verhandlungen mit den Gewerkschaften?

Mit Joon hat Air France im Grundsatz ein ähnliches Konzept gestartet, wie Lufthansa mit Eurowings. Man wollte eine Airline, mit niedrigeren Stückkosten, welche auf „Nebenstrecken“ wieder rentabel arbeiten kann. Dies wurde insbesondere auch durch neue Verträge für das Personal und durch abgeschriebene, bezahlte Flugzeuge erreicht. Inzwischen hat man sich mit den Gewerkschaften über neue Tarifverträge in Frankreich geeinigt, was Joon überflüssig machen soll.

Die Situation in der Luftfahrt ist hier äußerst paradox, denn dass Gewerkschaften einen Streik als „Start in Verhandlungen“ zur Machtdemonstration nutzen und dass Airlines neue Töchter gründen um bestehende Tarifverträge auszuhebeln ist eine sehr fragwürdige Situation. Dies sehen wir allerdings nicht nur in Frankreich, sondern auch in Deutschland bei Lufthansa/ Eurowings und bei anderen Airlines in Europa.

Eigentlich sollte Joon anders sein, als die üblichen Billigflieger auf der Langstrecke und man wollte die Airline für „Millennials“ sein. Was am Ende rausgekommen ist, war so etwas wie eine Air France mit Flugbegleitern in Poloshirts und weißen Sneakern. Ansonsten sind die Unterschiede zwischen Joon und Air France auf den ersten Blick eher marginal, was auch daran liegt, dass Joon einfach alte Flugzeuge und damit auch die Kabinen von der Mutter Air France übernommen hat.

Joon ist daher mehr oder weniger eine Air France mit alten, abgeschriebenen Flugzeugen und einer Kabinenbesatzung mit günstigeren Tarifverträgen. Hierfür musste die Airline allerdings anders heißen und konnte nicht als Air France weiter fliegen. Joon fliegt also mehr oder weniger als Air France auf „Nebenstrecken“. Eine Review von Joon haben wir hier nach einem Flug von Berlin nach Paris erstellt.

Air France Tochter Joon wird wieder eingestellt | Frankfurtflyer Kommentar

Wirklich verstanden, was Air France mit Joon wirklich erreichen wollte, außer den Gewerkschaften Druck zu machen, hat wohl niemand. Air France sagt in der Pressemeldung selbst, dass es den Passagieren und den Investoren schwer zu vermitteln war, was Joon ist und wofür die Airline steht. Vermutlich war es allerdings auch nie wirklich geplant, dass man die Airline lange betreibt.

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