Alitalia schon bald in der Star Alliance und bei Miles&More | Lufthansas Pläne in Italien

Es ist wohl fast schon eine massive Untertreibung, wenn man schreibt, dass es Alitalia nicht gut geht. Die Airline aus Italien hat seit 17 Jahren keinen Cent mehr verdient und flog nur noch durch ständige Zuschüsse von Geldgebern. Nachdem Etihad Airways vor einigen Jahren den Stecker gezogen hat, fliegt man seit Jahren in der Insolvenz und verbrennt jeden Tag etwa 2 Millionen Euro.

Inzwischen hat aber sogar die Regierung in Rom beschlossen, dass es so nicht weitergehen wird, denn die fast zwei Milliarden Euro, die man in Alitalia als Brückenkredit investiert hat, wird man wohl nie wieder sehen. Zuletzt sind alle Verhandlungen mit potenziellen Investoren, darunter auch Delta Airlines, EasyJet und der Staatlichen Eisenbahngesellschaft F.S. gescheitert und es wurde kein tragbares Konzept für Alitalia gefunden.

Lufthansa hat von Anfang an großes Interesse an Alitalia bekundet, allerdings hat man hier immer auf einen massiven Umbau der Airline bestanden um diese wieder profitabel zu machen. Inzwischen scheint man auch in Italien zu diesem Schluss gekommen zu sein, denn laut italienischen Medien gilt Lufthansa als neuer Wunschkandidat für eine Alitalia Übernahme.

Lufthansa entsendet Manager nach Rom

Um den Abgeordneten in Rom die „Lufthansa Lösung“ für Alitalia schmackhaft zu machen, hat Lufthansa am Dienstag den 7. Januar einen Manager nach Rom entsandt, der vor dem Verkehrsausschuss den Abgeordneten die Pläne von Lufthansa für Alitalia dargelegt hat und auch wie gut Deutsche und Italiener doch zusammenpassen.

Gerade der Verlust der italienischen Kultur bei Alitalia macht in Rom vielen der Abgeordneten Sorge und man bevorzugte deswegen auch eigentlich immer eine „italienische Lösung“. Sicherlich nicht ohne Grund hat daher Jörg Eberhart versucht, die schon sehr konkreten Pläne für Alitalia darzulegen.

Eberhard war jahrelang Vorstand von Air Dolomiti, kennt damit Italien und den Markt nur allzu gut und spricht auch fliesend italienisch.

Gleich zu Beginn machte man aber klar, dass Lufthansa nicht bei einem „weiter so“ übernehmen wird und dass man daher sich bei der Airline vorerst auch nicht mit Kapital beteiligen will. Dies will man sich für einen späteren Zeitpunkte aufsparen, wenn der Umbau von Alitalia weiter vorangeschritten ist.

Zu Beginn „nur“ eine Partnerschaft zwischen Lufthansa und Alitalia

Lufthansa stellt in ihrer Ausführung eine „gleichberechtigte Partnerschaft“ zwischen Lufthansa und Alitalia in Aussicht. Das hört sich im ersten Moment etwas schwammig an, allerdings hat man in Frankfurt schon einen sehr konkreten Plan erarbeitet, wie man durch die strategische Partnerschaft Alitalia neu strukturieren und auch effizienter gestallten kann.

So will man die Flugpläne aufeinander abstimmen und gegenseitige Codeshareflüge durchführen. Dies würde über Flüge zwischen Deutschland nach Italien hinaus gehen und auch die Langstrecken betreffen. Zusätzlich will man den Verkauf koordinieren und so Strukturen vereinfachen und Kosten sparen.

Gerade der gemeinsame und aufeinander abgestimmte Vertrieb ist bereits etwas, von dem Austria Airlines, Swiss und Lufthansa sehr profitieren und hier könnte auch Alitalia massive Vorteile ziehen.

Wechsel von SkyTeam zur Star Alliance

Als weiterer Schritt müsse Alitalia selbst im Netzwerk von Lufthansa wachsen und dies beinhaltet auch einen Allianzwechsel von der aktuellen SkyTeam Allianz, hin zur von Lufthansa und United Airlines dominierten Star Alliance.

Lufthansa peilt für diese Umstellung, inklusive des Alliazwechsels von Alitalia hin zur Star Alliance mindestens 18 Monate an. In der Vergangenheit hat Lufthansa auch schon angekündigt, dass man sich gut vorstellen könnte Alitalia beim Übergang in die neue Allianz zu unterstützen und hier auch finanzielle Kosten bis zu 50 Millionen Euro zu tragen. Vor dem Ausschuss in Rom wurde diese sehr konkrete Zahl allerdings nicht mehr genannt.

Auch ein Beitritt zum sehr erfolgreichen Transatlantik Joint Venture, in welchem United Airlines, Air Canada, Lufthansa, Swiss, Brüssels Airlines und Swiss gemeinsam alle Flüge zwischen Europa und Nordamerika vermarkten, wäre für Alitalia ein logischer Schritt, von welchem sie sehr profitieren würde. Zuletzt wurde Alitalia aus dem vergleichbaren Joint Venture von Delta Airlines und Air France/KLM herrausgeschmissen, da die Lage der Airline zu instabil ist.

Alitalia soll Miles&More Airline werden

Ein weiterer, wichtiger Baustein wäre die Einführung von Miles&More als Vielfiegerprogramm bei Alitalia und auch die Zusammenführung aller Systeme bei den Airlines. Hierbei verweist Eberhard auf die große Erfahrung, die man mit der Umstellung von Airlines in solchen Fällen hat, denn Swiss, Austrian Airlines und Brussels Airlines haben diesen Prozess schon durchlaufen.

Gerade diese Synergieeffekte, welche die Lufthansa Gruppe für alle Airlines schafft, sind extrem wertvoll und in der Branche nicht selbstverständlich. So werden KLM und Air France immer noch wie zwei komplett unabhängige Airlines betrieben, was die beiden Airlines jedes Jahr Millionen kostet.

Wann genau Alitalia Miles&More als Vielfliegerprogramm übernehmen soll bleibt aktuell noch offen und ist vermutlich auch mit einer Beteiligung von Lufthansa an Alitalia verbunden. Miles&More hat aber in Italien bereits einen durchaus soliden Kundenstamm, sodass es vermutlich gut angenommen wird.

Focus auf Rom

Klar macht Lufthansa auch, dass man das Dual Hub System von Alitalia einstellen will. Für zwei Hubs sei die Airline nicht groß genug und man will sich hier auf Rom als einen effizienten Hub in Italien konzentrieren und nicht noch einen zweiten, ineffizienten Hub in Mailand betreiben.

Auch wenn Norditalien wirtschaftlich sehr stark ist und damit natürlich auch für die Lufthansa Gruppe von großem Interesse ist, kann man diesen Markt besser aus Rom, bzw. München und Zürich bedienen. So ist es auch attraktiver, wenn man aus Turin nicht über zwei Stunden mit dem Auto nach Mailand fahren muss, um hier eine Langstrecke zu starten, sondern man kann mit Air Dolomiti oder Alitalia einfach nach Rom oder München fliegen.

Rom soll hier als starkes Drehkreuz von Alitalia ausgebaut werden und als sechster Hub in der Lufthansa Gruppe neben Frankfurt, München, Zürich, Wien und Brüssel fungieren.

Stellenabbau nur im Notfall

Ein großes Problem von Alitalia ist, dass man eine aufgeblasene Verwaltung hat und eigentlich sprach man bei Lufthansa einmal davon, etwa 30% der Mitarbeiter entlassen zu wollen. Dies ist aber in Italien mit der populistischen Regierung und den sehr starken Gewerkschaften quasi undenkbar, weshalb hiervon nicht mehr die Rede ist.

So will Lufthansa die Verträge mit den Gewerkschaften neue verhandeln und zum Beispiel die Einsatzstunden der Mitarbeiter erhöhen. So meint man schon viel erreichen zu können und man spricht von einem Stellenabbau nur noch als Ultimaratio, sollte das Unternehmen dennoch weiterhin Verluste machen.

Vermutlich setzt man auch darauf, das in den kommenden Jahren eine größere Zahl von älteren Mitarbeitern freiwillig ausscheidet. Hier sind sicher auch entsprechende Programme denkbar, welche den früheren Anstieg versüßen.

Lufthansa will in Italien wachsen

Jörg Eberhart hat in Rom auch erklärt, warum Lufthansa so großes Interesse an Alitalia hat und hat hierbei den Abgeordneten auch gehörig geschmeichelt. So sehe er Italien als extrem wichtigen und bedeutenden Markt an und Alitalia hätte eine Premium Ausrichtung, mit welcher sie sehr gut zur Lufthansa Gruppe passen würde.

Auch stellt man in Aussicht, dass die Lufthansa Gruppe über Alitalia deutlich wachsen könne. So hat man an den aktuellen Hubs in Frankfurt, München, Zürich und Wien aufgrund der verfügbaren Kapazitäten nur noch eingeschränkte Wachstumsmöglichkeiten. In Rom sieht man hier noch viel Potenzial und man könnte Alitalia zu einer weiteren großen Airline in der Lufthansa Gruppe ausbauen.

Der italienische Markt würde es sogar erlauben, dass Alitalia zu einer größeren Airline als Swiss, nahe an der Größe von Lufthansa, wachsen könnte. Allerdings setzt dies natürlich eine Sanierung der Airline voraus. Dennoch wird der Gedanke einer großen Airline in Italien den Abgeordneten sicher gefallen und eine Airline die wächst, ist natürlich auch etwas sehr Positives für Italien.

Alitalia schon bald in der Star Alliance und bei Miles&More | Frankfurtflyer Kommentar

Lufthansa würde Alitalia wirklich gerne in der Lufthansa Gruppe sehen, allerdings ist dies natürlich an einige Bedingung geknüpft um ein tragfähiges Konzept zu finden. Nachdem auch die Regierung in Rom kein Geld mehr in die Airline pumpen will, ist nun klar, dass es bald eine Entscheidung für Alitalia geben muss und vermutlich wäre das Lufthansa Konzept für Alitalia tatsächlich eine sehr gute Lösung.

Ich persönlich würde mich sehr über Alitalia in der Lufthansa Gruppe und als Teil der Star Alliance, sowie Miles&More Airline freuen. Meine Flüge mit Alitalia und auch die Lounges in Rom können sich durchaus sehen lassen.

Review: Alitalia Business Class Airbus A330 Chicago nach Rom

Schaue wir mal wie sich die Situation rund um Alitalia entwickelt. Sicher ist noch nicht alles in trockenen Tüchern und auch Delta Airlines, KLM und Air France haben wieder Interesse an Alitalia angemeldet, nicht zuletzt auch, um es Lufthansa schwerer zu machen Alitalia zu übernehmen und die Vormachtstellung in Europa weiter auszubauen.

Danke: AeroTelegraph

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1 Kommentar

  1. Der italienische Flair der Air Dolomiti funktioniert gut bei Lufthansa. Warum also nicht auch Alitalia. Und sicherlich ist Rom eine interessante Alternative zu Frankfurt als Umsteigehub, wenn man Richtung Osten unterwegs ist.

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