Ask the Flight Attendant ✈ Heute: Notlandung

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Ich reise gerne, oft und viel, nutze jede Gelegenheit dafür und manchmal geht es mehr um den Weg, als das Ziel: Fliegen! Ich liebe es zu fliegen und das verbindet uns alle hier. Und wenn ich nicht gerade Urlaub mache, fliege ich auch. Denn diese Leidenschaft ist mein Beruf und ich kenne dadurch auch den Blick von der anderen Seite. Diese Sicht möchte ich an dieser Stelle gerne mit Euch teilen. Heutiges Thema: Die Notlandung

  • nicht vorhergesehene Landung, die durch Schaden am Flugzeug nötig wird
  • durch eine Notsituation notwendig gewordene vorzeitige Landung [an einem nicht dafür vorgesehenen Ort]

So wird das Wort Notlandung u.a. im Duden beschrieben, die Definition Notsituation lässt weiteren Raum für Interpretationen zu. In bestimmten Medienberichten ist schnell von einer Notlandung die Rede, ein Pilot würde – je nach Situation – am ehesten von einer außerplanmäßigen Zwischenlandung sprechen.

Zwischenlandungen meist wegen medizinischen Notfällen

Ich war selbst einige Male mit an Bord, als „wir schnell runter mussten“. Dafür gab es unterschiedliche Gründe, in den meisten Fällen hatten wir einen medizinischen Notfall. Je nachdem wie gravierend ein Fall ist und ob uns ein Arzt oder medizinisches Personal unterstützen kann, muss eine Entscheidung getroffen werden.

Können wir überhaupt da wo wir gerade sind auch landen? Können wir da auch wieder starten? Das ist nicht selbstverständlich, es gab schon Flugzeuge, die an manchen Airports gestrandet sind. Schließlich braucht man gewisses Equipment oder geeignetes Kerosin.

Macht es überhaupt Sinn mit einem erkrankten Fluggast irgendwo im Nirgendwo zu landen? Das nächste Krankenhaus könnte wortwörtlich meilenweit entfernt sein. Ein Verbleib in unserer Obhut mit begrenzten Mitteln wäre dann die bessere Wahl. Es gibt einige Flughäfen, die durch ihre geografische Lage für solche „spontane“ Landungen prädestiniert sind.

Wenn also etwas unvorhersehbares passiert, man aber zum Beispiel gerade über den Atlantik fliegt, eine Umkehr oder der Weiterflug zu langwierig sind, müssen andere Optionen geprüft werden. Dann bleiben u.a. Neufundland, Island, die Azoren oder Shannon in Irland übrig.

Der westirische Flughafen wird verhältnismäßig oft für Ausweichlandungen genutzt, da dort auch im Normalbetrieb Langstreckenmaschinen abgefertigt werden. Erst am vergangenen Wochenende musste eine aus Kuba kommende Boeing 767 der Condor in SNN zwischenlanden. Unter den Passagieren war eine deutsche Politikerin, die während des Fluges ihr Bewusstsein verloren hat.

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Nachdem sich die Besatzung für die Zwischenlandung in Shannon entschieden hat, wurde die Bundestagsabgeordnete in eine Klinik gebracht, wo sie kurze Zeit später verstorben ist.

Es gibt auch ganz andere Gründe für eine Zwischenlandung. Wenn die Situation in der Kabine durch einen „Unruly“, also einen widerspenstigen und rebellierenden Passagier außer Kontrolle gerät. Erst kürzlich gab es gegen einen solchen Fluggast von United ein Gerichtsverfahren. Es kam auch vor, dass sich Passagiere während des Fluges zutritt ins Cockpit verschaffen wollten und die Crew den Flug daraufhin abgebrochen hat.

Notlandungen sind sehr selten

Ich würde von einer Notlandung sprechen, wenn diese aus technischen Gründen oder Schäden notwendig wird. Dies muss nicht immer das brennende Triebwerk sein. Die kritische Situation ist erst vor wenigen Wochen auf einem United-Flug nach Hawaii vorgekommen, alle kamen mit dem Schrecken davon. Aber auch in der Kabine kann sich schnell Feuer oder Rauch entwickeln. Bei einem Druckverlust geht es auch direkt in den Sinkflug.

Es gab auch Türen, die sich in der Startphase geöffnet haben oder plötzlich auftretende starke Vibrationen im Flug. Ein Vogelschlag kommt häufiger vor, ein einzelnes Tier kann da meist wenig ausrichten. Das Auftreffen auf eine ganze Vogelschar hatte aber auch schon so manche Notlandung zur Folge.

Ich selbst war zum Glück nie in einer derartigen Lage. Ich erinnere mich allerdings an eine kritische Situation im Endanflug. Eine Propellermaschine war direkt hinter uns und hatte ein stark qualmendes Triebwerk. Wir wurden daraufhin  angewiesen durchzustarten, damit der Turboprop hinter uns in jedem Fall landen kann. Nach dessen Landung wurde die Bahn allerdings gesperrt und wir mussten an einen anderen Airport ausweichen. Quasi eine Notlandung für den Turboprop, eine nicht planmäßige Zwischenlandung für uns.

Noch seltener sind Notwasserungen, die Chancen für ein gelungenes „Ditching“ sind gering. Beim Aufprall auf eine Wasseroberfläche kann vieles schief gehen, für Piloten (und alle anderen im Flugzeug) muss dies ein Albtraum sein. Aber selbst eine Notwasserung kann gelingen, das Beispiel im Hudson River dient als Paradebeispiel beim Training für solche Fälle.

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Das Wort Notlandung kam einigen Passagieren aus dem Mund, als wir einmal wegen starkem Schneefall nicht in München landen konnten und nach Linz umgeleitet wurden. Damit hatte die Situation nach meinem Verständnis aber wirklich nichts zu tun. Ob wegen der Erkrankung eines Gastes, schlechtem Wetter oder vergleichbaren Vorfällen- eine Notlandung habe ich noch nie erlebt und wünsche diese auch niemandem.

Die ungeplanten Zwischenlandungen waren schon aufregend genug und manchmal auch ziemlich herausfordernd. Spätestens dann wird klar, dass ein Flugzeug nicht einfach schnell rechts heranfahren kann um den ADAC oder einen Rettungswagen zu rufen.

Dann ist Geduld und Verständnis von allen gefragt, solche außerplanmäßigen Vorfälle kosten oft viel Zeit. Bei Langstreckenflügen oder nach einem langen Arbeitstag darf die Crew zudem den Flug nicht immer einfach so fortsetzen. Bis Ersatz kommt, kann es dauern. Im Sinne der Sicherheit oder der Gesundheit eines Menschen aber die einzig richtige Entscheidung.

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3 Kommentare

    • Hallo Rainer,

      ich meine schon öfters gelesen zu haben, dass die Airlines sich zumindest versuchen das Geld (wenn auch in Teilen) zurückzuholen.

      Gruß
      Oliver

    • ich fürchte es sind auch schon welche einfach so davon gekommen.

      Wir kriegen das abschließend im Detail gar nicht so mit. Ich weiß nur es gab schon allerlei Konsequenzen. Von Geldstrafen bis lebenslanges Flugverbot oder Statusverlust.

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