Ask the Flight Attendant ✈ Heute: Männerdutt & Turnschuhe – die neue Generation an Bord

Ich reise gerne, oft und viel, nutze jede Gelegenheit dafür und manchmal geht es mehr um den Weg, als das Ziel: Fliegen! Ich liebe es zu fliegen und das verbindet uns alle hier. Und wenn ich nicht gerade Urlaub mache, fliege ich auch. Denn diese Leidenschaft ist mein Beruf und ich kenne dadurch auch den Blick von der anderen Seite. Diese Sicht möchte ich an dieser Stelle gerne mit Euch teilen. Heutiges Thema: Die neue Generation der Flugbegleiter

Gerne lausche ich den Geschichten älterer Kollegen, die beschreiben wie es vor einigen Jahrzehnten mit der Fliegerei so war. Damals als in der Grundausbildung eine Waage im Lehrsaal stand oder die Damen vor Abflug bei der Chefin die Fingernägel vorzeigen mussten. Die Zeiten als Stewardessen aus einem gehobenen Haus kommen mussten und der Beruf mit der Eheschließung endete sind längst vorbei.

Die Waage wurde auch abgeschafft, inzwischen sind auch keine Bewerbungsfotos mehr notwendig. Das war selbst zu Beginn meiner Laufbahn noch anders, sogar ein Ganzkörperbild und die Gewichtsangabe waren Pflicht. Bei meinem ersten Bewerbungsgespräch lernte ich einen späteren Kollegen kennen, die Zusage erhielt er mit den Worten: „Wenn Sie noch am Wochenende zum Friseur gehen, können Sie am Montag anfangen“. Seine beinahe schulterlangen Haare passten im Jahr 2006 nicht zum Bild eines Flugbegleiters.

Uniformtrageordnung steht auf dem Lehrplan

Im Lehrgang gab es neben Sicherheitstrainings auch Einheiten über Auftreten und Kommunikation. Die Uniformtrageordnung ist Teil des Arbeitsvertrages und regelt noch so kleine Details. Nicht nur welche Uniformteile miteinander kombiniert werden dürfen oder was wann getragen „darf“, „soll“ oder „muss“ steht darin. Es gibt zahlreiche Regelungen die nicht die Uniform betreffen.

Foto: Alitalia

Haarlänge, Schmuck, Nagellack, Strumpfhosenfarbe, Schuhverzierungen, Accessoires und auch die Farbe des Koffers unterliegen Gesetzen. Je nach Airline kommen Verhaltensregeln hinzu, so sind bei manchen Gesellschaften keine „To-go-Becher“ in der Hand erlaubt, wenn man in Uniform im Terminal unterwegs ist. Restaurantbesuche sind auch nicht immer gestattet, selbst alkoholfreies Bier ist dann tabu.

Ich habe den Eindruck, dass mit den Jahren immer mehr Regelungen hinzukamen. Anfangs ist man noch besonders stolz die Uniform zu tragen und die Airline zu repräsentieren. Mit der Zeit hat man auch mal bequemere Schuhe an, bindet das Halstuch nicht mehr ganz so fest und lackiert nicht mehr vor jedem Flug die Fingernägel.

Solange das ordentlich aussieht, hat wohl kaum jemand etwas dagegen. Aber genau das müssen die Verantwortlichen festlegen, denn dies ist ein dehnbarer Begriff. Natürlich legt nicht jeder Passagier unbedingt Wert darauf wie die Stewardessen aussehen, aber wenn ein Getränk mit ungepflegten Händen gereicht wird oder die Flugbegleiter beim Boarding mit dem Handy spielen würden, würde man sich seinen Teil denken.

Uniform repräsentiert die Marke

Eine Uniform und das entsprechende Erscheinungsbild können durchaus Kompetenz ausstrahlen und gehören irgendwo auch zum Auftritt einer Airline. Die markanten Uniformen von Singapore Airlines sind wohl jedem Leser ein Begriff. Bei SIA gehört neben dem Kleid allerdings auch die Frisur dazu, selbst das Make-up und die Schlappen werden von der Gesellschaft ausgewählt und gestellt.

Aber auch Singapore Airlines musste lernen und mit den Jahren wärmende Kleidungsstücke anbieten und festes Schuhwerk bereitstellen. Bei THAI sind die Stewardessen beim Einsteigen mit Blumen und Robe geschmückt, zum zweiten Essensservice ziehen sich die Ladies um.

Doch andere Länder, andere Sitten. Offene Haare sieht man in Europa nur bis zu einer bestimmten Länge, da die Crew mit der Essensausgabe zu tun hat. In den USA binden weibliche Crewmitglieder wiederum eher selten die Haare zusammen. Lange Haare sind inzwischen übrigens auch bei Männern gestattet, bei Swiss ist jetzt sogar der „Man Bun“, also ein Männerdutt gestattet.

Auch bei den Uniformteilen hat sich einiges getan, viele Airlines haben gar keine Krawatten mehr und/oder bieten Poloshirts an. Bei der neuen Airline PLAY aus Island sind die Kleidungsstücke sogar geschlechtsneutral, jeder kann alles miteinander kombinieren. Weiße Sneaker gehören mit zur Ausstattung, wie ich von Euch gelernt habe gab es diese auch schon vorher bei anderen Airlines.

Foto: PLAY

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Ich kann zwar nur mitreden wenn es um die letzten 15 Jahre geht, aber selbst in dieser Zeit hat sich einiges getan. Ein Ohrring beim Mann war damals genauso tabu wie jedes noch so kleine Tattoo – ganz egal wo dies angebracht war. Das hat sich geändert und die kleinen Körperverzierungen sind gestattet – dürfen aber nicht sichtbar sein. Bei Air New Zealand sind nicht nur traditionelle Maori-Tattoos hingegen gestattet und dürfen gezeigt werden.

So wie sich die Uniformen geändert haben, müssen sich auch die Regeln drumherum ändern und mit der Zeit gehen. Ein „Undercut“-Schnitt bei Männern führte zu Beginn des Trends zu Diskussionen, jetzt ist das schon so gut wie normal. Ein warmes Lächeln oder eine kompetente Auskunft waren wohl schon immer wichtiger als die Farbe des Nagellacks.

 

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2 Kommentare

  1. Bei Lauda-Air waren schon vor Jahren Jeans und rotes Käppi hoffähig. Vom hervorragenden Service ganz zu schweigen. Die Airlines müssen das Rad nicht neu erfinden….

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