Avianca beantragt Gläubigerschutz | Droht dem nächsten Star Alliance Mitglied die Pleite?

Eine der ältesten Fluggesellschaften beantragt Gläubigerschutz. Die kolumbianische Avianca konnte Anleihen im Wert von 65 Millionen Dollar nicht mehr zurückzahlen. Die Flotte steht wegen der Corona-Pandemie seit Mitte März weitgehend am Boden. Daraufhin sind Umsatz und Einnahmen massiv eingebrochen.

Zweitälteste Airline der Welt

Avianca ist neben LATAM die wichtigste Airline Lateinamerikas. Das Unternehmen hat eine moderne Flotte und beschäftigt über 19.000 Mitarbeiter, im letzten Jahr wurde der 100. Geburtstag gefeiert. Zu den wichtigen Märkten gehört neben Kolumbien, Ecuador und Peru auch Brasilien. Dort hatte der Konzern ein eigenes Standbein unter dem Namen Avianca Brasil.

Doch die Gesellschaft aus Brasilien häufte Schulden an und bereitete dem Unternehmen Sorgen. Die Mitarbeiter erhielten keine Gehalt mehr, Flugzeuge wurden verpfändet und Verbindungen gestrichen. Vor knapp einem Jahr wurde der Betrieb eingestellt.

 

Weitere wichtige Ziele liegen in den USA und in Europa. Avianca verbindet Kolumbien täglich mit Madrid und Barcelona. Weitere Destinationen sind London, Rom und München. Die Verbindung von Bogotá mit Deutschland war der längste Flug im Streckennetz.

Die Zahlen der Muttergesellschaft in Kolumbien konnten sich trotzdem sehen lassen. Im vergangenen Jahr wurden über 30 Millionen Passagiere befördert und trotz eines leichten Umsatzrückgangs konnte Gewinn erwirtschaftet werden. An eine Expansion hat man dennoch nicht mehr gedacht, der Fokus lag darauf effizienter zu werden.

Der Betrieb läuft weiter

Die Holding und mehrere Tochterunternehmen beantragten Gläubigerschutz nach Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts. Oberstes Ziel sei es, den Betrieb weiterzuführen. Die Arbeitsplätze müssen erhalten bleiben, man will sich wirtschaftlich neu aufstellen.

Das betreute Insolvenzverfahren nach Chapter 11 haben bereits mehrere Airlines durchlaufen. Fluggesellschaften können dabei ihren Betrieb aufrechterhalten, werden aber gleichzeitig vor den Forderungen der Gläubiger geschützt. Ein Insolvenzverfahren nach Chapter 11 kann von einem US-Unternehmen, einer Gesellschaft mit Niederlassung oder mit Vermögenswerten in den USA beantragt werden. Das Prozedere ist mit dem deutschen Schutzschirmverfahren vergleichbar, welches aktuell auch Condor durchläuft.

Sorgen um Meilenprogramm

Einige Vielflieger nutzen gerne das Avianca-Programm LifeMiles. Damit lassen sich Meilen mit jedem Star Alliance Partner sammeln und einlösen. Hin und wieder gab es die Möglichkeit Meilen verhältnismäßig günstig zu kaufen. So konnte man auch ohne Aktivitäten zu attraktiven Prämienflügen – auch in der First Class kommen.

Die Zoneneinteilung hatte für manche Nutzer Vorteile und das Online-Buchungstool erlaubt teilweise sehr kreative Routings. Die Nebenkosten für Prämienflüge waren zudem ungewöhnlich niedrig und machten LifeMiles weiter attraktiv.

Avianca betont die Unabhängigkeit von LifeMiles. Das Programm sei ein separates Unternehmen, Meilen werden weiterhin gutgeschrieben und zur Einlösung akzeptiert. Einige erinnern sich jetzt an die Insolvenz der Air Berlin und einer ähnliches Situation von Top Bonus.

Avianca beantragt Gläubigerschutz | Frankfurtflyer Kommentar

Die Angst vor der Pleite ist in der jetzigen Krise bei vielen Airlines groß. Es kommt kein frisches Kapital rein und die teilweise hohen Kosten laufen weiter. Avianca hat in der langen Geschichte schon viele Krisen gemeistert und stand zuletzt gut da.

Für die Mitarbeiter ist die Nachricht ein herber Schlag. Aber auch deren Kunden sorgen sich um die Zukunft. Der Flugverkehr ist in Kolumbien besonders wichtig. Das Land ist riesig, manche Gebiete sind durch die Anden und die Urwälder schwer zugänglich. Darüberhinaus ist Bogota für viele Airlines der Star Alliance ein wichtiges Drehkreuz für Südamerika.

 

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1 Kommentar

  1. Es wäre schade um die Fluggesellschaft, es wäre Schade um die Strecke Bogota- München, ist es die schnellste Südamerika Verbindung ab MUC

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