Beeindruckende Business Class im Regionaljet

Foto: Embraer

Das Thema Business Class ist auf Kurzstrecken in Europa ein Stiefkind. Dass es anders geht, zeigen uns zahlreiche Carrier auf der ganzen Welt. Die Märkte sind zugegebenermaßen ziemlich unterschiedlich. In Asien werden auf Kurzstrecken der Netzwerkairlines gerne Großraumjets eingesetzt, da die Routen oft aufkommensstark sind. Außerdem sind Faktoren wie Fracht und Reichweite von Bedeutung. Der Anteil von Mittelstrecken von etwa 3-6 Stunden Flugzeit ist in Nord- und Südamerika, Asien oder Australien zudem wesentlich höher als bei uns. Komfort ist daher ein Thema, welches viele Airlines ernst nehmen.

Der Standard ist hier der reguläre Economy-Sitz in den vorderen Reihen der Kabine. Der Nachbarsitz ist dabei meist blockiert- aber auch da machen manche Airlines Ausnahmen und belassen es bei einem differenzierten Service. Dabei bieten Hersteller von Sitzen und Flugzeugen zahlreiche Konzepte und Lösungen. Selbst auf Regionaljets wie von Embraer und CRJ ist dies möglich, was manche Airlines bereits seit Jahren umsetzen.

Foto: Airlink

Auf den kleinen Maschinen wird von der regulären 2-2 Bestuhlung abgewichen, dort sind breite Sessel in einer 1-2 Konfiguration installiert. Das Beispiel auf dem Bild zeigt den neuen Lufthansa & Swiss Partner Airlink aus Südafrika, unten ist der Sitzplan einer Dash der United-Regionaltochter Express abgebildet. Die großzügige Anordnung ist also selbst auf Torboprop-Flugzeugen möglich.

Foto: Seatguru

Embraer zeigt sich innovativ

Etwas häufiger kommt eine „echte“ Business Class in Flugzeugen von Embraer vor. Der Hersteller zeigt auf der eigenen Page beeinduckende Lösungen für das Interieur. Die Brasilianer stehen gerade mit den ersten Jets der neuen Generation ihrer E-Jets am Start.

Auch wenn sich die späteren Kunden wohl kaum für die abgebildeten Kabinen entscheiden werden, geben diese einen Einblick und zeigen Möglichkeiten auf. Insbesondere die Premiumkabine kann sich mit einem innovativen Konzept sehen lassen. Am auffälligsten ist die versetzte Anordnung, die man nur von Langstreckenjets kennt.

Dies ermöglicht allen Passagieren direkten Zugang zum Gang- auch wenn dies einer gewissen Akrobatik bedarf. Entscheidender ist die großzügige Beinfreiheit, die durch diese Anordnung entsteht. Vorteile gibt es allerdings auch für die Airline, denn die Konfiguration ermöglicht in etwa die gleiche Sitzplatzanzahl wie bisher.

Die Bilder machen einen guten Eindruck, wobei man sich schnell die Frage stellt, ob dies überhaupt eine Airline so umsetzen wird. Viel ist noch nicht über die Pläne der künftigen Betreiber bekannt. Der Jet aus der E2-Baureihe kommt in drei Varianten, die Embraer 175, 190 & 195. Insgesamt gibt es schon fast 300 Bestellungen dieser neuen Generation.

Air Peace hat das Konzept bereits umgesetzt

Die nigerianische Air Peace hat insgesamt 14 Einheiten des großen E195-E2 bestellt und den ersten Jet in der vergangenen Woche in Empfang genommen. Für die Gesellschaft der erste Neukauf, die bisherigen Maschinen kamen gebraucht in die Flotte. Diese besteht aus 26 Flugzeugen, darunter ehemalige Emirates 777. Etwa genauso viele Jets sind auf der Orderliste, neben des E195-E2 sollen noch zehn B737-8MAX eingeflottet werden.

Foto: Embraer

Von Air Peace haben wir zuvor noch nie etwas gehört, allerdings sind wir in dieser Woche über eine interessante Meldung gestolpert. Die Airline hat sich bei der Ausstattung für die neue, versetzte Anordnung der Sitze in der Business Class entschieden.

Foto: Embraer

Das Bild sieht etwas nüchterner als die Embraer-Pressebilder aus und lässt auch kein Inflight-Entertainment erkennen. Die Anordnung ist allerdings ungewöhnlich aber auch interessant und bietet mehr Freiraum. Mit den versetzten Sitzen hat man deutlich mehr Beinfreiheit. Hinzu kommen Stromanschlüsse, Mood-Light sorgt für eine bessere Atmosphäre.

Die Sitze selbst wirken allerdings etwas schmal und dürften identisch mit denen in der Economy Class sein – die große Neuerung ist hier lediglich die Anordnung.

Beeindruckende Business Class im Regionaljet | Frankfurtflyer Kommentar

Die neue E2-Generation wird in Zukunft sicher ziemlich gefragt sein. Ähnlich wie der Airbus 220 bieten die Flugzeuge beinahe eine Kapazität in der Größenordnung eines Airbus 319, sind aber wesentlich sparsamer. Mit einer Reichweite von über 4.000 Kilometern ist der Jet für zahlreiche Airlines sehr interessant.

Es werden sich sicher noch weitere Gesellschaften für eine Business-Bestuhlung im neuen Embraer entscheiden. Die bisherige 1-2 Anordnung hat durchaus Vorteile für die Passagiere, denn die Sitze sind viel breiter. Zudem gibt es beliebte Einzelplätze, die gleichzeitig am Gang und Fenster liegen. Bei der Beinfreiheit punktet die neue versetze Anordnung, diese hat auch für die Betreiber Vorteile, da insgesamt ähnlich viele Sitze verbaut werden können.

Grösster Nachteil ist und bleibt dann die starre Anzahl der festen Business- und Economy Class Sitzen. Mit dem MCD (Movable Class Divider) in Form einer Plexiglasscheibe oder eines Vorhangs passen Airlines wie Lufthansa CityLine die Konfiguration vor jedem Flug der Nachfrage an. Daher ist es eher unwahrscheinlich, daß sich auf unserem Kontinent eine Airline für das neue Business-Produkt entscheiden wird.

 

 

Danke: OMAAT

 

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9 Kommentare

  1. Guter Bericht wie immer! Weiter so, bin treuer Leser!!!

    Aber warum hat man mehr Beinfreiheit durch eine versetzte Anordnung?
    Egal ob nebeneinander oder versetzt, der Abstand ist immer ausschließlich abhängig von der Entfernung des Vordersitzes!

    • SO wie ich das verstehe, ist der Sitzabstand höher, damit der Passagier am Fenster noch raus kann. Das kann man bei dieser Anordnung aber auch sehr einfach verschmerzen, da man ja faktisch vier Passagiere pro Reihe hat, anstelle der üblichen 3 in der Business/ First Class auf den Jets.

      Wenn man hier davon ausgeht, dass 3 Sitze 1 Meter Sitzabstand haben, kann man vier Sitzen sogar je 1,33cm geben und man verbraucht die identische Fläche im Flugzeug.

  2. Meine Warnung vor Turkish Airlines in Business auf 5-7 Stunden Strecken. Die Rückenlehnen der breiten Sitze lassen sich nur 5-7 Zentimeter nach hinten verstellen, genauso wie in der Eco…Fußstützen für Liliputaner….Folter hoch Zehn!!!!!! Für Wucherpreise….

    • Da gibt es verschiedene Mittelstrecken-C-Sitze. Ich glaube, Du meinst diese etwas schalenartigen Teile, die in der Tat m.E. nicht sonderlich bequem sind. Die zwischen Deutschland und Istanbul im Einsatz befindlichen Sessel sind eigentlich recht bequem. Klar, nicht zum Schlafen.

    • Ich habe einmal geschaut, ob ich Bilder finde, leider negativ. Aber ich weiß schon, was Du meinst. Hatten wir einmal zwischen IST und ALA, 5 Stunden. Das war aber keine 787, wie man sie heute im Flugplan findet, sondern ein Narrowbody, Typ weiß ich nicht mehr.

      • Diese Sitze sind schon ganz gut, aber klar- aber 3 oder 4 Stunden wird es unbequem. Schlafen ist kaum möglich- hatte dies mit Copa auf einem 7 stündigen Nachtflug. Das hat sich gezogen, trotzdem etwas angenehmer als in Economy.

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