Bundesregierung verärgert über ausbleibende Ticketerstattungen der Lufthansa

Foto: Lufthansa

Millionen von Kunden hat die Deutsche Lufthansa schon jetzt verprellt, da Ticket-Erstattungen für stornierte Flüge nur sehr zögerlich bis noch gar nicht bearbeitet wurden. Nun hat es sich der deutsche Champion scheinbar auch mit der Politik verscherzt. Laut einem Bericht von spiegel.de ist die Bundesregierung verärgert, dass immer noch zahlreiche Kunden auf Erstattungen für stornierten Flüge warten. Und das, obwohl ein 9 Mrd. Euro starkes Rettungspaket geschnürrt wurde.

Während der Verhandlungen um das staatliche Rettungspaket baute noch die andere Seite eine Drohkulisse auf. Lufthansa-Chef Carsten Spohr fuhr einen scharfen Ton und drohte sogar mit Insolvenz der Lufthansa. Nun wird der Ton seitens der Regierung schärfer. Laut spiegel.de gab es mehrere deftige Mails zwischen dem Wirtschaftsministerium und der Lufthansa. Im Wirtschaftsresort gibt es irritierte Stimmen, wie denn trotz Hilfspaket immer noch offene Anträge für einen Ticketrefund bestehen können.

Lufthansa CEO Carsten Spohr bedauert, dass auf Grund der Verfügbarkeit eines indischen Callcenters zahlreiche Tickets noch nicht erstattet wurden. Foto: Lufthansa

Bundesregierung verärgert über ausbleibende Ticketerstattungen der Lufthansa | Langsame Erstattungen

Der Lufthansa-Chef hatte erst vor Kurzem in einem langen Schreiben eingestanden, dass zahlreiche Ticketrefunds nicht innerhalb der selbst definierten und gesetzlich vorgegebenen Zeitfenster abgewickelt werden können. Einer der wesentlichen Gründe sei, dass einer der entscheidenden Dienstleister wegen Corona nur eingeschränkt einsatzbereit war. Dabei handle es sich um ein Callcenter in Indien.

Spohr gelobt Besserung. Doch laut spiegel.de weist eine Anfrage des Luftfahrtbundesamt vom 3. August 2020 katastrophale Zahlen aus. Von 4,48 Mio. Erstattungsanträgen seien demnach erst 3,24 Mio. bearbeitet worden. 1,24 Mio. Kunden warten demnach immer noch auf ihr Geld. Monate nachdem ihr Flug storniert worden ist.

Bei Eurowings unterdessen ist von rund 378.000 Anträgen erst die Hälfte bearbeitet worden. In Summe stünden im Lufthansa Konzern noch Zahlungen in Höhe von 3 Mrd. Euro aus.

Ganz ohne Folgen bleibt dieses „Versäumnis“ jedoch nicht. Das Luftfahrtbundesamt hat ein Ordnungwidrigkeitsverfahren eingeleitet. Als Strafe drohen eine halbe bis eine Million Euro. Diese ist im Vergleich zum staatlichen Rettungspaket jedoch gering.

Bundesregierung verärgert über ausbleibende Ticketerstattungen der Lufthansa | Frankfurtflyer Kommentar

Könnt Ihr Euch noch an die selbstbewussten Äußerungen erinnern, dass Lufthansa ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen wollte? Plötzlich ist doch keine Zeit mehr da und 22.000 Vollzeitstellen sollen betriebsbedingt gekündigt werden. Hat Lufthansa damit gerechnet, mit dem Geld aus Ticketerstattungen weiter arbeiten zu können, um Arbeitsplätze zu erhalten? Und warum ausgerechnet jetzt die Ankündigung 22.000 Stellen abzubauen, wo der Ton seitens der Regierung rauer wird? Ein Schelm wer böses denkt.

Ich hatte bereits vor einigen Wochen die Forderung aufgestellt, dass Lufthansa das Rettungspaket nur hätte bekommen dürfen, wenn die Rückzahlung von Ticketforderungen fester Bestandteil gewesen wäre. Nun sind auch unsere Politiker aufgewacht. Eine weitere wichtige Forderung war die Vorkasse beim Kauf von Flugtickets abzuschaffen. Auch das wird gerade vielen Kunden zum Verhängnis. Zahlreiche angebotene Flugverbindungen werden kurzfristig wieder abgesagt. Dem Geld für das Ticket dürfen Kunden zum Teil monatelang hinterher rennen.

Und was nutzt Lufthansa CEO Carsten Spohr als Ausrede? Ein indisches Callcenter, welches wegen Corona nicht voll arbeiten konnte. Hallo? In der Corona-Krise hätten sich mit einem Anruf sicher gleich fünfzig Dienstleister finden lassen, die den Auftrag sicher gerne übernommen hätten.

So sieht also ein deutscher Champion aus!

Quelle: spiegel.de

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