Corona-Lockdown? Ab auf die Kanarischen Inseln!

Sechs Wochen Auszeit und das während der Pandemie. Pech gehabt, unglückliches Timing oder Herausforderung? Ich habe mich bemüht das Beste daraus zu machen und so gut und sicher wie möglich zu verreisen. Los ging es Ende Oktober mit knapp zwei Wochen auf Kreta.

Klingt etwas unspektakulär, wenn man ursprünglich eine Fernreise mit Safari, Besuch der Weingüter und einem Abstecher in eines der Nachbarländer von Südafrika geplant hat. Während in Deutschland der Teil-Lockdown begonnen hat, wechselten wir von Griechenland auf die Kanarischen Inseln.

Meine sechs Wochen Auszeit während Corona

Von Kreta nach Teneriffa

Nach knapp zwei Wochen auf Kreta und etwas Kopfzerbrechen über den weiteren Verlauf der verbleibenden vier Wochen Urlaub stand das nächste Ziel fest: die Kanarischen Inseln. Im Gegensatz zum Festland gelten die Inseln nicht (mehr) als Risikogebiet, die Einreise war zu dem Zeitpunkt ohne Einschränkungen und damals sogar noch ohne Test machbar. Eine Online-Registrierung war notwendig, diese generierte einen QR-Code der bei der Ankunft vorgezeigt werden sollte. Zudem bestand die grundsätzliche Pflicht, die spanische App „Radar-Covid“ zu installieren.

Die Frage war aber zunächst: Wie kommt man von Kreta auf die Kanaren? Direktflüge gibt es nicht, ich dachte an einen Zwischenstopp in Mitteleuropa. Google Flights zeigte mir für den gewünschten Tag Verbindungen mit 2x umsteigen und einer Übernachtung auf dem Weg an. Verrückt dachte ich, aber es war Montag, der 2. November und die Direktflüge von Heraklion beschränkten sich auf einige Destinationen in Griechenland und nur zwei ausgebuchten Charterverbindnungen nach Deutschland.

Okay, dann eben nach Athen und von dort dann weiter. Das Angebot vom Aegean-Hub war an diesem Montag morgen ziemlich umfangreich: Frankfurt, München, Düsseldorf, Wien, Zürich, London, Paris, Brüssel, Amsterdam… Doch leider kein Madrid. Von dort gibt es die meisten Verbindungen auf die Kanaren, ein Flug zu einem anderen Airport setzte zudem immer eine dortige Übernachtung voraus.

Vier Flüge an einem Tag

Also noch ein weiteres mal umsteigen, inklusive dem Wechsel der Airline und zwei unterschiedlichen Buchungen. Der schnellste und einzig machbare Weg an diesem Tag war also ein Trip mit Aegean von Heraklion über Athen nach Brüssel und von dort dann mit Iberia via Madrid nach Teneriffa.

Was für ein Ritt! Dann auch nur eine gute Stunde in Brüssel, wo ein Wechsel von Aegean auf Iberia stattfindet. Das war zum Scheitern verurteilt. Beim Check-In für den Aegean Flug von Heraklion nach Athen checkte der Agent die Koffer bis nach Brüssel durch, ich fragte ob es denn möglich wäre diese auf den Weiterflug zu befördern. Zunächst winkte er ab, da Iberia nicht zur Star Alliance gehört.

Aus Erfahrung weiß ich, daß dies kein zwingendes Kriterium für das durchchecken von Gepäck ist. Es müssen nur Abkommen bestehen, im Falle von Unregelmäßigkeiten wie zum Beispiel einer Umbuchung sind solche Sachen schließlich auch machbar. Außerdem war das erste Teilstück ein Olympic-Flug mit OA Flugnummer- und die gehört auch nicht zur Allianz!

Immerhin versuchte der Mitarbeiter es dann doch und zog eine Kollegin zu Rate. Die lieferte einen anderen Grund dafür, daß meiner Bitte nicht nachgekommen werden kann. Sie meinte dass auf den Gepäckanhänger nur maximal drei Flüge aufgedruckt werden können. „Gut, dann wenigstens bis nach Madrid“ meinte ich, sie konterte aber mit „Das geht auch nicht, da es ja von dort kurze Zeit später wieder weiter nach Teneriffa geht“.

Da habe ich aufgegeben und es gut sein lassen. Ab jetzt konnte ich nicht mehr viel Einfluss nehmen, außer zu hoffen dass alles pünktlich läuft. Daher habe ich einfach den Sonnenaufgang am Flughafen Heraklion genossen und mich auf den Weiterflug von Athen nach Brüssel gefreut, den ich auf Business upgraden konnte. Zufälligerweise wurde ein A320neo mit neuer Kabine eingesetzt, ein nettes Erlebnis.

Review: Aegean Airlines Business Class im Airbus A320neo

In Brüssel sind wir gerade so pünktlich angekommen. Meine Hoffnung, dass der Weiterflug mit Iberia etwas verspätet ist, wurde gleich zunichte gemacht- deren Flugzeug parkte bereits direkt neben uns. Doch leider konnten wir nicht einfach zu dem Iberia-Gate weiterziehen, sondern mussten ja die Koffer holen und zum Check-In rasen. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass dort noch jemand anzutreffen ist- es waren nur noch 35 Minuten bis zum Abflug. Die Abfertigung lief aber nur schleppend, neben den Mitarbeitern standen sogar noch etwa zehn weitere Passagiere in der Schlange, die ihr Gepäck aufgeben wollten.

Erleichtert und gelöst ging es dann Richtung Gate, dort hat man noch auf 30 fehlende Passagiere gewartet, die in der überfüllten Sicherheitskontrolle festhingen. Mit etwas Verspätung ging es Richtung Spanien, dort angekommen scannten wir den QR-Code bei der Ankunft und konnten uns etwas in der Lounge von Iberia stärken. Daraufhin folgte schon das letzte Teilstück, mit einem A320neo ging es nun in Richtung Teneriffa. Bei rötlichem Abendhimmel und 26°C verließen wir das Terminalgebäude, geschafft!

Teide statt Tafelberg

Erst in der Lounge am Flughafen Madrid haben wir einen Mietwagen reserviert und ein Hotel für eine Nacht gebucht. Ich wollte mich erst vor Ort in aller Ruhe mit den Plänen für die kommenden Tage beschäftigen. Die Situation war auf Teneriffa im November eher entspannt: Der Inzidenzwert lag unter 50, Masken waren auch in allen Außenbereichen Pflicht, einige Hotels und Geschäfte waren geschlossen. Durch den damals anstehenden Lockdown in UK erwartete die Tourismusbranche einen weiteren Rückgang der Gäste auf der Insel.

Die Verfügbarkeit der verbleibenden Hotels war sehr gut, die Erfahrungen im Meliá und dem Sheraton waren bestens, Highlight war das Ritz Carlton. Häufig musste man für Restaurants oder Fitnessräume vorab reservieren, damit eine gewisse Gästeanzahl nicht überschritten wird. Das Tragen einer Mund- und Nasebedeckung wurde erstaunlich gut eingehalten, ich hatte nie Diskussionen deswegen mitbekommen. Bei sportlichen Aktivitäten im Freien oder an abgelegenen Orten wie auf dem Teide konnte man die Maske abnehmen.

Review: The Ritz Carlton, Abama (Teneriffa)

Am 13. November wurde für Besucher der Inseln ein negativer Covid-Test beim Check-In im Hotel verpflichtend. Einen Tag zuvor wechselten wir mit Binter die Insel und flogen nach Gran Canaria. Die Hotels waren teilweise noch etwas unsicher wie sie diese neue Auflage umsetzen. Einige arbeiteten mit Kliniken zusammen und haben Sonderpreise für den Test angeboten. Wir konnten allerdings noch ohne einen Nachweis einchecken. Touristen, die 15 Tage oder länger auf den Inseln waren, waren von der Testverpflichtung ausgenommen.

Ich hatte den Eindruck dass die Hotels größtenteils damit rechnen, dass die Urlauber bereits mit dem negativen Ergebnis aus ihren Heimatländern anreisen. Ich war neugierig und wollte es dann doch etwas genauer wissen. Auf der Website einer Privatklinik wurden Tests für 40€ angeboten. Das Hotel welches eine Kooperation mit dem Krankenhaus hatte, bot den Test für Gäste zum Sonderpreis von 15€ an. In der Klinik angekommen, wollte man ohne weitere Nachfrage nur 10€. Die Prozedur lief professionell und schnell ab, die Bescheinigung wurde in unter 30 Minuten nach dem Abstrich ausgestellt.

Im Verlauf der weiteren Reise hatten wir beim Check-In von Hotels die unterschiedlichsten Erfahrungen diesbezüglich gemacht. Manche haben auf einen Test bestanden, andere wussten nichts von der 15-Tage-Regel für Besucher, die schon länger auf den Inseln sind. Meistens gaben sich die Hotels mit der Bordkarte des initialen Fluges auf die Kanaren als Nachweis zufrieden, wir mussten einmal aber auch den gesamten Reiseplan belegen.

Inzwischen benötigt man den negativen Corona-Test bereits bei der Einreise am Flughafen. Die Bestimmungen verändern sich also stetig, genauso verhält es sich mit den Zahlen. Diese sind zuletzt wieder angestiegen, man munkelt dass die Kanaren bald wieder auf die Risikoliste des RKI kommen könnten.

Corona-Lockdown? Ab auf die Kanarischen Inseln! | Frankfurtflyer Kommentar

Was zunächst eine langwierige Entscheidung war, war im Nachhinein die richtige! Ich habe die Kanaren in ihrer Vielfalt unterschätzt und war insbesondere von dem angenehmen Wetter positiv überrascht. Die umgesetzten Maßnahmen zum Schutz einer Infektion waren umfangreich. Es wurde wild desinfiziert, Hotels & Gastronomie nutzen Apps zum Reservieren, Informieren und Organisieren, das Tragen einer Maske wird weitestgehend eingehalten.

Für mich war die Reise, die kurz vor dem Teil-Lockdown in Deutschland begonnen hat, ein Glückstreffer. Ich fühlte mich überall sehr willkommen, oft wurde man auf Händen getragen. Viele Bewohner leben hauptsächlich vom Tourismus und freuen sich auf Gäste. Gleichzeitig leiden diese extrem unter der schwierigen Lage.

Besucher können derzeit einige Vorzüge genießen, denn man kann vieles ohne Menschenansammlungen und Wartezeiten wahrnehmen und besichtigen. Ob man einen Urlaub in diesen Zeiten unternimmt, muss natürlich jeder für sich entscheiden. Einige Fluggesellschaften (wie z.B. Lufthansa) und Reiseveranstalter haben das Angebot auf die Kanarischen Inseln hochgefahren.

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11 Kommentare

  1. Dein Beispiel soll nicht als Lehre dienen in der heutigen Zeit ins Ausland zu verreisen. Überall wird den Leuten nahgelegt nicht essentielles Reisen zu unterlassen, um das Verteilen der Infektion zu minimieren.
    Von DE nach GR dann nach BRU über MAD in die Kanaren. Sorry, ich finde du hast mit diesem Bericht keine Lorbeeren verdienst. Das Gegenteil es bestärkt meine Überzeugung zu Hause zu bleiben bis es für ALLE sicherer ist zu verreisen. Wenn die Pandemie trotz baldiger Impfung nicht besser wird, soll die deutsche Behörde strenge Maßnahmen und Strafe für solche nicht essentielle Reisen auferlegen.

  2. Hallo Kai, mich würde interessieren (und das ist wirklich nicht sarkastisch oder böswillig gemeint) ob du glaubst dass jemand der diese Reise so macht potenziell gefährlicher ist als wenn du vom Rewe zur Apotheke und von dort zum Bahnhof jemanden abholen gehst?! Es geht doch darum verantwortungsvoll mit der Situation umzugehen und andere zu schützen. Ich fliege übermorgen nach Kapstadt – und ja ich werde dort genauso achtsam und gewissenhaft sein wie ich das hier bin. Ich bin jetzt nicht plötzlich „gefährlicher“ oder Virenschleuder nur weil ich auf Reisen gehe. Da das Virus sowieso überall ist mittlerweile (also anderes als im März) wäre ich sowieso für einheitliche europäische Regeln. Ich empfinde es als absolut legitim solch eine o.g. Reise unter Einhaltung aller Vorkehrungen durchzuführen.

  3. Hallo Stefan, ich denke schon, dass die beschriebene Reise gefährlicher ist als der Trip vom Rewe zur Apotheke. Diese Dinge sind essentiell, der Urlaub eben nicht. Und selbstverständlich hat man auf Reisen ein Vielfaches der Kontakte, mit Abstand oder ohne. Anreise, Tankstelle, Check-In, Flug, Kofferband, Hotel, Taxi, Einkaufen, Sehenswürdigkeiten, Pool, Meer, Strand, Spazieren, Flanieren, nächster Flug, Essen gehen, wieder ein Flug, Umsteigen, …. Die Kette kann man ewig weiter führen. Dagegen stehen singuläre Kontakte für notwendige Besorgungen und danach keine wenn man konsequent zuhause bleibt.

  4. Hallo Robert, Vielen Dank für den Artikel. Mir gehen diese ganzen „eindringlichen Appelle“ der hysterischen Politiker wirklich auf den Nerv. Echte Luftfahrtfans unterstützen jetzt die Airlines, Flughäfen und Hotels und damit deren Mitarbeiter und fliegen dorthin, wo es möglich ist. Zum Glück sind diese heulerischen Appelle nicht verbindlich. Und jeder sollte sich immmer überlegen, ob eine Krankheit, für die man einen aufwendigen Labortest braucht, um zu wissen, dass man sie hat, wirklich so gefährlich ist, wie uns die Politiker das glauben lassen…

  5. Ich bin da ganz bei Kai. Solch ein Bericht zur aktuellen Zeit ist unangebracht. Gerade mit der Überschrift, welche quasi von einer tollen Idee berichtet und gleichzeitig die News an heutigen Tag, dass Teneriffa wieder geschlossen wird.

    Klar profitieren Airlines, Hotels usw. Aktuell finanziell von jedem Reisenden. Aber gleichzeitig sterben Leute, weshalb solche Reisen mMn nicht sein sollten und in solchen Seiten nicht auch noch als positiv gefördert werden sollten.

    Die Diskussion nach einigen Kommentaren zeigt ja schon, dass man ohnehin nicht auf einen Nenner kommt und man andere Meinungen in der Thematik vermutlich ohnehin nicht ändern kann.

    Daher hätte ich mir als Reiseportal/Berichtsseite ein wenig mehr Sensibilität in der aktuellen Zeit gewünscht. Hiermit ist sicherlich niemanden geholfen.

  6. Vielleicht solltet Ihr wirklich zu diesem Bericht die Kommentarfuntion ausnahmsweise blockieren. Hier besteht die Gefahr, daß der tolle Bericht von Robert völlig in den Hintergrund gerät. Ich habe nach der letzten Ankündigung schon über das Routing gerätselt und hatte schon die Vermutung, daß Brüssel mit im Spiel sein würde. Allerdings ohne Iberia.

  7. @Christoph: Mich würde einmal interessieren, ob Geld auf deinen privaten Reisen überhaupt keine Rolle spielt? Du scheinst die vier Tickets an dieser Stelle ja sehr kurzfristig und dann gleich für deine ganze Familie gebucht zu haben. Weichst du überhaupt auch mal auf LCCs aus, wo es keine Meilen gibt, oder versuchst du diese, koste es , was es wolle, zu umgehen?
    Auch ich war im Oktober noch auf Teneriffa und Gran Canaria, jeweils mit Direktflügen aus Deutschland, wobei LCCs die besten Flugzeiten wie auch Preise boten.
    Über eine Rückmeldung würde ich mich sehr freuen!

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