Emirates CEO: „Andere Airlines benutzen den Airbus A380 einfach falsch!“

Emirates ist „DIE Airbus A380 Airline“. Mit über 110 Maschinen des Super Jumbos in der Flotte betreibt man nicht nur die meisten Airbus A380, sondern Emirates ist auch für fast die Hälfte aller Airbus A380 Bestellungen verantwortlich. Anders als viele andere Airlines, wie zum Beispiel Lufthansa, Qatar Airways oder Air France, welche den Airbus A380 eigentlich lieber früher als später loswerden wollen, ist Emirates von den Flugzeugen mehr als begeistert und man wird auch nicht müde dies zu betonen.

Nun hat der Emirates CEO Tim Clark der Webseite „Airline Ratings“ ein sehr interessantes Interview gegeben, in welchem er mit der Art und Weise, in welcher viele Airlines den Airbus A380 einsetzen, sehr hart ins Gericht geht. Er sagt, dass viele andere Airlines den Airbus A380 einfach falsch einsetzen und dass er so nicht erfolgreich sein kann! Besonders Air France, welche den Airbus A380 in den kommenden Jahren komplett aus der Flotte entfernen will, bekommt eine sehr schlechte Bewertung von Tim Clark.

Air France hat den Airbus A380 auch schon bei der Einführung eine veraltete [..] Wir bei Emirates haben viel in das Airbus A380 Produkt investiert, mit riesigen Monitoren, Dusche und der Bar an Bord, um öffentliches Interesse an dem Flugzeug zu erzeugen. Wir haben uns das gut überlegt und sind dieses finanzielle Risiko eingegangen. Air France hat einfach eine First Class aus den 80er, eine Business Class aus den 1990er Jahren und ein Entertainment System aus der Steinzeit verbaut.

Was Tim Clark hier über die Innenausstattung des Flugzeuges von Air France sagt ist absolut richtig, denn anders als bei vielen Airlines, bei welchen die Passagiere explizit nach dem Airbus A380 suchen und dieses Flugzeug fliegen wollen, vermeiden Vielflieger von Air France nach einer eigenen Studie das Flugzeug. Gerade wegen der sehr veralteten Kabinenausstattung ist dies auch nicht sonderlich überraschend, immerhin setzt Air France in der Airbus A380 Business Class immer noch Rutschen ein.

Air France will diese wirklich veralteten Sitze in dem Flugzeugen auch nicht mehr modernisieren, sondern alle zehn Airbus A380 an Airbus zurückgeben. Dies soll bis 2024 passieren und ein Umbau der Kabine ist mit 30-40 Millionen Euro pro Flugzeug einfach nicht mehr rentabel für Air France.

Allerdings hat Tim Clark ohne Zweifel Recht, denn Air France hatte tatsächlich schon bei der Einführung des Airbus A380 keinen einzigen WOW Faktor für dieses Flugzeug, welchen man für Marketing und die Öffentlichkeitswahrnehmung nutzen konnte, außer das Flugzeug selbst.

Selbiges kann man übrigens auch auf Lufthansa übertragen, welche ebenfalls auf Dinge wie Duschen oder eine Bar in den Airbus A380 verzichtet hat. Zwar hat man mit den tollen First Class Badezimmern hier wenigstens Etwas und man hat die Airbus A380 auch auf die „neue“ Business Class umgebaut, allerdings gibt es keinen wirklichen WOW Faktor an Bord der Lufthansa Airbus A380.

Die Airbus A380 Flotten sind einfach zu klein!

Ein weiteres Problem und Grund für das Scheitern des Airbus A380 Programms, sieht Tim Clark in den viel zu kleinen Flotten von Airbus A380. Manche Airlines betreiben nur 6-10 Airbus A380 und mehr als zehn ist sogar eher die Ausnahme.

Der Airbus A380 hat nie in die Flotte von Air France gepasst! Man hat nie genug Flugzeuge angeschafft, dass sich das lohnen kann. Wenn man nur zehn Maschinen in der Flotte als Airbus A380 Subflotte hat, ist das ein riesiger Alptraum! Die Betriebskosten gehen einfach durch die Decke.

Airlines haben sich nie getraut, mehr Airbus A380 zu bestellen und damit die Flottengröße so weit hoch zu treiben, dass sich das Flugzeug lohnt und man die Vorteile nutzen kann. British Airways sollte genau so viele Airbus A380 haben wie Emirates, aber man hat nie mehr bestellt und das, obwohl man in London Heathrow 62 Millionen Passagiere pro Jahr hat und es keine Slots mehr gibt.

Tim Clark hat sicher Recht damit, dass die meist sehr kleinen Teilflotten von Airbus A380 ein sehr großes Problem für die meisten Airbus A380 Betreiber sind. Man hat für die wenigen Flugzeuge sehr hohe Fixkosten und auch der Betrieb ist mit wenigen Flugzeugen auf einigen Strecken nicht gerade einfach. Mit über 100 Airbus A380 in der Flotte ist Emirates hier absolut im Vorteil und hat sicher deutlich niedrigere Stückkosten, als Airlines wie Lufthansa und Air France bei ihren Airbus A380.

Auch wenn Tim Clark im Recht ist, dass British Airways und auch Lufthansa absolut genügend Passagiere haben um mit deutlich mehr Airbus A380 zu fliegen, lässt er hier einen Punkt absolut außer Acht. Wenn British Airways oder Lufthansa wirklich 30, 50 oder gar 80 Airbus A380 bestellt hätten (wobei im Falle von British Airways wohl eher 50 und im Falle von Lufthansa 30 Maschinen realistisch wären), hätte dies ein enormes Investment bedeutet.

Der Airbus A380 selbst ist war ein extrem teures Flugzeug und man musste an Flughäfen eine Reihe von Umbauten vornehmen. Rollwege mussten verstärkt und neue Terminals gebaut werden, aber auch neue Wartungshallen waren nötig.

Emirates befand sich hier in einer unglaublich angenehmen Situation, in welcher das Emirat Dubai als Eigentümer fast unbeschränkte Mittel in die Airline gepumpt hat. Nicht nur, dass man Emirates regelrechte Airbus A380 Terminals gebaut hat, auch hat die Airline für die Beschaffung der Airbus A380 enorme Finanzmittel zur Verfügung gestellt bekommen.

Gerade dieses hohe finanzielle Risiko, welches auch Airlines wie Lufthansa und British Airways bei einem Misserfolg sehr in die Bredouille gebracht hätten, war wohl der Grund, weshalb man nicht mehr Exemplare vom Airbus A380 bestellt hat. Mit kleineren Langstreckenflugzeugen ist man flexibler und das Risiko ist geringer.

Emirates CEO: „Andere Airlines benutzen den Airbus A380 einfach falsch!“ | Frankfurtflyer Kommentar

Emirates ist mit dem Airbus A380 extrem erfolgreich und man hätte sogar gerne noch mehr Maschinen bestellt. Die Airline hat immer gehofft, dass sich doch noch eine weitere Airline findet, welche große Mengen des Airbus A380 benötigt und man hat das Airbus A380 Programm quasi im Alleingang am Leben gehalten.

Letztendlich hätte der Airbus A380 jedoch modernisiert werden müssen und zum Beispiel mit neuen Triebwerken ausgestattet werden müssen. Emirates hat auch immer betont, dass man einen Airbus A380neo oder auch den eigentlich einmal geplanten Airbus A380-900 für bis zu 1.000 Passagiere sehr gerne bestellen würde, sollten diese Versionen denn gebaut werden.

Emirates hat sehr eindrucksvoll gezeigt, wie man den Airbus A380 einsetzen muss, damit das Flugzeug wirklich wirtschaftlich und erfolgreich ist. Keine andere Airline ist diesem Beispiel gefolgt, was sicher auch an dem enormen finanziellen Risiko gelegen hat, welches man hätte eingehen müssen.

Vermutlich war der Airbus A380 sogar einfach zu früh auf dem Markt, denn gerade bei immer mehr ansteigenden Passagierzahlen und immer weniger verfügbaren Slots an Flughäfen und überfüllten Lufträumen ist der einzige Weg zum Wachstum ab einem bestimmten Punkt ein größeres Flugzeug.

Danke: OMAAT!

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10 Kommentare

  1. Sehr interessantes Statement vom Emirates CEO. Blenden wir mal aus, dass es für eine Europ. Airline ohne staatliche Pbernahmegarantien schwierig ist eine größere Bestellung auszuführen, so hat er sicherlich recht, dass der Erfolg eines Flugzeuges innerhalb einer Airline auch, davon abhängig ist, dass Passagiere sich speziell dieses Muster wünschen. Air France betreffend, muss ich zugeben, nie mit einem 380er geflogen zu sein. ABER die Business der 777 war im Vergleich zu KLM, Cathay, Korean so erbärmlich, dass ich das gerne glaube. Selbst in der Eco der Singapore Airlines 380 stellt sich ein gewisser a-ha Effekt im Oberdeck ein. Und wenn auch die LH keine Bar in der 380 hat und „nur“ das gleiche Standartprodukt verbaut wie in 340-600 und 747, so muss man der 380 ein gewisses Mercedes Gefühl anheften. Leise, entspannt, komfortabel, sanft…. So sanft und leise, kann kein anderer 2-4 Strahler….. Selbst nie mit Emirates geflogen, hoffe ich dass sie ihre A380 bis zum Sankt Nimmerleinstag nutzen. Denn irgend wann in naher Zukunft schaffen sie sich ein Alleinstellungsmerkmal, dass Menschen wie mich bewegen wird, den Umweg über Dubai als Zweck anzusehen, um mal wieder 380 auf dem Weg nach Asien unterwegs zu sein……..

    • Der A350 ist noch leiser und hat ein ebenbuertiges, ruhiges Flugverhalten und dazu noch einen besseren Kabinendruck und angenehmere Luftfeuchtigkeit. Meiner Meinung nach ist er schon fast zu leise, da die Triebwerke nicht mehr die Gespraeche der Mitreisenden uebertoenen.

    • Dietmar Grün: das unterschreibe ich exakt so! Insbesondere die letzten beiden Sätze Ihres Kommentars. Ich liebe dieses Flugzeug und finde es jammerschade, dass dessen (Produktions)Ende inzwischen besiegelt ist.

    • Der Heimatflughafen von Emirates in Dubai ist natürlich auch ideal. Die halbe Strecke nach Fernost und zum billigen Auftanken bestens geeignet. Dubai liegt auch günstig für Weiterflüge nach Afrika und Australien. Daher hat Dubai den Jackpot gezogen.

  2. Hatte auch noch nie die Ehre, mit einer A380 zu fliegen. Selbstverständlich wäre ich neugierig. 🙂
    Aber einmal anders herum, was ist eigentlich die Faszinaton von Emirates? Emirates hat sicher einmal die Welt Richtung Asien neu aufgerollt, aber das ist dann auch schon wieder eine Weile her. Sucht man nach Verbindungen aus D in die von Emirates bedienten Richtungen, landet man eigentlich nie bei Emirates selbst. Emirates ist wirklich teuer. Als Qatar die neue Verbindung nach Auckland aufgenommen hatte, trafen wir in Neuseeland einen Reisenden, der mit Emirates in Y für 1300 € nach Neuseeland gekommen war. Mit Qatar waren es in C 1650 € …. Gut, gut, das war jetzt kein alltäglicher Preis.
    Einverstanden, die lokale Sicht auf Deutschland ist ganz bestimmt nicht die einzig mögliche. Aber wovon lebt Emirates angesichts der starken Konkurrenz? Von den Gastarbeitern in den arabischen Ländern?

    • Das Zauberwort sind individuelle Rabatt-Abkommen mit Grosskunden.
      Emirates ist mittlerweile am Markt etabliert und bietet ein attraktives Streckennetz. Damit gewinnt man Firmenkunden und hat gegenueber Etihad & Qatar im Business-Bereich die Nase vorn.

    • Die Emirates Flugzeuge sind ab Deutschland oft recht gut gebucht. Inzwischen ist Emirates so beliebt, dass es eine Reihe von Passagieren gibt, die gerne ein paar Euro extra bezahlen um EK zu fliegen und teilweise verstehe ich es auch, denn ein Flug mit Emirates macht besonders im A380 wirklich Spaß.
      Ich habe auch das Gefühl, das Reiseveranstalter die Emirates Flugzeuge füllen, denn die Anzahl an Urlaubern auf diesen Flügen ist meiner Erfahrung nach überproportional.

    • Wer einmal mit Emirates geflogen ist, weiß wie viel besser Service, Sitze und vor allem auch Entertainment sind. Wer mit ihnen Business oder First geflogen ist, sagt nicht mehr, es sei alles nur Blingbling und alles unnötig, sondern fühlt sich als vielzahlender Gast endlich mal wertgeschätzt. Seit meinem ersten Versuch mit Qatar und Emirates ist das jedenfalls mein Resultat und ich bin froh, dass ich nicht mehr oft die anderen A380-Betreiber wählen muss. Auch Emirates hat übrigens immer wieder sehr günstige Angebote. Die 1600 in C nach Neuseeland waren eine sehr seltene Aktion von Qatar – wobei ich diese Airline ebenfalls sehr liebe, da allerdings sogar die alten Sitze der B777, wenn auch ohne Bar.
      Im übrigens kenne ich mehrere Leute, die in Dubai für Emirates arbeiten, nicht nur Piloten, sondern vor allem auch Flugbegleiter sowie Boden-Personal – niemand von ihnen ist geduldeter Gastarbeiter, sondern sie sind gut bezahlt! Die Jobs werden als Chance begriffen. Emirates hält weltweit mehrmals jährlich Job Assessments dafür ab. Die besten werden engagiert und geschult. Das Arbeitsrecht außerhalb der EU ist was die Freizeiten betrifft natürlich weltweit weniger günstig – aber ausgebeutet wird bei Emirates niemand! Es ist ein entwickeltes Land, auch mittlerweile was das Sozialrecht angeht. Viel hat auch da getan. Ich verstehe nicht, warum sich dieses Argument hält.
      Aber es ging ja um den Airbus A380 – und ich war darin mit LH, AF, BA, QATAR und EMIRATES unterwegs. Und ja, Air France war keiner nicht schön, LH ist eine riesige Sardinendose in economy im A380. Emirates darauf hat sehr guten Sitzabstand (und ist deutlich billiger als LH) und die Business Class bei Emirates und QATAR ist so extrem weit über LH, AF oder BA, dass man gar nicht darüber reden muss. First sowieso, ganz anderes Niveau! Außerdem: Blingbling finde ich mehr als okay, denn der Preis ist schließlich auch Blingbling. Graues Einerlei will man doch nicht sehen, wem man 1500-2500 Euro für Business ausgibt. Wie gesagt, jeder der damit geflogen ist und den Vergleich hat, wird es mit Sicherheit bestätigen.

      • Emirates uebertreibt aber schon was den Blingbling-Faktor angeht. Insbesondere die Business-Class mit dem Fake-Holz ist meiner Meinung nach grauenvoll. Einzig die neue 777W First finde ich auch optisch sehr ansprechend.
        Etihad und Qatar waren dagegen von Anfang an gut designt.

  3. Innenausstattung ist ja immer eine pers. Geschmacksache. Ich mag das Lufthansa grau-blau mit dem dezenten Gelb genauso wie das blau-weiß der KLM. Kann mich aber auch mit dem Holz und Braun bei Alitalia (777) anfreunden……

    Letztendlich ist da aber 2. Ranzig. Platz und Comfort find ich da schon wichtiger. Und das die großen Asiaten SQ; CX; China Southern und gemäß Christians Aussage die Araber da mehr können, als die Europäer LH, AF, etc. ist unbestritten…….

    Doch was mich am meisten verwundert ist ein Bericht, den ich nach meinem 1. Post gesehen habe, das nun Emirates dem 380 den Rücken schneller zudreht, als vom CEO oben behauptet. Man plant mit 350 und Dreamliner, da auch EK auf der Langstrecke, damit die besseren Stückgutkosten erzielt

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