Ende des Jumbo | Totgesagte leben länger

Nach gewaltigen Umsatzeinbrüchen und einem Milliardenverlust musste der US-Flugzeugbauer Boeing auf die Bremse treten. Als Resultat davon wurde Mitte 2020 das Produktionsende der Boeing 747 bekanntgegeben. Die Montage des letzten Jumbo-Jets ist für 2022 angekündigt.

Ende des Jumbo: Boeing stellt die Produktion der Boeing 747 ein

In dieser Woche wurde jetzt allerdings noch eine überraschende Bestellung bei Boeing platziert. Die Charter- und Frachtgesellschaft Atlas Air hat weiteren Bedarf. Im Gegensatz zum Passagierfluggeschäft gibt es bei Cargo-Anbietern derzeit eine hohe Nachfrage.

Atlas hat daher noch vier weitere Frachter der neuesten Version geordert. Die Gesellschaft ist der weltweit größte Betreiber des Jumbos und verfügt auch schon über einige B747-8F in der Flotte. Hinzu kommen zahlreiche Exemplare des Vorgängermodells B747-400F. Die Airline betreibt eine reine Boeing Flotte. Neben dem Jumbo wird auch mit den Modellen B737, B767 und B777 gearbeitet. Teilweise sind die Atlas-Maschinen für andere Gesellschaften im Einsatz.

Der neue Auftrag hat einen Wert von etwa 1,4 Milliarden Euro, wobei es sich bei dieser Angabe um den Listenpreis handelt. Rabatte sind üblich, insbesondere bei dem Boeing Großkunden Atlas. Die Auslieferung ist für 2022 vorgesehen, damit endet die Produktion des Jumbos.

Ist dies wirklich das Ende?

Als Ende Juli 2020 das Ende der 747-Produktion verkündet wurde, gab es daran kaum Zweifel. Über 50 Jahre nach dem Erstflug war die Zeit des markanten Flugzeugs vorbei. Die letzte Version des Jets hat sich als Ladenhüter entpuppt, seit 2017 wurde keine Passagierversion mehr ausgeliefert. Die letzten Exemplare gingen an Korean Air, die US-Luftwaffe und einen ungenannten Kunden. Seitdem liegen keine weiteren Bestellungen von Passagier-Airlines vor.

Größter Betreiber der 747-8 ist die Lufthansa mit 19 Maschinen. Von zunächst 20 bestellten Exemplaren wurde ein Flugzeug abbestellt und ist als Testflugzeug bei Boeing verblieben. Einige der LH-Jumbos sind aktuell noch ab Frankfurt im Einsatz, die meisten sind jedoch u.a. aufgrund der zu hohen Sitzplatzkapazität geparkt. In der mittleren Zukunft will der Kranich aber an der 747 festhalten.

Bei der Frachtversion der 747-8 sieht es etwas besser aus. Insgesamt wurden mehr als doppelt so viele Maschinen bestellt bzw. bereits ausgeliefert. Doch selbst mit der jetzt getätigten Bestellung von Atlas handelt es sich dann um lediglich 110 Cargo-Flugzeuge der 747-8F. Kein wirklich berauschender Erfolg.

Dennoch könnte das boomende Cargo-Business auch andere Betreiber nochmal zum Nachdenken bewegen. Cargolux und UPS gehören beispielsweise zu den weiteren B747-8F Betreibern und verzeichnen derzeit eine erhöhte Nachfrage bei der Fracht.

Ende des Jumbo | Frankfurtflyer Kommentar

Totgesagte leben länger. Eine gute Nachricht, denn die meisten Fans und Freunde der Luftfahrt hängen an der Königin der Lüfte. Auch wenn es sich bei der überraschenden Neubestellung „nur“ um die Frachtversion handelt, der Jumbo wird uns trotz besiegeltem Ende dessen Produktion noch einige Jahre erhalten bleiben. Die ältesten 747 waren bei Lufthansa knapp 30 Jahre im Einsatz, dies lässt Grund zur Hoffnung.

Mit einer Bestellung der Passagierversion rechnete schon lange keiner mehr. Größe und Betriebskosten sind nicht mehr up to date, bestes Beispiel ist der Airbus A380. Nachfolgemodelle wie der kleinere Dreamliner oder der Airbus A350 stecken die Giganten in Sachen Performance in die Tasche. Im Frachtgeschäft sieht es etwas anders aus wie die Atlas-Order nun zeigt. Dennoch haben auch dort die Zweistrahler die Nase vorn.

 

Danke: Aero.de

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