Erste Eindrücke aus der Etihad First Class | Wird hier auch schon gespart?

Etihad Airways durchläuft gerade eine sehr schwere Phase und nach Milliardenverlusten in den letzen Jahren hat sich die Airline ein striktes Sparprogramm verordnet. Immer öfter gab es Berichte von Passagieren, welche sich über den nachlassenden Service bei Etihad Airways beschwert haben, welche einst eine der besten Airlines der Welt war. Auch vor Sparmaßnahmen in den Premiumklassen hat man offensichtlich nicht Halt gemacht.

All diese Sparmaßnahmen haben sich bei Etihad durchaus gerächt, denn vor wenigen Monaten wurde die Airline von einer 5 Sterne Airline zu einer 4 Sterne Airline abgewertet, was äußerst ungewöhnlich ist. Ich habe mich auf meinem Rückflug von Singapur nach Deutschland spezifisch für die Etihad Airways First Class entschieden, da ich sehen wollte ob man auch in der First Class etwas von den Sparmaßnahmen merkt. Eigentlich sollte dies nicht der Fall sein, denn immerhin hat die Etihad First Class noch den 5. Stern, anders als der Rest der Airline.

Ich möchte in diesem Beitrag schon einmal meine ersten Eindrücke und Gedanken von meinem Flug in der Etihad First Class in der Boeing 777-300er von Singapur nach Abu Dhabi mit Euch teilen, bevor ich die eigentliche Review veröffentliche. Anders als mein zweiter Flug in den Etihad First Class Apartments im A380, über welchen ich in einem zweiten Beitrag berichten werde, hat mich mein Flug in der „normalen“ Etihad First Class nur mäßig beeindruckt. Dennoch halte ich einen Flug in der Etihad First Class von Asien nach Europa für eine durchaus gute Option um Meilen einzusetzen, nicht zuletzt da hier Prämienflüge sehr gut verfügbar sind.

Erste Eindrücke aus der Etihad First Class | Bodenservice in Singapur ist quasi nicht vorhanden

Ich habe für meinen Flug am Check-In Schalter in Singapur eingecheckt, da der online Check-In nicht funktioniert hat. Dies lag wohl daran, dass ich mit American Airlines Meilen gebucht hatte und Etihad den Buchungscode nicht erkannt hat. Der Check-In selbst war absolut problemlos, wenn man davon absieht, dass man erst einmal prüfen wollte ob ich mit einem deutschen Pass ein Visum für eine Reise nach Deutschland benötige. Dieser Fehler ist der Dame aber auch schnell aufgegangen und mir wurde meine Bordkarte und eine Lounge Einladung überreicht.

Eine Begleitung zur Lounge oder von der Lounge zum Flugzeug gab es in Singapur nicht. Grundsätzlich fand ich dies allerdings auch nicht weiter tragisch, einen schlechten Witz fand ich allerdings die Lounge, welche Etihad Airways in Singpur nutzt.

Die SATA Lounge im Terminal 2 ist eine Priority Pass Lounge (zugegebenermaßen eine der besseren), allerdings fand ich es mehr als amüsant, dass mir gesagt wurde, dass Etihad bei First Class Passagieren leider seit etwa einem Jahr nicht mehr für den deutlich ruhigeren VIP Room in der Lounge bezahlt. So musste ich mit der doch sehr gut gefüllten Business Lounge Vorlieb nehmen.

Nachdem ich sowieso nur 15 Minuten in der Lounge war, war dies tatsächlich keine große Sache, allerdings fand ich es mit einem First Class Ticket von Etihad doch fragwürdig, dass mir hier das „Upgrade in den VIP Room“ zum Kauf in der Lounge angeboten wurde.

Übrigens ist dieser VIP Room so „exklusiv“, dass United Airlines ihn für die Business Class Passagiere nutzt. Nun ja dies kann man nun interpretieren wie man will. Etihad scheint hier also am Boden auch an den First Class Passagieren zu sparen.

Erste Eindrücke aus der Etihad First Class | Überraschend enge Suiten für eine Boeing 777-300er

Der First Class Sitz von Etihad in der Boeing 777-300er hat mich sehr schnell an den Swiss First Class Sitz im Airbus A330-300 erinnert. Nach ein wenig Recherche habe ich auch gelernt, dass es sogar der identische Sitz-Typ ist, Etihad verbaut nur eine Version mit Türen, die aus dem Sitz eine Suite machen.

Recht überrascht hat mich dagegen aber, dass der Sitz für eine Boeing 777-300 verhältnismäßig schmal war. Hierbei könnte man den Sitze wohl bei identischer Sitzbreite auch in einem Airbus A330 verbauen. Man hatte hierbei natürlich noch immer enorm viel Platz, allerdings ist mir der verschenkte Raum neben dem Sitz aufgefallen.

Eine Sache, welche mich an dem Sitz ein wenig gestört hat war, dass er mit Leder bezogen war und entsprechend nicht geatmet hat. Auch wenn der Ledersessel sehr hochwertig aussieht, bevorzuge ich ohne Frage einen Sessel, der mit Stoff bezogen wurde, wie es in den meisten First Class Kabinen der Fall ist.

Das Bett in der Etihad Airways First Class in der Boeing 777-300er war allerdings sehr gut und kommt mit einer vernünftigen Matratzenauflage und einer großen Bettdecke, sowie einem echten großen Kopfkissen daher.

Das Suitekonzept in der Etihad First Class in der Boeing 777-300er hat mich ein wenig verwirrt, denn alle Suiten ließen sich zwar komplett verschließen, allerdings waren sie nicht komplett privat. So konnte die Flugbegleiterin ohne Probleme über die Türen in meine Suite schauen, was man auch regelmäßig gemacht hat.

Noch ein wenig ungünstiger sind hier die Mittelsuiten, welche sich zwar durch eine Trennwand voneinander abschirmen lassen, aber diese war so niedrig, dass man hier im Sitzen den Nebenmann sehen konnte. Wenn hier zwei Personen miteinander reisen die sich nicht kennen, ist das nicht unbedingt ideal.

Das ist natürlich Meckern auf hohem Niveau, allerdings bezahlt man in der First Class auch einiges genau für seine persönliche Privatsphäre und hier gibt es einfach Airlines, die inzwischen mehr bieten. Man muss aber auch ehrlich sagen, dass die First Class in der Boeing 777-300 von Etihad auch die älteste Generation der Airline ist.

Erste Eindrücke aus der Etihad First Class | Durchschnittliches Catering ab Singapur

Man muss natürlich immer sagen, dass man als Airline bei einer Außenstation nur bedingt Einfluss auf das Catering hat, da man hier nur ein sehr kleiner Kunde ist, allerdings war ich trotz Koch an Bord nur mäßig begeistert von den angebotenen Speisen. Das es wesentlich besser geht habe ich dann auf dem Flug nach London gemerkt.

Bei Etihad kann man in der First Class aus einer Speisekarte frei wählen und ein Koch bereitet das Essen wann immer man möchte zu. Wirklich Begeisterung kam bei mir leider nicht auf, so hat mir die Vorspeise z.B. nicht geschmeckt, da sie ziemlich geschmacksneutral war. Der Koch hat mir daher direkt noch das arabische Mezze angeboten, was kein Vergleich zu dem war, das Emirates in der First Class auch ab Asien serviert.

Wirklich enttäuscht hat mich dann aber der Hauptgang, denn mein Rinderfilet war durch und tot gebraten und das, obwohl mich der Koch noch bei der Bestellung befragt hat, wie er es denn zubereiten soll. Wie viel Schuld der Koche selbst an diesem übergarten Stück Fleisch allerdings hatte, ist natürlich schwer zu beurteilen, denn er hat es im Flugzeug mehr oder weniger nur aufgewärmt.

Alles in allem hatte ich mir vom Essen mehr erwartet, wobei das Catering ab Außenstationen immer so eine Sache ist. Auch bei Lufthansa oder Swiss hatte ich in der First Class ab Singapur schon sehr fragwürdige Kreationen, welche in Einzelfällen auch deutlich schlechter waren als das, was Etihad serviert hat.

Wirklich schlecht war nämlich nichts an dem Essen, es war allerdings auch nicht das Highlight, welches ich mir erhofft habe. Ob dies nun daran liegt ob man in Singapur einfach keine bessere Qualität geliefert bekommen hat oder ob Etihad hier zu sehr spart, kann ich nicht sagen. An der Getränkekarte hat man offensichtlich gespart, denn gerade bei den Spirituosen und den Weinen hat man zwar eine gute aber alles andere als exklusive Auswahl getroffen.

Meine Befürchtung, dass es auf diesem Flug keine Amenities geben könnte, immerhin war es ein nur sechs Stunden langer Abendflug, hat sich allerdings nicht bestätigt. Es gab sowohl ein Amenity Kit, als auch Pyjamas ohne Nachfrage. Dass man mir alles aber einfach kommentarlos auf den Ottomanen gelegt hat, will ich einfach einmal umkommentiert lassen.

Alles in allem war die Crew freundlich und effizient, allerdings hat man sich auch nicht gerade überschlagen und wirkte eher etwas unmotiviert, als wolle man Dienst nach Vorschrift machen. Ob dies nun ein Einzelfall war und die Crew von dem kurzen Aufenthalt in Singapur einfach noch zu müde war, ist natürlich auch schwer zu beurteilen. Es geht allerdings besser und Etihad kann es auch besser, wie ich einige Stunden später feststellen durfte.

Erste Eindrücke aus der Etihad First Class | Frankfurtflyer Kommentar

Was ich hier schreibe hört sich sicher schnell nach Jammern auf hohem Niveau an, allerdings handelt es sich auch um eine First Class, die im Listenpreis über 10.000 Euro für den Hin- und Rückflug ab Europa kosten soll. Ich würde diese Summen nie bezahlen, hätte ich es allerdings gemacht, dann wäre ich von diesem Flug doch etwas enttäuscht.

Etihad möchte in der First Class gerne als „over the top“ wahrgenommen werden, allerdings hat man dies auf diesem Flug nicht abgeliefert, weder mit dem Service an Bord, noch mit dem Sitz selbst und schon gar nicht mit dem Angebot am Boden.

Wirklich schlecht fand ich den Flug allerdings auch nicht. Jedoch hat er meine Sorge, dass Etihad auch in der First Class mehr und mehr zum Mittelmaß wird, mehr als bestätigt. Lustigerweise hat der nächste Flug im Airbus A380 dies widerlegt und vielleicht braucht es doch mehr als nur diese zwei Flüge um sich ein abschließendes Urteil zu bilden.

 

Das könnte Euch auch interessieren

4 Kommentare

  1. Hallo Christoph, mein Tip für Flug: kein Rindfleisch oder Lammfleisch !!
    Da die beiden Fleisch speziell im Flug ist selten zart, weil es ist
    wirklich schwer perfekt zu braten, z.B. in Catering braten sie richtig
    medium und dann wird es gefroren. Anschließend wird im Flugzeug noch
    mit Mikrowellen noch zubereitet, dann ist es entweder trocken oder nicht
    medium. Mit Fisch, Geflügel, Gemüse usw. dürften keine Problem sein.
    Bei Schweinefleisch würde ich abraten…es ist immer fifty zu fifty.
    Das ist meine Erfahrungen…viele Grüße MD

    • EY hat(te??) im A380 einen Koch dabei, der macht(e??) das wirklich frisch.
      Hatte das mit Abstand beste Rindsfilet (airborne) bei EY im A380 auf AUH-SYD.
      Ich verzichte dagegen auf Fisch, da der bei zwei Versuchen sowohl bei LH als auch LX in F enttäuschend daher kam.

  2. Dass das Fleisch mal nicht innen komplett rot ist, finde ich als positiv. Ich finde es dagegen nicht ok, wenn davon ausgegangen wird, dass jeder Passagier noch ein halb lebendiges Stück Fleisch essen will. Es darf nicht zäh oder verbrannt sein, aber schon durch.
    Ansonsten sieht das wirklich eher durchschnittlich aus. Muss ich jetzt nicht unbedingt haben. Und die Lounges in Singapur für nicht *A Flüge sind anscheinend alle gleich furchtbar.

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*