Etihad muss brandneue Airbus A350-1000 einlagern

Etihad Airways verkörperte einmal den Luftfahrtboom in den Vereinigten Arabischen Emiraten und ist in einem rasanten Tempo gewachsen. Zu dieser Wachstumsstrategie gehörten auch riesige Flugzeugbestellungen, allerdings sieht die wirtschaftliche Lage bei Etihad inzwischen alles andere als rosig aus und nun muss Etihad sogar brandneue Airbus A350-1000 einlagern, direkt nachdem man sie von Airbus übernommen hat.

Weder von Airbus, noch von Etihad gibt es hierzu eine offizielle Stellungnahme, allerdings heißt es in mehreren Fachmagazinen, unter Berufung auf Etihad Airways interne Quellen, dass Etihad Airways nur noch fünf Airbus A350-1000 von Airbus übernehmen wird und vermutlich die verbleibenden 17 Bestellungen des Airbus A350-1000 stornieren wird, genau so wie die 42 Airbus A350-900 Bestellungen, welche Etihad Anfang des Jahres bei Airbus offiziell storniert hat.

Inzwischen wurden drei Airbus A350-1000 an Etihad Airways ausgeliefert, allerdings hat die Airline die betriebsbereiten Flugzeuge nicht von dem Airbus Werk in Toulouse nach Abu Dhabi geflogen, sondern nur in das wenige hundert Kilometer entfernte Bordeaux, wo inzwischen drei Flugzeuge eingelagert wurden.

Inzwischen steht der erste Airbus A350-1000 in Etihad Lackierung schon seit über drei Monaten in Bordeaux und wurde seither nicht bewegt. Die Flugzeuge sollen klassisch eingelagert worden sein, so wurden zum Beispiel die Triebwerke und Sensoröffnungen verschlossen, um sie vor Verunreinigungen und nistenden Vögeln zu schützen.

Warum muss Etihad Airways brandneue Airbus A350-1000 einlagern?

Da es weder von Airbus, noch von Etihad Airways ein offizielle Statement zu dem aktuellen Sachverhalt und der Einlagerung der Airbus A350-100 gibt, muss man an dieser stelle natürlich ein wenig spekulieren. Allerdings gelten von den einst 62 bestellten Airbus A350 inzwischen nur noch fünf Airbus A350-1000 als bestätigt.

42 Airbus A350-900 hat Etihad Airways inzwischen offiziell bei Airbus storniert, wobei man überraschenderweise die 22 Airbus A350-1000 Orders offen gelassen hat. Es wird vermutet, dass hinter den geparkten Airbus A350-1000 ein Deal zwischen Airbus und Etihad Airways steht.

So wird spekuliert, dass Etihad Airways auch alle der 22 Airbus A350-1000 Bestellungen stornieren wollte, dies allerdings so kurzfristig bei Airbus angemeldet hat, sodass hier eine Stornierung von den ersten fünf Maschinen nicht mehr stornieren konnte.

Vermutlich ist Etihad Airways aktuell auch nicht in der Lage, die über 1,5 Milliarden Euro Listenpreis für die Flugzeuge zu bezahlen, weshalb man die Flugzeuge bis auf weiteres eingelagert hat. Dass die Flugzeuge in Frankreich und nicht in Abu Dhabi eingelagert wurden ist auch durchaus ein Zeichen dafür, dass hier noch offene Zahlungen fällig sind.

Etihad Airways hat in den letzten Jahren Rekordverluste eingeflogen und über 5 Milliarden Euro Verlust verbuchen müssen. Zusätzlich ist man mit großen Kapitalbeteiligungen an airberlin, Jet Airways und Alitalia spektakulär gescheitert, sodass die wirtschaftliche Situation bei Etihad Airways mehr als angespannt ist.

Laut Informationen, die sich auf Quellen bei Etihad Airways berufen, rechnet man in Abu Dhabi nicht damit, dass man die Airbus A350-1000 vor 2021 in die Etihad Airways Flotte integriert werden können.

Etihad muss brandneue Airbus A350-1000 einlagern | Frankfurtflyer Kommentar

Die Lage bei Etihad Airways ist ernst und der Airline geht es schlecht. Dass man nun brandneue Airbus A350-1000 einlagern muss, betont noch einmal die schlechte finanzielle Lage von Etihad Airways. Aktuell kann sich die Airline vermutlich nur noch durch massive Unterstützung des Staates in der Luft halten und auch wenn man davon ausgehen kann, dass Abu Dhabi weiterhin die Schulden der Airline schlucken wird, ein rasantes Wachstum werden wir bei Etihad Airways wohl nicht mehr so schnell sehen.

Eigentlich finde ich die Entwicklungen in Abu Dhabi extrem schade, denn Etihad Airways war einst eine großartige Airline, die auch immer mit neuen Flugzeugen neue Innovationen bereitgehalten hat. Inzwischen ist man mehr ein Schatten seiner selbst und die Sparprogramme merkt man leider auch in der Kabine als Passagier.

Die Einlagerung von brandneuen Flugzeugen ist bei weiten nicht so problematisch wie man denken mag, denn anders als ein Neuwagen verliert ein Flugzeug nicht direkt 30% seines Wertes, wenn man es vom Hof des Herstellers fährt. Die Lebensdauer eines Flugzeuges wird vor allen durch Zyklen und Flugstunden bestimmt, sodass eine mehrmonatige oder im Falle von Etihad Airways sogar zwei Jährige Einlagerung nicht ganz so dramatisch ist.

Dennoch ist es extrem ungewöhnlich, denn man stellt so über eine Milliarden Euro an Kapital ab, das selbstverständlich auch Kosten produziert und ein Flugzeug, das nicht fliegt verdient bekanntlich auch kein Geld.

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3 Kommentare

  1. Ich bin gerade mit Etihad unterwegs (München->Kula Lumpur) und merke als Passagier in der Kabine wenig von irgendwelchen Sparprogrammen (vielleicht abgesehen von dem dünnen Amenity-Kit).

    Offensichtlich hat Etihad Probleme, First und Economy-Tickets zu verkaufen, auf dem Segment München->Abu Dhabi war die Economy-Kabine sehr schwach besetzt und ich frage mich, ob sich dieser Flug kostendeckend durchführen lässt.

    Obwohl ich mit einem nicht-upgradefähigen BusinessSaver-Tarif reise, schickte mir Etihad in den letzten Tagen mehrfach Upgrade-Emails und bot mir ausnahmsweise ein bezahltes Upgrade in die First an…

    • Natürlich bietet Etihad in der Business und First Class immer noch ein sehr gutes Produkt, allerdings hat man in den letzten Jahren mehr und mehr eingespart.

      Die Pyjamas auf Langstrecken sind jetzt kostenpflichtig, die Lounges wurden abgewertet (besonders an Außenstationen), der Limo Service für Business Class Upgrades, Prämienflüge und Saver Tickets wurde gestrichen und auch beim Essen an Bord spart man etwas.

      Auch Etihad muss schauen wo sie bleiben und daher versuchen Geld zu verdienen. Was ich extrem schade finde ist, dass man offensichtlich den Bau des neuen Terminals eigestellt hat. Der Flughafen in AUH ist eines der großen Probleme der Airline und viel zu klein.

  2. Ich war mit denen im März in Business unterwegs. Flieger voll, aber: Sitze waren durchgesessen, Müll vom Vorsitzer war noch da. War nicht wirklich toll. Da wunderte nicht, wenn die Leute auf andere ausweichen

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