Eurowings wird radikal umstrukturiert | keine Langstrecken mehr und einheitliche Airbus A320 Flotte

Jetzt hat man im Lufthansa Vorstand ganz offensichtlich den Schuss gehört, denn nachdem man vor wenigen Tagen noch eine Gewinnwarnung herausgeben musste und Eurowings als das unprofitable Sorgenkind genannt wurde, hat man sich nun dazu entschieden dass Eurowings radikal umstrukturiert wird.

Die Umstrukturierung von Eurowings kann man hierbei tatsächlich als radikal bezeichnen:

  • Ab Ende 2020 wird Eurowings die Langstrecken komplett aufgeben
  • Eurowings soll eine einheitliche Airbus A320 Flotte bekommen
  • kleinere Basen sollen geschlossen werden
  • Eurowings soll endlich in nur ein AOC überführt werden

Eurowings gibt die Langstrecken auf

In den letzten Jahren sind immer mehr Airlines mit einem Low Cost Angebot auch auf die Langstrecke gegangen. Der Erfolg war hier allerdings sehr mäßig und wir haben hier einige spektakuläre Pleiten, wie von Primera Air oder WOW Air gesehen. Auch Norwegian als Low Cost Airline mit dem größten Langstreckenangebot in Europa, kämpft gerade ums Überleben.

Die Antwort der Netzwerk Airlines waren eigene Low Cost Airlines für die Langstrecke, welche man mehr oder weniger gut umgesetzt hat. So haben British Airways und Iberia LEVEL, Air France hatte sich für ein Jahr mit der Tochter JOON auf der Langstrecke versucht und die Lufthansa Gruppe wollte mit Eurowings das Low Cost Langstrecken Geschäft erschließen.

Eine wirklich erfolgreiche Strategie hat man bei Eurowings für die Langstrecke nie gefunden und mit immer wechselnden Angeboten an Strecken und im Produkt hat man wohl nie Geld verdient. Zudem war die Operation der Eurowings Langstrecke alles andere als zuverlässig.

Nun hat man bei Lufthansa die Notbremse gezogen und wird alle Langstrecken von Eurowings an die Konzernairlines Lufthansa, Swiss, Austrian Airlines und Brussels Airlines übergeben. Wie genau diese Neuausrichtung aussehen wird ist noch nicht bekannt und auch nicht ob man Langstrecken ab Düsseldorf überhaupt weiterführen wird.

Es ist allerdings sehr wahrscheinlich, dass man eine ganze Reihe der Warmwasserziele von Eurowings einfach nicht weiterführen wird, da sich diese für die Netzwerkairlines der Lufthansa Gruppe nicht lohnen.

Fraglich ist auch, ob Eurowings nach dieser radikalen Strategieänderung wirklich noch mit Langstreckenflügen nach Frankfurt kommt. Einen Start von Eurowings auf der Stecke zwischen Berlin und Frankfurt in Konkurrenz zu EasyJet hat man vor etwas über einem Jahr schon ohne großes Aufsehen wieder abgeblasen.

Eurowings soll eine einheitliche Airbus A320 Flotte bekommen

Eurowings soll zukünftig mit einer „Klaren Fokussierung auf Kurzstrecken im Punkt-zu-Punkt-Verkehr“ ausgerichtet werden, um endlich den Turnaround zu schaffen und so in die Gewinnzone zu kommen. Hierfür will man die Flotte massiv vereinheitlichen und somit in Zukunft nur noch Flugzeuge der Airbus A320 Familie fliegen.

Daher sollen insbesondere die von Tuifly für Eurowings betriebenen Boeing 737-800 und die Dash 8, welche von der Zeitfracht betrieben werden die Flotte verlassen. Die Berliner Zeitfracht wird ab Ende des Jahres die Dash 8 mit neuen Embraer Flugzeugen ersetzen.

Eigentlich sollten diese Embraer 190 auch für Eurowings fliegen, hierzu wird es aber bei den aktuellen Plänen der Lufthansa nicht mehr kommen.

Neben der Vereinheitlichung der Eurowings Flotte auf Flugzeuge der Airbus A320 Familie will man diese auch verjüngen. Noch dieses Jahr wird man die ältesten und unwirtschaftlichsten Airbus A320 aus der Eurowings Flotte gegen vier neue Airbus A320neo aus der Bestellung der Lufthansa für die graue Flotte tauschen.

Insgesamt wird Eurowings 16 Airbus A320neo bis 2021 erhalten und damit die Flotte verjüngen. Spannend wird hier, wie Eurowings das Flugzeug bestuhlen wird. Lufthansa selbst hat im Airbus A320neo inzwischen 180 Sitzplätze, was bei den Passagieren schon als eng wahrgenommen wird. Theoretisch kann man aber bis zu 195 Sitze in einen Airbus A320neo verbauen. Es ist fraglich ob Eurowings wirklich diesen extremen Weg gehen wird, immerhin will man in der Lufthansa Gruppe einheitliche Europakabinen einführen.

Eurowings will kleinere Basen schließen und Crews sollen mehr arbeiten

Bis 2022 soll Eurowings die Stückkosten um 15 Prozent senken und hierfür muss man offensichtlich auch an der Personalstruktur ansetzen. Eurowings will insbesondere weniger Basen haben, an welchen z.B. Flugbegleiter und Piloten stationiert sind.

Man möchte sich auf die großen Flughäfen begrenzen und nennt hier als Beispiele die Flughäfen Düsseldorf, Stuttgart, Köln/Bonn und Hamburg. Eurowings betreibt z.B. noch Basen in Wien, Pristina und Palma de Mallorca. Insbesondere da man die AOCs zusammenführen möchte, ist es sicher sinnvoll und weit weniger komplex, wenn man von weniger Basen arbeitet.

Zusätzlich will man noch die Flugstunden der Crews erhöhen. So flogen die Crews bei Eurowings im Durchschnitt 530 Flugstunden in 2018. Bis 2022 will man diesen Wert auf 740 Flugstunden erhöhen, insbesondere durch ein striktes Heim-Basis-Prinzip sowie einen Anstieg von Diensttagen und täglich Flugstunden.

Gerade bei den Einschnitten beim fliegenden Personal kann es durchaus zu Widerstand der Gewerkschaften kommen. Bereits für diesen Sommer sind Streiks der Flugbegleiter bei Eurowings wahrscheinlich und diese Ankündigung dürfte nicht zur Beruhigung der Stimmung beitragen.

Eurowings soll endlich in ein AOC überführt werden

Eurowings ist in ihrer jetzigen Form nicht eine Airline, sondern gleich mehrere Airlines, welche sich in der Eurowings Gruppe formiert haben. Diese vielen verschiedenen Airlines, die auch nicht beliebig durchmischt werden dürfen, sorgen natürlich für einiges an Kosten und Komplexität.

Daher möchte man Eurowings in eine Airline zusammenfassen und die Airline unter einem Airline Operating Certificate (AOC) betreiben. Aktuell hat man einen reinen AOC Mischmasch mit Eurowings, Germanwings, Eurowings Europe, LGW/ Zeitfracht, SunExpress, TuiFly und weiteren Wetleasing Verträgen.

Eurowings wird radikal umstrukturiert | Frankfurtflyer Kommentar

Grundsätzlich macht der neue Plan von Lufthansa für Eurowings viel Sinn. Eurowings besinnt sich auf das, was man als Low Cost Airline wirklich darstellen kann und das ist der dezentrale  Punkt- zu- Punkt Verkehr.

Durch die Vereinheitlichung der Flotte und auch durch die Zusammenführung der verschiedenen Airlines in der Eurowings Gruppe kann man sicher einiges sparen, auch wenn diese Umstellung ohne Zweifel hohe Kosten für den Konzern bedeuten wird.

Beim fliegenden Personal scheint es auch noch eine Menge an Effizienzreserven zu geben, denn 530 Flugstunden sind tatsächlich recht wenig für fliegendes Personal. Ein Vollzeit Flugbegleiter oder Pilot bei Lufthansa kommt im Schnitt auf etwa 800 bis 900 Flugstunden, wobei der hohe Langstreckenanteil bei Lufthansa hier die Statistik auch ein wenig verzerrt. Durch die Flugzeiten auf der Kurzstrecke kommt man hier selten auf eine hohe Anzahl von Flugstunden, da man schlicht und ergreifend im Dienst auch viel „am Boden steht“.

Für mich doch etwas überraschend kommt die Aufgabe der Langstrecken bei Eurowings. Hier scheint nun das Resümee nach recht kurzer Zeit doch zu schlecht gewesen zu sein und obwohl Eurowings seit über drei Jahren Langstrecken fliegt, läuft hier die Operation immer noch nicht stabil. Besonders die immer wieder aufkommenden großen Verspätungen haben sehr am Ruf der Airline gekratzt.

Die Umstrukturierung von Eurowings wird wohl bis 2022 dauern und ich bin gespannt, wie sich Eurowings und auch die Netzwerkairlines in der Lufthansa Gruppe in den kommenden Jahren entwickelt werden. Spannend ist hier, was z.B. mit den Langstrecken ab Düsseldorf passiert. Vielleicht kommt Lufthansa doch wieder mit eigenen Maschinen für USA Flüge, nachdem man mit Eurowings nun wohl oder übel in diesem Segment gescheitert ist.

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7 Kommentare

  1. ggf. weiss LH Vorstand etwas, was man noch nicht öffentlich machen darf. Ich denke nciht dass die lohnenden Schönwetterstrecken aufgegeben werden. Ich denke da spontan an die Condor. Um die ist es verdächtig ruhig geworden.
    Es wäre ein logischer Schritt Eurowings nur innerhalb Europas fliegen zu lassen und alle Langstrecken an die Condor zu übergeben

    • Der Lufthansa Vorstand hat hierzu gesagt, dass man sich nur geringe Chancen zu einer Condor Übernahme ausrechnen würde. Auch gibt man das hohe Investitionsvolumen zu bedenken, denn die Flotte von Condor sei sehr alt. Das ganze könnte aber auch Taktik sein.

      Es gibt aber auch Szenarien ohne Condor. Ganz auf die Warmwasser Strecken wird man wohl nicht verzichten, wobei man das was man mit Eurowings versucht hat wohl nicht noch einmal versucht. Das ganze wird vermutlich eher wie Edelweiss von Swiss aussehen, die im „premium Leisure“ gut unterwegs sind.

      LG
      Christoph

  2. Der Trend geht zum Punkt-zu-Punkt Verkehr, auch auf der Langstrecke. LH lässt sich in DUS immer mehr die Butter vom Brot nehmen. Wenn ich sowieso einen Stop habe nehme ich halt die günstigere Verbindung. Oder gleich den Direktflug nach Asien/ USA ex DUS. Da sollte LH umdenken…

    • Ja wobei es in DUS sehr wenig Langstrecken gibt, wenn man die EW wegrennet, gerade Richtung USA.

      LH hatte hier mal bis zu vier Ziele in Nordamerika (EWR, ORD, MIA, YUL), vielleicht kommt man ja doch als LH selbst wieder…..Ab Düsseldorf könnten sich auch die A321XLR anbieten, mit denen man dann täglich auch bei geringerer Nachfrage Langstrecken fliegen kann.

      Kurzfristig wird LH aber eher versuchen, die Partner Airlines nach DUS zu locken, wie es auch in Berlin der Plan war.

      LG
      Christoph

  3. Lest Ihr, was Ihr schreibt?
    „wird alle Langstrecken von Eurowings an die Konzernairlines […] und Eurowings übergeben“

  4. Im Prinzip besinnt sich Lufthansa eher auf das, was ganz am Anfang mal der ursprüngliche Plan war: Germanwings für Deutschland (außer Frankfurt und München) und Europa. Dann meinte man, noch weiter weg fliegen zu wollen und hatte die Eurowings erfunden (glücklicherweise war die Umbenennung schon vor dem Germanwings-Absturz beschlossen). Letztlich ist man damit gescheitert und Berlin sollte zu einem Hub nach Osteuropa ausgebaut werden. Den Rest hatte man schon und macht auch wenig Sinn. Da ist der LH aber der „Dübel-Flughafen“ dazwischen gekommen…

    Vielleicht gelingt der LH mit Eurowings jetzt wirklich ein Turnaround. Back to the roots.

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