Flugbetrieb hochfahren: Lufthansa muss neu lernen

Foto: Lufthansa

Der Neustart der Lufthansa erweist sich als schwieriger als gedacht und an vielen Stellen hakt es. Dabei liegen die Gründe auf der Hand und sind schwierig aus dem Weg zu räumen, denn beim Hochfahren des Flugbetriebes kann sich die Lufthansa nicht mehr auf alte gewohnte Strukturen verlassen, sondern muss viele Dinge unter komplett neuen und noch nie dagewesenen Rahmenbedingungen lernen.

Passend hierzu gibt es eine Anekdote des Lufthansa CEO Carsten Spohr welcher vor dem Pfingstwochenende beinah nicht mit seiner Familie in den Pfingsturlaub fliegen konnte, denn für seinem Flug gab es eine Warteliste von über 70 Passagieren und auf dieser stand Spohr mit seiner Familie.

Ich habe mich schon geärgert, dass ich das Wochenende zu Hause verbringen muss.

Lufthansa hat hier kurzerhand einen weiteren Flug gebaut um die Passagiere auf der Warteliste doch noch zu ihrem Zielort zu transportieren. Dies ist kein Einzelfall und in vielen Fällen auch bitter nötig, denn ein überbuchter Flug mit 70 Passagieren auf der Warteliste bedeutet, dass man diese Passagiere beim aktuell sehr ausgedünnten Flugplan nicht mehr am selben Tag ans Ziel bringen kann.

Diese kleine Anekdote, welche dem Lufthansa Vorstand fast den Pfingsturlaub mit seiner Familie verhagelt hätte, zeigt allerdings sehr bildlich ein strukturelles Problem beim Hochfahren des Flugbetriebes auf, denn alte über Jahrzehnte erlernte Strukturen funktionieren gerade nicht mehr und dies sorgt für Probleme und teilweise auch für hohe Kosten.

Gerade letzteres ist allerdings ein enormes Problem, denn nach drei Monaten des Stillstandes ist es nun für die Airlines entscheidend, dass man auch auf einem kleineren Level wieder eine gewisse Konstante erreicht, denn nur so kann man wieder Geld verdienen.

Zu viele Unbekannte im System

Zwischen März und Mai hat Lufthansa teils nur noch 3.000, anstelle der üblichen 350.000 Passagiere pro Tag transportiert. Während diese niedrige Zahl an Passagieren fatale Auswirkungen auf das Ergebnis des Konzern hatte, hatte die Einsatzplanung hierdurch sehr leichtes Spiel, denn der geschaffene Rumpfflugplan bot schon viel zu viele Kapazitäten für die teils nur 3.000 Passagiere pro Tag.

Gerade dies ändert sich gerade rapide, denn Tag täglich fliegen mehr Passagiere und es ist fast unmöglich vorherzusagen, wie viele Passagiere in einer Woche oder einem Monat wohin fliegen wollen, denn hier gibt es neben den vielen Unbekannten durch die Dynamik welche wir gerade weltweit haben, auch noch das große Problem, dass keine Vorhersage mehr greifen kann.

Lufthansa hat wie jede Airline auch ein System, welches vorhersagt, wie viele Passagiere wann auf welchem Flug reisen wollen. Hierbei berechnet eine künstliche Intelligenz aufgrund von Millionen von Daten und Erfahrungen der letzten Jahrzehnte das zu erwartende Flugaufkommen. Aktuell funktioniert das System aber überhaupt nicht und die Flugplanmacher der Lufthansa müssen auch einfach aus der Hüfte schießen.

So kommt es durchaus zu bizarren Situationen, wie zu einem Flug mit nur zwei Passagieren, aber auch zu Flügen, welche zu 50% überbucht sind. Hier muss man dann flexibel reagieren, wobei dies auch nicht all zu einfach ist, denn der Transport der Passagiere ist nur der letzte Schritt in einer langen Kette.

So gibt es von der Bereitstellung der Flugzeuge und Crews, über das Einreichen von Flugplänen, Catering und Cleaning am Zielort oder auch das Tanken an gerade erst wieder eröffneten Flughäfen viel vorzubereiten.

Flexibilität ist für Lufthansa sehr teuer

Gerade das man nicht nach einem strickten Plan über Wochen oder Monate den Flugbetrieb hochfahren kann, macht es für Lufthansa aktuell sehr kompliziert. So geht es bei den mehr an benötigten Flugzeugen los, denn man muss einige der 700 geparkten Flugzeuge wieder reaktivieren, wobei man nicht genau sagen kann, wie viele Flugzeuge man an welchem Tag benötigt.

Dies sorgt dafür, dass man wohl deutlich mehr Flugzeuge einsatzbereit halten wird, als man eigentlich plant zu verwenden, denn ein eingelagertes oder lange Zeit geparktes Flugzeug kann nicht einfach angeschaltet werden und los fliegen. So brauchen Jets, welche für weniger als drei Monate am Boden standen immer noch mindestens zwei Tage um für den nächsten Einsatz vorbereitet zu werden und einige Langstreckenjets, wie der Airbus A340-600 oder Airbus A380, welche in das long term storage gebracht wurden, brauchen sogar mehrere Wochen, bis sie wieder fliegen dürfen.

Aber auch von den Crews wird gerade einiges abverlangt. So gibt es fast keine festen Dienstpläne mehr, vielmehr befinden sie sich zur Dienstzeit in Dauerbereitschaft und erfahren oft nur noch mit wenigen Stunden Vorlauf, wohin es geht.

Flugbetrieb hochfahren: Lufthansa muss neu lernen | Frankfurtflyer Kommentar

Es waren, sind und werden auch in der Zukunft recht ungewisse Zeiten für die Airlines sein und man wird sich daran gewöhnen müssen, dass man viel Flexibilität mitbringen muss. Nun muss man schauen wie sich einige Dinge in den kommenden Wochen entwickeln und ich persönlich habe ja die leise Hoffnung, dass die Auslastung zumindest in Europa doch schneller wieder steigt als erwartet und hierdurch die Flugpläne wieder hochgefahren werden.

Eines der größten Probleme, wenn man gerade innerhalb von Europa fliegen will ist, dass es zwar Flüge, aber deutlich weniger Frequenzen als zuvor gibt. Das berühmte „Es macht nichts, wenn ich meinen Flug verpasse, dann fliege ich eine Stunde später“ hat sich nun in ein „Ich muss den Flug bekommen, sonst kann ich erst morgen fliegen!“ geändert.

Danke: airliners.de

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8 Kommentare

  1. Naja wenigstens gibt we beim Catering keine Probleme oder mit den Lounges. Denn Wasser kann man schnell besorgen. Und wenn sich bei dem Service oder Service der Vielflieger (HON + SEN) nichts ändert wird es auch nicht einfacher vorherzusagen.

  2. Manche Verbindungen gibt es auch mehrere Tage lang nicht, so ausgedünnt im Vergleich zu Normalzeiten sind sie.

    Habe mir gestern für Freunde DUS-PRG angesehen im Juli, wo sonst etwa 3 Maschinen täglich gehen. Ansonsten mit Umsteigen und viel Wartezeit. Meine Freunde wollen jetzt den Wagen nehmen, weil Sie damit „flexibler sind“ …

  3. Die LX-Flüge von ZRH nach Usedom wurden schon wieder annulliert. Scheinbar ist es nicht machbar, 1x
    pro Woche (samstags) während der Hauptferienzeit diese Verbindung
    anzubieten, denn den A220 braucht man vermutlich für lukrativere Destinationen !!
    Alternativ zur Auswahl: HDF – STR – FRA – ZRH mit 4 Std. Stop in STR und 1 1/4 Std. in FRA. ODER: Flug via FRA nach GVA mit Weiterflug nach ZRH am nächsten Morgen….und das alles MIT Mundschutz und OHNE Lounges.
    Und wer jetzt meint, zwischen STR und ZRH fliegt LX, der täuscht sich : Corona bedingt bis auf weiteres KEINE FLÜGE !
    So macht Reisen doch erst richtig Spass. Fertig Ironie !!

  4. Bin vor langer Zeit mit dem ICE, der als LH-Flug galt, zw. FRA und STR Hauptbahnhof gefahren. Den gab’s glaube ich auch Richtung Köln. Gibt’s diese Möglichkeit noch ?

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