Flughafen München, eine Geisterstadt

Es ist 6 Uhr morgens am Flughafen München. Normalerweise starten um diese Zeit die ersten Maschinen, beinahe im Minutentakt verlassen diese den zweitgrößten Airport in Deutschland. Doch heute passiert hier in der ersten Stunde gar nichts, der erste Start ist erst um 7:05 Uhr geplant. So war es schon gestern und so wird es auch morgen sein.

Der Airport hat die Zahlen vom vergangenen Jahr präsentiert und einen traurigen Rekord vermeldet. Die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie bescherten dem Münchner Flughafen das niedrigste Verkehrsergebnis seit Eröffnung des Flughafens im Jahre 1992. Das Passagieraufkommen ist aufgrund der weltweiten Reisebeschränkungen um über 75% zurückgegangen.

Quelle: Flughafen München

Mehr als die Hälfte der gut 11 Millionen Passagiere im Jahr 2020 wurden im Januar und Februar gezählt, der Rest verteilt sich auf die übrigen zehn Monate. Etwa 90 Airlines fliegen MUC regelmäßig an, doch viele haben das Angebot massiv zusammengestrichen oder sogar komplett eingestellt.

Nur noch ein halbes Terminal in Betrieb

Erreicht man den Flughafen beispielsweise mit der Bahn im Terminal 1, wird einem das Ausmaß der Krise schnell bewusst. Dort findet derzeit gar keine Abfertigung statt, die meisten Bereiche sind nicht zugänglich. Der Check-In aller Airlines erfolgt im T2, wo sonst Lufthansa und ihre Partner starten. Je ein Supermarkt & Bäcker sind geöffnet, es scheint als ob die Mitarbeiter des Airports hier derzeit die besten Kunden sind. Gähnende Leere auch an den Desks der Mietwagenfirmen, auf dem Gelände mussten ganze Parkhäuser geschlossen werden.

Im Terminal 2 bündelt man Abfertigungsschalter und Sicherheitskontrolle, die Konkurrenten der Lufthansa fliegen derzeit an den gleichen Gates ab. Eine Maßnahme um Betriebs- und Personalkosten zu senken. Fast 80% der Mitarbeiter befinden sich derzeit in Kurzarbeit. Die Erweiterung des T2 wird schon seit letztem März nicht benötigt, seitdem ist im angeschlossenen Satellitenterminal Stillstand angesagt.

Lufthansa muss weiter reduzieren

Der Platzhirsch ist nach wie vor Lufthansa, deren Angebot ist ebenfalls minimal. Normalerweise reicht die Anzeigetafel für die LH-Abflüge und deren Partner für einen Tag. Jetzt stehen dort auch die Starts von Emirates, British Airways & Co, doch selbst mit dem Programm des Folgetages bleibt viel Platz auf den Displays. Am frühen Abend zähle ich zwischen 15 und 19 Uhr lediglich vier Starts.

Im Laufe des letzten Jahres musste das Flugprogramm mehrfach angepasst werden. Der Sommer machte noch Hoffnungen auf eine Erholung in der kalten Jahreszeit, doch die verschärften Reisebeschränkungen lassen dies nicht zu. Im Gegenteil- Lufthansa wird das dünne Angebot weiter reduzieren müssen.

Der Hauptteil der Verbindungen wird von der Regionaltochter CityLine mit kleinerem Gerät durchgeführt. Die aktive Airbus A320-Flotte der Muttergesellschaft besteht nur noch aus einem Dutzend Flugzeuge. Die Langstreckenmaschinen sind zum Großteil vorübergehend in Frankfurt im Einsatz, der Hub in München kommt mit vier Airbus A350 aus. Tendenz sinkend, denn durch die Situation in Südafrika wird der Flug nach Kapstadt noch in diesem Monat eingestellt.

Flughafen München, eine Geisterstadt | Frankfurtflyer Kommentar

Der Flughafen München brach in den letzten Jahren immer wieder die eigenen Rekorde. Man fieberte schon auf Engpässe und Kapazitätsgrenzen zu, mit einem Schlag hat sich dieses Thema samt dritter Startbahn wohl für die nächsten Jahre erledigt.

Das dicke Minus von 76,8% bei den Passagierzahlen sagt schon alles, darin sind allerdings noch zwei Monate mit normalem Fluggastaufkommen inkludiert.

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5 Kommentare

  1. Habe da wie bei all den anderen größeren Firmen, die massive Verluste erleiden rein überhaupt kein Mitleid. Sonst betreiben alle dauernd Lobbyarbeit und mischen sich mächtig bei allem denkbaren ein. Aber hier wird jede noch so sinnlose wie deplazierte Maßnahme ganz devot aufgenommen.

    • Das da aber auch zehntausende Arbeitsplätze und Familien und Existenzen daran hängen, die bis jetzt Steuern und Sozialabgaben gezahlt haben, um all‘ die wirtschaftlichen Folgen abzufangen (solange es noch geht …) – sowas ist Dir wahrscheinlich nicht in den Sinn gekommen, als Du Deine geistigen Ergüsse in die Tastatur geklopft hast? Bei Leuten wie Dir sollte man die Meinungsfreiheit mal kritisch hinterfragen.

      • Herr Haesner und Herr Udo scheinen selbst sicherlich keine drastischen finanziellen Auswirkungen der Krise zu spüren. Anders kann man sich diese beiden Kommentare nicht erklären. Jede weitere Ausführung hierzu erübrigt sich damit. (Nein, ich bin kein „Querdenker“ und befürworte viele Maßnahmen. Trotzdem hat jedes Blatt immer ZWEI Seiten ….)

    • So ein saublöder Kommentar. Mir tun alle Menschen leid, die nicht am Flughafen arbeiten dürfen. Es gehen komplette Existenzen kaputt. Man müßte den Lockdown sofort aufheben.

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