Gnadenlose Zero Covid Strategie: Warum mehr und mehr Airlines aus Hongkong fliehen

Hongkong hat in Asien immer eine besonderen Stellenwert eingenommen, denn die ehemalige britische Kolonie, welche seit 1997 eine Sonderverwaltungszone von China ist und damit weitgehend autonom von China ist sein sollte, galt immer als einer der wenigen und zuverlässigen sicheren Häfen in Südostasien.

Damit ist auch nicht nur der eigentliche Seehafen von Hongkong gemeint, welcher nach wie vor einer der bedeutendsten der Welt ist, sondern auch die Stadt selbst, welche als einfach zugängliche Finanz- und Wirtschaftsmetropole vor allem für viele Firmen und Investoren aus dem Ausland der Hub in Asien war und ist.

Inzwischen weitet Peking aber seinen Einfluss in Hongkong immer mehr aus und spätestens seit der Coronakrise hat man sich komplett an Festland China geklammert und vom Rest der Welt abgeschottet. Mit einer Zero Covid Strategie versucht man nach wie vor das Virus komplett zu unterdrücken und hierbei ist man zu keinen Kompromissen bereit.

Auch wenn Zero Covid quasi bei jedem Versuch auf der ganze Welt gescheitert ist, da das Virus zu ansteckend ist um es zu unterdrücken, hält man in China und Hongkong seit fast zwei Jahren an genau dieser Strategie fest, auch wenn dies bedeutet, dass sehr regelmäßig unzählige Menschen trotz negativem COVID Test und vollständiger Impfung in eine staatlich überwachte Quarantäne müssen oder es werden sogar wie in China ganze Millionenstädte in absolute Lockdowns geschickt.

Während ich diese Strategie hier nicht weiter bewerten oder diskutieren will, führt sie inzwischen zu dramatischen Auswirkungen für die Luftfahrt von Hongkong, welche vermutlich nachhaltig von der Zero COVID Strategie Hongkongs geschädigt wird.

Schon alleine dass man sich als ausländischer Investor in Hongkong spätestens seit den Entwicklungen in der Coronakrise häufig nach einem neuen Standort in Südostasien für die Büros und ausländischen Mitarbeiter umsieht (besonders Singapur ist hier beliebt), sorgt dafür, dass die Nachfrage nach Premiumflügen in den kommenden Jahren möglicherweise deutlich einbrechen wird.

Aktuell haben Airlines aber das große Problem, dass es eigentlich nicht mehr möglich ist Flüge nach Hongkong durchzuführen, denn vor allem für die Crews besteht hier ein massives Risiko in Hongkong festgesetzt zu werden.

So gilt auch für Crews von Flügen eine Testpflicht und man muss insgesamt drei PCR Tests für eine Umlauf nach Hongkong durchführen, insbesondere auch in Hongkong selbst. Zusätzlich gilt eine strenge Hotelzimmer-Quarantäne, bei welcher von der Ankunft bis zum Abflug das Hotelzimmer nicht verlassen werden darf.

So zumindest die Theorie, denn sobald eines der Crewmitglieder oder wohl auch der Passagiere auf dem Flug in Hongkong positiv auf das Corona Virus getestet werden, müssen alle Passagiere und die Crews als enge Kontaktpersonen in Hongkong in eine staatliche Quarantäne. Hierfür hat man auf Lanatau Island in der Nähe des Flughafens das Penny Bay Quarantine Centre errichtet.

Im Wesentlichen handelt es sich hierbei um ein Container Dorf, in welchem unter anderen Crews untergebracht sind, wenn sie in Quarantäne geschickt werden. Hiermit haben bereits die Crews von British Airways und Finnair Erfahrungen sammeln dürfen und komplette Crews beider Airlines waren für wohl teils mehrere Wochen in dieser Quarantäneeinrichtung.

Hongkong hat es auch abgelehnt, den mehrfach negativ getesteten Crewmitgliedern die Ausreise zu erlauben, selbst mit einem Ferry Flug aus Hongkong, bei welchem die Crew in Isolation ohne Passagiere zurück in die Heimat geflogen wäre.

Nachdem das Risiko besteht, dass ganze Crews in Hongkong festgesetzt werden und hier unter Umständen Wochen verweilen müssen, macht es Airlines auf der ganzen Welt Schwierigkeiten, schon alleine weil es quasi nicht möglich ist Crews zu finden, welche bereit sind, das eminente Risiko einer Quarantäne in Hongkong einzugehen, welche sicherlich kein Urlaub ist, sondern nach Berichten mit einem gefängnisähnlichen Aufenthalt verglichen wird. Selbst das WLAN im Penny Bay Quarantine Centre sei so schwach und unzuverlässig, dass die Kommunikation der Crews mit den Botschaften und Airlines sehr beschwerlich sei. Hierbei redet man übrigens vorrangig über das Versenden und Empfangen von Emails und nicht über Zoom Video Calls.

Cathay Pacific laufen die Piloten weg, FedEx schließt Hongkong Basis

Fast alle internationalen Airlines, welche Umläufe mit Übernachtungen in Hongkong hatten, haben inzwischen die Flüge nach Hongkong eingestellt. Darunter alle US Airlines wie United Airlines, American Airlines und Delta Airlines, aber auch British Airways, Finnair und Swiss fliegen nicht mehr nach Hongkong.

Auch Lufthansa lässt keine Crews mehr in Hongkong, fliegt nun aber mit einem Hub in Bangkok über Thailand nach Hongkong, um hier einen Crewaufenthalt vermeiden zu können.

Lufthansa will Einreiseregelungen umgehen und kurzfristig einen Standort in Bangkok aufbauen

Aber auch Airlines mit einer Basis in Hongkong haben inzwischen veritable Probleme, denn die Vorschriften gelten auch für in Hongkong stationierte Crews. So hat FedEX die Crewbasis in Hongkong aufgrund der strengen Quarantäneregeln für Crews geschlossen und die Mitarbeiter quasi komplett an andere Standorte verlegt.

Auch Cathay Pacific hat mit den Vorschriften zu kämpfen, denn stellenweise waren nennenswerte Anzahlen an Crews in wochenlanger Quarantäne. Dabei bekam vor kurzem ein Fall viel Aufmerksamkeit, als nach positiven Fällen von Cathay Cargo Crews, welche in Frankfurt waren, alle Cathay Mitarbeiter, welche im Hotel in Mainz übernachtet haben, in pauschale Quarantäne geschickt wurden.

Inzwischen hat Cathay Pacific mit einer Kündigungswelle von Piloten zu kämpfen, welche die Stadt „fluchtartig“ verlassen. So gibt es ehemalige Cathay Pacific Piloten, welche die Situation so beschrieben haben, dass man sich aus dem Cockpit seit Monaten „nur noch in ein Quarantänegefängnis“ bewegt hätte, was ein inakzeptabler Zustand ist.

Dabei war ein Job im Cockpit bei Cathay Pacific über Jahre hinweg der heilige Gral der Piloten, denn nicht nur dass die Stationierung in Hongkong als sehr attraktiv galt, Cathay bot auch weltweit die höchsten Gehälter. Dies ist spätestens seit der Pandemie aber nicht mehr so und Cathay Pacific kämpft nicht nur um das Überleben, sondern auch darum, noch Piloten zu haben, welche unter den Bedingungen in Hongkong bereit sind zu arbeiten.

Gnadenlose Zero Covid Strategie: Warum mehr und mehr Airlines aus Hongkong fliehen  | Frankfurtflyer Kommentar

Die Situation in Hongkong ist schon seit einigen Jahren angespannt. Vor Corona hatte man hier durch die anti China Proteste der Demokratiebewegung mit einer gewissen Destabilisierung zu kämpfen, was schon zu einem deutlichen Einbruch der Reisenden geführt hat.

Seit Anfang 2020 ist die Situation für die gesamte Luftfahrt in Hongkong aber dramatisch und man kann in Hongkong selbst aktuell quasi keine Airline mehr betreiben. Es wird sich nun zeigen, wie lange dies noch andauern soll und vor allem wie es die Zukunft der Luftfahrt in Hongkong verändert. Sicher ist wohl, dass die Situation nach Corona eine andere sein wird, in dieser eigentlich so tollen Stadt.

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5 Kommentare

  1. Zero Covid ist gescheitert, das haben einige Nationen erkannt und rücken davon ab. China wird das vermutlich weiterhin nicht erkennen und weiter durchziehen mit all den Konsequenzen.
    Schade um Cathay Pacific, mit denen wäre ich gern einmal geflogen, daraus wird vermutlich nichts mehr.

  2. Als sie merkten, dass sie in die falsche Richtung ruderten, verdoppelte sie ihre Anstrengungen. China erreicht mit seiner Strategie, dass der Standort Hongkong wertlos wird und die Sonderwirtschaftszone wie ein überreifer Apfel in den Schoß der VRC fällt. Ich bin jetzt froh 2017 Hongkong besucht zu haben. Corona offenbart die Dummheit mancher Politiker, wie u.a. Australien zeigte.

    • Auch wenn ich den Artikel nicht selbst geschrieben habe, empfinde ich es als das schönste Lob des Tages, im gleichen Atemzug genau mit diesen beiden Titeln genannt zu werden.

  3. Toller Artikel – Danke. Es ist leider traurig zu sehen, wie Covid auch fuer politische Interessen verwendet wird. Es zeigt sich ja immer mehr, dass die Bevoelkerung geimpfr und durchseucht sein muss, um Covid in einen endemischen Zustand zu bekommen. Wenn man sich so abschottet, wird es halt noch 10 Jahre dauern, die Briten sind, wie auch die Suedafrikaner wohl schon kommendes Jahr dort, Deutschland, ggf. in 1-2 Jahren…

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