„Hotel wäre ein unpassender Begriff“ | Lufthansa Crew über Hotel in China schockiert

Auch für Crews ist das Arbeiten in Corona Zeiten nicht einfacher geworden und teilweise ist man vor Ort im Layover auch sehr anstrengenden Regeln ausgesetzt. Gerade in Asien sehen sich Piloten und Flugbegleiter meist nicht mehr auf Ausflügen durch die Metropolen, sondern nur noch in Zimmerquarantäne, welche je nach Destination unterschiedlich strikt gestaltet sind.

Besonders streng sind aktuell die Regelungen in China, denn nicht nur, dass die Crews eine sehr harte Zimmerquarantäne einhalten müssen und in China selbst noch einmal ausgiebig getestet werden, die Quarantänehotels werden auch von den Behörden vor Ort zu gewiesen und können nicht mehr von Lufthansa selbst ausgewählt werden.

Gerade bei dem sehr speziellen Lufthansa Flug nach Nanjing ( Lufthansas neuer 55 Stunden China Flug mit einer Boeing 747-8) gibt es aktuell einige Probleme, denn das Quarantänehotel vor Ort wäre laut Crews mit der Bezeichnung „Hotel“ unpassend betitelt, denn man würde hier noch nicht einmal ein Mindestmaß an Sicherheit und Hygiene vorfinden, ganz zu schweigen von den üblichen Standards welchen Lufthansa Crews gewohnt sind.

Dabei sind die Zustände vor Ort in China schon so desaströs, dass die Gewerkschaften den Mitgliedern geraten hat, die Flüge nach Nanjing vorerst nicht durchzuführen und sich zu weigern. Hierzu kam es aber bisher noch nicht und die Lufthansa Flüge nach Nanjing wurden bisher alle planmäßig durchgeführt.

Foto: Lufthansa

„Hotel wäre ein unpassender Begriff“

Die Berichte, welche man von dem Crew Hotel in Nanjing lesen kann sind tatsächlich desaströs und werfen einige Fragen, insbesondere auch im Hinblick auf die Sicherheit der Crews vor Ort auf. So seien Mindeststandards bei Hygiene und grundsätzlicher Hotelausstattung ohnehin deutlich unterboten, auch würden Sicherheitsstandards nicht eingehalten.

So könne das Personal in den Hotels kein Englisch, was eine Kommunikation fast unmöglich macht. Rauchmelder wurden erst nach Intervention der Crews überhaupt installiert und der Kapitän, sowie Purser seien mit einem Hämmerchen ausgestattet worden, um die mit einem Fahrradschloss  abgesperrten Notausgänge im Notfall öffnen zu können.

Hierbei geht es tatsächlich nicht mehr um Komfort, denn ein solches Hotel dürfte in Europa nicht mehr betrieben werden!

Flüge über Korea seien wirtschaftlich nicht darstellbar

Die Flüge nach China sind für Lufthansa von enormer wirtschaftlicher Bedeutung, denn hier wird nicht nur im Frachtraum, sondern auch in der Kabine Geld verdient. Allerdings werden die Flüge der Lufthansa, anders als die der Lufthansa Cargo nach China nicht über Seoul durchgeführt, sondern direkt geflogen.

Dies hat zur Folge, dass Cargo Crews in Seoul bei westlichen Standrads übernachten können und keinen Aufenthalt mehr in China haben. Bei Passagierflügen ist dies aktuell nicht möglich und Lufthansa betont auch, dass man dies schon alleine aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht durchführen kann.

Die Mitarbeiter von Lufthansa sind in der aktuellen Situation der Airlines auch sehr weit dazu bereit, solche Unannehmlichkeiten mitzutragen, allerdings geht es im Fall von Nanjing über Unannehmlichkeiten hinaus, denn hier muss man massive Sicherheitsbedenken haben.

Daher wurde von den Personalvertretern auch schon ins Spiel gebracht, dass man die Crews in ein benachbartes Land für den Layover fliegen könnte.

Lufthansa selbst sei um schnelle Besserung der Situation in Nanjing bemüht und hätte hier auch schon einzelne Punkte erreicht, allerdings sei man auch auf die Zusammenarbeit der Behörden vor Ort angewiesen, wie z.B. AeroTelegraph berichtet.

„Hotel wäre ein unpassender Begriff“ | Lufthansa Crew über Hotel in China schockiert | Frankfurtflyer Kommentar

Reisen ist aktuell alles andere als angenehm und gerade wenn man nach Asien schaut ist dies aktuell quasi nicht möglich. Für Crews gibt es daher in diesem Teil der Welt sehr strikte Vorschriften. Bis auf die Tatsache, dass die Layover extrem langweilig werden, gab es hier allerdings bisher auch wenig Beschwerden, die Situation in Nanjing ist aber durchaus bedenklich.

Interessant wird sicher, wie sich die Lage hier entwickelt und welche Lösungen Lufthansa findet, denn so ist der Zustand sicher nicht dauerhaft tragbar.

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16 Kommentare

  1. Dieser Fall zeigt die maximale Dreistigkeit der chinesischen Regierung. Es geht nur um Erniedrigung von uns Allen…Teil des politischen Spiels..der nächste chinesische Politiker sollte hier nur noch in die Toilette eingeladen werden..damit diese kriminelle Truppe mal wieder Respekt lernt.Es geht um Respekt…den haben die Chinesen verloren..all das ist nurein Test für zukünftige Unverschämtheiten..

    • mir kommt ein ganz anderer böser Verdacht, dass es vielleicht andersrum ist und der Lufthansa das so ganz recht ist!

      Die Lufthansa muss Personal abbauen, aufgrund bestehender Verträge ist das aber nicht einfach. Wenn nun die Bedingungen für die Mitarbeiter auf einigen Flügen so schlecht sind, und angeblich ohne Verschulden der Lufthansa, dass das dazu führt, dass nun ein paar Flugbegleiter sich weigern, diese Flüge mitzumachen, dann liefert das für die Lufthansa Gelegenheit für betriebsbedingte Kündigungen! Wohlgemerkt nicht verhaltensbedingt, das Recht sich unter diesen Umständen zu weigern wird der Arbeitgeber nicht in Frage stellen und daher der Gewerkschaft auch keinen Angriffspunkt bieten. Aber die Lufthansa kann dann ganz einfach sagen, dass eben keine anderweitige Beschäftigungsmöglichkeit als diese Flüge für diese Mitarbeiter besteht und die Lufthansa daher wegen betrieblicher Erfordernisse diese Flugbegleiter nicht weiterbeschäftigen kann!

      Meine Erfahrung mit China aus mehr als 15 Jahren Geschäft hat immer bewiesen, dass im Grunde in China nichts einfach ist, aber am Ende alles geht!
      Ich bin mir absolut sicher, dass die Lufthansa mit Geld und persönlichen Gesprächen und Verhandlungen mit den richtigen Leuten in wenigen Tagen eine bessere Unterkunft für die Mitarbeiter organisieren könnte.

      • Hallo Markus,
        entweder machst Du schon seit Jahren keine Geschäfte mehr mit oder in China oder Du verschließt Dich vor der Realität.
        Ich bin seit 1990 dort auch mit chinesichen Regierungsvertretern „unterwegs“ und erlebe gerade in den letzten 2 jahren, dass die Regierung alles daran setzt Langnasen in Firmenführungen das Leben immer schwerer zu machen.
        Die Pandemie wird regelrecht dazu genutzt diese Positionen mit Chinesen zu besetzen, die plötzlich verfügbar sind und von den Partnern „vorgeschlagen“ werden, da die Mitarbeiter nicht ohne Vorgesetzten sein können.
        Und ja….Korruption ist in China öffentlich, bekannt und auch LH wird mit den „richtigen Leuten“ Lösungen finden, denn dies wird bis zu einem bestimmten Umfang von der Regierung gefördert bzw. geduldet, ebenso wie die Fake Markets.

        • 1) an Bestechung, um an bessere Quarantänehotels zu kommen, hatte ich noch nicht einmal gedacht, auch wenn das natürlich als Option auch existiert.
          Aber erstmal ist es so, dass Quarantäneunterbringung ein begrenztes Gut ist, es gibt nur eine begrenzte Zahl von Unterkünften. Und gleichzeitig eine hohe (gezwungene) Nachfrage, da auch bei innerchinesischen Reisen oft Quarantäne angeordnet wird. Was folgt klassisch, wenn hohe Nachfrage auf kleines Angebot trifft? Genau, steigende Preise! Und die besten Unterkünfte gehen dann natürlich die Bestzahlenden. Die Übernachtungskosten, die früher für hochwertige Unterkünfte für Flugbegleiter ausreichten, reichen heute eben nicht mehr ansatzweise aus, da muss man schon ein Vielfaches an Geld in die Hand nehmen, um einigermassen gut unterzukommen.

          2) die von Dir beschriebene Entwicklung habe ich so bislang nicht gesehen. Fakt ist aber natürlich, dass die Chinesen wenig Interesse daran haben, solche „Führungskräfte“ wieder ins Land zu holen, die bei der kleinsten Widrigkeit weglaufen. Die, die am Anfang der Pandemie gleich mit dem ersten „Rettungsflug“ geflohen sind, haben recht eindeutig bewiesen, als Führungskräfte ungeeignet zu sein und die werden die chinesischen Firmen jetzt natürlich mit zuverlässigeren Leuten ersetzen wollen.
          Überhaupt können chinesische Firmen inzwischen natürlich wählerischer sein, welche „foreign experts“ sie akzeptieren. Leute, die weder die Sprache verstehen, noch sich kulturell anzupassen bereit sind, sondern in ein Fettnäpfchen nach dem anderen treten, die -siehe oben- sofort wieder fliehen, wenn es Schwierigkeiten gibt, die sind eben nicht besonders beliebt. Ist in Deutschland ja auch nicht anders: Ausländer, die kein Deutsch lernen wollen, die sich nicht kulturell anpassen wollen, gehören hier auch nicht zu den beliebtesten Bevölkerungsgruppen.
          Da nun inzwischen immer mehr Chinesen auch eine gute Ausbildung mitbringen, zB. an europäischen Universitäten erworben, aber nicht die obengenannten Probleme mit sich bringen, ist es klar, wen man dort lieber einstellt.

      • Die Ableitung, dass LH Flugbegleiter entlassen könnte, weil genau dieser Flug nicht mehr durchgeführt werden kann ist nicht zulässig und man könnte dies auch nicht durchsetzen. Schon garnicht wenn man dann einen FB entlassen will, weil für ihn nur dieser Flug zur verfügung stehen würde.

        Weder den Arbeitsgerichtsprozess könnte man gewinnen, noch sich mit den Gewerkschaften auf irgendetwas in dieser Beziehung einigen.

        • diesen Optimismus in arbeitsrechtlichen Fragen scheinen die Flugbegleiter ja offenbar nicht zu teilen, wenn sie trotzdem fliegen.
          Und nicht zu Unrecht: die Lufthansa plant nach eigenen Angaben ja 20% aller Stellen zu streichen. Daran werden Gewerkschaften und Arbeitsgerichte auch nichts ändern können. Und wer zu diesen 20% gehört, das wird sich halt zeigen.

          • Hallo Markus,

            Warum muss es zwingend bedeuten, dass die FAs angst um ihren Job haben, wenn sie Ihre Arbeit auch unter schweren Bedingungen machen um ihr unternehmen hier nicht im Stich zu lassen. Es soll tatsächlich Arbeitnehmer geben, die Identifizieren sich mit dem Konzern in dem sie arbeiten.

            Der geplante Stellenabbau soll wenn irgend möglich ohne betriebsbedingte Kündigungen in Europa von statten gehen, wie es auch bis jetzt der fall war (bei deutlich mehr abgebauten Stellen wohlgemerkt). Damit entkräftest du dein Argument eigentlich selbst.

            Christoph

          • Hallo Christoph
            irgendwie kann ich nicht auf Deine Antwort antworten, daher schreibe ich meine Antwort jetzt unter meinen eigenen Beitrag.

            Ja, natürlich identifizieren sich Mitarbeiter mit dem Konzern, bei dem sie arbeiten. Aber spätestens bei Sicherheitsmängeln ist das nicht mehr angebracht. Und da fällt es mir auch schwer zu glauben, dass das die einzige Motivation ist. Unbequem schlafen ist das eine, aber sein Leben für einen Konzern riskieren, das ist was ganz anderes…

            Du schreibst „Der geplante Stellenabbau soll wenn irgend möglich ohne betriebsbedingte Kündigungen in Europa von statten gehen, wie es auch bis jetzt der fall war“

            Dass dem so bislang war, ist richtig, es wurden natürlich zunächst die Stellen abgebaut, die einfach abzubauen waren. Das ändert aber nichts daran, dass in 2021 auch 10.000 Stellen in Deutschland abgebaut werden sollen. So schon der Stand November letzten Jahres. Angesichts dessen, wie sich der Lockdown derzeit zäh wie Kaugummi hinzieht, das Ostergeschäft bereits verloren ist und aufgrund Verzögerungen bei den Impfungen wohl auch das Sommergeschäft extrem eingeschränkt laufen wird, dürfte diese Ankündigung eher die untere Grenze darstellen.
            Ja, es gibt eine Krisenvereinbarung mit Verdi in Bezug auf Beschäftigungsschutz, und ja, es wird jetzt erstmal versucht, mittels Kurzarbeit, Altersteilzeit und Freiwilligenprogrammen den Abbau umzusetzen, aber wenn das nicht reicht, werden spätestens am Ende der Laufzeit der Vereinbarung die betriebsbedingten Kündigungen kommen. Und wer davon betroffen sein wird, das wird sich zeigen,

  2. Für ein Land, das jedes Menschenrecht maximal mit Füßen tritt und der Mensch prinzipiell nur ein billiges Mittel zum Zweck oder besser zur kommunistischen Propaganda ist, wundert mich das ehrlich gesagt rein gar nicht. Dafür hat sich hingegen die chinesische Einheitspartei ganz im kompletten Gegensatz und auf wundersame Weise super intensiv und besorgt um seine Bevölkerung im Schutz gegen Corona gekümmert.

  3. Der Hammer zur Flucht geht gar nicht, auch sollte Sauberkeit und eine halbwegs moderne Einrichtung Gang und Gäbe sein. Sicher aber wegen der Quarantäne und den nicht perfekten Zimmern aufzuregen finde ich doch sehr übertrieben. Zur Zeit müssen alle den Gürtel etwas enger schnallen. Und wenn es der Belegschaft ernst um ihren Job ist dann nimmt man so etwas einfach hin!
    Halt schade, dass das Hotel nicht Instagram, Influencer und High Society tauglich ist. Müssen die lieben Flugbegleiter/innen halt mal auf diesen scheiß „Fame“ verzichten! Mein Mitleid zur ausgefallenen Selbstdarstellung hält sich bei mir in Grenzen..

    • Dieser Kommentar strotzt nur so vor Dummheit. Ich weis nicht wo diese übertriebene Missgunst herkommt. Es geht hierbei um die Tatsache, dass Arbeitnehmer in einem Zimmer eingeschlossen werden, ohne ein Mindestmaß an Sicherheit zu gewähren. Ich würde Sie gerne mal auf Geschäftsreise erleben, wenn Ihr Arbeitgeber von Ihnen erwartet sich in ein Zimmer, mit nicht funktionierender Heizung und vernünftigen Notausgängen, einschließen lässt. Was Ihr missgünstiger Kommentar bezüglich der Selbstdarstellung auf Instagram soll ist mir in dem Zusammenhang auch ein Rätsel.

      Es ist immer wieder lustig Kommentare auf einem Blog zu lesen, dessen Leser auf der Suche nach dem nächsten Schnäppchen oder Trick zum „Senator“ sind, aber gleichzeitig die Meinung vertreten, dass die Mitarbeiter dieser Unternehmen sich, trotz ihres nicht sonderlich hohen Gehaltes, so anstellen sollen – jeder muss ja aktuell den Gürtel etwas enger schnallen…

      • Zum Glück sind bei weitem nicht alle Leser dieser Seite so wie die paar wenigen, die ihre Frustration und anderen Blödsinn hier immer in den Kommentaren loslassen wollen. Dies sind nur zwei- drei Trolle, welche allerdings sehr laut schreien und sich daher in der Mehrheit fühlen.

        Insbesondere dem was du im ersten Absatz geschrieben hast, kann ich nur zustimmen!

    • Ich hab mich schon gefragt, wie lange es dauert, bis so ein Kommentar kommt 🥱🙄 Es geht in erster Linie um Sicherheitsstandards. Wurde aber auch erwähnt in dem Artikel.

    • Aus Berichten von Crews, sowie semi öffentlichen Schreiben der Gewerkschaften an LH und die Mitglieder, sowie der LH verantwortlichen an die Crews in welchen man die Situation kommentiert.

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