Investiert Lufthansa doch in Alitalia?

Alitalia, die italienische Staatsairline, kämpft ums Überleben. Gegenwärtig kann die Fluggesellschaft nur weiterfliegen, weil sie mit Staatskrediten liquide gehalten wird. Deshalb sucht der Staat auch seit längerer Zeit nach einem Investor, der ihm das Milliardengrab abkauft.

Investiert Lufthansa doch in Alitalia? | Delta Airlines möchte in Alitalia investieren

Zuletzt schien es so, als sei Delta der einzige Investor, der bereit sei, frisches Geld in die marode Airline zu pumpen. Im Sommer waren 100 Mio. Euro für einen 10% Anteil im Gespräch.

Delta hatte bis zum 15. Oktober Zeit, eine verbindliche Investitionsstrategie vorzulegen. Diese Frist hat die Airline aus Atlanta jedoch verstreichen lassen.

Daher gibt es jetzt eine Nachfrist bis zum 21. November, zu der sich Delta, der Flughafenbetreiber Atlantia und die staatliche Bahngesellschaft Ferrovie dello Stato (FS) auf eine Übernahmeform für Alitalia einigen sollen.

Investiert Lufthansa doch in Alitalia? | Lufthansa sieht Chance, noch zum Zuge zu kommen

Mehrere Medien berichten übereinstimmend, dass Lufthansa an das italienische Verkehrsministerium herangetreten ist und noch ein Angebot für eine Minderheitsbeteiligung an Alitalia unterbreiten möchte.

Unbestätigten Gerüchten zufolge wäre Lufthansa bereit, 150-200 Mio. Euro in Alitalia zu investieren. Im Gegenzug soll Alitalia 4.000 Mitarbeiter abbauen (von insg. 11.000). Zudem wäre Lufthansa nur bereit, 90-100 der 116 Flugzeuge der Alitalia zu übernehmen.

Bei dem inzwischen abgelehnten ersten Angebot der Lufthansa hätte diese nur 5.000 der 11.000 Mitarbeiter und 80 der Flugzeuge übernommen. Hier kann man schon ein deutliches Entgegenkommen

Ein weiterer deutlicher Unterschied zum ursprünglichen Angebot ist, dass Lufthansa jetzt auch bereit sein soll, einen Minderheitsanteil zu erwerben.

Investiert Lufthansa doch in Alitalia? | Frankfurtflyer Kommentar

Die ersten Reaktionen von Kapitalmarktanalysten zu der neuen Offerte der Lufthansa waren eher zurückhaltend.

Aus unserer Sicht ist ein „Wettbieten“ um Alitalia nicht unproblematisch. Alitalia „verbrennt“ zur Zeit über eine Mio. Euro am Tag, d.h. es muss eine Art von Umstrukturierung geben. Ob man diese als Minderheitsgesellschafter aber tatsächlich durchsetzen kann ist sehr ungewiss. Der Track Record des letzten Minderheitsaktionärs verheißt nichts Gutes.

Außerdem hat Lufthansa gerade mehr als beide Hände damit zu tun, tragfähige Strategien für Brussels und Eurowings zu entwickeln und umzusetzen. Käme Alitalia noch dazu, würde die Aufgabe kein bisschen leichter.

Allerdings sieht Lufthansa gerade, dass Delta die Verbindungen nach Italien ausbaut und mit verbessertem Zugriff auf Alitalia z.B. die Zubringerflüge weiter optimieren könnte.

Insgesamt erscheint es aber leider so, als wären Lufthansa und Delta lediglich „defensiv“ an Alitalia interessiert und möchten den Einstieg des jeweils anderen blockieren. Daher bleibt es spannend zu sehen, wie die neue italienische Regierung auf den Vorstoß von Lufthansa reagieren wird.

Wir bleiben dran.

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1 Kommentar

  1. Wer sich diesen Klotz freiwillig ans Bein bindet ist nur zu bemitleiden. LH sollte das Geld lieber in die Hand nehmen, um Air Dolomiti expandieren zu lassen.

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