Italien verbietet Handgepäck und Overhead Bin Nutzung im Flugzeug

Die Coronakrise hat eine ganze Reihe von massiven Maßnahmen nach sich gezogen, welche mehr oder weniger sinnvoll erscheinen. So gibt es inzwischen in der Luftfahrt quasi weltweit eine Maskenpflicht für Passagiere und am Flughafen und in der Öffentlichkeit gilt eine Abstandspflicht von meist 1,5 bis 2 Meter.

Das vom Coronavirus besonders gebeutelte Italien hat nun nach einer ganzen Reihe von Lockerungen und der Wiederöffnung für Touristen eine sehr fragwürdige Regelung für alle Flüge von und nach Italien erlassen, welche den Passagieren die Nutzung der Overhead Bins im Flugzeug untersagt und damit das Handgepäck für das Flugzeug fast komplett einschränkt.

Lediglich ein kleiner persönlicher Gegenstand, wie eine Laptop oder eine Handtasche dürfen die Passagiere noch mit an Bord nehmen, wobei das persönliche Handgepäckstück unter den Vordersitz passen muss. Wie dies bei Passagieren in der ersten Reihe an der Bulkhead oder am Notausgang gehandhabt werden soll, ist nicht klar, denn hier darf aus Sicherheitsgründen kein Handgepäck unter den Vordersitzen verstaut werden.

Die Logik hinter dieser Entscheidung in Italien ist das Beschleunigen des Ein- und Aussteigens und so das Vermeiden von ungewollter körperlicher Nähe im Flugzeug. Durch das Verstauen von Handgepäck im Flugzeug kommt es oft zu Gedrängel und auch Stau in den Gängen, wodurch die Passagiere die Abstände nicht mehr einhalten würden und sich das Infektionsrisiko erhöht.

Auch in Deutschland wurde seit Ausbruch der Coronakrise das Handgepäck reduziert, allerdings ging es hier auch maßgeblich darum, dass weniger Gepäck an den Sicherheitskontrollspuren nachkontrolliert werden muss und so der Kontakt zwischen Passagieren und Personal minimiert werden sollte.

Low Cost Airlines protestieren

Besonders Low Cost Airlines wie Ryanair kritisieren diese neue Regelung, denn die Regierung in Rom verlang nun auch, dass Handgepäck kostenlos von den Airlines im Frachtraum verladen werden muss. Airlines, welche ihr Geschäftsmodell darauf aufbauen  für das Einchecken von Koffern hohe Gebühren zu verlangen, sehen hier ein Problem.

Italien verbietet Handgepäck und Overhead Bin Nutzung im Flugzeug | Frankfurtflyer Kommentar

Dieser neue Ansatz der Regierung in Italien ist aktuell eine der striktesten Regulierungen in der Luftfahrt und ich persönlich sehe hier auch große Probleme in der Akzeptanz der Passagiere. Während ich es noch für verständlich halte, dass man vermeiden will, dass die Overhead Bins überfüllt sind, stellt sich mir die Frage, warum deren Nutzung wirklich ein Gesundheitsrisiko darstellen soll.

Für Deutschland sehe ich solch eine Regelung sicher nicht kommen, denn ich sehe sie als unverhältnismäßig in ihrer Auslegung an. Schauen wir mal, wie lange diese Regelung auch in Italien Bestand haben wird. Auf mich wirkt sie wie der reine Aktionismus.

Danke: OMAAT

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8 Kommentare

  1. Ach Christoph? Wirklich so lange in keiner Economy-Kabine mehr gewesen? 😌
    So groß ist der Unterschied zwischen einer Keilerei in Asterix‘ gallischem Dorf und dem Krieg um die Handgepäckfächer doch gar nicht.
    Die ganze Drängelei beim Boarden kommt doch nur von der Sorge, keinen Platz in den Fächern zu bekommen.

    Ich warte ja auf den Handgepäckroman von Robert. 😀

  2. Sicherlich ist die Regel fragwürdig, doch auch auf meinen letzten europäischen Flügen mit LH vor einer Woche waren die Flieger komplett voll und der Mindestabstand wurde so gar nicht eingehalten. Das resultiert sicherlich auch daraus, dass man alle gleichzeitig einsteigen lässt, aber auch an den Overhead-Bins! So unverständlich ist die Regel dann doch wieder nicht.

  3. Bei Einsteigen soll also das Ansteckungsrisiko vermindert werden und danach sitzt man stundenlang dicht an dicht? Sorry, aber das ergibt null Sinn und ist nur Aktionismus.

  4. Aber bitteschön auch keine zerbrechliche oder entzündliche Gegenstände einchecken. Fotoausrüstung, Batterien etc. darf man ja auch nicht einchecken. Aber dann auch nicht mehr mit in die Kabine nehmen?
    Nun gut, wenn niemand mehr fliegen kann, steckt sich auch keiner im Flieger an.

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