Lieferstopp bei Boeing: Lufthansa Boeing 787-9 kommen frühestens im zweiten Halbjahr 2022

Foto: Lufthansa

Lufthansa hat sich in den letzen Monaten eine Reihe von neuen Flugzeugen kurzfristig sichern können, welche die Langstreckenflotte unterstützen und vor allem modernisieren sollen. Dabei konnte man neben jungen, gebrauchten Airbus A350-900, auch fünf Boeing 787-9 kurzfristig bei Boeing erwerben. Eigentlich sollten die Dreamliner schon Ende 2021 zur Lufthansa Flotte kommen, aber die Auslieferung hat sich deutlich verzögert.

Nun wird klar, dass Lufthansa noch länger auf die ersten fünf Boeing 787-9 warten muss, denn Boeing muss den Lieferstopp für die Boeing 787, welcher bereits seit einem Jahr besteht, wohl noch bis mindestens Juli 2022 verlängern. So berichtet es Reuters und beruft sich hierbei auf ein Schreiben von Boeing an Airlines und Zulieferer, in welchem man auf die Verzögerung hinweist.

Grund für den anhaltenden Lieferstopp sind Probleme bei Bauteilen für die Boeing 787, welche als sicherheitsrelevant eingestuft werden. So scheint es aktuell Probleme mit Faserverbund Teilen von Mitsubishi Heavy Industries zu kommen. Durch Verunreinigungen bei der Produktion, könnte möglicherweise die Festigkeit der Bauteile nicht sichergestellt sein.

Nach dem Debakel um die Boeing 737MAX, hält die Luftfahrtaufsicht in den USA, FAA, Boeing aktuell an der kurzen Leine und hat bis zu einer abschließenden Klärung der Problematik die Auslieferung der Boeing 787 kurzerhand untersagt.

Ersten fünf Lufthansa Boeing 787-9 wohl nicht betroffen

Die ersten fünf für Lufthansa vorgesehenen Boeing 787-9 sind von der Problematik wohl nicht betroffen, da sie deutlich früher gebaut wurden, als die aktuell eigentlich zur Auslieferung anstehenden Dreamliner. So sollten die Lufthansa Boeing 787-9 eigentlich an die indische Vistara gehen, allerdings konnte diese sie nicht übernehmen.

Lufthansa hat in der Pandemie diese fünf Flugzeuge als White Tails gekauft, also als fertig gebaute Jets, welche aber nie ausgeliefert wurden.

Aktuell werden die Flugzeuge für die Auslieferung für Lufthansa vorbereitet. Aus Lufthansa Kreisen hört man, dass die Mängelliste der Lufthansa Kontrolleure zwar länglich sei, aber nicht sicherheitsrelevant. Grundsätzlich gilt Lufthansa bei den Flugzeugbauern aber als komplizierter Kunde, denn „der Airline würde jeder Kratzer auffallen“.

Neben den fünf White Tails, welche sehr schnell zu Lufthansa kommen sollen, hat Lufthansa auch 20 neue Boeing 787-9 bestellt. Wann genau diese geliefert werden ist noch offen, denn eigentlich war bei der Bestellung der Plan, dass sie zwischen 2022 und 2027 ausgeliefert werden.

Vor 2023 ist nicht mit den ersten der neuen 20 Boeing 787-9 zu rechnen. Möglicherweise wird sich die Auslieferung sogar bis 2024 verzögern. Wirkliche Prognosen traut sich hier niemand zu, weder bei Boeing, noch bei Lufthansa.

Die 20 neuen Boeing 787-9 werden dabei wohl nicht komplett zu Lufthansa gehen, sondern wurden für die graue Flotte bestellt, was bedeutet, dass sie teilweise auch bei Austrian Airlines, Swiss oder auch Brussels Airlines eingesetzt werden können.

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Boeing kommt aktuell nicht aus der Krise heraus, denn nach dem Skandal mit der Boeing 737MAX, hat man nun auch massive Probleme mit den Dreamliner. Hiervon ist nun auch Lufthansa betroffen, welche die Boeing 787-9 eigentlich dringend braucht. Bis die Flugzeuge kommen, wird man die Kapazitäten vorrangig mit alten Airbus A340-300 abdecken.

Dabei kommt es auch bei der Boeing 777-9X immer wieder zu Verzögerungen, denn dieses Flugzeug sollte eigentlich schon lange für Lufthansa fliegen und hat massive Verspätung. Dabei ist man hier aber anders als bei der Boeing 787 wohl gar nicht so unglücklich, denn aktuell braucht Lufthansa vorrangig kleinere Langstreckenflugzeuge, bis sich die Nachfrage wieder vollständig erholt hat.

6 Kommentare

    • Gar nicht, würde ich sagen. Denn es geht um kleinere Maschinen, die Point to Point fliegen, was von vielen Kunden auch so gewünscht ist. Ein A380 kann und konnte das nie leisten und hat dazu noch zu wenig Raum für Fracht.

    • Der 339 ist sicher eine alternative zur 789, aber LH hat sich gegen das Flugzeug entschieden, schon alleine da man bei Boeing kaufen wollte/musste um nicht zu sehr von Airbus abhängig zu werden.

      Ich wäre aber auch nicht überrascht, wenn der A350-1000 es mal zur LH schaffen würde, denn er wäre auch ein guter Ersatz für die A340-600 und man könnte ab MUC eine reine A350-900/1000 Langstreckenflotte betreiben. Alle 330/340/748/787/77X gehen dann nach FRA.

      Ob es kommt… keine Ahnung.

  1. Wie ich bereits in einem anderen Kommentar geschrieben habe, denke ich, dass der Hauptgrund für das Festhalten an den beiden verspäteten Boeing Modellen ein einkaufspolitischer ist. Ich bin davon überzeugt, dass sich sowohl der Dreamliner als auch die 777X problemlos durch die bereits genannten Airbus Modelle ersetzen ließen. Operativ hätte dies sicherlich massive Vorteile. Man möge sich aber auf der anderen Seite einmal ausmalen, was es für Zivilluftfahrt Markt bedeuten würde, sollte sich Boeing tatsächlich einmal aus diesem Geschäft zurückziehen (müssen). Vor dem großen 737MAX Skandal hatte Carsten Spohr auch einmal durchblicken lassen, dass die Lufthansa Gruppe durchaus Interesse an diesem Modell haben könnte. Davon ist heute keine Rede mehr. Somit sind die beiden Langstreckenmodelle die beiden letzten Boeing Optionen, bei denen die Lufthansa mittelfristig in nennenswerten Stückzahlen zugreifen könnte. Sind die Qualitäts Probleme aber erst einmal im Griff, bin ich davon überzeugt, dass beide Modelle enormes Potenzial bieten. Und mit den verbliebenen A330/340, B744 sowie B767/777 auf der einen und 2nd Hand A359 auf der anderen Seite kann die Lufthansa Gruppe sicherlich noch eine ganze Weile improvisieren.

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