Lufthansa Chef: „Fliegen macht aus wirtschaftlicher Sicht KEINEN Sinn mehr!“

Foto: Lufthansa

Die Luftfahrt befindet sich aktuell in der schwersten Krise aller Zeiten. Weder der 11. September 2001, noch die Finanzkrisen haben vergleichbare Effekte auf die Airlines gehabt, wie es das Coronavirus gerade schafft. Fast weltweit ist die Industrie gerade zum Stillstand gekommen und auch die Lufthansa Gruppe ist hiervon massiv getroffen.

Auf der Bilanzpressekonferenz, welche per Video in Frankfurt von Lufthansa abgehalten wurde, sollte es eigentlich um das Geschäftsjahr 2019 gehen, welches mit einem bereinigten EBIT von fast 2 Milliarden Euro immer noch eines der erfolgreichsten Jahre in der Geschichte des Konzerns war. Natürlich war jedoch das vorrangige Thema die Zukunft der Lufthansa und insbesondere die aktuelle Situation.

Fliegen macht aus wirtschaftlicher Sicht KEINEN Sinn mehr!

Wie dramatisch die Situation für Lufthansa und die gesamte Airlinebrache ist, sieht man deutlich, wenn Carsten Spohr über das in den kommenden Wochen geplante Flugprogramm seiner Airline, immerhin eine der größten der Welt, spricht. So fährt man gerade das Angebot deutlich herunter und ab kommender Woche wird Lufthansa nur noch etwa 5% der ursprünglich geplanten Flüge fliegen.

So kenne er als Vorstandsvorsitzender erstmals den gesamte Flugplan auswendig und könne ihn nun auch aufsagen, so zusammengestrichen ist inzwischen das Programm von Lufthansa. Man würde mit zweistelligen Flugnummer auskommen und nun in etwa ein Programm fliegen, wie es die Lufthansa 1955 getan hat.

Sieben Langstrecken seien ab nächster Woche noch geplant und hierbei wird man ausschließlich ab Frankfurt fliegen. So geht es drei Mal wöchentlich nach Chicago, New York, Montreal, São Paulo, Bangkok, Tokio und Johannesburg. Dies entspricht drei Langstreckenflügen am Tag. Wenn man dies vergleicht: vor der Krise ist die Lufthansa Gruppe alleine nach New York bis zu 14 mal am Tag geflogen!

Aber auch in Europa wird man nur noch wenige Flüge fliegen und alle Lufthansa Flüge werden nur noch von und ab Frankfurt starten. Die Basis in München soll geschlossen werden und von München sollen lediglich zehn Lufthansa City Line Flüge pro Tag abheben. Ab Frankfurt werden es pro Tag immerhin noch bis zu 30 Flüge sein, wobei man dies in Frankfurt auch schon binnen 20 Minuten abfertigen könnte.

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Dabei wird man auf der Kurzstrecke nur noch sehr ausgewählte Ziele mit dem Luxus von zwei Frequenzen pro Tag anfliegen. Hierzu zählen z.B. London und Paris, welche je einen Morgen- und einen Abendflug bekommen. Der Rest wird nur noch einmal pro Tag am Mittag oder gar nicht mehr angeflogen.

Aber selbst dieses minimale Programm sei nach Lufthansa Chef Carsten Spohr nicht mehr aus wirtschaftlicher Sicht zu rechtfertigen und so fliege man eher weiter, um die kritische Infrastrukturen aufrecht zu erhalten. Man habe aktuell quasi keine Buchungseingänge und Einnahmen.

In den kommenden Wochen werde man sich mit der Politik unterhalten müssen, welche Flüge aus politischer Sicht weiterhin nötig und sinnvoll sind, denn aus wirtschaftlicher Sicht macht Fliegen in dieser Situation keinen Sinn mehr!

Swiss soll zukünftig nur noch mit sechs Flugzeugen fliegen

Auch die Vorzeigetochter Swiss, welche in den letzten Jahren immer die besten Ergebnisse im Konzern erfolgen hat, ist von der Krise schwer gebeutelt und wird den Flugbetrieb weitestgehend einstellen. So soll lediglich eine Langstrecke nach New York und noch einige Flüge innerhalb Europas aufrecht erhalten werden.

Die Lufthansa Airlines Austrian Airlines, Brussels Airlines und Air Dolomiti haben den Flugbetrieb schon komplett eingestellt und fliegen wenn überhaupt nur noch bei Rückholaktionen.

Auch Eurowings wird noch einige wenige Flüge durchführen und zwar über die Rückholaktionen hinaus. Allerdings wird es hier auch mehr um die Aufrechterhaltung der kritischen Infrastrukturen gehen, als den Bedarf abzudecken.

Lufthansa Chef: „Fliegen macht aus wirtschaftlicher Sicht KEINEN Sinn mehr!“ | Frankfurtflyer Kommentar

Es sind surreal was gerade passiert und solch eine Situation hat noch niemand miterlebt. Gerade in der Luftfahrt kennt man solche Dinge nicht, denn noch nie war es so, dass man die gesamte Luftfahrt quasi auf unbestimmte Zeit aussetzen musste. Noch ist nicht klar, wie lange diese Krise anhält, allerdings ist klar, dass gerade die Airlines noch mehrere Jahre mit den Folgen dieser Krise leben müssen.

Lufthansa selbst hat Szenarien vorbereitet, bei welchen man die Flotte faktisch für drei, sechs oder 12 Monate stilllegt. Aber auch wenn morgen alles vorbei wäre, würde es mehrere Monate dauern, bis der Flugverkehr wieder annähernd normal verläuft und die Buchungszahlen ein normaleres Niveau erreichen.

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19 Kommentare

  1. Womit klar bewiesen ist: Plötzlich geht ’s mit Videoschaltungen/Telefonkonferenzen. Die Spassfliegerei wurde ebenfalls zurückgefahren und der total überdrehte Tourismus, wo jeder und jede meint, man müsse überall gewesen sein, kommt zur Ruhe.
    Jetzt ist Zeit um sich daran zu erinnern, dass wir ja zwei Füsse haben. Die können nämlich ohne weiteres für einen Waldspaziergang gebraucht werden und nicht bloss für den Weg durch’s Gate zum Flugzeug ! Runterkommen und etwas zurückfahren kann nicht schaden.

    Take it easy and walk in the nature — it’s much more healthy !

    PS: Den Senator habe ich nur mittels Spassflügen erreicht — gehöre also auch zu dieser Spezie.

    • Sorry aber hier muss ich die vehement wiedersprechen! Es geht nicht alles per Video Konferenz und die PK per Video war auch alles andere als wirklich gut.

      Die Bedeutung des persönlichen Gespräch und des persönlichen Treffen wird massiv unterschätzt und wir sehen ja wie durch diese Einschränkungen gerade die Wirtschaft kollabiert.

      Ich finde solch ein Kommentar respektlos gegenüber den Millionen von Menschen, welche gerade um ihre Existenz bangen müssen. Aber machen wir doch einfach einen Waldspaziergang?

      Sorry hier bin ich raus!

      • Ich stimme Christoph zu. Am Anfang eines Projekts, einer Geschäftsbeziehung ist der persönliche Kontakt durch nichts zu ersetzen. Wenn erstmal ein Vertrauensverhältnis steht, dann (!) kann Vieles auch per Videokonferenz geklärt werden. Der Zweck bestimmt die Art der Kommunikation.

        Ich habe vorhin auch so einen merkwürdigen Kommentar gelesen, in dem ein Ausblick auf die Welt nach Corona gewagt wurde. „Vermögen ist nicht mehr so wichtig, wichtiger ist ein Gemüsegarten.“ Da bin ich dann auch raus! Klar braucht es Ausgleich, Erdung und Rückzugsorte, aber der Gemüsegarten kommt bestimmt nicht für meine Rente auf…

      • Danke Christoph das musste gesagt werden. Persönlicher Kontakt ist gerade im Geschäftsleben sehr wichtig und essentiell für den Erfolg. Auch finde ich es sehr gut privat viel zu fliegen und neue Menschen und verschiedene Kulturen kennen- und verstehen zu lernen. Nur engstirnige ewig gestrige Leute denken ein Waldspaziergang in der Heimat ist das größte auf der Welt. Solche Zeiten hatten wir vor 80 Jahren schonmal… Das darf und wird sich nicht wiederholen.

    • Schön, wenn man das so eng sehen kann. Ich frage mich manchmal wirklich, wie so manche durchs Leben stolpern. Da erahnt wohl einer nicht im entfernsten, was da alles so an Jobs dranhängt bei der Lufthansa selbst, Ground Personal Flughafen, Catering nur um die offensichtlichesten zu nennen. Und das betrifft die ganze kommerzielle Luftfahrtindustrie.

  2. @ Rene @ Christoph . Denke wie bei den allermeisten Dingen im Leben ,
    in der Mitte liegt die Wahrheit.
    Alles Gute für alle hier im Forum.

    • Das mit dem Waldspaziergang schein t Christoph in den falschen Hals geraten zu sein ! Mit dem „Cool Down“ meinte ich, dass es NICHT nötig ist, jedes Wochenende irgendwo hin zu fliegen, nur dass ich am Montag im Büro damit angeben kann.
      Stattdessen käme jetzt eben der Spaziergang in der Natur ins Spiel.
      Ich bin mir absolut bewusst, dass eine Vielzahl von Menschen vom Tourismusbusiness abhängig sind und dort ihren Lebensunterhalt verdienen. Diese Leute wollte ich nicht vor den Kopf stossen. Sollte mein Beitrag von einigen falsch interpretiert worden sein, so tut es mir aufrichtig leid und ich entschuldige mich.

      • Hallo Rene,

        Ich habe durchaus eine sehr enge Verbundenheit zur Luftfahrt, wie wohl alle hier auf der Seite. Vermutlich habe ich auch etwas überreagiert. Momentan liegen auch bei mir manchmal die Nerven blank und da ist die Zündschnur sehr kurz.

        Liebe Grüße und bleibt Gesund!

        Christoph

  3. Sich entschuldigen zu können zeigt immer von Größe und jeder kann mal etwas unüberlegt sagen bzw .schreiben. Ich fliege sowohl beruflich (halte Vorträge) als auch privat (sehe mir die Welt an). Zu ersterem: natürlich könnte man in meinem Fall vieles online erledigen bzw. nachlesen. Aber die Tipps und Tricks werden nur abends beim Bier im kleinen Kreis wenn die persönliche Chemie stimmt weitergegeben. Und privat: ganz einfach, je mehr ich von der Welt sehe desto besser verstehe ich sie. Vor 70 Jahren hat man Menschen als Untermenschen bezeichnet und kannte nur sein Dorf (meine Oma war nie im Ausland). Heute weiss auch Otto Normalverbraucher aus eigener Anschauung, dass z.B. die Thais in Thailand normal und uns ebenbürdig sind. Durch Fliegen ist die Welt kleiner und unser Horizont größer geworden. Das will ich nicht ändern, basta!

  4. Ich habe mich vor zwei drei Wochen noch gewundert warum denn noch so viele Paare und Familien in den Urlaub fliegen. Jetzt weiß ich das genau diese Urlauber am lautesten schreien holt uns zurück. Obwohl da schon abzusehen war was passieren wird. Ich würde jeden der jetzt zurück geholt werden muß die Kosten in Rechnung stellen. Man sollte halt als Flugpassagier auch mal das Hirn einschalten. Aber es muss ja immer nur günstig sein. Alles andere ist ja egal. Kein Wunder das man für 15 Euro nach London fliegen kann. Solche billig Flüge wird es ja wohl jetzt nicht mehr geben. Mir tun nur die Menschen leid die jetzt wohl ihre Arbeit verlieren. Und wünsche ihnen in Zukunft was immer die bringt alles Gute

    • Die Kosten werden den zurück geholten schon in Rechnung gestellt. So etwas funktioniert hervorragend. Klar, erstmal chartert die Bundesregierung die LH-Condor-EW-Maschine, die Leute werden abgeholt und später kommt dann von der Bundesregierung die Rechnung dazu. Notfalls wird so etwas noch vollstreckt, selbst wenn Corona irgendwann vergessen sein wird.
      Das wird am Ende so laufen wie die Konsularhilfen von gestrandeten Deutschen im Ausland. Die müssen auch wieder zurück gezahlt werden. Selbst wenn manche nicht daran denken oder sich das vorstellen können.

      • Muss in dem konkreten Fall tatsächlich nicht sein. Es gibt jetzt schon Aussagen, dass man darüber nachdenkt auf eine Weiterberechnung zu verzichten.

    • Ich glaube, dass wenn Hunderttausende oder Millionen aufgrund dieser Krise ihren Arbeitsplatz verlieren das Thema Fliegen oder nicht Fliegen zweitrangig ist. Wenn diese Krise noch Monate dauert werden unsere Sozialsysteme kollabieren und davon werden dann wahrscheinlich fast alle betroffen sein. Ich möchte mir die ganzen Folgen lieber nicht ausmalen. Da hilft es auch nicht viel, wenn jeder seinen Gemüsegarten hat.

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