Lufthansa verzichtet auf A380 – 22.000 – 28.000 Stellen fallen weg

Foto: Lufthansa

Lufthansa wird zukünftig auf den A380 verzichten. Die geparkten Flugzeuge sollen nicht mehr in die Flotte zurückkehren. Auch der Airbus A340-600 wird wohl nicht mehr mit dem Kranich am Heck abheben. Insgesamt sollen 150 von 760 Flugzeugen die Lufthansa Group verlassen. Neben den Einschnitten bei der Flotte wird es auch empfindliche Maßnahmen beim Personal geben. Zwischen 22.000 und 28.000 Vollzeitstellen sollen wegfallen, wie Lufthansa heute in einer Pressemitteilung bekanntgab.

Das Schicksal des A380

Dass Lufthansa mit dem A380 nicht glücklich war, wurde spätestens offensichtlich, als die Airline bekanntgab, sechs der insgesamt vierzehn Flugzeuge an Airbus zu verkaufen und die Flotte komplett nach München zu verlegen. Zu Beginn der Coronakrise wurden die Flugzeuge dann in eine Long Term Storage gebracht. Dort sollen die acht A380 auch weiterhin bleiben. Kommt es zu einer unerwartet schnellen und kräftigen Belebung des Personenflugverkehrs könnten die Flugzeuge theoretisch wieder eingeflottet werden. Aber daran mögen derzeit wohl nur die größten Optimisten denken.

Foto: Lufthansa

Selbst Emirates ist bei der Einflottung der A380 sehr behutsam und vorsichtig.

Das Schicksal des A340-600

Der A340-600 war einmal das längste Passagierflugzeug der Welt und das größte Muster von Airbus. Lufthansa hatte insgesamt 17 A340-600 in der Flotte. Zehn dieser Flugzeuge sollen im Langzeitparkmodus verbleiben und könnten unter besonderen Umständen wieder in die Flotte aufgenommen werden. Die übrigen sieben Flugzeuge werden ausgeflottet und werden nicht mehr für Lufthansa fliegen. Im Sommerflugplan 2021 ist der A340-600 aktuell noch enthalten, wird jedoch bald entfernt und durch andere Flugzeuge ersetzt.

Damit ist auch klar, dass es die Lufthansa First Class bis auf weiteres nur im 747-8 Jumbo geben wird.

Das Schicksal der Mitarbeiterinnen und der Mitarbeiter

Wenn weniger Menschen fliegen und die Airline weniger Flugzeuge braucht, geht das nicht spurlos an der Belegschaft vorbei. In den letzten Wochen war oft von einer Mitarbeiterreduktion in Höhe von 22.000 Vollzeitstellen die Rede. Diese Zahl wurde heute noch einmal angehoben. Zwar nicht auf die auch mal kolportierten 42.000, aber auf bis zu 28.000 Vollzeitstellen. Angeblich trifft es auch Piloten. Wahrscheinlich zunächst bei Germanwings. Alleine in Deutschland sollen 30% der Verwaltungsstellen abgebaut werden. Auf Management Ebene entfällt jede fünfte Stelle.

Foto: Lufthansa

Lufthansa verzichtet auf A380 – 22.000 – 28.000 Stellen fallen weg | Frankfurtflyer Kommentar

Inzwischen hat sich die Coronakrise zur größten Herausforderung der zivilen Luftfahrt seit dem zweiten Weltkrieg entwickelt. Airlines kämpfen um ihr Überleben – ohne klare Sicht auf die Zukunft. Lufthansa hat derzeit einen Abfluss von liquiden Mitteln in Höhe von ca. 500 Mio. EUR im Monat. Durch die oben genannten Maßnahmen soll dieser Abfluss auf 400 Mio. EUR im Monat reduziert werden. Denn die Buchungszahlen bleiben weit hinter den Erwartungen zurück. Statt bis Jahresende wieder 50% des Vorjahres zu erreichen, werden es jetzt nur 20-30% sein.

Lufthansa hat jedoch keine Kürzung bei Flugzeugbestellungen bekannt gegeben. Anscheinend gibt es doch noch eine Portion Zuversicht, die Erneuerung der Flotte voranzutreiben. Allerdings: je schneller diese Erneuerung von statten geht, desto unwahrscheinlicher, dass Flugzeuge aus der Long-Term-Storage in den Flugdienst zurückkehren.

Für die Mitarbeiter ist diese neue Entwicklung schrecklich.

Das könnte Euch auch interessieren

8 Kommentare

  1. Die Passagiere reisen nicht, weil der Flugplan SEHR unzuverlässig ist. Dieser ist unzuverlässig, weil die Pax fehlen und die Grenzen öffnen/schliessen/öffnen! Wer mag da an Ferien denken mit allf. Quarantäne.

    • Das Problem ist vielmehr eine Ungewissheit ob man zu seinem Ziel überhaupt kommt, bzw. Dort in die Quarantäne muss.
      Deswegen kann LH auch nicht einen verlässlichen Flugplan erstellen…

    • Ich weiß nicht, ob das mit dem Flugplan zusammenhängt. Man kann einfach nirgendwo hin oder weiß niht, ob man morgend noch hin kann, wohin man heute reisen darf. Die paar Ausnahmen ändern da nichts.
      Das ändert sich erst durch weitestgehende Immunität, ob nun durch Impfung oder auf die harte Tour a la Brasilien.

  2. Und das ganze vor dem Hintergrund der 9 Milliaren Euro Steuergelder, die dieses abgewirtschaftete Unternehmen wegen „Corona“ kassiert hat.
    Die Vorstands-Boni werden sicher trotzdem fett ausfallen.
    Und die gefeuerten Mitarbeiter werden werden alle wieder artig CDU / SPD wählen, weil die für sie – die Miarbeiter – die Coronakrise so meisterhaft gemanaged haben.

  3. Das Material – also die Jets – sind absolut nebensächlich. Mir tun hauptsächlich die Mitarbeiter leid, ganz egal, bei welcher Konzernlinie. Bleibt zu hoffen, dass die Verbleibenden eine Perspektive haben. Wenn allerdings die Faustregel von einem Flugzeug gleich 250 bis 350 Mitarbeiter gilt, dann dürfte die angekündigte Entlassungswelle leider vorerst nicht die letzte gewesen sein. Die Situation tut mir in der Seele weh. Wir wären in drei Woche sehr gerne von PAD über MUC im A380 nach LAX geflogen, das Einreiseverbot in den USA macht uns dies unmöglich. Wir planen nun 2022 zu fliegen, ob es PAD dann noch gibt, steht in den Sternen, aber vielleicht können wir ja ja dann bereits die LH B779 erleben.

  4. Du schreibst:

    „Angeblich trifft es auch Piloten“… wäre es nicht selbstverständlich das gerade dort abgebaut werden muss, bei 150 Flieger weniger?

    Ich würde erwarten das es alle Bereiche betrifft und nicht eine Berufsgruppe bevorzugt wird, weil dieses sich als „unersetzbar“ sehen…

    • Piloten sind sicher ein eigenes Thema. Die Streiks mit nicht immer wirklich nachvollziehbarem Ziel sind ja nicht vergessen.
      Unabhängig davon ist die Lage speziell für Piloten wenig erfreulich. In der Gehaltsliste stehen sie meist weiter oben, die Lebensführung ist darauf ausgerichtet. Ganz normal. Aber wegen der sehr speziellen Ausbildung ist im Fall der Fälle ein Berufswechsel alles andere als trivial.

      Lassen wir uns einmal von der Pharmaindustrie überraschen. Am Ende sind wir noch alle über die ethisch heftige diskutierte Entwicklungsstrategie in China und Russland dankbar. Wer weiß …

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*