Lufthansa will bestehende Bestellungen in kleinere Maschinen umwandeln

Um weiter wachsen zu können und das Durchschnittsalter der Flotte zu senken hat Lufthansa zahlreiche Flugzeuge bestellt. Über 130 Maschinen aus früheren Bestellungen werden noch ausgeliefert, etwa die Hälfte davon sind Langstreckenjets. Mit der Covid-19 Pandemie hat zum Zeitpunkt der Order allerdings niemand gerechnet, die Zeichen stehen nun auf Schrumpfkur.

Die Flotte kann und will der Kranich-Konzern nach wie vor verjüngen, in Sachen Anzahl und Flugzeuggröße sehen die Parameter inzwischen aber anders aus. Lufthansa-CEO Carsten Spohr äußerte seine Gedanken diesbezüglich in einem Interview mit der London School of Economics.

66 Langstreckenflugzeuge werden noch ausgeliefert

Wer hätte das gedacht? Nach dem Rekordjahr 2019 ist die Branche eine andere. Mit ähnlich hohen Passagierzahlen rechnet die Lufthansa Group frühestens wieder 2026. Als Konsequenz trennte sich die Airline bereits von Tausenden Mitarbeitern, die Flotte wird um mindestens 150 Flugzeuge reduziert.

Die größten Maschinen sind am Boden, Giganten wie die Boeing 747-400 und die beiden Airbus Modelle A340-600 und A380 wurden aus dem Dienst gezogen. Zahlreiche weitere Maschinen sind geparkt und derzeit inaktiv. Das schmale Programm wird mit kleineren und den sparsamsten Modellen geflogen.

Auf interkontinentalen Routen kommen bei der Muttergesellschaft hauptsächlich A330, A340-300 sowie A350 zum Einsatz. Die Boeing 747-8 fliegt nur noch vereinzelt. Auf Kurzstrecken sind zu einem großen Teil die kleinen Maschinen der Regionaltochter CityLine im Einsatz, bei der A320-Flotte werden hauptsächlich die neueren NEO-Modelle eingeplant. Alle herkömmlichen A320 & A321 stehen derzeit still.

Bei den beiden Herstellern Boeing und Airbus sind derzeit noch 66 Festbestellungen für Langstreckenjets platziert:

  • 26 Airbus A350-900
  • 20 Boeing 787-9
  • 20 Boeing 777-9

Die genaue Verteilung auf die Tochtergesellschaften war zum Zeitpunkt der Order noch offen. Durch die Situation ist diese Frage weiterhin ungeklärt, mit den düsteren Perspektiven muss der Bedarf neu geprüft werden.

Die Auslieferung der verbleibenden Airbus A350 wurde bereits verlangsamt. 17 der 43 Einheiten hat der Kranich schon erhalten. Mit dessen Performance ist man mehr als zufrieden, der Zweistrahler ist zuverlässig und spritsparend. Ursprünglich waren die bisher ausgelieferten Jets nur für den Einsatz in München vorgesehen. Seit November 2020 wird der A350 auch in Frankfurt eingesetzt. Am südlichen Hub bietet LH derzeit nur drei Langstrecken an.

Für die Boeing 777X wird Lufthansa der Erstkunde sein. Anfangs hatte Lufthansa 34 Maschinen geordert, im November 2019 wurden jedoch 14 Bestellungen in Optionen geändert. Es kommt allerdings immer wieder zu Verzögerungen bei Boeing, derzeit rechnet man nicht mit einer Auslieferung vor Ende 2023. Im Anbetracht der Krise dürfte dies der Group gelegen kommen.

Welche Alternativen passen zu Lufthansa?

Carsten Spohr hat offen darüber gesprochen, eine Umwandlung der Bestellungen in kleinere Flugzeuge in Erwägung zu ziehen. Die Hersteller zeigten demnach Flexibilität in den Verhandlungen und signalisieren Bereitschaft zum Entgegenkommen. Gesprochen wird auch mit Embraer, eine Stellungnahme gab es bisher noch von keinem Produzenten.

Die 777X bietet eine Kapazität für etwa 400 Passagiere- zu viel für die Prognosen der kommenden Jahre. Hersteller Boeing spürt dies deutlich, die Bestellungen für die neue Triple Seven sind um ein Drittel gesunken. Die Boeing 787 bietet je nach Konfiguration Platz für 250-290 Passagiere. Eine Option wäre es daher die 777X-Bestellung in weitere Dreamliner abzuändern.

Eine weitere Möglichkeit wären Airbus A330neo. Lufthansa ist bereits Betreiber der A330, dies bringt Vorteile mit sich und spricht für das Nachfolgemodell.

Bei dem Airbus A321 LR bzw. XLR zeigte sich Lufthansa bisher immer zurückhaltend. Die Stärke des Modells sind Langstrecken unter 10 Stunden Flugzeit mit einer Kapazität von unter 200 Passagieren. Damit könnten Strecken von oder zu kleineren Zielen fernab der großen Hubs wirtschaftlich bedient werden.

Bisher kein Thema für den Kranich- Langstrecken von Düsseldorf oder Berlin scheiterten in der Vergangenheit. Die limitierte Größe der Business Class war ein weiterer Punkt gegen den Airbus A321LR mit erweiterter Range.

Von den Hubs in Frankfurt und München gab es bisher genügend Nachfrage um größere Flugzeuge zu füllen. Wird man aber auch künftig tägliche Frequenzen an kleinere US-Flughäfen an der Ostküste darstellen können? Darüber hinaus wären auch Nahost-Ziele oder Städte in Indien mit dem Schmalrumpfflugzeug erreichbar.

Lufthansa will bestehende Bestellungen in kleinere Maschinen umwandeln | Frankfurtflyer Kommentar

Es wird noch eine Weile dauern bis sich die Nachfrage nach Flügen erholen wird. Wenn die Krise überstanden ist, wird das Niveau von 2019 wohl nicht so schnell erreicht werden. Für die kommenden Jahre werden geringere Frequenzen, kleinere Flugzeuge und weniger Geschäftsreisende erwartet. Lufthansa reagiert darauf mit Stellenabbau und Verkleinerung der Flotte.

Offene Bestellungen neuer Flugzeuge müssen nun überprüft werden. Benötigt man im Konzern überhaupt noch so viele Maschinen und sind diese nicht zu groß? Die Hersteller verzeichnen derzeit viele Stornierungen und verhandeln mit mehreren Airlines über bereits erteilte Aufträge.

Spannend ist der Gedanke mit den Airbus A321LR. Damit könnte man auf die schwächere Nachfrage reagieren, es würden sich aber auch neue Möglichkeiten öffnen.

 

Danke: Simple Flying

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