Lufthansa will neue Schulden machen um Staatshilfen zurück zu zahlen

Lufthansa CEO Carsten Spohr bedauert, dass auf Grund der Verfügbarkeit eines indischen Callcenters zahlreiche Tickets noch nicht erstattet wurden. Foto: Lufthansa

Riesige Hilfspakete sollen die Lufthansa und ihre Töchter in der Coronavirus Pandemie vor der Insolvenz bewahren und alleine Lufthansa selbst wird von Deutschland bis zu 9 Milliarden Euro als staatliche Hilfen in Anspruch nehmen müssen. Hierbei handelt es sich allerdings nicht um Geschenke, sondern die Staatshilfen müssen komplett und hoch verzinst (bis zu 9,5% p.a) zurückgezahlt werden.

Lufthansa möchte daher bis spätestens 2023 alle Staatshilfen zurückgezahlt haben, allerdings geht man nicht davon aus, dass man in drei Jahren einen derartigen Überschuss produzieren kann, denn dies würden die erfolgreichsten Jahre der Firmengeschichte voraussetzen, was mehr als unrealistisch ist.

Lufthansa wird daher in den kommenden Jahren neue Schulden auf dem Kapitalmarkt aufnehmen, um die Staatshilfen schnellstmöglich zurückzahlen zu können. Hierdurch erhofft man sich auch deutlich bessere Konditionen und vor allem weniger Auflagen.

Spohr: „Wir möchten lieber am Kapitalmarkt verschuldet sein als beim Steuerzahler“

Die Rettungspakete für Lufthansa und die Töchter Austrian Airlines und Swiss übersteigen unter Umständen ein Volumen von 11 Milliarden Euro in Summe, wobei der mit Abstand größte Teil komplett und mit Zinsen zurückgezahlt werden muss. Lediglich bei Austrian Airlines gibt es direkte Zuschüsse.

Das Rettungspaket für Lufthansa setzt sich wie folgt zusammen und ist 9 Milliarden Euro schwer:

  • 5,7 Milliarden Euro als Stille Einlage der WSF
  • 0,3 Milliarden durch die Kapitalerhöhung und die Aktienkauf der WSF
  • 3 Milliarden an Krediten durch die KfW und private Banken

Nicht nur, dass sowohl die Einlage des WSF, als auch der Kredit der KFW verzinst zurückgezahlt werden muss, auch an dem Aktienkauf wird die Bundesregierung wohl gut verdienen, denn man kauft die Anteile für 2,56 Euro je Aktie, was weniger als 30% des aktuellen Kurses sind. Sollte sich der Lufthansa Aktienkurs bis zum Verkauf in einigen Jahren stabilisiert haben, kann Deutschland hier mit einer Rendite von etwa einer Milliarde Euro rechnen.

Neben den hohen Zinsen, wurde Lufthansa aber auch mit Auflagen für das Hilfspaket belegt. So muss man in Frankfurt und München bis zum 24 Slots abgeben und man wurde von der EU mit einem Übernahmeverbot für andere Airlines belegt. Um auch diese Auflagen so schnell wie möglich abschütteln zu können, will Lufthansa dieses Hilfspaket möglichst schnell wieder zurückzahlen.

Austrian Airlines wird insgesamt 600 Millionen Euro vom Staat bekommen, allerdings müssen auch diese wieder teilweise zurückgezahlt werden und es werden strickte Auflagen an Austrian Airlines und das Geschäft in den kommenden Jahren gemacht.

Das Hilfspaket für Austrian Airlines sieht wie folgt aus:

  • 150 Mio. € Schadensabdeckung vom Staat
  • 150 Mio. € Eigenkapitalzuschuss von Lufthansa
  • 300 Mio. € Bankkredit, 90% staatlich garantiert, rückzahlbar bis 2026

Zu den Auflagen gehören eine Standortgarantie für Wien, aber auch eine deutliche Reduktion von Inlandsflügen und eine Verbesserung der CO2 Bilanz für Austrian Airlines.

Etwas anders sieht die Situation wohl bei Swiss aus. Hier wurde der Airline ein recht attraktiver Kredit über 1,5 Milliarden Franken gewährt, welcher mit 2,5-3% verzinst sein soll. Dieser Kredit wird wohl nicht die höchste Priorität haben bei der Rückzahlung, denn auch auf dem Kapitalmarkt wird man hier kaum deutlich bessere Bedingungen finden.

Mehr Flugzeuge sollen geleaset werden

Lufthansa hat bisher immer eine Strategie verfolgt, bei welcher man Flugzeuge nicht geleast hat, sondern diese direkt gekauft hat und selbst finanzieren konnte. Dies hatte den großen Vorteil, dass man in Krisen keine laufenden hohen Kosten hatte, sondern der Cash out hat faktisch schon beim Kauf der Flugzeuge stattgefunden und man hatte nur noch Abschreibungen in den Büchern.

Auch wenn dies natürlich ein sehr gesundes Vorgehen für eine Airline ist, muss Lufthansa von dieser Strategie nun abweichen und man wird bei neuen Flugzeugen mehr Flugzeuge leasen, als sie selbst zu kaufen. Hierdurch soll die Liquidität erhöht werden, welche aktuell für die Airlines extrem wichtig ist.

Aktuell besitzt Lufthansa etwa 86 Prozent der Flotte, allerdings wird sich dieser Wert in der Zukunft reduzieren. So wird man zwar alle neuen Langstreckenflugzeuge, welche man bestellt hat übernehmen, wobei Lufthansa diese wohl zumindest teilweise über einen Leasinganbieter abnehmen wird, um die Liquidität im Unternehmen zu halten.

Die vielen Flugzeuge, welche Lufthansa aktuell besitzt, werden auch gegenüber Kreditgeber sehr hilfreich sein, denn sie stellen eine hohe Sicherheit dar. Aktuell wird die Flotte der Lufthansa mit weit über 10 Milliarden Euro bewertet und das, obwohl die Preise für Flugzeuge in den letzten Monaten massiv gefallen sind.

Lufthnasa will neue Schulden machen um Staatshilfen zurück zu zahlen | Frankfurtflyer Kommentar

Dass Lufthansa nicht wirklich begeistert von den teuren Staatshilfen ist und besonders auch von den Auflagen, welche man hierfür in Kauf nehmen muss, war schon länger bekannt und besonders der Lufthansa Großaktionär Thiel, hat hier auch keinen Zweifel daran gelassen, dass er mit den Auflagen unzufrieden ist.

Allerdings brauchte man recht kurzfristig eine enorme Summe, welche man auf den Kapitalmärkten aktuell wohl nicht zur Verfügung gestellt bekommen könnte. Daher waren die Finanzhilfen der Regierungen die einzige gangbare Option, um eine Insolvenz zu vermeiden. Dabei sind bis jetzt bei weitem noch nicht alle Mittel geflossen, so hat Spohr angegeben, dass man von den 9 Milliarden jetzt erst die erste Milliarden erhalten hat und die Hilfen an Swiss noch gar nicht geflossen sind. Dennoch gibt es dem Konzern genug Sicherheit, um nun den Wiederaufbau voran zu treiben.

Wie schnell man die Staatshilfen aber tatsächlich ablösen kann, wird auch maßgeblich daran hängen, wie schnell man den Flugbetrieb wieder hochfahren kann und hier gibt es noch einige ungewisse Faktoren.

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3 Kommentare

  1. Organisatorisch befindet sich die Lufthansa aber derzeit auf Zwergstaatenairline Niveau, die Hotline ist während 9 Stunden nicht erreichbar, mein Rückflug VCE-DUS wurde ohne Information einfach gestrichen, stattdessen wurde ich aufgefordert, per email den unveränderten Hinflug zu bestätigen, auf emails wird nicht geantwortet, angeblich gäbe es keine Alternative für den Rückflug, was nachweisbar die Unwahrheit ist….angeblich wäre ich angerufen und nicht erreicht worden…unwahr…Unglaublich…wann wird dieser unfähige, nur an Profit interessierte Vorstand endlich entlassen? Der messenger Chatbot versteht selbst simpelste Anweisungen nicht…vorsintflutlich….Lufthansa now.

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