Luftraumsperre: Diese Umwege fliegen Passagierflugzeuge nun wegen des Krieges in der Ukraine

Der Krieg in der Ukraine hat für uns alle dramatische Auswirkungen und besonders in der Luftfahrt bekommen wir die Konsequenzen des Angriffes der russischen Armee auf die Ukraine besonders schnell zu spüren. Nachdem aus Sicherheitsgründen der Luftraum über der Ukraine und Teilen von Russland gesperrt werden musste, haben Länder inzwischen diverse Sanktionen verhängt, welche die Wahl der möglichen Flugrouten massiv einschränken.

Dabei haben diverse Länder, darunter alle Staaten der Europäischen Union, Kanada und die USA inzwischen ein Flugverbot für Flugzeuge, welche in Verbindung mit Russland stehen verhängt und im Gegenzug hat auch Russland gleichgezogen und diese Sanktion gegenseitig verhängt. Dies führt nun zu deutlich veränderten Flugrouten.

Was sich im ersten Moment sehr abstrakt anhört, führt nun dazu, dass Reisezeiten teils extrem verlängert werden oder dass manche Strecken gar nicht mehr rentabel geflogen werden können. So hat z.B. Finnair angekündigt, dass man fast alle Asien Strecken einstellen muss, da sich diese nichtmehr ökonomisch betreiben lassen durch die Luftraumsperrung. Noch komplizierter wird es aber für russische Airlines.

Während auf Flügen innerhalb Europas, nach Nord- und Südamerika, sowie nach Afrika der Krieg in der Ukraine aktuell keinen Einfluss auf die Airlines hat, wenn man von Flügen nach Russland oder in die Ukraine einmal absieht, welche vorerst alle eingestellt wurden, sieht die Situation nach Asien deutlich anders aus.

So sind bisher quasi ausnahmslos alle Flüge nach Asien, egal ob Indien, Südost oder Fernost Asien, sowie China quasi immer über zumindest teilweise über Russland oder die Ukraine geflogen. Besonders China, Japan und Korea Flüge aus Europa hatten eine Streckenführung, welche immer einen sehr beachtlichen Anteil an Überflügen über Russland hatten.

Airlines aus China, Japan und Korea nutzen diese Strecken über Russland übrigens immer noch für Flüge nach Europa, da sie von den Luftraumsperrungen nicht betroffen sind und so deutlich wirtschaftlicher fliegen können.

Hier einmal die aktuelle Flugstrecke von Asiana Airlines OZ521 zwischen Seoul und London am 26. Februar. Hier sieht man, dass fast der halbe Flug über russischem Luftraum stattfindet und bis heute wurde die Streckenführung nicht angepasst.

Hier einmal zum Vergleich LH 718 von München nach Seoul am 27. Februar. Hier sieht man sehr deutlich wie Russland südlich umflogen wird. Die Flugzeit verlängert sich hier um etwas über 2 Stunden, bzw. die Flugstrecke verlängert sich um 22%, was natürlich einen bedeutenden Unterschied für die Wirtschaftlichkeit des Fluges macht.

Generell kann man sagen, dass sich die Flugzeiten zwischen Europa und Fernost Asien um 2-3 Stunden verlängern aufgrund der Luftraumsperrung über der Ukraine und Russland. Wie schon erwähnt sind hiervon allerdings nur Airlines aus Europa betroffen, während Airlines aus Fernost Asien weiterhin den Luftraum über Russland nutzen dürfen und dies auch tun.

Dabei sind die Flüge aus Europa nach Fernost die am schwersten betroffenen Flüge der Luftraumsperrung für Airlines aus Europa. Die Flugzeitenverlängerung nach Indien ist mit 30 bis 50 Minuten dagegen fast schon moderat und auch Flüge nach Südostasien, wie nach Thailand oder Singapur sind Verspätungen vergleichsweise gering oder teils gar nicht existent.

Ganz anders sieht die Situation bei den Frachtflügen aus, denn auch diese sind natürlich von den Überflugsverboten betroffen und hier spielt nach wie vor Fernostasien eine entscheidende Rolle, ganz im Gegensatz zu Passagierflügen. Aufgrund der deutlich verlängerten Strecken müssen die Frachtflugzeuge die Zuladung reduzieren, was auch schon teilweise zu Absagen von Flügen geführt hat.

Hier wird auch immer wieder die Abwicklung der Asienflüge für Frachter über Anchorage in Alaska ins Spiel gebracht. Hierbei ist der Airport schon jetzt ein entscheidendes Fracht Drehkreuz und könnte in Zukunft durch die Krise noch einmal deutlich an Bedeutung gewinnen.

Russische Airlines stehen mit dem Rücken an der Wand

Viel dramatischer als für Airlines aus Europa ist die Situation nun für Airlines aus Russland, denn nachdem die EU, Kanada und die USA den Luftraum gesperrt haben, ist die halbe Südhalbkugel Sperrgebiet für Airlines aus Russland. Dies führt zu teils absurden Flugrouten.

Ein Aeroflot Flug von Cancun nach Moskau sah am 26. Februar z.B. so aus, wie auf dem Bild unten zu sehen. Die Flugzeit hat sich hier übrigens um 2,5 Stunden verlängert und man durfte hier noch über die USA fliegen und hat wohl auch verbotswidrig den Luftraum über Grönland genutzt, welcher eigentlich von off Limits sein sollte, da er rechtlich zu Dänemark gehört.

Es ist wohl wenig überraschend, dass Aeroflott alle weiteren Flüge nach Cancun gestrichen hat, da es quasi unmöglich ist diese Flüge aktuell durchzuführen und selbst ein Airbus A350-900 kommt hier an seine Reichweitengrenze, wenn man alle Flugverbotszonen beachtet.

Zur Zeit der Erstellung dieses Beitrags hatte Aeroflot gerade einen Flug von Moskau nach Cancun über dem Nordatlantik. Für diesen wurde eine Flugzeit von fast 15 Stunden erwartet. 

Aber auch andere Flüge werden inzwischen für Airlines aus Russland oder Weißrussland zum Problem. So muss Belavia, die Airline aus Weißrussland auf der Strecke von Minsk nach Istanbul inzwischen einen derartigen Umweg fliegen, dass aus dem Flug von knapp zwei Stunden eine ausgewachsene Langstrecke von bis zu sechs Stunden geworden ist.

Luftraumsperre: Diese Umwege fliegen Passagierflugzeuge nun wegen dem Krieg in der Ukraine | Frankfurtflyer Kommentar

Der Krieg in der Ukraine ist eine Tragödie, anders kann man es nicht beschreiben und man darf nur hoffen, dass dieser sinnlose Krieg sehr schnell ein Ende findet! Hierbei hat er natürlich vor allem die dramatischsten Folgen auf die Menschen in der Ukraine, aber auch in der Luftfahrt merkt man die Auswirkungen sofort.

Während die Auswirkungen vor allem für Asienflüge der Airlines aus Europa sehr spürbar sind, ist ein normaler Flugbetrieb für russische Airlines, allen voran der Flugbetrieb der staatlichen Aeroflot, kaum mehr aufrecht zu erhalten. So ist es aber auch gewollt und man soll in Russland die Sanktionen auch möglichst schnell spüren und hier hat man leider bei der Luftfahrt einen sehr direkten Hebel.

Wenn man 15 Stunden für den Flug in den Urlaub nach Cancun braucht, wird wohl auch dem staatsgläubigsten Russen klar, dass irgendetwas im Busch ist.

3 Kommentare

  1. Bei den Sanktionen und Gegensanktionen ist völlig unklar wie der Weg zur Normalität je wieder erreicht werden soll. Nicht nur in Russland, sondern weltweit werden Scherbenhaufen aufgetürmt und es ist nicht erkennbar, wer wann wie diese Scherbenhaufen beseitigen wird. Im Gegenteil, alles deutet auf eine Ausweitung des Krieges hin, denn wenn die EU die Ukraine zum Mitglied macht, dann müssen die EU-Staaten nach dem Lissabon Vertrag die Ukraine militärisch unterstützen. Dann haben wir den 3.Weltkrieg. Von Dohnanyis Warnungen wurden leider nicht gehört.

    • Und deswegen wird keiner einen Land, was sich gerade im Krieg befindet in die EU aufnehmen.
      Das Risiko wird keiner eingehen wollen. Da kann Nato bereits jetzt in den Krieg eingreifen. Es ist reine Symbolik.
      Am Ende heißt es. Wir nehmen euch auf, aber….

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