Luftverkehrssteuer wird um bis zu 75% erhöht

Die Bundesregierung macht ernst. Das Vorhaben für mehr Klimaschutz in Sachen Flugverkehr wird nachgeschärft, konkret bedeutet das eine erneute Erhöhung der Ticketsteuer. Verbände und Fluggesellschaften sind alarmiert. Mit den zusätzlichen Einnahmen soll die Absenkung der Mehrwertsteuer auf Fahrkarten der Bahn gegenfinanziert werden.

Luftverkehrssteuer wird um bis zu 75% erhöht | Details

Ab dem 1. April 2020 wird die Steuer, die nach Entfernung berechnet und für alle Abflüge ab Deutschland fällig wird, folgendermaßen erhöht:

  • Flüge im Inland und ins europäische Ausland auf 13,03 Euro (+5,65€)
  • Mittelstrecken bis 6000 Kilometer auf 33,01 Euro (+9,96€)
  • Alles über 6000km Entfernung auf 59,43 Euro (+18€)

Prozentual gesehen trifft es also Inlandsflüge und Kurzstrecken mit einer Steigerung von etwa 76% am heftigsten. Die Airlines dürften zumindest einen Großteil dieser Mehrkosten an ihre Passagiere weitergeben. Mit bis zu 59 Euro pro Flugticket erhebt Deutschland damit künftig so hohe Flugsteuern, wie kaum ein anderes Land in der Welt.

Die Änderung des Luftverkehrsteuergesetzes soll dem Staat Mehreinnahmen von 470 Millionen Euro im kommenden Jahr einbringen. Bei voller Jahreswirkung ergeben sich 785 Millionen Euro Mehreinnahmen für den Bund.

Luftverkehrssteuer wird um bis zu 75% erhöht | Reaktionen

Der Flughafenverband ADV sieht in diesem Schritt nicht nur einen Schaden für Airlines und Flughäfen, sondern auch für den Klimaschutz. Der ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel dazu:

Die noch stärkere Anhebung der Luftverkehrsteuer wird nicht ohne wirtschaftliche Konsequenzen für den Luftverkehrsstandort Deutschland bleiben. Im harten internationalen Wettbewerb sind solche schwerwiegenden Belastungen der eigenen Industrie eine schwere Hypothek. Auf Kosten der Reisenden und Flughäfen wird Konnektivität eingeschränkt. Wenn Anbindungen verloren gehen, hat dies auch Konsequenzen für unsere Beschäftigten. Der Flughafenverband befürchtet, dass immer mehr deutsche Flughäfen in die rote Zahlen geraten.

Die Erhöhung betrifft nicht nur Airlines und Flughäfen, sondern auch Unternehmen die an Airports ansässig sind, die heimische Wirtschaft die auf Flugverbindungen angewiesen ist und die gesamte Reisebranche.

Es war klar, dass der Luftverkehr im Klimapaket weitere finanzielle Belastungen hinnehmen muss. Zunächst wurde vermutet, dass die Regierung die Steuer in allen Distanzklassen um den gleichen Prozentsatz anheben werde. Damit habe man leben können, hieß es in der Branche. Doch nun kommt es schlimmer.

Der durch die Steuer angepeilte Umstieg auf die Bahn im Inlandsverkehr hängt laut Lufthansa von attraktiven Angeboten, kurzen Reisezeiten und einer bedarfsgerechten Schienenanbindung der großen Flughäfen ab. Außerdem liegt der Mehrbedarf für die Absenkung der Mehrwertsteuer im Bahnverkehr bei rund 500 Millionen Euro, die Erhöhung soll aber 785 Millionen bringen.

Luftverkehrssteuer wird um bis zu 75% erhöht | Frankfurtflyer Kommentar

Es dürfte naheliegend sein, wie wir uns zu diesem Thema positionieren. Uns ist bewusst, dass der Luftverkehr seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten muss, eine weitere Erhöhung der Luftverkehrsabgabe ist aber zu kurz gedacht und nicht zielführend.

Die ideale Lösung wie die Fliegerei hier eingebunden wird, kenne ich als Laie in Sachen Marktwirtschaft nicht. Als beruflicher Vielflieger und auf Flugzeugen arbeitender Mensch begegnen mir aber durchaus andere Lösungsansätze. Gerade auf meinen letzten Langstreckenflügen in die USA servierten mir die Kollegen im Cockpit eine interessante Rechnung:

Bei identischen Parametern wie Anzahl der Passagiere und Frachtaufkommen haben wir mit einem fabrikneuen Flugzeug fast 27 Tonnen Kerosin weniger verbraucht. Destination und Flugzeit waren gleich, lediglich der Maschinentyp hatte sich verändert.

Könnte man also das Geld nicht dazu nutzen um

  • Mehr in neue Flugzeuge zu investieren?
  • CO2 neutrale Kraftstoffe weiterzuentwickeln?

Was die Kurzstrecken angeht: Müssten Flüge nicht verboten werden, die kaum mehr als eine Bahnfahrt kosten? Sollten neben einer Senkung der Ticketpreise der Bahn nicht mehr in den Streckenausbau investiert werden?

Ich persönlich kann mir Deutschland sogar ganz ohne Inlandsflüge vorstellen. Eine gewagte Behauptung, denn wir sind noch nicht soweit. Die Strecke Köln-Frankfurt wurde von der Lufthansa schon vor über zehn Jahren eingestellt und das Codesharing mit der Bahn war geboren. Dieses wurde später u.a. auf Stuttgart und Düsseldorf ausgeweitet, inzwischen gibt es sogar eine echte Alternative der Bahn zur Strecke München-Berlin. Hat all das aber nicht viel zu lange gedauert?

Eine attraktive Anbindung an den Flughafen in München ist nach wie vor in weiter Ferne. Es hakt zudem an der Zuverlässigkeit der Bahn, die noch viel zu häufig verspätet mit kaputten Toiletten oder schlechter Netzabdeckung auf teilweise maroden Schienen unterwegs ist. Das Thema ist insgesamt ohnehin schon komplex und es gibt noch viel zu tun!

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9 Kommentare

  1. Zum Thema innedeutsche Flüge komplett durch Züge zu ersetzen nur 2 Gedanken

    1. die derzeitige Kapazität bei der Deutschen Bahn reicht niemals aus! Allein auf der Strecke FRA-STR-FRA sind die meisten Flüge voll gebucht (200 Sitze/Flug) – unmöglich das umzustellen, weil da ja auch noch die Gäste FRA-MUC-FRA mit rein müssten. BER fliegt so ziemlich im Stundentakt, wie soll das per Bahn gehen?

    2. Selbst wenn man innerdeutsche Flüge nur als Feeder erlauben würde (also keine reinen innerdeutschen): es gäbe sie trotzdem! Auch weil der Markt für Kunden aus Asien oder USA einfach das Ziel STR oder BER angeboten werden muss (genau das ist der Grund weshalb bereits seit 20 Jahren die AirRails nicht so laufen)

    • Zwei interessante Gedanken, ich kann beide Punkte auch nachvollziehen.
      Es geht mir selbst nur um eine Vorstellung, realistisch gesehen wird diese wohl kaum erfüllt.
      Wir haben generell noch einige Städteverbindungen in Deutschland wo es besser laufen könnte! Sowohl am Boden, als auch in der Luft.

  2. korrekt, ich schätze dass AirRail nur ca. 20-30 Sitze/Zuch verkauft – alles Lippenbekenntnisse ohne wirkliche Kenntnis der Sachlage (habe ich aber auch nicht!)

  3. Alles was das Fliegen fuer den Poebel teurer macht und damit das Proletariat von Auslandsreisen abhaelt kann ich nur begruessen. So loest man direkt das Overtourism-Problem.

  4. @Max es geht hier weder darum, Pöbel vom Fliegen abzuhalten damit du reicher St..cher noch mehr geniessen können sollst in deinem Reichtum zu versaufen!

    Es geht um die Frage, ob man durch diese Steuer einen einzigen dazu bewegt weniger zu fliegen und/oder auf die Schiene bringen kann. Wahrscheinlich nicht, weil Flugpreise sich nicht nach Kosten richten, sondern nach Angebot und Nachfrage und der, der weniger Kosten hat, weiterhin (viel)günstiger anbieten wird, als der mit hohen Kosten. Und dass die Airports im Ausland noch weiter profitieren werden, weil dann halt noch mehr von AMS, ZRH, PRG, CPH etc. losfliegen, weil dort keine Regierung solch einen Schwachsinn verzapft!

    Umlauttaste klemmt oder die schweizer Tastatur hat keine mehr?

    • Schadet keinem wenn die Billig-Sauf-und-Selfie-Touristen die sich nur daneben benehmen zu Hause bleiben. Unter denen leiden die Destinationen und der Ruf von allen richtigen, Kultur-interessierten Reisenden.

      Ein paar Business-Kasper koennen auch gerne auf Videokonferenz-Loesungen umschwenken. Das beschleunigt die Wirtschaft noch einmal ungemein, wenn man nicht erst 7h nach New York fliegen muss sondern das Powerpoint-Bullshit-Bingo sofort erledigen kann.

      Und der spezialisierte Ingenieur mit dem Ersatzteil fuer die Fabrik in Brasilien wird auch bei noch so hohen Steuern den schnellsten Nonstop-Flug gebucht bekommen.

      Von daher: Verzehnfacht die Steuern gerne noch! Oder besser noch Verzwansigfacht sie. Und damit das Ausland nicht ungeschoren davonkommt: Besteuert Flugzeugteile die nur in Deutschland hergestellt werden. MTU, Premium AEROTEC und Konsorten stellen doch einzigartiges her das man nicht einfach substituieren kann.

      Elektronik kauft man doch nicht in Deutschland, sondern steuerfrei woanders. Umlaute sind dann halt nicht dabei.

  5. Hallo,Robert!
    Dein Vorschlag, dass man das Geld u.a. für die Entwicklung CO2-neutraler Kraftstoffe ausgeben sollte, ist – verzeihe den Ausdruck – unsinnig. Unsere Erde benötigt CO2; das ist ein Grundbaustein allen Lebens. Insbesondere Pflanzen würden ohne CO2 eingehen; das ist eigentlich Grundschulwissen. Das ganze Getöse um CO2 ist komplett erfunden und dient nur einem Zweck: Abzocke der Bevölkerung, wie jetzt z.B. die Erhöhung der völlig nutzlosen Flugverkehrssteuer. Die Bundesregierung weiß genau, dass sich niemand wegen ein paar Euro mehr vom Fliegen abhalten lässt.

  6. Da hat uns die „Schweden-Gretel“ aber was Tolles eingebrockt….der Nutzniesser von alledem ist einzig und allein die Staatskasse, wo das Geld auf Nimmerwiedersehen verschwindet.

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