Portugal wünscht sich Lufthansa Einstieg bei TAP

Die erste Auslieferung eines Airbus A330-900neo erfolgte an TAP.

Die portugiesische TAP wurde zu Beginn der Coronakrise verstaatlicht, nachdem der größte Investor David Neeleman seine Anteile zum Höhepunkt der Pandemie abgestoßen hat. Inzwischen hält Portugal 92% der Aktien an TAP, allerdings will man diesen Zustand nicht beibehalten und man sucht nach einem strategischen Partner und neuen Investor, um mit der Airline in die Zukunft zu fliegen.

Die Regierung in Lissabon wünscht sich hier wohl vor allem die deutsche Lufthansa als Partner an der Seite von TAP und hat in Frankfurt nach einem Einstieg der Lufthansa angefragt.

Dabei ist eine Beteiligung von Lufthansa an TAP keine neue Idee, denn schon vor der Krise hat es Gespräche hierüber gegeben, welche schon recht weit fortgeschritten waren. Sogar einen Vorvertrag soll es schon gegeben haben.

Der portugiesische Präsident Marcelo Rebelo de Sous sagte neulich in einem Interview, dass die Verhandlungen mit Lufthansa nur „eingefroren“ wurden. Ohne spezifisch zu werden, soll man inzwischen wieder bei Lufthansa angeklopft haben, um die Gespräche weiter zu führen.

Ganz einfach wäre ein Einstieg der Lufthansa bei TAP allerdings nicht, denn die EU Kommission müsste diesen vermutlich genehmigen und hier sieht man immer ein Problem in der Marktmacht der Lufthansa, wobei man diese Probleme durchaus ausräumen kann, z.B. durch die Abgabe von Slots in Portugal an Mitbewerber. Einfacher würde es die Sanierung der angeschlagenen TAP allerdings nicht machen.

Hinzu kommt, dass Lufthansa aktuell aufgrund der staatlichen Unterstützungsmaßnahmen noch ein Übernahmeverbot von anderen Airlines hat. Lufthansa will zwar bis September die Staatshilfen komplett zurückzahlen und die Beteiligung des Bundes beenden, ob dies aber im angepeilten Zeitplan klappt, ist offen. Sicher ist nur, dass Lufthansa bisher am Kapitalmarkt in der Lage war, sich erstaunlich günstig Gelder zu beschaffen, welche man für die Übernahme einer Airline benötigen würde. Aktuell braucht man das Geld aber vermutlich sogar eher für die Liquidität der eigenen Gruppe.

Portugal wünscht sich Lufthansa Einstieg bei TAP | Frankfurtflyer Kommentar

Die Coronakrise wird den Luftfahrtmarkt in Europa noch einmal durcheinander wirbeln. Gerade kleine, Netzwerkairlines wie TAP oder auch Alitalia haben kaum eine Chance alleine zu bestehen, wie man schon in der Vergangenheit bei vielen anderen Airlines sehen konnte.

Vermutlich wird es im Wesentlichen auf drei große Airlines in Europa hinaus laufen, der Lufthansa Gruppe, Air France/ KLM Group und die International Airline Group mit British Airways und Iberia.

In Portugal sieht man dies wohl auch so, denn man hat verlautbaren lassen, dass man sich auch einen anderen Partner wie Air France und KLM vorstellen könnte.

Für Lufthansa ist eine TAP (oder auch eine Alitalia) Übernahme wohl vor allem vom Zeitplan, der Entwicklung der Pandemie und auch den Zugeständnissen der EU abhängig. Dass Lufthansa sowohl TAP, als auch Alitalia in den kommenden zehn Jahren in die Lufthansa Gruppe integriert halte ich zwar nicht für undenkbar, aber auch nicht für besonders wahrscheinlich.

Danke: Aerotelegraph

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6 Kommentare

  1. TAP würde wahrscheinlich besser passen als das Fass ohne Boden genannt Alitalia. TAP hat vor der Pandemie ja viele Strecken bedient, für die ein Flug über die Hubs in Zentraleuropa keinerlei Vorteil besteht, insbesondere nach Amerika (LIS-FRA-JFK wären fast 4 Stunden mehr reine Flugzeit). Gerade in Südamerika ist auch die Star Alliance extrem schwach aufgestellt, und TAP hat historisch gute Verbindungen nach Brasilien. Würde also passen.

  2. TAP wird wohl aus Wettbewerbsgründen nicht an die IAG gehen koenne, sonst ist ja auf der Iberischen Halbinsel alles bei IAG und mit der Übernahme von Air Europa haben die ja gerade schon einen Zukauf vor der Brust.
    AF/KLM koennte eine Option sein, aber die Holding ist meines Wissens nach nicht auf Kaufkurs, man hat noch Anteile an Alitalia und verkauft eher, als dass man Zukauft.
    LH koennte passen, ein weiteres Hub, das den anderen nicht in der Quere liegt, kaum Ueberschneidungen beim Netz.

  3. Hoffentlich nicht, sonst macht Spohr darauf eine weitere seelenlose und beliebig austauschbare Airline, die zu Tode gespart wird, bei der nur die Preise Premium sind.

  4. TAP besitzt eine moderne, überwiegend junge und zur LH Group kompatible Flotte. Abgesehen von einigen Modellen der A320 Familie ist da kaum ein Flugzeug älter als 10 Jahre. Hinzu kommt das bereits genannte Netzwerk, welches jenes der LH sehr gut ergänzen würde und zum IAG Gegengewicht ausgebaut werden könnte. Das Image würde ich ebenfalls als akzeptabel bis gut bezeichnen. Wenn die Finanzierung darstellbar wäre, dann würde das schon Sinn machen und die LH ist in der Lage, Sanierungsfälle wieder auf die Spur zu bekommen.

  5. SWISSAIR unter CEO Bruggisser war auch der Meinung: Alles zusammenkaufen, was nur günstig zu haben ist.
    Wie ’s geendet hat, das wissen wir ja alle.
    Daher: Hände weg ✋ von TAP und Alitalia. Bringt nichts ausser Streiks und Ärger .

    • Nur am Rande. Bei Swissair kam wohl alles zusammen. Natürlich Deine Argumente, dann aber eben auch zwei Ereignisse, um die fluggäste zutiefst zu vetrunsichern. erst der Absturz der MD-11 und dann 9-11.
      9-11 hat ja noch ganz andere Hausnummern an Fluggesellschaften zumindest in den Gläubigerschutz gezwungen.

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