Qantas fliegt Testflüge zwischen London nach Sydney | 22 Stunden non stop!

Ultralangstrecken liegen voll im Trend und in den letzten Jahren haben wir immer mehr extrem lange Linienflüge gesehen. Aktuell hält Singapore Airlines mit dem 18 Stunden Flug zwischen Singapur und New York den Rekord für den längsten regelmäßigen Linienflug der Welt.

Eine Airline zeigt bei künftigen Ultralangstrecken allerdings besonders viel Interesse und das ist Qantas aus Australien. Schon alleine wegen der geographischen Lage kann Qantas ihre wichtigsten Märkte aktuell nicht nonstop erreichen. Dies will man aber schon 2022 ändern und im sehr ehrgeizigen Project Sunrise Ultralangstrecken von über 20 Stunden Länge starten.

Besonders New York und London will Qantas direkt mit den australischen Wirtschaftsmetropolen Sydney und Melbourne verbinden. Hierfür fehlt zwar aktuell noch das Flugzeug, welches diese Distanz mit 300+ Passagieren fliegen kann, allerdings hat Airbus bereits verkündet, dass man Qantas einen Arbus A350-1000 bauen könnte, welcher hierzu in der Lage ist.

Für die benötigten Zulassungen dieser extremen Langstrecken, muss Qantas einige Testflüge durchführen, in welchen man insbesondere die Belastung für die Crew misst. Hierbei soll festgestellt werden, wie viel zusätzliche Flugbegleiter und Piloten man benötigt und wie genau die Ruhezeiten auf den bis zu 22 Stunden langen Flügen gestaltet werden müssen.

Einen ersten Testfug von New York nach Sydney hat Qantas bereits durchgeführt und dieser war mit 19:15 Stunden ein großer Erfolg für die Airline. Mindestens zwei weitere Testflüge auf der New York Strecke hat Qantas noch für dieses Jahr vorgesehen.

Etwas überraschend kommt dagegen die Ankündigung, dass Qantas in wenigen Tagen mit einer Boeing 787-9 von Sydney nach London starten wird um hier auch einen Testflug durchzuführen. Die Strecke von Sydney nach London ist noch einmal ein gutes Stück länger und je nach Winden könnte hier die Flugzeit bei bis zu 22 Stunden liegen.

Qantas setzt auf dem Sydney nach London Testflug eine Boeing 787-9 ein. Diese schafft den Flug nicht mit voller Zuladung, allerdings wird man nur etwa 50 Personen an Bord haben, sodass das Flugzeug die fast 17.000 Kilometer nach London nonstop fliegen kann.

An Bord wird man bei den geladenen Gästen und Mitarbeitern sehr genau untersuchen, wie sich ein so langer Flug auswirkt. Auch sammelt man jede Menge Messdaten auf der Strecke, um zu sehen ob sich das Flugzeug auf dem Flug auch wirklich immer so verhält, wie man es berechnet hat, insbesondere in Bezug auf den Treibstoffverbrauch.

Ultralangstrecken sind erfolgreich

Technisch sind Ultralangstrecken schon lange möglich, allerdings kann man diese erste seit wenigen Jahren durch die modernen effizienten Zweistrahler wie der Boeing 787-9 und dem Airbus A350-900ULR auch wirtschaftlich fliegen. Bei den Kunden sind diese Strecken allerdings extrem beliebt und so verzeichnet Qantas auf der London – Perth Strecke eine Auslastung von 94%, was sogar deutlich über den Erwartungen liegt.

Inzwischen denkt man bei Qantas sogar schon laut darüber nach, ab Perth auch nach Frankfurt und Paris zu fliegen. Die Nachfrage nach diesen Flügen sei da, insbesondere in der Business Class, in welcher die Passagiere bereit sind, für die Zeitersparnis eines nonstop Fluges auch deutlich mehr zu zahlen.

Auch wenn die Business Kunden auf diesen Flügen sehr wichtig sind, will Qantas auch auf den Ultralangstrecken mit vier Klassen fliegen. Neben einer First- und Business Class will man auch auf 20-22 Stunden Flügen eine Premium Economy Class und klassische Economy Class anbieten.

Man macht sich gerade in der Economy Class Gedanken und will z.B. Platz im Frachtraum für Betten vorsehen, allerdings hält dies die Branche für nicht sehr wahrscheinlich und vermutlich wird auch ein 22 Stunden Flug in der Economy Class sehr viel Ähnlichkeit mit einem 12 Stunden Flug in der günstigen Reiseklasse haben.

Qantas flog schon einmal von London nach Sydney nonstop

Qantas wollte schon vor 30 Jahren gerne direkt von London nach Australien fliegen und 1989 hat man bei einem Auslieferungsflug einer Boeing 747-400 das Flugzeug von Seattle nach London fliegen lassen, um anschließend von London nach Sydney nonstop zu fliegen.

Damit ist die Boeing 747-400 die gleiche Strecke geflogen, wie es die Boeing 787-9 diese Woche machen wird, denn die verwendete  787-9 ist eine Neuauslieferung an Qantas, welche bei der Überführung einen etwas umständlichen Weg über London nach Sydney fliegt.

Die Boeing 747-400 benötigte vor 30 Jahren etwas über 20 Stunden für den Flug von London nach Sydney und man hat dem Flugzeug mehr als die eigentlich zulässige Menge an Treibstoff zugetankt. Zusätzlich war das Flugzeug noch nicht mit der kompletten Flugzeugkabine und allen Sitzen ausgestattet, was die Boeing 747-400 deutlich leichter gemacht hat.

Die Boeing 787-9 wird hierbei die komplette Kabine besitzen und wäre bereit, knapp 300 Passagiere aufzunehmen. Nur könnte man mit dieser Zuladung nicht mehr nonstop nach Sydney fliegen. Dennoch wird man einige Passagiere an Bord haben auf dem Testflug. auf dem Flug aus New York waren dies meist Qantas Angestellte, Medienvertreter und Mitarbeiter von Boeing, sowie Wissenschaftler und Ärzte.

Qantas fliegt Testflüge zwischen London nach Sydney | Frankfurtflyer Kommentar

Qantas zeigt noch einmal sehr deutlich, dass man es mit Flügen von über 20 Stunden ernst meint. Qantas hat fest vor, ab 2022 die längsten Linienflüge der Welt anzubieten und ist auch sehr zuversichtlich, dass man mit diesen Flügen wirtschaftlich erfolgreich sein kann.

Ich finde dieses Projekt unglaublich spannend und würde tatsächlich gerne auf einem der ersten Flüge des Projekts mitfliegen. Gerade für Passagiere, welche regelmäßig zwischen London und Australien, sowie New York und Sydney fliegen, wäre ein nonstop Flug mit Sicherheit eine enorme Erleichterung.

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7 Kommentare

  1. Hi zusammen,

    erst einmal geht ein großes Lob an das ganze Team der Frankfurt Flyer für das immense Engagement und Informationsangebot auf dieser Seite!

    Als Neuling hätte ich aufgrund diesem Beitrag eine doch recht pikante Frage, da wir bald mit der ganzen Familie plus Kinder in einem Dreamliner 787-9 von der Westküste non-stop nach D sitzen werden. In Eurem Beitrag ist die Rede von Qantas‘ Ultralangstreckenflug – ebenfalls einer 787-9 – die allerdings sehr jung ist und mit Sicherheit genauestens geprüft wurde.

    Nun zu meiner Frage:

    Haltet ihr die Sicherheit einer Boeing 787-9, ggf. in Charleston und nicht in Everett montiert, für kritisch?

    Es kursieren einige Berichte aus den letzten Wochen und Tagen bzgl. rumfliegenden Kleinteilen, nicht vollfunktionstüchtige Sauerstofftanks und unzuverlässige Triebwerksbrand-Sicherheitsvorkehrungen im Netz und auf Youtube.

    Leider wäre eine Umbuchung laut Tarif (Eco Light) nicht möglich. Allerdings machen sich bei mir nach und nach ein paar Sorgen breit…

    Würde Eure Einschätzung als Vielflieger sehr gerne hören und bin dankbar für jeden Input.

    Viele Grüße
    SenseiWu

    • Ich persönlich habe bei den 787 Dreamliner keine Bauchschmerzen. Es gibt hier wohl einige Mängel aus der Fertigung, aber da diese bekannt sind und die Flugzeuge entsprechend geprüft werden, mache ich mir keine Gedanken.

      Es kommt bei jedem Flugzeug vor, dass hier etwas entdeckt wird, dass potenziell eine Gefahr sein kann. Hierauf hat Boeing auch kein Monopol, wobei man sich in den letzten Monaten sehr hervorgetan hat. Da diese Dinge aber entdeckt und beseitigt werden und im schlimmsten Fall auch Flugzeuge am Boden bleiben (siehe 737MAX), auch wenn es Milliarden kostet, ist die Luftfahrt so sicher.

      Also meine persönliche Meinung: Mach dir keine Gedanken. Da ist immer auch viel Panikmache und Sensationslust im spiel.

      LG
      Christoph

    • Nur keine Sorge. Die Fluggesellschaften sind schon um beste Sicherheit bemüht. Das gilt auch – vielleicht sogar vor allem – für die Billigflieger. Irgendwelche Nachrichten über Unzuverlässigkeiten sind ungemein geschäftsschädigend.
      Da mögen die Fluggesellschaften an den unmöglichsten Stellen sparen, zuallerletzt aber bei der Sicherheit.
      Die Sorgen sind sowieso irrational, wenn auch zweifellos vorhanden. Der mit Abstand gefährlichste Teil einer Flugreise ist der Weg von und zum Flughafen.

      12h nonstop in der sehr engen Eco der 787 ist natürlich eine Ansage. Alles Gute.

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