Qatar Airways erweitert Flugangebot kurzfristig und entlässt Kabinenpersonal

Qatar Airways galt während der Corona-Krise als eine der Fluggesellschaften mit dem stabilsten Flugplan. Die Fluggesellschaft gibt selbst an, dass sie über 1 Million Ausländer wieder in ihre Heimat gebracht hat. Nun soll bis Juni 2020 der Flugplan sukzessiv von gut 30 auf 80 Reiseziele ausgebaut werden. Ein ambitionierter, aber für das Flugpersonal nicht ausreichend schneller Ausbau, denn auf das Kabinenpersonal kommt eine Entlassungswelle zu.

Qatar Airways erweitert Flugangebot kurzfristig und entlässt Kabinenpersonal | Ausweitung des Streckennetzes

Während zahlreiche Airlines in den letzten Wochen die komplette Flotte am Boden lassen mussten, hat Qatar Airways kontinuierlich mehr als 30 internationale Ziele bedient. Qatar Airways hat sich dabei selbst als zentrale Airline für Rückholungsflüge gestrandeter Ausländer positioniert.

Nun sehen die Kataris die Chance, den Flugplan wieder auszuweiten. Grund sind Lockerungen zahlreicher Einreisebeschränkungen und schnelle Wiederöffnungen von Grenzen. Die schrittweise Expansion konzentriert sich zunächst auf die Stärkung der Verbindungen zwischen dem Hub der Fluggesellschaft in Doha und den globalen Drehkreuzen ihrer Partnerfluggesellschaften auf der ganzen Welt. Dazu zählen London, Chicago, Dallas und Hongkong. Weiterhin steht die Wiedereröffnung vieler wichtiger Geschäfts- und Urlaubsziele wie Madrid und Mumbai im Plan. Bis Mai sollen 52 Ziele und ab Juni dann 80 Destinationen angeflogen werden.

Qatar Airways erweitert Flugangebot kurzfristig und entlässt Kabinenpersonal | Entlassungen

Während uns zunächst ein Tweet von OMAAT erreichte, in dem ein vermeintliches Schreiben des Qatar Airways CEO Al Baker veröffentlicht wurde, gibt es nun zahlreiche Bestätigungen der Echtheit des Schreibens. Und damit auch die Gewissheit: Qatar Airways plant einen massiven Stellenabbau im Bereich des Kabinenpersonals.

Al Baker zeichnet in seinem Schreiben eine düstere Zukunft. Obwohl Qatar Airways alles dafür getan habe, möglichst viele Flugzeuge in der Luft zu behalten, wird die Fluggesellschaft kurzfristig nicht auf das Vor-Corona-Niveau zurück kehren. Damit werden auch zahlreiche Arbeitsplätze in der Kabine überflüssig.

Die Entlassungen stehen dabei scheinbar sehr kurzfristig an. Die entlassenen Flugbegleiter und Flugbegleiterinnen sollen, soweit möglich, schnellstens wieder zurück in ihre Heimatländer. Für all diejenigen, denen das nicht möglich ist, soll es ein Unterstützungsprogramm geben.

Auch für den Fall, dass sich die Situation wieder bessert und Qatar Airways wieder mehr Personal benötigt, solle es Erleichterungen beim Wiedereintritt ehemaliger Mitarbeiter geben.

Das gesamte Schreiben von Qatar Airways CEO Al Baker (übersetzt mit Google Translate):

Trotz aller Bemühungen und Hoffnungen auf eine schnelle Erholung sehen wir uns mit Widrigkeiten von beispiellosem Ausmaß konfrontiert. Die globalen Aussichten für unsere Branche sind düster und viele Fluggesellschaften schließen ihre Geschäftstätigkeit deutlich ab. Leider ist Qatar Airways nicht immun gegen diese Herausforderung. Ich versichere Ihnen, dass keine Mühe gescheut wurde, um alle unsere Flugzeuge am Himmel zu halten – Sie waren ein wesentlicher Bestandteil des kontinuierlichen Betriebs, für den unsere Passagiere aus aller Welt Sie begrüßen. Jetzt müssen wir uns einer neuen Realität stellen, in der viele Grenzen geschlossen sind und viele unserer Ziele geschlossen und Flugzeuge auf dem Boden stehen, ohne dass absehbare Aussichten für sofortige, positive Veränderungen bestehen.

Die Wahrheit ist, dass wir die derzeitige Mitarbeiterzahl einfach nicht aufrechterhalten können und eine beträchtliche Anzahl von Arbeitsplätzen entlassen müssen – einschließlich der Kabinenbesatzung. Ihr Management wird in den kommenden Wochen Einzelheiten zu den geplanten Reduzierungen mitteilen. Als Leiter von Qatar Airways ist es eine sehr schwierige Botschaft, sie an Sie weiterzugeben, da Ihre harte Arbeit dieses Unternehmen großartig macht und weltweit kontinuierlich für den besten Kundenservice anerkannt wird. Ich verstehe, dass diese Situation Ihre Karriere und Ihr persönliches Leben beeinflussen wird. Aus diesem Grund habe ich unsere HD-Abteilung gebeten, an einem speziellen Rekrutierungsprogramm zu arbeiten, das Ihre schnelle Rückkehr zu Qatar Airlines in Zukunft ermöglicht, falls sich die Gelegenheit ergibt.

Schließlich wollte ich Ihre Zusammenarbeit mit Ihrem Management und Ihrer Personalabteilung während dieses schwierigen Übergangs anstreben. Jeder, der von einer Entlassung betroffen ist, erhält gegebenenfalls alle vertraglichen Gebühren und ausstehenden Überstundenzahlungen. Für diejenigen, die nicht sofort in ihre Heimatländer zurückkehren können, wird das Unternehmen Wohnraum und eine besondere Zulage für den Lebensunterhalt bereitstellen, bis eine Rückführung möglich ist.

Ich möchte mich noch einmal bei Ihnen für Ihre Treue, Beiträge und Belastbarkeit bedanken. Qatar Airways wird alles tun, um den Betrieb wieder aufzunehmen und Ihnen die Möglichkeit zu bieten, nach Möglichkeit wieder beizutreten.

Airbus A350 von Qatar Airways.

Qatar Airways erweitert Flugangebot kurzfristig und entlässt Kabinenpersonal | Streckennetz ab Juni

Ganze 80 Destinationen will Qatar Airways bis Juni 2020 wieder aufleben lassen. Die Ziele sind verteilt über den kompletten Globus. Auch die für uns wichtigen Ziele Berlin, Frankfurt, München, Wien und Zürich stehen dabei in der Planung von Qatar Airways. Und auch nahe gelegene europäische Ausweich-Destinationen, wie Amsterdam, Brüssel oder Mailand werden weiter oder wieder bedient. So sieht das komplette Qatar Airways Streckennetz ab Juni aus:

Afrika

Addis Abeba (ADD), Kapstadt (CPT), Johannesburg (JNB), Lagos (LOS), Nairobi (NBO), Tunis (TUN)

Amerika

Chicago (ORD), Dallas (DFW), Sao Paulo (GRU), Montreal (YUL)

Asien-Pazifik

Guangzhou (CAN), Hongkong (HKG), Seoul (ICN), Tokio (NRT), Peking (PEK), Shanghai (PVG), Bangkok (BKK), Jakarta (CGK), Kuala Lumpur (KUL), Manila (MNL) ), Singapur (SIN), Ahmedabad (AMD), Amritsar (ATQ), Bangalore (BLR), Mumbai (BOM), Calicut (CCJ), Kolkata (CCU), Colombo (CMB), Kochi (COK), Dhaka (DAC) ), Neu-Delhi (DEL), Goa (GOI), Hyderabad (HYD), Kathmandu (KTM), Chennai (MAA), Male (MLE), Trivandrum (TRV), Islamabad (ISB), Karachi (KHI), Lahore ( LHE), Melbourne (MEL), Perth (PER), Sydney (SYD)

Europa

Athen (ATH), Budapest (BUD), Moskau (DME), Istanbul (IST), Amsterdam (AMS), Stockholm (ARN), Barcelona (BCN), Brüssel (BRU), Paris (CDG), Kopenhagen (CPH), Dublin (DUB), Edinburgh (EDI), Rom (FCO), Frankfurt (FRA), London (LHR), Madrid (MAD), Manchester (MAN), München (MUC), Mailand (MXP), Oslo (OSL), Berlin (TXL), Wien (VIE), Zürich (ZRH)

Mittlerer Osten

Amman (AMM), Beirut (BEY), Bagdad (BGW), Basra (BSR), Erbil (EBL), Teheran (IKA), Sulaymaniyah (ISU), Kuwait (KWI), Maskat (MCT), Mashad (MHD), Nadschaf (NJF), Sohar (OHS), Salalah (SLL), Shiraz (SYZ)

Qatar Airways erweitert Flugangebot kurzfristig und entlässt Kabinenpersonal | Frankfurtflyer Kommentar

Qatar Airways hat natürlich eine besonders glückliche Stellung. Der Staat Katar lenkt die Geschicke der Airline und stellt die entsprechenden Mittel bereit. Und das scheinbar mit fast unbegrenzten Mitteln, um auch während der Coronakrise einen umfangreichen Flugverkehr am Leben zu halten.

Doch so unbegrenzt sind die Mittel dann scheinbar doch nicht. Während in den vergangenen Wochen schon erhebliche Lohnkürzungen um bis zu 50% umgesetzt wurden, trifft es nun einige Mitglieder des Kabinenpersonals nochmals härter. Nahezu alle Flugbegleiter von Qatar Airways stammen aus dem Ausland und scheinen bei Kündigung kurzfristig wieder in ihre Heimatländer zu müssen.

Ich habe mit vielen Flugbegleitern von Qatar Airways in den vergangenen Jahren gesprochen. Viele ihrer Geschichten kennengelernt. Leicht wird dieser Schritt zurück für einige sicher nicht. Es bleibt auch an dieser Stelle die Hoffnung auf schnellere Erholung des Flugverkehrs und einer baldmöglichen Rückkehr für die betroffenen Mitarbeiter.

Das könnte Euch auch interessieren

2 Kommentare

  1. Kenne zwei Flugbegleiterinnen, die da arbeiteten und jetzt und sogar schon ab März den Job verloren haben. Sie müssen nun in ihre Länder zurückkehren sobald die Grenzen wieder offen sind. Es sollen wohl 60% der Mitarbeiter/innen den Job verlieren. Insgesamt 6.000 von 13.000 Mitarbeitern will QR behalten. Es sieht so aus als würden die gefeuerten Mitarbeiern nun neue Wege gehen und für sie ist es keine Option zurück zu kehren.

    • Dass QR mit dem Personal und den Verträgen nicht zimperlich ist, war mir total bewusst. So extrem kurze Kündigungsfristen und direkte Rückführungen ins Heimatland hätte ich jedoch nicht erwartet. Habe gerade heute morgen von einer Pilotin gelesen, die gekündigt wurde, noch sieben Tage Gehalt bekommen sollte, aber rund 150.000 Euro für ihre Ausbildung zurück zahlen darf. Das ist schon krass. Ich kann mir da gut vorstellen, dass nicht nur der eine oder andere nie wieder zurück will.

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*