Review: United Economy Class Boeing 787-9 Washington D.C. nach Frankfurt | Fliegen während Corona

Reisen hat sich in den letzten Monaten massiv verändert, insbesondere da man in viele Länder nicht mehr ohne weiteres einreisen darf. Gerade über dem Nordatlantik ist der Passagierverkehr weitestgehend zum Erliegen gekommen, nachdem die USA die Einreise für Passagiere aus dem Schengen Raum verboten haben.

Alleine United Airlines hat vor der Corona Krise jeden Tag über 5.000 Sitzplätze aus den USA nach Deutschland angeboten und die Flugzeuge waren gut gefüllt. Aktuell dürfen nur noch eine Handvoll Passagiere zwischen den USA und Europa reisen, weshalb Frequenzen und Passagierzahlen deutlich geringer sind.

In dieser Review will ich Euch einen Eindruck davon vermitteln, wie ein Flug mit United Airlines in der Economy Class auf Langstrecken gerade aussieht und was sich durch die Pandemie alles verändert hat. Sicher ist für den ein oder anderen auch ein Blick über den Atlantik spannend.

Reisen während Corona: Durch das Coronavirus hat sich die Art und Weise wie wir reisen verändert. Diese Review ist Mitte August 2020 entstanden, allerdings unterliegt alles ständigen Änderungen. Daher kann es sein, dass der Inhalt dieser Review nicht mehr dem aktuellen Stand entspricht.

Der Check-In / Am Flughafen

Der Check-In kann während Corona durchaus etwas komplizierter werden, denn je nach Reiseziel muss man nachweisen, dass man auch dort hinreisen darf. Im Falle eines USA – EU Fluges sind Bürger der USA eigentlich mit einem Einreiseverbot belegt (wobei es hier jede Menge Ausnahmen gibt) und entsprechend muss man mit einem US Pass am Flughafen einchecken. Nachdem ich mit meinem deutschen Pass für diesen Flug eingecheckt habe, konnte ich sogar online meine Bordkarte erhalten und musste nicht mehr zum Check-In Schalter, wobei dies auch kein Problem gewesen wäre.

Auch wenn in den USA die Passagierzahlen langsam wieder steigen, habe ich den Flughafen von Washington Dulles noch nie so verwaist und leer gesehen. Die Check-In Halle war fast schon gespenstisch leer.

Wenige Passagiere haben aber auch enorme Vorteile, welche ich direkt an der Sicherhietskontrolle merken durfte, denn hier gab es quasi keine Schlangen und keine Wartezeiten, was natürlich extrem angenehm ist. Man soll ja immer das Positive sehen.

Viel verändert hat sich bei der Sicherheitskontrolle und den Regeln allerdings auch in den USA nicht. Weiterhin gilt, dass man Elektronik und Flüssigkeiten aus dem Handgepäck nehmen muss und auch Schuhe müssen ausgezogen und durchleuchtet werden. Ausgenommen sind hier aber weiterhin Passagiere mit TSA Pre, welche Schuhe anbehalten dürfen und auch Laptop und Flüssigkeiten meist im Gepäck lassen dürfen. So auch in Washington.

Auch in den USA hat sich inzwischen das Tragen von Masken weitestgehend durchgesetzt und am Flughafen gilt eine generelle Maskenpflicht, welche auch kontrolliert wird und von den Passagieren in D.C. sehr gut eingehalten wurde. Zusätzlich sind auf dem Boden Markierungen, welche auf sechs Fuß (knapp 2 Meter) Abstand hinweisen. Dass man diesen in der Warteschlange grundsätzlich nur nach vorne aber nicht zur Seite einhalten konnte sei einmal dahin gestellt, daher tragen wir ja die Masken.

Das Bild vom extrem leeren Flughafen zog sich dann auch nach der Sicherheitskontrolle durch meine gesamte Reise. Zwischenzeitlich habe ich mich im Terminal sogar gefragt ob ich gerade in einem gesperrten Bereich bin, da alle Läden geschlossen waren und kein anderer Passagier zu sehen war.

Bei einem Blick auf die Abflugtafel wurde mir dann aber so einiges klar, denn United Airlines hatte an diesem Abend nur noch acht Flüge, welche aus Washington D.C. starten sollten. Der Hub der Airline hat in der Corona Virus Pandemie extrem Federn lassen müssen und viele Flüge wurden gestrichen. In Newark oder Chicago hat United aktuell deutlich mehr Abflüge.

Ich habe mich vor meinem Abflug noch auf den Weg in den United Club gemacht, welchen ich vor dem Abflug nutzen wollte. Nach einem Blick in die United App stellte ich sehr schnell fest, dass nur einer der drei Clubs in Washington aktuell geöffnet ist und hoffte dass diese Information auch stimmt, denn aufgrund des verwaisten Flughafens hatte ich hier meine Zweifel.

Jedoch hat sich diese Information als richtig erwiesen und der United Club bei D9 war geöffnet. Hier informierte United noch vor dem Club über die Hygienemaßnahmen, welche man als Clean Plus gebrandet hat, in Zusammenarbeit mit Clorox. In den USA verwendet man fast schon obsessiv Desinfektionstücher und Desinfektionsspray. Nachdem ihnen der Präsident aber auch sogar erzählt hat, dass es eine gute Idee sein könnte sich Desinfektionsmittel zu Spritzen oder zu trinken – wer kann es ihnen verdenken. Ich selbst versuche nach Möglichkeit meine Hände mit Wasser und Seife zu waschen, da es die Hände nicht austrocknet und im United Club war dies natürlich auch möglich.

Die Nutzung des United Clubs ist natürlich nicht Teil des Economy Class Tickets. Ich habe den Club dank meines Star Alliance Gold Status (United 1K) nutzen können, aber man könnte sich hier auch einen Day Pass kaufen. Mit 59 Dollar ist dies aber nicht wirklich günstig und ich würde dies nur machen, wenn ich einen sehr langen Aufenthalt im Club plane und hier auch die Bar nutzen will, ansonsten sehe ich hier wenig Gegenwert in der aktuellen Situation, außer dass es sich im United Club dennoch angenehmer warten lässt, als am Gate.

Der Club war bei meinem Besuch erschreckend leer und während ich vor Corona hier manchmal einen Sitzplatz suchen musste, waren vielleicht nur ein Dutzend andere Gäste mit mir hier.

Das Angebot an Snacks war in United Clubs immer nicht besonders überwältigend, allerdings bietet man aktuell nur abgepackte Kekse und Chips, sowie einige Müsliriegel.

Die bediente Bar ist aber weiterhin geöffnet und hier kann man sich alle Softdrinks, Bier, Wein, und Spirituosen ausschenken lassen. Hierbei gilt weiterhin, dass nur „House wine, beer and Spirits“ kostenlos sind. Wenn man hochwertige Alkoholika haben will, muss man bezahlen.

Unter diesen Premium Drinks versteht United dann aber auch vor allen importierte Biere und die meisten Gäste kommen gut mit dem kostenlosen oder besser inbegriffenen Angebot zurecht.

Boarding und Kabine

Als mir die United App gemeldet hat, dass mein Flug zum einsteigen bereit ist, habe ich mich auf den Weg zum Gate gemacht. Hier war das Einsteigen schon fast beendet, was mich erst überrascht hat, denn der Flug sollte erst in 45 Minuten starten, allerdings waren hier wieder keine 80 Passagiere auf diesem Flug gebucht, sodass das Einsteigen extrem schnell und auch geordnet erledigt war.

Vor dem Boarding wird man per Ansage am Gate und auch per Email und SMS darüber informiert, dass United das Flugzeug für diesen Flug gereinigt und desinfiziert hat. Dies ist Teil des Clean Plus Programmes und so werden alle Arm und Kopflehnen, die Tische und Griffe der Overhead Bins mit Desinfektionsmittel abgewischt und das gesamte Flugzeug mit einem Desinfektionsspray vernebelt.

Wie sinnvoll das Ganze in Bezug auf das Corona Virus wirklich ist, sei einmal dahingestellt, allerdings schadet eine saubere Kabine sicher nicht und das Wiederherstellen des Vertrauens der Passagiere hat inzwischen eine sehr hohe Bedeutung gewonnen.

An Bord von allen United Airlines Flugzeugen und auch beim Boarding herrscht eine Maskenpflicht und diese wird auch recht deutlich angekündigt. Grundsätzlich ist United auch dazu über gegangen, Passagiere, welche sich dieser Pflicht entziehen wollen, auf eine no fly Liste zu setzen. Auf meinem Flug gab es hier allerdings keinerlei Probleme und alle Passagiere haben die Maske getragen.

In mehreren Durchsagen wird dies auch den Passagieren einfach erklärt. Die Maske ist zu tragen wann immer man im Flugzeug ist, außer es ist nicht anders möglich, wie zum Essen und Trinken oder wenn die Sauerstoffmasken in einem Notfall aus der Kabinendecke fallen.

Etwas überrascht war ich von dem Sitznachbar, welcher in der Reihe vor mir Platz genommen hat. Hier hatte eine Dame einen etwa 40 Kilogramm schweren Schäferhund dabei. Eigentlich müssen solche Tiere im Frachtraum fliegen, aber dieser Hund galt als Emotional Support Dog und durfte daher in die Kabine. Eine Ausnahmeregelung in den USA, welche Hundebesitzer leider nur all zu gerne nutzen.

Als das Boarding abgeschlossen war, habe ich nicht schlecht geschaut, denn in der vorderen Kabine, der Economy Plus, mit etwas mehr Beinfreiheit als in der normalen Economy Class, saßen tatsächlich mit mir nur vier Passagiere und ein Hund. Die hintere Kabine war etwas voller, aber auch weit von 50% Auslastung entfernt.

Interessanterweise flog in der Business Class eine komplette Crew als Dead Head nach Deutschland, ansonsten waren auch hier nur wenige Passagiere.

Von den Sitzen wurde alles entfernt, was Passagiere berühren können. So gab es keine Decken, keine Kissen und kein Bordmagazin mehr. Lediglich die Sicherheitskarte und eine Spucktüte waren noch am Sitz.

Zu meiner Erleichterung brachte mir die Flugbegleiterin auf meine Frage nach einer Decke und einem Kissen genau dieses. Sie sind wohl geladen, aber werden nicht mehr auf den Sitzen offen aufgelegt.

Flug und Service

Der Start aus Washington D.C. erfolgte dann auch überpünktlich und der Pilot kündigte eine Ankunft 45 Minuten vor der im Flugplan stehenden Uhrzeit an, was durchaus gute Nachrichten sind, auch wenn es die potenzielle Zeit zum Schlafen auf einem Nachtflug reduziert.

Start aus Washington D.C.

Nachdem die Reiseflughöhe erreicht wurde, wurde auch mit dem Service begonnen. Dieser ist ein wenig abgewandelt zum normalen Service und so gibt es direkt mit den Getränken das warme Abendessen.

Hierbei gibt es in der Economy Class Softdrinks, Bier und Wein kostenlos. Normalerweise kann man Spirituosen kaufen, allerdings scheint dies aktuell nicht mehr möglich zu sein, wobei ich auch nicht danach gefragt habe.

Für mich fast die größte Errungenschaft war, dass man wieder Eis geladen hatte für die Getränke. Dies war zwischen April nun Juni nicht mehr der Fall, um hier potenzielle Infektionen zu vermeiden.

Das Essen wird wie üblich bei United Airlines in der Ecnoomy Class auf einem kleinen Tablett serviert und besteht aus einem Brötchen, einem Salat und einem warmen Hauptgericht. Dabei hat man bei United Airlines weiterhin die Wahl aus zwei Hauptspeisen.

Zum Dessert lag etwas Schokolade auf dem Tablett, welche das früher übliche Eis oder Sorbet ersetzt.

Über die Qualität des Essens kann man sich streiten. Es war alles nicht schlecht und wenn man Hunger hat, wird man durchaus satt. Dennoch empfiehlt es sich wie bei den meisten Economy Class Flügen nicht hungrig ins Flugzeug zu steigen.

Der gesamte Essensservice war extrem schnell und nach weniger als einer Stunde war dieser beendet. Ich habe den Rest des Fluges versucht zu schlafen, was mir auch einigermaßen gut gelungen ist. Vor der Landung in Deutschland wird dann noch eine kleine Mahlzeit serviert, welche wohl aus einem Cookie und einem Joghurt besteht. Ich habe sie jedoch verschlafen.

Vor der Ankunft in Deutschland müssen übrigens alle Passagiere sogenannte Außsteigerkarten mit Kontaktdaten ausfüllen. Diese werden an Bord noch von der Airline eingesammelt und verwahrt. Sollte ein Passagier auf diesem Flug positiv auf COVID-19 getestet werden, dienen die Karten der Nachverfolgung der Kontakte.

United Economy Class Boeing 787-9 Washington D.C. nach Frankfurt |  Frankfurtflyer Kommentar

Dramatisch viel hat sich bei einem Flug in der Economy Class bei United Airlines auf der Langstrecke nicht verändert. Der Service wurde minimal angepasst, allerdings bei weitem nicht so stark reduziert wie bei anderen Airlines. Dabei muss man aber ehrlich sagen, dass ein Flug in der Economy Class bei United wohl nie das Highlight war, weshalb man in ein Flugzeug steigen sollte.

Unangenehm war dieser Flug allerdings auch nicht und wenn man etwas Positives aus der aktuellen Situation nehmen kann, dann sind es die wenigen Passagiere, welche aktuell reisen, denn eine Reise in einem leeren Flugzeug ist natürlich angenehmer, als in einem vollen Flugzeug.

 

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7 Kommentare

  1. Hi Christoph, interessanter Review, danke dafür! Verzeih mir meine Neugier, aber wie kommt es eigentlich, dass du trotz Einreiseverbot für Europäer aktuell in die USA reisen kannst?

    • Hallo Mathias,

      Danke für das Kommentar, es freut mich sehr dass endlich mal nicht die ersten fünf Kommentare um die Masken gehen und wie sehr sich manche dadurch in Ihrer Freiheit bedroht fühlen. Das hat mich zuletzt auch massiv vom Schreiben vieler reviews aus der aktuellen Zeit abgehalten. Daher freut mich das gerade wirklich sehr, denn hier soll es ja vornehmlich um Reisen und Fliegen gehen und nicht um Corona.

      Sorry das hatte gerade nichts mit dir zu tuen, aber ich wollte es einfach mal sagen.

      So allgemein ist das Einreiseverbot garnicht mehr, weshalb es besonders in den USA als Sinnlos hinterfragt wird. Das Virus kennt keinen Pass und mit einem US Pass, einer Green Card oder einer sonstigen, permanenten Aufenthaltsgenehmigung für die USA, sowie wenn man direkte Familie in den USA hat, darf man weiterhin ohne Einschränkungen einreisen.

      Auch hat das CDC und andere Behörden inzwischen mehrere hundert Ausnahmen definiert, unter welchen auch Europäer einreisen dürfen. Diese kommen meist aus dem medizinischen oder wissenschaftlichen Bereich oder eben von Militärs. Leider nicht für Touristen oder viele Geschäftsreisende, aber ich hoffe dass sich das sehr bald wieder ändert.

      Übrigens sind diese Ausnahmen nicht wenige Leute… Inzwischen reisen täglich wieder mehrere Tausend Personen zwischen Europa und den USA, wobei es natürlich nur ein kleiner Teil dessen ist, was es einmal war.

      • Hallo Christoph,
        vielen Dank für die vielen Informationen. Das ist mal wieder ein sehr hilfreicher Beitrag.
        Kann man denn die Ausnahmeregelungen der CDC und anderen Behörden online einsehen?
        Viele Grüße
        Tobias

        • Hallo Tobias,

          Das es hier eine öffentliche Liste gibt ist mir nicht bekannt, am besten wendest du dich an die Botschaft. Grundsätzlich musst du als essential travel eingestuft werden, dann geht es.

          LG
          Christoph

  2. Hallo Christoph, danke für die Antwort. Das hatte mich auch schon immer brennend interessiert.
    Lass dich von den Nörglern nicht frustrieren, lösch sie einfach. Das ist DEIN (verdammt guter) Aviation Blog und kein Masken Blog.
    VG

    • Hallo Pete,

      Es ist tatsächlich so, dass solcher Zuspruch gerade in den letzten Wochen sehr gut tut und auch extrem motivierend ist, daher vielen lieben Dank hierfür!

      Ja das mit dem löschen ist so eine Sache, da werden ja manche Kandidaten immer sehr wild und jammern etwas von freier Meinungsäußerung, wobei dieser Grundrecht ja nicht erlaubt, fremde Plattformen für seine Meinung kapern zu dürfen. Dennoch bin ich ja auch immer offen für Diskussionen, bis es mir zu bunt wird. Aber lassen wir das.

      Hier soll es um Reisen und Fliegen gehen und das was uns doch eigentlich alle begeistert. Und auch diese Krise wird vorbei gehen und genau darauf freue ich mich jetzt schon!

      LG und ein gute Woche!
      Christoph

  3. Lieber Christoph,

    Eure Reiseberichte sind der Hauptgrund, warum ich Eure Seite entdeckt habe und weiter folge. Daher freut es mich insbesondere, wenn von Dir oder einem der anderen ein neuer Bericht zu lesen ist.

    Freue Dich lieber über die anderen Kommentare und dass sie sich eine so exklusive Seite dafür ausgesucht haben, um ihre Gefühle mitzuteilen…

    Bis zum nächsten Stammtisch in hoffentlich baldiger Zukunft!

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