Ryanair CEO: „Lufthansa ist wie ein Crack-Kokain Junkie auf der Suche nach Staatshilfen“

Der Ryanair CEO, Michael O´Leary, ist eine unglaublich polarisierende Person und eines ist bei ihm fast immer Gewiss, er gibt sehr kontroverse Interviews. Vor wenigen Tagen hat er dem britischen Nachrichtensender Sky ein Interview gegeben, in welchem er zur aktuellen Situation von Ryanair und der gesamten Luftfahrtindustrie befragt wurde.

Wie es die Art von Michael O´Leary ist, hat er natürlich einige sehr kontroverse und auch lustige Aussagen rausgehauen, welcher besonders populistischer Natur waren. Sein Hauptziel in diesem Zusammenhang waren vor allem Virgin Atlantic und Lufthansa, welche er als Crack-Kokain Junkie bezeichnet hat.

Aber egal wie man die populistischen und reißerischen Aussagen von O´Leary einordnen will, denn sie sollen vor allem den Interessen von Ryanair dienen sollen und er hiermit Aufmerksamkeit erreichen, kann man dem Ryanair CEO eine enorme Kenntnis über die Branche nicht absprechen und zwischen seinen sehr fragwürdigen (und auch teilweise schlicht falschen Aussagen) über andere Airlines, hat er einige sehr interessante Dinge gesagt.

Wer sich das ganze Video anschauen will, kann dies hier tun:

Ryanair wird Monate brauchen um Erstattungen zu durchzuführen

Das erste große Thema für O´Leary sind die offenen Erstattungen für gestrichene Flüge. Er führt an, dass Ryanair in einem normalen Monat 10.000 Erstattungen hat und aktuelle (aufgrund von allen gestrichenen Flügen) 10.000.000 Vorgänge.

Parallel zu dem sehr hohen Aufkommen habe man nur 25% des normalen Personals an der Basis und würde daher deutlich langsamer arbeiten als sonst. Erstattungen würden stattfinden, aber man wird Wochen oder gar Monate brauchen. In einem Nebensatz rechnet er mit 18 Monaten.

Auch wenn die Beschreibung der Situation zweifelsfrei korrekt ist, vergisst O´Leary ganz versehentlich zu erwähnen, dass seiner Airline auch die liquiden Mittel fehlen würden, um alle Erstattungen auf einen Schlag durchzuführen, denn so gut wie jede Airline der Welt wäre bei einer Erstattung aller stornierten Flüge sofort zahlungsunfähig.

Passend hierzu fordert er die Passagiere aber auch auf, ihre Reise auf einen späteren Zeitpunkt umzubuchen. Dies sei nach wie vor einfach und schnell möglich. Warum sich dies online durchführen lässt und eine Erstattung nicht, wird natürlich in keinem Wort angesprochen.

Geblockte Mittelsitze machen keinen Sinn und die Regierung soll dafür bezahlen

Im weiteren Teil des Interviews spricht er über die Idee Mittelsitze zu blocken, um mehr Abstand zwischen den Passagieren zu haben, wodurch die Infektionsgefahr verringert werden soll. Dies beschreibt O´Leary als Blödsinn und hat hiermit vermutlich sogar recht.

Ein freigelassener Mittelsitz schafft bei weitem nicht die 1,50 Meter Mindestabstand, welche empfohlen werden. Hinzu kommt, dass dennoch Passagiere in der Reihe vor einem und hinter einem sitzen würden und hier oft weniger als 80 Zentimeter Abstand halten müssten.

Aber nicht nur an Bord, sondern auch am Flughafen sei das Distanzhalten nicht möglich oder extrem schwierig, weshalb der Ryanair CEO hierin keine Lösung sieht. Um seinen Standpunkt noch einmal zu verdeutlichen, führt er an, dass Regierungen für den freien Mittelsitz bezahlen sollen, wenn sie diese Regelung wollen.

Airlines könnten sich dies nicht leisten, denn man würde mit einer 3-5 prozentigen Gewinnmarge bei 85% Auslastung fliegen. Wenn man nur noch 66% Auslastung haben dürfte, wäre es unmöglich Geld zu verdienen.

Letzteres trifft aber auch besonders intensiv auf Ryanair und dem Billigflieger Konzept zu, denn die Airline fliegt normalerweise mit einer Auslastung von über 95%, sprich ein leerer Mittelsitz ist hier die absolute Ausnahme. Netzwerkairlines hätten hier bessere Möglichkeiten zu reagieren.

Staatshilfen

Sehr amüsant sind die Ausführungen von O´Leary zu den möglichen Staatshilfen seiner Konkurrenten und besonders Virgin Atlantic und Lufthansa spricht er hier an. Interessant ist allerdings auch, dass er hier vor allem populistische Aussagen raushaut, welche teilweise sogar einfach falsch sind.

Lufthansa sei wie eine Crack- Kokain Junkie auf der Suche nach Staatshilfen

Bei der Beschreibung von Lufthansa als Junkie, welcher nur nach mehr Geld sucht ist durchaus amüsant, allerdings ist die Beschreibung von O´Leary mehr als fragwürdig. So fantasiert er ein wenig über die Höhe der Staatshilfen (denn er redet von 10 Milliarden alleine von Deutschland) aber er sieht die Absicht von Lufthansa vor allem darin, dass man mit dem Geld nach der Krise möglichst viele Airlines aufkaufen will.

Auch wenn die Wortwahl sehr drastisch ist, hat er hier durchaus einen Punkt, denn Lufthansa sah schon vor der Krise eine Marktkonsolidierung und wollte andere Airlines aufkaufen. Viele Analysten gehen davon aus, dass dies auch nach der Krise passieren wird und auf dem Einkaufszettel könnten Alitalia, Condor und TAP Air Portugal stehen.

Die Behauptung, dass Lufthansa diese Staatshilfen (welche vor allem Kredite sind, die zurückbezahlt werden müssen) nicht braucht, ist allerdings mehr als fragwürdig.

Foto: Lufthansa

Richard Branson soll doch einfach Virgin retten

Bei Virgin Atlantic bedient sich O´Leary dann der kompletten populistischen Diskussion und Argumente, welche gerade in England durch die Presse laufen, auch wenn man hier Dinge sehr frei verdreht.

Virgin Atlantic benötigt dringend frisches Geld und hat bei der Regierung einen Kredit in Höhe von 500 Millionen Pfund angefragt, um eine Pleite zu vermeiden. Dies wurde abgelehnt.

In der Bevölkerung hält sich hier hartnäckig die Meinung, dass der Virgin Atlantic Gründer Sir Richard Branson als Milliardär die Airline einfach aus seinem privaten Vermögen retten soll. Alternativ soll Delta Airlines als US Airline mit 49% der Anteile an Virgin Atlantic einspringen.

Branson hat bereits öffentlich dargelegt, dass er nicht in der Lage ist 500 Millionen Pfund für Virgin Atlantic an liquiden Mitteln bereit zu stellen, denn sein Vermögen wird aufgrund seiner Aktienanteile an über 70 verschiedenen Virgin Firmen auf etwa vier Milliarden Dollar geschätzt.

Branson selbst hat bereits 250 Millionen Dollar für alle seine Virgin Group Firmen bereitgestellt und auch seine private Insel in der Karibik als Sicherheit für Kredite angeboten. Dennoch heizt O´Leary diese Diskussion natürlich mit Begeisterung an, denn Ihm würde es natürlich gefallen, wenn Virgin Atlantic als Mitbewerber verschwinden würde.

Zukunft der Luftfahrt und von Ryanair

Sehr interessant ist auch, was über die Zukunft von Ryanair gesagt wird, denn auch wenn O´Leary eine schnelle Erholung prognostiziert, kann man zwischen den Zeilen auch sehr düstere Aussichten für Ryanair lesen.

So sagt der Ryanair CEO stolz, dass man alle Mitarbeiter an Bord behalten will, um dann im nächsten Satz als Randnotiz mitzuteilen, dass zwar die Gehälter bis Mai gesichert sind, es aber danach zu Entlassungen kommen wird, wenn sich die Situation nicht entspannt.

O´Leary selbst rechnet gerade damit, dass ab Ende Juni, Anfang Juli wieder in Europa mit Ryanair geflogen werden kann, was im Umkehrschluss bedeutet, dass er mit einer Reihe von Entlassungen bei dem Billigflieger rechnet.

Als Modell für eine schnelle Erholung innerhalb Europas verweist er auf die chinesische Luftfahrt, welche auf Inlandsflügen etwa 70% des Niveau von vor Corona erreicht hat, allerdings ist hier die Auslastung mit 50-60% immer noch recht überschaubar. Besonders für das Geschäftsmodell von Ryanair ist dies sicher ein recht problematischer Zustand.

Maskenpflicht für Crews

Sicher nicht falsch liegt er mit der Aussicht auf Sicherheitsmaßnahmen für die Wiederaufnahme des Flugbetriebes. So will O´Leary Masken für die Crews verpflichten machen und am besten auch für die Passagiere. Hinzu sollen an Flughäfen die Temperatur der Passagiere gemessen werden.

Hiermit kann man zumindest ein Mindestmaß an Sicherheit herstellen, auch wenn es nicht perfekt ist. Mit einem Blick auf Asien, wo dies aktuell schon so gehandhabt wird, ist das Szenario aber nicht unwahrscheinlich.

Große Rabatte zu erwarten

Für die Wiederaufnahme des Flugverkehrs erwartet man bei Ryanair einen recht hohen Ansturm an Passagieren, denn die ganze Branche wird zum schnellen Auslasten der Kapazitäten höhe Rabatte anbieten. Für uns als Passagiere sind das vermutlich sehr gute Nachrichten und nach der Krise werden wir hier profitieren können.

Ryanair CEO: „Lufthansa ist wie ein Crack- Kokain Junkie auf der Suche nach Staatshilfen“ | Frankfurtflyer Kommentar

Interviews von Michael O´Leary sind immer recht unterhaltsam und dieses Interview stellt ohne Zweifel keine Ausnahme dar. Wenn man die populistischen und reißerischen Aussagen einmal außen vor lässt, hat er aber einige sehr interessante Dinge gesagt.

Spannend wird nun sein, wie es wirklich weiter geht, denn auch der Ryanair CEO kann in dieser Situation den Markt nicht vorhersagen.

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6 Kommentare

  1. O’Leary hat einfach Angst, dass sich jetzt noch deutlicher zeigt, auf was für wackeligen Beinen sein Geschäftsmodell aufgebaut ist..

    • Da stimme ich voll zu. Ryanair benötigt ja auch deshalb kein Kurzarbeitergeld, weil die meisten Piloten „selbstständig“ sind und dann einfach nicht mehr beauftragt werden. Für mich ist er eine Figur, die eindringlich zeigt, dass der liberale Markt es eben nicht für alle Parteien zum besten regelt.

  2. …. sagt der CEO eben jener Gesellschaft, die wie eine Heuschrecke von Basis zur Basis zieht, Subvention aus Steuermitteln abgreift, um dann im Anschluss diese Basis getreu dem Motto nach uns die Sintflut wieder fallen zu lassen. Jener CEO, der darüber hinaus im Rahmen der Corona Krise beispielsweise die Belegschaft der Lauda in Österreich zu erpressen versucht, um Ihnen völlig inakzeptable Arbeitskonditionen und Zugeständnisse abzupressen.

    Da werde ich mal ausnahmsweise deutlich: Pfui! Oder um es mit einem Bibelzitatzu sagen: wer ohne Sünde, der werfe den ersten Stein!

    Ich bin sowieso gespannt, wie kurz- und mittelfristig sich das Ryanair Geschäftskonzept mit seiner Konservenbüchsenbestuhlung mit dem Social Distancing vereinbaren lassen werden wird. Dieses rechnet sich nämlich bei einer 66 % Ausstattung nicht mehr. Hoffentlich, ja hoffentlich wird dieser Carrier zumindest deutlich kleiner am Markt werden.

  3. Ich find den O´Leary genau so sympathisch wie Trump……. Letzter könnte mir Geld geben und ich würde die USA nicht betreten…..

  4. Ich finde O’Leary sagt die Wahrheit. Ich habe bereits bei 2 Buchungen nach ca. 7 Tagen, das Geld zurück bekommen. Bei Easyjet oder Eurowings gibts maximal Gutscheine.
    Die Aussage hier ist schlicht falsch, daß Ryanair die 10 Millionen Buchungen nicht zurück erstatten kann. Bei 10 Millionen Buchungen reden wir hier von einem Betrag von 300 – 500 Millionen Euro , das zahlt Ryanair aus der Portokasse. Ryanair wird aus der Krise als Gewinner heraus gehen. Lufthansa und Co werden nur mit fetten Staatsinfusionen überleben. Das hat mit Marktwirtschaft nix zu tun.

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