Schleppende Rückzahlungen haben vorerst keine Konsequenzen für Airlines

Foto: Lufthansa

Es ist für viele betroffene Passagiere ein sehr leidiges Thema, denn Airlines haben fast flächendeckend Rückzahlungen an Kunden eingestellt und die den Kunden zustehenden Gelder einbehalten. Hierbei handelt es sich oft um zu erstattende Flugpreise wegen abgesagten Flügen, welche eigentlich nach geltendem Recht binnen sieben Tage erstattet werden müssen.

Teilweise warten Passagiere allerdings seit Monaten auf ihre Erstattungen, was inzwischen einen unzumutbaren Zustand darstellt. Lufthansa hat gerade in den letzten Tagen eine heftige Rüge der Bundesregierung für ihre schleppenden Erstattungen erfahren, allerdings geht es über diese Rüge nicht hinaus, denn bisher bleiben die schleppenden Rückzahlungen der Airlines vorerst ohne Konsequenzen, obwohl man durchaus Strafen verhängen könnte.

So gibt es beim Luftfahrtbundesamt für das Jahr 2020 aktuell 648 eingeleitete Verfahren wegen vermeintlicher Versäumnisse von Airlines, wobei bisher nur eine einziges Ordnungswidrigkeitsverfahren zu einem Bußgeld bei einer europäischen Airline geführt hat. Hierbei ging es auch nicht um eine Erstattung, sondern um das nicht Nachkommen der Informationspflicht.

Aktuell ist die Zahl der Anzeigen beim Luftfahrt Bundesamt deutlich gestiegen und etwa die Hälfte dieser beziehen sich auf die schleppende Erstattung von Flugtickets. Insgesamt seien fast 1.500 Anzeigen beim LBA eingegangen.

Nach Informationen des Spiegel hätte das LBA auch gegen die Lufthansa, sowie gegen andere europäische Airlines ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eröffnet. Hier würde man im Falle der Lufthansa eine erste Strafe in Höhe von 500.000 bis zu einer Millionen Euro für angemessen halten.

Airlines leiden unter Liquiditätsproblemen

Dass Airlines teils Milliarden an Euro für Tickets zu erstatten hatten, hat die Airlines in der Krise unvergleichlich getroffen, denn der Cashflow ist fast zum Erliegen gekommen. Entsprechend hat man sich wohl dazu entschieden, die Zahlungen an die Kunden zurückzuhalten und mögliche Staatshilfen abzuwarten, um Liquiditätsengpässe zu vermeiden, welche zur Insolvenz von vielen Airlines geführt hätten.

Offiziell hat dies nie eine Airline so bestätigt, denn dieser Vorgang wäre schlicht unzulässig gewesen. Vielmehr hat man sich mit der großen Menge der Erstattungen und Überlastung versucht aus der Affäre zu ziehen. Während wohl fast jeder in den letzten Monaten akzeptiert hätte, dass Rückzahlungen länger als die üblichen sieben Tage dauern, sind Monate sicher nicht mehr akzeptabel.

Auch Lufthansa, welche eigentlich mal versprochen hatte, dass man binnen sechs Wochen alle Flüge erstatten würde, konnte dieses Versprechen nicht halten und Kunden warten immer noch auf ihr Geld, was nun nicht mehr nur noch die Passagiere selbst, sondern auch die Politik und Aufsichtsbehörden verärgert.

Schleppende Rückzahlungen haben vorerst keine Konsequenzen für die Airlines | Frankfurtflyer Kommentar

Die Art und Weise wie Airlines Rückerstattungen aktuell bearbeiten ist nicht mehr akzeptabel und in vielen Fällen ist es nun sicher an der Zeit, dass Bußgelder verhängt werden. Sicher war und ist die Krise eine Ausnahmesituation für die Airlines und hier müssen einige Regelungen aufgeweicht werden. Aussetzen sollte man sich aber nicht und es wäre mehr als sinnvoll wenn die Politik und das LBA hier eine klare Linie vorgeben, wie es mit den Rückerstattungen nun zu laufen hat.

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12 Kommentare

  1. Bitte an alle die ewig auf Ihr Geld warten

    Nehmt Euch die Zeit und legt beim LBA Beschwerde ein. Die brauchen Beschwerden bis die aktiv werden

    Ich hab es für all meine 12 Flüge bei Lufthansa gemacht

  2. Man könnte ja als Bank auch mal sagen, dass in der Ferienzeit leider nicht alle Mitarbeiter anwesend sind und die Verbuchung der Gehälter mancher Führungskräfte von Fluggesellschaften sich dadurch leider verzögert. Mal sehen wie lange sich das die Aufsicht anschaut.
    Aber offenbar ist die Politik sowie das LBA ein Verein zahnloser Tiger.

    • Es gibt hier ja einige Regelungen bei verspäteten Zahlungen, wie z.B. bei Mieten oder auch bei verspäteten Zinszahlungen. Hier wird deutlich mehr Verzug, auch von Banken geduldet.

  3. also nochmals: welche Konsequenzen „den Airlines“ drohen:

    Nach abgelaufener Frist kann jeder Geschädigte über einen Rechtsanwalt Klage einreichen (meine läuft schon)
    die Konsequenz ist: höher Kosten als die reine Erstattung für „die Airlines“, weil die ja Gerichts und Rechtsanwalt mit bezahlen müssen.

    Dieser Konsequenz sind die „die Airlines“ schon vor der Corona Krise bewusst gewesen. Auch hier wurde geschummelt und gelogen, um sich vor der EU Kompensation zu drücken. Praktisch immer wurde nach der Klagezustellung bezahlt (ausser der ganze Airport war wegen Nebel gesperrt). Erfahrungsgemäss waren es aber nur 10-20% der Geschädigtten, die sich überhaupt bis zu Klage durch wagten. So auch hier.

    Beschweren verstehen „die Airlines“ nicht, einzig eine Klage vor den Amtsgerichten hilft hier weiter. Ich wünsche, es würden alle machen!

    • Ob es im großen und ganzen einen Unterschied (Das eine Airline lernt) macht weiß ich nicht, aber ich habe es bisher immer über Portale wie Flightright gemacht. Hatte bisher aber den Fall nur 2x und das war Verspätung, kein Ausfall.
      Da muss ich zwar Flightright einen Teilbetrag abgeben, aber für den Privatverbraucher deutlich einfacher.

      Gruß

      Alex

  4. Heute kam die mail Flugbuchung gestrichen im September nach Japan. Keine Aussage zur Rückerstattung oder sonst was. Dass musste ich dann selbst im Internet beantragen. Okay, mal sehen was passiert. Im Mai habe ich ein Ticket nach AMS zurückgeben. Das sollte nach 8 Wochen bezahlt werden. Nach 8 Wochen kam die mail, dass es nun der Kreditkarte gut geschrieben wird. Das ist 5 Wochen her und nix ist passiert……

  5. Das sind offensichtlich Mafiamethoden, Ich würde Klage einreichen wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung…und Klage gegen jedes einzelne Vorstandsmitglied…dann erst wird sich die Situation ändern. Denn die Anwälte dagegen müssen die Verantwortlichen selbst bezahlen…es illegal, daß die Gesellschaft bei Straftaten die Anwälte bezahlt..ist doch ganz easy!. Muss nur konsequent durchgezogen werden

  6. Positive Meldung:
    Singapore Airline hat nach Stornierung des Fluges nach Bali für September binnen 7 Tagen den Betrag auf der Kreditkarte gutgeschrieben.
    Es geht also doch, man sollte die Fluglinien nur noch mit Bedacht auswählen, für uns ist LH nur noch buchbar wenn es gar nicht anders geht!

  7. Da Lob ich mir wirklich Iberia !!!
    Völlig komplikationslose und kostenfreie Umbuchung unserer Flüge im Mai !!! Trotz höherem Tarif der Neubuchung !!!
    Diese Buchung mußten wir jetzt wegen größerer Zeitenänderung stornieren ! EINE Woche später war der Gesamtbetrag schon auf dem Kreditkartenkonto schon wieder gutgeschrieben!!!!

  8. Meine Ticket-Rückerstattung war erfolgreich,
    das Geld wurde auf mein Kreditkartenkonto vorige Woche überwiesen.
    Der Flug mit Turkish Airlines von Kuala Lumpur-Nürnberg am 18.04.20 wurde wegen Corona storniert, gebucht hatte ich über weg.de.

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