Spekulieren manche Aktionäre auf eine Lufthansa Insolvenz?

Foto: Lufthansa

Die Worte Insolvenz und Lufthansa hatten nie etwas zusammen in einem Satz verloren, wenn man davon absieht, dass man darüber gesprochen hat, wie der Kranich von der Insolvenz anderer Airlines profitieren kann. Nach den drei erfolgreichsten Jahren der Firmengeschichte droht der Lufthansa nun aber genau das, sollten die Aktionäre dem Rettungspaket der Bundesregierung nicht zustimmen.

Warum sollte ein Aktionär überhaupt die Insolvenz gegenüber der Rettung des Unternehmens, an welchem er Beteiligt ist, bevorzugen? Diese Frage beschäftigt viele, nicht zuletzt seit nicht klar ist, wie der neue Lufthansa Großaktionär Thiele sich auf der außerordentlichen Hauptversammlung am Donnertag positionieren wird.

Es könnte tatsächlich sein, dass einige Aktionäre auf eine Lufthansa Insolvenz spekulieren, da man sich hieraus eine höhere Rendite erhofft. Nicht durch die Rettung der Lufthansa, aber durch die Zerschlagung der Gruppe.

Absichten von Heinz Hermann Thiele sind weiter unklar

Der deutsche Selfmade Milliardär, Heinz Hermann Thiele, hat in den letzten Monaten seine Anteile am Lufthansa Konzern auf über 15,5% hochgeschraubt und ist damit der größte Anteilseigner an Lufthansa. Dabei könnte er bei der anberaumten Hauptversammlung der Aktionäre den benötigten Beschluss für das Hilfspaket der Bundesregierung blockieren.

Die Hauptversammlung benötigt aufgrund der Kapitalerhöhung, welche der Bund zeichnen will und durch welche er 20% der Lufthansa Aktien halten würde, eine 2/3 Mehrheit der anwesenden Stimmrechte. Nachdem man erwartet, dass nur 38% des Kapitals der Lufthansa bei der Hauptversammlung vertreten sein werden, könnte Thiele mit seinen 15,5%, welche 40% der Stimmrechte der Hauptversammlung bedeuten, die Entscheidung blockieren. Damit wäre das Hilfspaket vom Tisch und die zwingende Konsequenz wäre die Insolvenz der Lufthansa.

Thiele hat sich in der Vergangenheit mehrfach ablehnend gegenüber dem Hilfspaket der Regierung gezeigt und besonders den Einstig des Bundes als Gesellschafter abgelehnt. Hier hätte man besser verhandeln können, meinte der 79-jährige in einem Interview.

Sowohl der Lufthansa Vorstand, als auch Spitzenpolitiker der Bundesregierung, wie der Finanzminister Scholz und Wirtschaftsminister Altmaier, konnten Thiele noch nicht dazu bewegen klar Stellung zu beziehen. Auch wenn Thiele selbst sagt er wolle nichts blockieren, ist auch klar, dass er nachverhandeln will und man macht sich bei Lufthansa massive Sorgen, dass er im Poker um bessere Konditonen das Rettungspaket, welches mühevoll ausgehandelt wurde, zum Platzen bringt.

Lufthansa bereitet sich und die Belegschaft daher gerade auf das Schlimmste vor, um im Fall der Fälle ein Grounding zu vermeiden. 

Die Bundesregierung zeigt sich derweil nicht als willig das Rettungspaket nach zu verhandeln, um den Forderungen von Thiele zu folgen. Allerdings wolle man Thiele in konstruktiven Gesprächen überzeugen, wie der Finanzminister auf einer Konferenz sagte.

Wird auf eine Insolvenz und Zerschlagung der Gruppe spekuliert?

Nachdem besonders die Motivation von Thiele undurchsichtig bleibt, kommt auch die Vermutung auf, dass Thiele auf eine Insolvenz der Lufthansa Gruppe hinaus will, um von einer Zerschlagung zu profitieren. Dies liegt auch an der besonderen Situation der Lufthansa an der Börse.

Lufthansa hat nach dem Kurssturz im Folge der Coronakrise nicht nur den Platz im DAX 30 verloren und befindet sich nun im MDAX, man hat natürlich auch bei der Marktkapitalisierung verloren und der Börsenwert von Lufthansa liegt inzwischen bei unter 5 Milliarden Euro.

Dies ist ein extrem besonderer Zustand, denn die Vermögenswerte der Lufthansa dürften deutlich mehr wert sein, als der Börsenwert der Airline. So hat man nicht nur wertvolle und extrem profitable Töchter wie Swiss, Lufthansa Cargo oder Lufthansa Technik, welche sich sicher gut verkaufen lassen würden, sondern auch Flugzeuge und Immobilien der Lufthansa Gruppe sind Milliarden wert und bereits bezahlt, wenn auch noch nicht abgeschrieben.

Einige Schätzungen gehen davon aus, dass man bei einer Zerschlagung der Lufthansa aus den Verkaufserlösen nach Abzug aller Schulden und Verbindlichkeiten mehr als eine Milliarden Euro mehr Ertrag hätte, als die aktuelle Marktkapitalisierung. Damit könnten Investoren, welche niedrig eingestiegen sind, bei einer Zerschlagung der Lufthansa sogar auf eine nennenswerte Rendite hoffen.

Ob dies aber der Plan von Thiele ist, bleibt absolut ungewiss und auch wer sonst auf eine Lufthansa Insolvenz spekuliert.

Spekulieren manche Aktionäre auf eine Lufthansa Insolvenz? | Frankfurtflyer Kommentar

Lufthansa befindet sich in einer unwirklichen Situation, denn nach extrem erfolgreichen Jahren, muss man sich nun Gedanken um Staatshilfen und Insolvenzen machen. Dies spiegelt aber auch die Ausnahmesituation wieder, in der wir uns aktuell befinden.

Klar ist aber auch, dass eine Insolvenz für die deutsche Wirtschaft und Luftfahrt auf Jahre hinweg kein gutes Signal ist. Die spektakuläre Swiss Air Insolvenz gilt auch heute noch als das größte Trauma der Schweiz und wie sich die Luftfahrt in Deutschland nach einem Crash und Abwicklung der Lufthansa entwickeln würde, ist absolut offen.

Klar ist, dass Lufthansa durch das medienwirksame Gerangel um Staatshilfen und deren Zustimmung sowie die immer wieder aufkommende Insolvenz, schon jetzt an Vertrauen beim Kunden verloren hat. Gerade das Thema Vertrauen, auch in eine stabile Zukunft, ist gerade extrem wichtig, denn nur Passagiere welche daran glauben, dass eine Airline in sechs Monaten noch existiert, buchen Tickets. Daher wurde auch Airlines wie Air France, KLM, United Airlines oder American Airlines wesentlich diskreter und schneller geholfen.

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26 Kommentare

  1. Hallo, danke für den sehr guten Artikel. Genauso sehe ich es auch. Man hofft auf eine größere Rendite und deshalb wird Herr Thiele wohl in 2 Tagen gehen das Hilfspaket stimmen. Was das Vertrauen zu LH angeht stimme ich ebenfalls zu. Habe ich in den letzten 2 Jahren bereits bis Juni immer meine Flüge bis Feb. Folgejahr gebucht gehabt, traue ich mich jetzt nicht mehr auch nur einen Flug für die nähere Zukunft zu buchen. a) wegen Corona und der Ungewissheit welches Land seine Grenzen bereits aufgemacht hat (Fernreisen) b) wegen Situation LH. Möchte keine teuren First oder Business Tickets buchen und dann nicht wissen was passiert, wenn LH tatsächlich Insolvenz anmeldet. Schon jetzt warte ich bis heute auf eine Rückerstattung eines von LH stornierten First Class Flug. Schon in Corona Zeiten hat LH kein gutes Bild gegenüber seinen Kunden abgegeben.

  2. Das größte Problem überhaupt ist, dass Lufthansa eine deutsche Airline ist. Wäre sie italienisch, portugisisch oder sonst eine andere Nationalität in der EU wäre das ganze längstens, billiger und ohne große Bedingungen vom Tisch (bestes Beispiel Air France!). Da aber Deutschland innerhalb der EU nur zum Zahlen gut genug ist, war der ganze Spaß schon vorbestimmt. Und daß Deutschland seine eigenen Unternehmen schützt ist eher der Kategorie „Gebrüder Grimm“ zuzuordnen.

    • Hallo Udo,

      Dein Beispiel Air France is ein schlechtes. Air France wurde dazu gezwungen, erhebliche CO2-Reduzierungen umzusetzen. Damit fallen zukünftig fast alle Inlandsverbindungen weg. Zum Glück sind Umweltkaspereien in solch einer Dimension nicht bei der LH durchgesetzt worden.

      Viele Grüße
      Sebastian

      • Das gilt für Strecken die mit dem Zug in 2.5h z erreichen sind. So wie MUC-NUE. Das interessiert keinen Menschen. Die CO2 Reduktion ergibt sich für schon durch das Grounden von Flottenteilen.

  3. Und was passiert mit dem Miles & More Programm. Sind die Meilen verloren ( habe ca 900 000 ) .
    Soll ich heute noch schnell einkaufen ??? Um die Meilen einzusetzen ???

    • Hallo,
      im Gegensatz zum Top-Bonus Programm von Air Berlin gibt es ja Miles&More auch bei vielen ’normalen Einkäufen‘ und nicht nur beim Fliegen. Und, M&M sind in einer eigenständigen GmbH untergebracht, die letztes Jahr, soweit ich weiß so um 100 Mio. Euro Gewinn gemacht hat. Die Chance ist groß, daß M&M auch bei einer Insolvenz weiterbesteht. Im Übrigen sind so gut wie alle US-Amerikanischen Airlines auch durch Chapter 11 gegangen und die Vielfliegerprogramme blieben unangetastet. Also – Kopf hoch!

  4. Da kommt ein 79-Jähriger mit all seinen Milliarden und setzt die Arbeitsplätze von zig Tausend Beschäftigten auf’s Spiel…und das nur, weil er noch etwas „dazuverdienen“ will. Das nenne ich pekuniäres Macht/Balzgehabe gepaart mit reiner GIER nach noch mehr. Aber auch sein letztes Hemd hat keine Taschen . Ist bei ihm vielleicht eine Hermelin-Stola?

  5. Leute. Hat sich denn keiner von euch mit Herrn Thiele beschäftigt? Das ist ein würdiger Unternehmer alter Schule. Der wird gar nichts zerschlagen und ihm geht es auch nicht um Geld. Er wird was besseres aus der Lh machen. Ich bin da jedenfalls positiv gespannt.

  6. Herr Thiele ist ein Unternehmer der sich wirtschaftlich sehr gut auskennt, er will eben verhindern das es der Lufthansa so ergeht wie der Commerzbank nachdem der Staat eingestiegen ist… Mann kann sich also entscheiden ob man kurzfristig Arbeitsplätze auf kosten der Wirtschaftlichkeit rettet oder langfristig die Lufthansa AG stark hält auch wenn man jetzt Arbeitsplätze aufgeben muss.

  7. „Zum Glück sind Umweltkaspereien in solch einer Dimension nicht bei der LH durchgesetzt worden“ Ups! Dass sparsamere Flugzeuge gekauft werden/werden müssen, hat ja für die Gesellschaften durchaus auch Vorteile und nicht nur den Aspekt Klimaschutz. Zudem sind sich doch wohl auch in der BRD fast alle einig, das Flüge zwischen Stuttgart und Frankfurt wenig Gegenwert besitzen, richtig? Viele Grüße

    • Dein Beispiel hinkt. Ich beispielsweise komme aus der Nähe von Nürnberg. Da fliegt aber nunmal kein Flieger weg nach Singapur, Mexiko, Tokyo etc. Von daher bin ich auf Anschlußflüge nach FRA oder MUC angewiesen. Und das Argument mit der äußerst unzuverlässigen Bahn zieht insbesondere dann nicht, wenn man mit Familie unterwegs ist und 5 bis 6 Koffer dabei hat.

      • Ich komme auch aus der Gegend bei Köln und hier fliegt nichts über den Atlantik. Die ICE Verbindung vom Hauptbahnhof nach FRA ist allerdings top ausgebaut und verhältnismäsig zuverlässig.
        Mich stört es kein bisschen. Man kann sich auch anstellen.
        Aber und da gebe ich recht, die Bahn muss gut ausgebaut sein, sonst macht es keinen Sinn.

        • Köln – FRA oder Mannheim – FRA ist auch etwas anders als Nürnberg – FRA oder Nürnberg-MUC. Denn ab Nürnberg muss man über München Hbf Fahren, dann mit Koffern in die S-Bahn umsteigen und Nochmal 45 min. bis MUC fahren. (oder wird es bald ICE Anschluss am MUC geben?

          Übrigens, für Anschlusszüge von Köln nach FRA oder von Mannheim nach FRA , sofern über LH gebucht (éinfach Abflugort Mannheim HBF oder Köln HBF eingeben), gibt es ebenfalls Status Meilen 😉

          • Dass der MUC nicht vernünftig angebunden ist, war eine politische Entscheidung, da kann die Bahn nichts dafür.

            Auf Strecken unter 400km, wo es Bahnverbindungen ohne Umsteigen gibt, sind Flüge überflüssig.

          • Deswegen sage ich ja, dass die Bahnverbindung gut ausgebaut sein muss. MUC ist in der Hinsicht eine Katastrophe, das stimmt. Aber wenn es die Verbindung gibt, in einer guten Taktung und ohne Umstiege, sehe ich auch kein Problem darin für ein paar Hundert KM die Bahn zu nehmen. Und klar, wenn das Ganze als LH AirRail abgewickelt wird, inkl. Rechte bei Verspätung und Meilen, umso besser.

    • Bei LH ist es ja zum Glück so, dass ich frei entscheiden kann, ob ich von DUS nach FRA fliege oder mit der Bahn fahre. Ich kann also selbst entscheiden, ob ich den bösen Kurzstreckenflug nehme, der uns irgendwann alle grillt oder lieber Dank Bahnfahrt auch meinen Kindern erspare, dass sie unter Palmen in Deutschland leben müssen. (Achtung: SATIRE)

      Aber grundsätzlich ist es doch toll selbst entscheiden zu können, welches Fortbewegungsmittel man mit welchen Konsequenzen benutzt, ohne bevormundet zu werden.

  8. Hier, in einem Beitrag über ein ganz anderes Thema, zeigt sich mal wieder, wie hochexplosiv das Thema „Kurztreckenflüge“ ist.

    Ich schicke mal voraus: Wer z.B. in Hamburg oder der Umgebung von Hamburg wohnt, der setzt sich nicht am HBF in den ICE und fährt erst mal 4 Std. nach FRA, um dort in den Langstreckenflieger zu steigen, sondern der setzt sich in HAM in den Zubringer nach FRA bzw. wenn die Politik diesen abgeschafft hat, in den Zubringer nach AMS/LHR/CDG etc., um von dort das Langstreckenziel anzufliegen.

    Des Weiteren schwingt meinem persönlichen Vernehmen auch immer eine gewisse Doppelmoral bei vielen Vielfliegern mit:

    Beim Zubringer nehmen sie natürlich umweltfreundlich den ICE anstelle des bösen Kurzstreckenfluges, den Langstreckenflug treten sie hingegen weitgehend unkritisch an („Nach Amerika/Asien kommt man ja schließlich nicht mit der Bahn“/“Das Geschäft kann nur persönlich vor Ort abgewickelt werden und nicht per Videokonferenz“), selbstredend in C oder noch besser in F, wo die CO2-Bilanz noch schlechter ist („Eco kann ich nicht fliegen, weil ich sonst unausgeruht am Zielort ankomme und nicht sofort arbeiten kann“).

  9. Vielen Dank für eure Argumente, aber in Frankreich sieht das doch ganz ähnlich aus. Langstrecke fast nur/nur ab Paris und die Leute müssen künftig mit der Bahn anreisen und auf den Zubringer verzichten… Also? 🙂 Viele Grüße

    • Gleiches Spiel, wer keine Lust auf die Bahnfahrt nach CDG hat fliegt eben über einen ausländischen Hub. Und von Paris in die Provinz kann auch gewaltig nerven, wenn man z.B. in den Randgebieten wohnt und erst den Umweg über einen zentralen Bahnhof nehmen muss. Halte ich für wenig erstrebenswert.

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