Swiss muss schnell wieder profitabel werden | Verstaatlichung droht

Foto: Swiss

Auf unter drei Prozent der Passagiere im Vergleich zum Vorjahr ist die Nachfrage bei Swiss zu Hochzeiten der Pandemie gesunken. Entsprechend ist die Airline als eine erflogsverwöhnte Airline, welche in den letzten Jahren zu den profitabelsten der Welt gehörte, tief in die roten Zahlen gerutscht und neben Zuschüssen der Mutter Lufthansa, welche sogar einen Notkredit geben musste vor einigen Wochen, brauchte man auch einen Kredit über 1,5 Milliarden Schweizer Franken vom Schweizer Staat.

Dass sich die Regierung in Bern den Kredit an Swiss mit den Aktien der Airline hat absichern lassen, war bereits bekannt. So würde Swiss an den Schweizer Staat fallen, wenn der Kredit nicht bedient werden würde, allerdings scheint es in dem Kreditverträgen noch eine weitere Klausel zu geben, welche von Swiss verlangt, sehr schnell wieder profitabel zu werden und genau das könnte im jetzigen Marktumfeld kritisch werden.

Es berichtet die SonntagsZeitung, dass man die Kredite an schwer erreichbare Gewinnziele gekoppelt hat. So muss Swiss bereits 2023 einen operativen Gewinn von 500 Millionen Franken ausweisen können und bis 2024 sogar 600 Millionen Franken Gewinn.

Hierbei wurden diese Verträge wohl noch zu Zeiten verhandelt, als man in der Branche von einer kompletten Erholung bis 2023/2024 ausgegangen ist. Inzwischen wurden diese Prognosen nach hinten verschoben, was dieses Ziel für Swiss nicht einfacher zu erreichen macht. Sollte man 2023 allerdings keinen operativen Gewinn von 500 Millionen Franken ausweisen können, hat die Schweiz das Recht, alle Swiss Aktien einzuziehen, welche sich aktuell in Besitz der Lufthansa Gruppe befinden. Damit würde man die Schweizer Lufthansa-Tochter verstaatlichen.

Swiss muss massive Sparmaßnahmen einleiten

Besonders kritisch für Swiss ist, dass bisher die Langstrecken noch nicht wieder angelaufen sind, welche entscheidend für den großen Erfolg der Airline in den letzten Jahren waren. Aktuell senkt man für den Winter 2020/2021 sogar die Kapazitäten auf vielen Strecken, indem man mit kleineren Flugzeugen fliegen will. Hierdurch sollen Kosten gesenkt werden, aber bis Swiss wieder profitabel fliegen kann, muss sich die Luftfahrt ein gutes Stück weiter erholen.

Auch Swiss wird nicht von massiven Sparprogrammen verschont werden, um die hoch gesteckten Ziele zu erreichen. So ist jetzt schon klar, dass Swiss schrumpfen muss und in der Schweiz laufen gerade Abfindungsprogramme für Mitarbeiter, welche die Airline freiwillig verlassen wollen und man wird die Flotte auch bei Swiss reduzieren. Hiervon sind vorrangig ältere Kurzstreckenflugzeuge vom Typ Airbus A320 und A321 betroffen, welche durch Airbus A320/A321NEOs ersetzt werden sollen, allerdings könnte es auch Langstreckenflugzeuge treffen, wenn hier die Nachfrage nicht bald wieder anzieht.

Swiss muss schnell wieder profitabel werden | Frankfurtflyer Kommentar

Vor einem halben Jahr oder sogar vor drei Monaten, war es ein mehr als unwahrscheinliches Szenario, dass eine Airline wie Swiss verstaatlicht werden könnte. Unter der aktuell sehr unklaren Situation kann man dies aber auch nicht mehr ausschließen, denn dass Swiss bis 2023 einen operativen Gewinn ausweisen kann, ist nicht garantiert.

Zwar kann man in einer Bilanz nichts besser manipulieren, als den Gewinn eines Unternehmens, wobei dies bei operativen Gewinnen schon aufwändiger ist, dennoch wird man bei Lufthansa sicher alles daran setzen, die Swiss nicht an die Schweiz zu verlieren. Jedoch hat auch Lufthansa Limits, in wie weit man die Swiss stützen kann, sollte dies nötig sein, insbesondere wenn die Krise weiter anhält und die Langstrecken noch lange fast unmöglich bleiben.

Trotz staatlicher Hilfen sind die Airlines noch lange nicht aus dem Gröbsten heraus und die große Abrechnung dieser Hilfen kommt erst noch. Swiss könnte verstaatlicht werden und Lufthansa muss bis zu 9,5% Zinsen auf ihr Hilfspaket bezahlen.

Danke auch: Aero.de

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2 Kommentare

  1. Das typische Henne-Ei Problem. Ohne Ausweitung der Flüge keine steigenden Passagierzahlen, keine höheren Umsätze und somit keinen „Flug in die positiven Bilanzzahlen“.

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