„Tasting Heimat“ | Das neue Lufthansa Business-Catering in Europa

Foto: Lufthansa

Lufthansa gehört nicht in erster Linie zu den Airlines, die bei dem Angebot von Speisen und Getränken an Bord glänzen. Zumindest nicht auf Kurz- und Mittelstrecken. Dort wurde im Mai das neue Buy on Board-Konzept in der Economy Class eingeführt, eine der Begründungen liegt vielen von Euch noch im Ohr. Der Schritt wurde „auf vielfachen Kundenwunsch“ umgesetzt, allerdings waren auch wirklich längst nicht mehr alle Fluggäste mit einem nicht gerade aufregenden Sandwich zu begeistern.

Leider wurde mit den Onboard Delights auch die Freiabgabe der Getränke gestrichen, geblieben ist lediglich eine Flasche stilles Wasser sowie die kleine Schokolade. Für den Rest bittet man zur Kasse, hat aber im Vergleich zu vorher ein größeres Sortiment zur Auswahl. Ab einer Stunde Flugzeit kann man neben etwas hochwertigeren Sandwiches auch Salate oder eine Bowl sowie zahlreiche Snacks erwerben. Damit wurde gleichzeitig der Handlungsbedarf groß, auch das Cateringsortiment der Business Class im Europaverkehr zu verändern. Im September will man dort auch auf allen Kurz- und Mittelstrecken ein neues Menükonzept einführen.

Bald Vergangenheit: Aktuelles Business Catering

Menüs aus sechs Heimatorten

Die Produktverantwortlichen feilen schon länger an einer Anpassung, ursprünglich wollte man diese bereits im Frühling umsetzen. Kurzfristig wurde die Einführung der „Onboard Delights“ von März auf Mai verschoben, von dem Vorhaben das Catering in der Business Class aufzuwerten hat man dann nichts mehr gehört. Christoph hat vor kurzer Zeit den 1. September als Starttermin dafür erfahren und darüber berichtet, nun wurden weitere Details veröffentlicht.

In erster Linie will man sich mit „Tasting Heimat“ auf lokale Gerichte und Zubereitungsmethoden konzentrieren. Lufthansa verspricht Tradition und mehr Abwechslung, der Fokus soll thematisch auf jeweils einer anderen deutschen Stadt liegen und wöchentlich wechseln. Dabei soll sich das Gericht auf dem Hinflug immer von dem des Rückfluges unterscheiden. Derzeit sehen einige Vielflieger über Wochen und Monate die gleiche kalte Platte, manchmal sogar hintereinander bei zwei Flügen einer Anschlussverbindung über Frankfurt oder München.

Sie Gerichte stammen aus den sechs Heimatorten Frankfurt, München, Berlin, Hamburg, Leipzig und Düsseldorf. Der Umfang richtet sich höchstwahrscheinlich an der Flugzeit, weitere Details werden in Kürze erwartet. Auf der Homepage werden Gerichte wie Currywurst, rheinischer Sauerbraten oder Garnelensalat gezeigt.

Frankfurt: Grüne Soße

Typische Speisen die man mit den Städten der beiden Lufthansa-Hubs verbindet sind Grüne Soße oder Obatzter und Wurstsalat.

München: Obatzter

Darüber hinaus will man beim Kranich künftig mehr auf die deutsche Brotkultur achten. Gutes Brot gehört zum Frühstück, zu einer Vorspeise, als Snack oder die Brotzeit als eigene Mahlzeit. Mit neuen und verbesserten Rezepturen möchte man die Produkte in den Bäckereien der Cateringbetriebe von Gategourmet aufwerten.

Fotos: Lufthansa

Es ist keine Überraschung, dass das Thema Nachhaltigkeit auch hier eine Rolle spielen soll. So werden die Zutaten künftig von regionalen Bauern und Produzenten stammen, Saisonalität wird weiter in den Vordergrund gestellt. Das Ziel sei es bis 2023 alle Zutaten ausschließlich aus Deutschland zu beziehen.

Ein Videoclip gibt erste Einblicke:

Das neue Lufthansa Business-Catering in Europa | Frankfurtflyer Kommentar

Die eintönige Essensauswahl soll in der Business Class auf Europastrecken der Lufthansa endlich aufgewertet werden. Die Produktmanager müssen monatelang in Meetings gesessen und sich die Köpfe zerbrochen haben, wie man dies im Zeichen des aktuell herrschenden Kostendrucks gut umsetzen kann. Herausgekommen ist Tasting Heimat, die Vorstellung auf der Homepage weckt gewisse Erwartungen.

Eine derartige Neuerung kostet allerdings immer Geld, die Investition kann man also durchaus positiv bewerten. Der Airline muss man auch anrechnen, dass sie in der Pandemie eine der ersten war, die in der Business Class in Europa schnell wieder zum ursprünglichen Service gerudert ist. Das Produkt der Kurzstrecken-Business bei Lufthansa hat insgesamt trotzdem immer etwas stiefmütterliches. Die Hardware mit dem identischen Economy-Sitz und die fehlende Kontinuität bei der Verfügbarkeit von Internet und Steckdosen trifft auch Kunden, die durchaus mehrere Stunden an Bord verbringen. Dazu gehört auch das Catering, welches keinen besonders guten Ruf hat. Einige Passagiere verzichten sogar auf das Angebot und decken sich in der Lounge ein oder gehen nach der Ankunft essen.

Ob sich das mit Tasting Heimat ändert, bleibt abzuwarten. Auf dem Papier ist ein solches Vorhaben das Eine, die Realität nach dem Roll-out eine andere Seite. Kommenden Monat werden wir uns das Essen live ansehen. Ob das Getränkesortiment ein Update bekommt ist noch nicht klar, rechnen wir mal lieber nicht damit. Nötig wäre es, denn den frischen O-Saft gibt es aktuell nur sporadisch, das Weinangebot besteht nur aus jeweils einer Sorte und Champagner ist lediglich auf Langstrecken bzw. im Buy on Board zu haben.

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21 Kommentare

  1. Grundsätzlich eine gute Sache. Allerdings ist die Brotwarenlastigkeit in Kombination mit nicht vorhandenen Special Meals auf Strecken unter 2Stunden für Menschen mit Glutenunverträglichkeit eine Katastrophe. Wir hatten so gehofft, dass sich im Zuge dieser Umstellung dabei etwas ändert. Das eco buy on board Konzept hat fast ausschließlich glutenhaltige Speisen, bleibt zu hoffen, dass in Business wenigstens die Hauptgerichte essbar werden. Ansonsten bleibt nur Swiss, die bekommen das seit Jahren auch auf der Kurzstrecke hin, da könnte man ja abgucken…

    • Das betrifft ja unter 1% der Kunden, da wird die Lufthansa nicht viel ändern denke ich. Der Aufwand wäre in keinem Verhältnis zu den Kosten.

  2. …man könnte sich so vieles abgucken 🙂
    Aber Special Meals kann man definitiv auch auf kurzen Strecken vorbestellen.

    Ausnahmen sind nur innerdeutsch oder sowas wie FRA-BRU/ZRH/PRG…

    • Ich glaube Special Meals gibt es nur auf den unter 55 Minuten Flügen (laut Flugplan) nicht. Auf FRA-MXP, kann man schon wieder special meals bestellen und da liegt die reale Flugzeit bei 1:05 Stunden meistens.

    • U.a. auch bei der Condor geht mehr. Hatte kürzlich nach vielen Jahren ohne Urlaubsflüge einen Ausflug nach HER ab DUS, und man kann dort in Business die Speisen bei der Buchung auswählen. Was ein Urlaubsflieger kann, bekommt die LH nicht hin. Eigentlich peinlich beim eigenen Anspruch der LH.

  3. Robert, danke.
    Sind das kalte Platten oder warm?
    Kalter Sauerbraten ist ja eher nix….
    Gibt es schon eine Info wie due Servicestufen aussehen werden? Es wird ja kaum ein warmes Essen auf FRA-MUC geben. Gibt es hier auch was Neues?

  4. Auf Strecken kleiner 1,5 h Flugzeit wird es anstatt dem tasting Heimat Menü das neue Menü tasting classics geben.

    Freuen Sie sich auf kulinarischen Köstlichkeiten wie z.B. Putenbrust an Mozzarella oder Roastbeef auf Pesto.

    …. Gute Frage. Warm wird’s nicht sein, da reicht die Zeit vermutlich nicht. Solange es regelmäßig gewechselt wird bin ich einfach nur happy. Die Pute geht mittlerweile einfach gar nicht mehr.

  5. Wenn man, wie ich, über DUS statt den Hubs FRA, MUC oder ZRH fliegt, kann man bei LH ja froh sein nicht ständig mit LH/LX-Preis EW zu fliegen. Es ist ja bereits ein Unding, dass man auf einem LX/EW Codesharing Flug (LX bezahlt) über einen der Hubs wenn es mit EW weitergeht nicht durchgecheckt wird, sondern sich den EW Schalter suchen muss (wenn er denn besetzt ist), und für die Mühe und Kosten bei EW dann das dortige Standard-BIZ Programm bekommt. Gerade erst gestern wieder in ZRH gehabt, zumal Online einchecken derzeit nach D selbst intereuropäisch nicht geht.

    • Du sprichst mir aus der Seele! In DUS gibts kein First Check-In und keine Fast lane mehr und die Lounge ist einfach schlecht (wenigstens gibts eine s. Köln…).

      Aber die Preise sind gleich geblieben, egal ob man LX/LH/EW fliegt.

        • Ja, auf dem Papier. Ich bin in den letzten sechs Wochen drei Mal ab DUS mit LH gefolgen, und an jedem der Tage (zu unterschiedlichen Zeiten) wurde man einfach (wenn auch etwas schneller) auf die Economy-Lanes verteilt. In der Ferienzeit wird man so gerne mit den vielen Familien, die in den Urlaub wollen, gemischt, da das Terminal ja überwiegend Eurowings und kaum noch LH bedient. Da ist viel geduld gefragt. Im Sicherheitsbereich gibt es noch nicht einmal mehr einen LH-Schalter, d.h. als Statuskunde erledigt man dies dann mit der einen Person am Eingang der Lounge, was aber auch mal dauern kann, wenn zwei Leute vor einem die gleiche Idee haben oder ein Flug ausfällt.

      • Ja, die Lounge war noch nie gut, aber ich habe auch nicht den Eindruck, dass LH dort noch investiert. Meine nach-Corona-Reisen waren bisher alle nur mit Handgepäck, darum war mir die Schließung des LH First Check-In noch nicht aufgefallen.

  6. Endlich gute Nachrichten. Freue mich bei ausländischen Airlines immer über landestypische Spezalitäten an Bord. LH tut sicher auch gut daran, dieses kulinarische Umdenken auch in ihren Lounges zu beherzigen. Im Weinland Deutschland gab‘s in der Business-Lounge in MUC keine einheimischen Weißweine. Dafür einen nichtssagenden „Spanier“ ; )

  7. Ehrlich gesagt ist (war) nicht nur das Business Class Essen eher am unteren Ende anzusiedeln. Ebenso der Sitz Komfort, der Service sowie das Russisch-Roulette “Ohje, hoffentlich hab ich heute eine angenehme Crew auf meinem mehr als 50 min Flug” gehören bei LH zum Ego. Nach der Pandemie wieder zurück zum gewohnten Service- wohl kaum. Die Bestückung der Trolleys war mangelhaft. Oft und schon nach kurzer Zeit die Getränke leer. Das vegetarische Gericht war dann Obst. Auf Obst mit Obst (ok. Etwas überspitzt-aber ihr wisst was ich meine).

  8. Fisch , Fleisch , Vegan jeweils als Überraschungsgericht wäre nett.Wenn die „Gourmet“köche der Meinung sind , irgend etwas in saurer Sahne oder Pesto tränken zu müssen , könnte das separat dazugelegt werden , wie Kaffeesahne .
    Mit Vegan wären Religiöse und Glutenfreie abgedeckt .
    Aud diese Weise könnten die Caterer auch das einkaufen , was gerade günstig ist
    Dazu wegen FFF „Nachhaltig“ oder „Klimawandel“z.B. Ein zuckerloser Dinkelkeks direkt in die Hand dazu ein Becher mit stark Kohlensäurehaltigem Wasser (natürlich aus recycelter Pappe mit dem Hinweis , wieviel CO2 man durch das Trinken vertilgt hat).

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