United und ihr „involuntary denied boarding“ Fiasko

Die meisten von Euch haben es gestern sicher schon in Ihrem Social Media Feed mitbekommen, oder in den Medien gehört. Auf einem United Airlines Flug von Chicago nach Louisville mussten Passagiere vom Flug ausgeschlossen werden, da der Flug überbucht war und man nicht genug Sitzplätze im Flugzeug hatte. Soweit keine Seltenheit!

Das Ungewöhnliche an der Situation auf UA3411: Ein Passagier, welcher das Flugzeug schon geboardet hatte, sollte das Flugzeug verlassen. Nachdem er dies verweigerte, hat man die Flughafenpolizei hinzugezogen und den Mann aus dem Flugzeug gezerrt. Hier ein Video von CNN:

Was ist hier passiert, dass man eine solche fast schon alltägliche Situation derart eskalieren musste?

  • UA 3411 von Chicago nach Louisville war überbucht, weshalb Passagiere gesucht wurden, welche von diesem Flug freiwillig zurücktreten und mit einem Flug am Folgetag fliegen würden. Als Entschädigung wurde wohl ein Reisegutschein über 400US$ und eine Hotelnacht angeboten.
  • Flug UA 3411 wurde vollständig geboarded. Am Ende des Einsteigevorganges stellte man anscheinend fest, dass eine United Airlines Crew mit diesem Flug nach Louisville fliegen müsse um am Folgetag ihren Dienst dort anzutreten.
  • Für diese vier Crewmember wurden weitere vier Freiwillige gesucht, welche von dem Flug zurücktreten.
  • Nachdem keine Freiwilligen gefunden wurden, hat man vier Passagiere per Los vom Flug ausgeschlossen.
  • Einer der ausgelosten Passagiere weigerte sich vom Flug zurückzutreten und begründete dies damit, dass er Arzt sei und Patienten in Louisville hätte.
  • Nach Aussage von anderen Passagieren wurde anschließend sehr schnell die Polizei an Bord gerufen, welche den Passagier gewaltsam entfernte.
Fliegen kann so schön sein, wenn man auch mitfliegen darf!

Hat United Airlines hier rechtens gehandelt?

Grundsätzlich kann United Airlines nach amerikanischen Recht tatsächlich Passagiere vom Flug ausschließen. Dies passiert immer wieder aufgrund von Überbuchungen. In diesem Fall muss die Airline dem Passagier eine alternative Beförderung bereitstellen und auch, wenn benötigt ein Hotel zur Übernachtung. Im Allgemeinen erhält man von amerikanischen Airlines immer einen Reisegutschein über mehrere hundert Dollar als Entschädigung. Diesen kann man allerdings nur für zukünftige Flüge mit der jeweiligen Airline anwenden.

Das Recht einen Passagier auf eine gewaltsame Art aus dem Flugzeug zu entfernen haben amerikanische Airlines seit dem 11. September 2001 und es wird meist damit begründet, dass der Passagier der Crew Folge zu leisten hat. Tut er dies nicht, stellt er ein Sicherheitsrisiko da und wird entfernt. Hierbei entstehen meist drastische Videos, welche durch das Internet geistern. Auch kommt es immer wieder zu Fällen in denen Crews mehr oder weniger grundlos diese Regelung ausnutzen.

In dem Fall von UA 3411 hat man eine Regelung, welche zur Erhöhung der Sicherheit im Luftverkehr dienen soll, aus wirtschaftlichen Gründen „missbraucht“ um eine United Crew zu ihrem Dienst zu fliegen.

Wie ist die Regelung in Europa?

In Europa gibt es, im Gegensatz zu den USA,  explizite Regelungen für das „involuntary denied boarding“ und wie mit den Passagieren umgegangen werden muss. So werden auch hier erst Freiwillige gesucht. Sollten keine Freiwilligen gefunden werden, müssen die Passagiere auf dem nächsten möglichen verfügbaren Flug zu Ihrem Reiseziel befördert werden, auch wenn dieser von einer anderen Airline durchgeführt wird. Auch stehen den Passagieren Betreuungsleistungen wie ein Hotel, Essen und Getränke, sowie kostenlose Telefonate zu. Auch muss die Airline eine festgelegte Entschädigung zahlen, von bis zu 600Euro, welche sich nach der Flugstrecke bemisst.

United und ihr „involuntary denied boarding“ Fiasko | Frankfurtflyer Kommentar

Diese Situation auf dem Flug von Chicago nach Louisville ist schon skurril, je mehr Details man erfährt, desto mehr Fragen kommen allerdings auf:

  • Warum hatte die Crew, welche zu Ihrem Dienst fliegen musste keine bestätigten Sitzplätze?
  • Warum konnten sie nicht auf dem Jump Seat mitfliegen?
  • Weshalb kann so etwas erst am Ende des Einsteigens auffallen, sodass man Passagiere aus dem Flugzeug entfernen musste?
  • Warum wurde, nachdem der Arzt seine Situation geschildert hatte nicht nach anderen Passagiere gesucht und die angebotene Kompensation erhöht? Bei United können bis zu 1.350 US$ angeboten werden.

Und zu guter Letzt stelle ich mir die Frage, warum man in den USA immer wieder Regelungen, welche mit Sicherheitsfragen begründet werden, benutzt um wirtschaftliche Interessen durchzusetzen?

Solche Vorfälle gibt es besonders in den USA leider immer wieder, allerdings hat dieser zu sehr großer medialer Aufmerksamkeit geführt. Wer soziale Netzwerke durchsucht, findet eine Reihe von Boykottaufrufen gegen United.

 

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.