Vielflieger als Partner | FAQ

Vor einigen Tagen hat Christoph seinen persönlichen Jahresrückblick verfasst, in dem er jedes Jahr berichtet, wie viel und wohin er geflogen ist. Jedes Jahr aufs Neue erschreckt uns vor allem die Anzahl der Nächte / Tage, die er nicht zuhause war. Im Jahr 2019 waren das immerhin 200. Diese Beiträge werfen bei Euch immer wieder die Frage auf, wie ich als Partnerin damit umgehe, weshalb es heute ein kleines FAQ dazu gibt.

Vielflieger als Partner | Meine Antworten

  • War es für dich eine große Umstellung, dass dein Partner plötzlich so viel weg war?

Diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Christoph und ich haben uns kennengelernt, da war er bereits in diesem Job und dem Leben als Vielflieger fest verankert. Ich kenne es also fast gar nicht anders. Zwischendrin hat er seinen Master gemacht und hatte etwa sechs Monate während des Pflichtpraktikums bei Lufthansa Technik geregelte Arbeitszeiten. Da ich zu diesem Zeitpunkt noch Vollzeit im Schichtdienst war, haben wir uns auch nicht wirklich öfter gesehen. Hätte ich Ihn als Nicht-Vielflieger kennengelernt wäre das sicher eine extreme Umstellung gewesen, an die man sich erst gewöhnen muss.

  • Fühlst du dich nicht manchmal einsam?

Einsam ist vielleicht das falsche Wort, aber es gibt durchaus Momente, in denen ich auf der Couch sitze und gerne Gesellschaft hätte. Damit ich nicht so ganz alleine bin, durften 2017 zwei Katzen bei uns einziehen. Sonst unternehme ich viel mit Freunden und habe zeitintensive Hobbies. Wirkliche Langeweile kommt bei mir eher nicht auf.

  • Was stört sich an seinem Vielfliegerleben am Meisten?

Tatsächlich stört mich am meisten, wie andere darauf reagieren. Christoph hält seinen Job bewusst privat, aber ich kann Euch versichern, dass es nichts ist, was man auch mit einem Skypecall erledigen könnte. Unsere Familien und Freunde sind natürlich eingeweiht und wissen was er beruflich macht. Und trotzdem durfte ich mir schon SEHR oft Kommentare anhören wie:

„Seid ihr überhaupt noch zusammen? Er ist ja nie da.“ Oder „Wie kannst du nur so eine Beziehung führen.“

Sicher ist so eine hochfrequente Abwesenheit des Partners nicht jedermanns Sache, aber in anderen Beziehungen gibt es genauso Dinge, die ich ganz anders machen würde. Und ich erlaube mir auch kein Urteil. Auch meine Familie hat eine Weile gebraucht, bis sie verstanden haben, dass sich Christoph eben nicht jedes alltägliche Beisammensein frei nimmt. Wichtige Dinge wie Geburtstage, Weihnachten oder größere Feste hingegen hält er sich natürlich frei.

  • Wie läuft Euer Alltag ab?

Wenn Christoph weg ist, ist das ganz einfach. Aufstehen, arbeiten, Haushalt, Hobbies und schlafen gehen. So oder so ähnlich sieht es auch an Arbeitstagen aus, wenn er da ist. Ist er da, hat er in der Regel auch „frei“. Hier hat er dann besonders viel Zeit Beiträge zu schreiben und andere Dinge für den Blog zu erledigen.

An dem Tag an dem er heimkommt, ist es besonders wichtig möglichst schnell Wäsche zu machen, denn oft fliegt er am Tag danach oder zwei Tage im Anschluss wieder weg. Den Haushalt mache ich in der Regel alleine, damit wir die Zeit, die er da ist, nicht den halben Tag putzen. Trotzdem weiß er ganz genau was seine Aufgaben sind. Er muss zum Beispiel jedes Mal wenn er da ist, denn Müll rausbringen :D.

Wenn Christoph mal länger da ist, machen wir das aber auch zusammen.

  • Wie kommuniziert ihr, wenn er auf Reisen ist?

Hier sind wir total Pärchen-untypisch. Wenn die Zeitverschiebung zu groß ist und sich unsere Zeitpläne extrem überschneiden, kann es sein, dass sich die Kommunikation auf eine Whatsapp-Nachricht pro Tag begrenzt. Er reist ja auch nicht nur zum Vergnügen, sondern er arbeitet tatsächlich auch im Ausland und kann dann nicht immer und überall antworten. Das ist mir am Anfang am schwersten gefallen, mittlerweile bin ich absolut daran gewöhnt.e

Manchmal schaffen wir es sogar zu telefonieren, aber das klappt auch nicht immer.

  • Was ist dein Rezept, dass so eine Beziehung funktioniert?

VERTRAUEN. Ein Wort was einfach klingt, aber oft nicht einfach ist. Wenn ein Partner viel unterwegs ist, entstehen schnell Ängste oder Zweifel, dass bestimmte Bedürfnisse nicht nur Zuhause befriedigt werden ;). Ich muss ihm hier genauso vertrauen, wie er mir.

ORGANISATION. Ich glaube Christophs Leben wäre etwas anstrengender, wenn ich nicht so gerne organisieren würde. Wenn er heimkommt wird er ziemlich schnell mit aktuellen To-Dos beladen. Auch wenn er sich damit manchmal sicher überfallen vorkommt, sparen wir damit eine Menge Zeit, denn er muss sich nicht erst einen Überblick verschaffen.

Das war es eigentlich schon. Natürlich sollte man sich neben diesen zwei Fakten auch noch „etwas“ mögen und gemeinsame Ziele verfolgen. Aber das ist bei jeder anderen Beziehung gleich.

  • Wie lange möchtest du das noch mitmachen?

Eine gern gestellte Frage, vor allem in Bezug auf das Thema Familie. Noch haben wir keine Kinder, wir sind uns aber einig, dass wir uns zu gegebener Zeit über welche freuen würden. Er weiß, dass mir vor allem für Kita-Kinder oder schulpflichtige Kinder ein geregelter Tagesablauf wichtig wäre, weswegen er sich spätestens bei einem Schuleintritt nach einer Veränderung im Job umschauen müsste. Ich bin nicht bereit UNSERE Kinder nahezu alleine zu erziehen und den Tagesablauf komplett alleine zu organisieren – sonst wären es ja MEINE Kinder. Aber Ihr könnt beruhigt sein. Bis es so weit ist, vergehen noch einige Jahre.

  • Was ist der größte Vorteil am Leben mit einem Vielflieger?

Abschließend noch ein paar positive Worte. Toll ist, dass nur eine Person Unordnung machen kann, weil die andere immer weg ist. Spaß beiseite. Der größte Vorteil sind die gemeinsamen Urlaube. Durch Alle Flüge und Hotelaufenthalte sammelt er Meilen und Punkte. Diese können wir dann für private Reisen einlösen und sparen so eine Menge Geld. Selbst unsere Familien haben schon von unseren gesammelten Punkten profitiert. Diese Urlaube entschädigen dann immer für die Zeit, in der er weg war.

Vielflieger als Partner | Frankfurtflyer Kommentar

Sicher ist ein Vielflieger als Partner zu haben nicht das einfachste Beziehungsmodell. Aber wenn man jemanden wirklich mag, geht man Kompromisse ein. Christoph macht sein Job unglaublich viel Spaß. Wenn dies nicht so wäre, wäre ich schon lange auf die Barrikaden gegangen. Es bringt mir wenig, wenn ich ihn in einen Bürojob zwinge und einen unglücklichen Mann zuhause habe.

Habt Ihr noch weitere Fragen und Interesse an einem zweiten Teil? Lasst sie uns gerne in den Kommentaren wissen!

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6 Kommentare

  1. Ich finde deine Worte Klasse. Und ich kann dazu nur sagen, lebt euer Leben so wie es euch gefällt. Wenn ihr damit glücklich seid, ist das alles was zählt. Ich kenne das sehr gut von meinem Beruf, der auch recht unstet ist, da bekommt man einfach immer mal solche Fragen.

    • Liebe Betty,

      danke für deine lieben Worte. Genau das denke ich mir auch immer und trotzdem sind diese Fragen einfach nur nervig.

      Liebe Grüße

      Nicole

  2. Vielen Dank für diese Kolumne und die Einblicke in das Privatleben von Mrs&Mr Frankfurtflyer! Ist nicht selbstverständlich. Für Vielflieger und Wenigzuhause-Menschen sehr gut nachvollziehbar und hilfreich in der Aufklärung des eigenen Partners („Dieser Christoph ist noch seltener da!!1“).

  3. Er hält es privat, ja. Aber er hat doch mal geschrieben, dass er für die Lausberg Kunststofftechnik Gmbh & Co. KG arbeitet, oder?

    • Hallo Peter,

      Nein ich arbeite nicht für die Lausberg Kunststofftechnik und habe mit der Firma auch nichts zu tun. Es ist für mich inzwischen viel einfacher, wenn ich nicht teile, wer meine Kunden sind. Ich hoffe das verstehst du ;).

      LG
      Christoph

    • Hey Peter,

      das ist ja total lustig, dass es diese Firma tatsächlich gibt. Habe gerade mal Google dazu befragt. In der tat heißt er Lausberg und ist Kunststofftechnik-Ingenieur. Tatsächlich hat er nichts mit der Firma am Hut, aber amüsant ist es trotzdem.

      LG Nicole

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