Von welcher Airline übernimmt Lufthansa die ersten Dreamliner?

Foto: Lufthansa

Eine heiß diskutierte Frage der letzten Tage ist, wessen Dreamliner Lufthansa noch in diesem Jahr übernehmen wird. Fest steht, dass die Boeing 787-9 für eine so kurzfristige Auslieferung zum überwiegenden Teil bereits produziert sind. Das bedeutet, dass Lufthansa nicht mehr ganz frei in dem Innenausbau der Flugzeuge ist, was wiederum weitere Auswirkungen hat.

 

Verfügbare Dreamliner

Boeing hat durch die Coronakrise mehr 787-9 auf dem Hof (und Parkplatz) stehen, als ihnen lieb sein kann. Nicht nur, dass die Flugzeuge unbezahlt fertiggestellt wurden – einige Kunden haben auch Kaufverträge gekündigt und werden die gefertigten und in Fertigung befindlichen Flugzeuge nicht abnehmen.

Lufthansa möchte bis in den Frühling des Jahres 2022 insgesamt fünf Dreamliner übernehmen. Davon sollten dann bereits drei produziert sein. Idealerweise ggf. sogar mehr.

Etihad Airways Boeing 787-9 Dreamliner

Welche Airlines haben Dreamliner bei Boeing nicht abgenommen?

Ein paar Favoriten fallen ganz schnell ein: Norwegian und Vistara. Vistara hat seit langer Zeit Dreamliner bei Boeing „geparkt“ und Norwegian hat angekündigt, keine Langstreckenflotte mehr zu betreiben und bereits bestellte (und gefertigte) 787-9 nicht mehr abzunehmen.

Auch weitere Abnehmer wie ANA, China Eastern, Etihad, Qatar Airways oder Turkish Airlines gehören dazu. Ebenso die Air Leasing Company. Bei den etablierten Airlines würde ich von einer Abnahme ausgehen, auch wenn diese erst später als geplant erfolgt. Sogar bei Etihad sehe ich die Übernahme durch den Carrier vom Golf sehr wahrscheinlich, da Etihad die A380 und B777 ausmustern möchte und bereits beim A350 bisher wenigstens zwiespältig agiert. Dreamliner befinden sich bei Etihad bereits in der Flotte und sollen dort das Rückgrat der Langstreckenflotte bilden.

Dunkle Wolken über Norwegian 787 – (c) Norwegian Creative Commons Lizenz

Welche Dreamliner kommen für Lufthansa in Frage?

Idealerweise übernimmt Lufthansa solche Dreamliner, die im Innenaufbau untereinander sehr ähnlich bzw. identisch sind. Das zahlt sich dann im laufenden Betrieb aus.

Im Augenblick gibt es gar nicht so viele Abnehmer, die fünf 787-9 bei Boeing in einem fast abnahmebereiten Zustand haben. Dazu zählendie Air Leasing Company (ALC), Norwegian und Vistara. Da die Jets von ALC jedoch für verschiedene Airlines konfiguriert werden, werden diese wahrscheinlich nicht an Lufthansa gehen.

 

Norwegian hat vier bereits gefertigte Dreamliner noch nicht übernommen. Allerdings hat Norwegian eine sehr spezielle Konfiguration bei ihren Flugzeugen gewählt. Nicht nur, dass es lediglich Premium Economy und Economy Bestuhlung gibt – Norwegian hat als Low Cost Carrier auch an vielen Annehmlichkeiten an Bord gespart, darunter auch dem Essen. Deshalb hat Norwegian entsprechend wenig Platz für Küchen eingeplant. Deswegen wäre es für Lufthansa schwer bis unmöglich, mit den gegebenen Möglichkeiten in diesen Flugzeugen das eigene Servicekonzept umzusetzen. Und anscheinend ist das Nachrüsten von Galleys (Küchen) alles andere als einfach und würde viel Zeit in Anspruch nehmen.

Ehemalige Vistara Dreamliner als Favoriten

Vistara hat im Jahr 2019 Dreamliner bei Boeing bestellt, jedoch viele nicht abgenommen. Stattdessen hat die Airline neue bestellt und die alten stehen inzwischen teilweisen in Victorville und warten auf einen Abnehmer.

Lufthansa könnte hier zugreifen. Boeing möchte diese Flugzeuge unbedingt loswerden und hatte sich bei einem Flugzeug bereits mit Hainan über eine Übernahme geeinigt. Leider schlitterte die Muttergesellschaft HNA in die Insolvenz und das Geld für neue Flugzeuge wurde knapp. Jetzt könnte Boeing versucht gewesen sein, diese Flugzeuge mit einem Supersonderrabatt anzubieten. Die Flugzeuge bieten für Lufthansa ausreichend Küchen und haben für die Business Class den Bereich zwischen der ersten und zweiten Tür vorgesehen. Damit bewegen sie sich im Standardrahmen für Airlines, die eine durchschnittlich große Business Class anbieten möchten. In einer 1-2-1 Konfiguration erreicht man hier ca. 30 Sitzplätze.

Was die Ausstattung und Aufteilung weiter hinten im Flugzeug angeht, ist man bei Lufthansa sehr flexibel, die Sitze werden an Lufthansa Technik geliefert und dort verbaut. Damit wäre Boeing aus der Nummer raus und Lufthansa könnte die Flugzeuge zügig übernehmen und dann in Eigenregie ausrüsten.

Offene Fragen bei den Vistara Dreamlinern

So ganz einfach ist die Sache leider doch noch nicht, denn im Augenblick gibt es noch offene Fragen z.B. rund um die Crew Rests. Vistara hat die Dreamliner ohne Crew Rest bestellt. Das reicht, um Ziele mit ca. 8 Stunden Flugzeit anzufliegen, passt aber nicht mehr zu Vistaras Überlegungen, bald Ziele in den USA anzusteuern.

Lufthansa wird wohl kaum Langstreckenflugzeuge ohne Crew Rest betreiben wollen, daher müssten diese dann noch nachgerüstet werden. Scheinbar wäre dies in der verbleibenden Zeit bis zur Auslieferung auch möglich.

Boeing bietet bei den Dreamlinern unterschiedliche Triebwerke an. Airlines können zwischen einem Rolls Royce Trent Modell und deinem von General Electric wählen. Nach aktuell vorliegenden Planungen würde eines der Flugzeuge für Lufthansa mit einem RR TSrent, die anderen vier mit einem GE Aggregat.

Ob Lufthansa hier noch auf einen Tausch besteht ist offen. Denkbar auch, dass LH die 787-Flotte mit verschiedenen Triebwerken ordern wird, damit Lufthansa Technik mit beiden Modellen vertraut ist.

Von welcher Airline übernimmt Lufthansa die ersten Dreamliner? | Frankfurtflyer Kommentar

Es ist spannend, was so eine kleine Pressemeldung auslösen kann. Aber nach fast vier Jahren Wartezeit auf eine neue Business Class bei Lufthansa ist die Spannung greifbar.

Immerhin lässt sich die Auswahl an lieferbaren Dreamlinern eingrenzen, wodurch ein paar weitere Fragen einigermaßen geklärt werden können.

Aber die große Frage ist jetzt: Welcher Sitz kommt? In den Bereich zwischen Tür 1 und 2 passen dann 28-30 Business Class Sitze. Es bleibt spannend.

Und bevor Vistara als unseriös gebrandmarkt wird: Auch Lufthansa hat eine 747-8 jahrelang nicht abgenommen. Angeblich konnte diese im Frühjahr dieses Jahres an einen nicht genannten Verkäufer veräußert werden.

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2 Kommentare

  1. Vistara ist mWn. ein Joint Venture von und mit Singapore Airlines und man hatte sich auf die Fahne geschrieben, mit dem Vistara Produkt auch auf Augenhöhe mit SQ agieren zu können. Das sollte sich dann auch in der Business und der Konfiguration der Jets widerspiegeln. Die bestellten Dreamliner waren für Europarouten nach FRA, LHR, CDG usw. vorgesehen, das sind um die 8h und daher fehlen wohl auch die Crew Rests. Irgendwo haben ich aber auch den Namen einer chinesischen (Juneyao Air) Gesellschaft gelesen, welche bis dato ihre Dreamliner nicht abgenommen hat. Von denen habe ich offen gesagt noch nie gehört und weiß daher auch nicht, was die mit den Dreamlinern vor hatten.

    • Hallo Klaus,
      Juneyao Air hat derzeit 4 787-9 bei Boeing „geparkt“. Von ihren zehn bestellten Dreamlinern hat die Airline bereits sechs übernommen, die fleißig in China herumfliegen. Vor der Krise sind sie auch nach Europa geflogen.

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