Warum die Boeing 787 für Lufthansa Sinn macht

Lufthansa investiert fleißig in die Flotte. Heute möchten wir uns anschauen, warum die Boeing 787 für Lufthansa Sinn macht. Wir hatten vor einigen Wochen bereits darüber berichtet, dass die Lufthansa darüber nachdenkt, die Boeing 787 zu bestellen. Für die Kurz- und Mittelstreckenflotte bestellte man zuletzt viele A320. Nun gibt es aber auch seit einer Weile die Gerüchte, dass Lufthansa auch die Boeing 787 Dreamliner bestellt. Damit hätte man dann auch wirklich jedes Langstreckenmodell von Airbus und Boeing in der Flotte. Allerdings gibt es doch einige Vor- aber auch Nachteile.

Warum die Boeing 787 für Lufthansa Sinn macht – Die Lufthansa Langstreckenflotte

Lufthansa hat alle aktuellen Airbus-Modelle in der Flotte. Dazu zählen die Airbus A330, A340, A350 und A380. Aus dem Hause Boeing betreibt man die Boeing 747 in der „alten 400-er Variante“ sowie die neue 747-8 und auch die Boeing 777 (als Frachter). Im Jahr 2020 soll dann auch die modernere Boeing 777X zur Flotte stoßen. Das einzige, neuere Langstreckenflugzeug welches die Lufthansa noch nicht bestellt hat ist die Boeing 787. Und laut einem Bericht von Aerotelegraph schaut man sich das Flugzeug derzeit sehr genau an.

Die Boeing 787 wäre eine mögliche Alternative zur Bestellung weiterer A350, das schauen wir uns gerade sehr genau an. So Carsten Spohr der CEO der Lufthansa

Ob und warum die Boeing 787 für Lufthansa Sinn macht? Mit dieser Frage beschäftigt man sich derzeit im Konzern. Die Boeing 777X wird wohl die älteren Boeing 747-400 ablösen. Von der Kapazität kann man dies ohne Probleme. Der Airbus A350 war als Ersatz für die spritschluckenden Airbus A340 und ältere A330 gedacht.

Warum die Boeing 787 für Lufthansa Sinn macht – Analyse

Die Lufthansa möchte 20 neue Langstreckenflugzeuge bestellen. Die 787-9 hat in einer Standardmäßig Platz für 290 Passagiere, die 787-10 für 330. Der Konkurrent von Airbus hat mit dem A350-900 eine Kapazität von 325 Reisende und 366 im A350-1000.

Lufthansa bestuhlt die A340-300 mit 251-277 Sitzplätzen. Im Airbus A340-600 sind es immerhin 281 bis 297 (inklusive acht Plätzen in der First Class). Die Airbus A330 haben Platz für 216-255 Gäste.  Die zu ersetzenden Flugzeuge sind also (entsprechend der Konfiguration) mit rund 220-300 Sitzplätzen ausgestattet. In ihren Airbus A350-900 verbaut die Lufthansa 292-319 Sitzplätze, was eindeutig am oberen Ende der Sitzplatzanzahl wäre. Allerdings gibt es hier auch keine First-Class Kabine. Etihad verbaut in Ihren Boeing 787-9 zum Beispiel 231 (mit First Class) oder 299 Sitzplätze (ohne First Class).

Wenn man also die alten Flugzeuge ersetzen möchte (ohne mehr Kapazitäten anzubieten), dann sind die Airbus A350 eigentlich fast zu groß. Entsprechend könnte eine Boeing 787 Sinn ergeben.

Auf der anderen Seite gibt es in Frankfurt und Zürich schon oft Verspätungen wegen der knappen Kapazitäten am Flughafen. Wachstum kann hier also nicht über eine Erhöhung der Flugbewegungen, sondern nur über größere Flugzeuge stattfinden.

Schon jetzt hat man mit den Airbus A380 größere Flugzeuge nach München verlegt. Dies hat natürlich nicht nur den Grund, dass man den Flughafen Frankfurt unter Druck setzten will, sondern auch, um weiteren Verspätungen vorzubeugen.

Warum die Boeing 787 für Lufthansa Sinn macht – Frankfurtflyer Kommentar

Die Lufthansa hat ein unglaublich homogenes Produkt. Jedes Langstreckenflugzeug hat die gleichen Sitze und der Passagier weiß genau was Ihn erwartet. Eine Boeing 787 ist von der Kapazität unterhalb des Airbus A350 angesiedelt. Das Flugzeug würde vor allem auf „dünnen“ Routen Sinn machen, auf denen man vergleichsweise wenig Sitze verkaufen könnte. Natürlich ist das auch auf der Kostenseite für die Lufthansa spannend. Die Flugzeuge sind günstiger als die Airbus A350.

Umso interessanter ist, dass die Lufthansa ein Potpourri an Flugzeugen in Ihrer Flotte hat. Während zum Beispiel Emirates genau zwei Flugzeugtypen (Boeing 777-300ER und Airbus A380) in der Flotte hat, sind es alleine in der Lufthansa-Konzern Flotte sieben(!) verschiedene Modelle. Synergien für die Wartung und Zertifizierungen der Crew sind hier nicht wirklich vorhanden. Macht es also Sinn, sich noch ein neues Modell in die Flotte zu holen?

Was meint Ihr? Bestellt Lufthansa die Boeing 787? 

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5 Kommentare

  1. Was man im Hinblick auf Synergien nicht vergessen sollte:

    Lufthansa hat eine recht profitable MRO Sparte. Jedes neue Flugzeugmuster in der LH Flotte führt hier dirert zur Erweiterung des Portfolios im Line/Base Maintenance Geschäft.
    Zudem wurde die Pilotenausbildung Konzernweit integriert, somit gibt es von Ausbildungsbeginn an viele Piloten die auf Boeing geschult werden.
    Alle neu bestellten Flieger kommen zudem in die sog. graue Flotte (konzernweit) der dedizierte Einsatz wird dann erst 2-3 Jahre vor Einflottung entschieden

  2. Was meint Ihr? Bestellt Lufthansa die Boeing 787?

    So umtriebig und geschäftig die LH momentan ist, würde mich das nicht wundern. LH „sieht sich momentan“ fast alle Flugzeugtypen „genauer an“.

    Man war/ist über Jahre hinweg zufrieden mit seinen spritfressenden Vierstrahlern (gewesen). Bei LX wird der A340-300 sogar noch renoviert. Die Einflottung der extrem erfolgreichen B777 hat man Ende der Neunziger Jahre komplett verschlafen und obendrein noch ab 2001 den damals neuen A340-600 gekauft, welcher eine nicht erfolgreiche Entwicklung hinlegte (Einstellung der Produktion).

    Jetzt will man von Airbus explizit einen A321ULR mit größerer Reichweite als normal erhalten. Den Zulauf der B777X hat man zugunsten des A350 gedrosselt, während nun statt eben jenen A350 Modelle des Typ B787 eingelottet werden sollen!

    Was will die LH denn genau?

    In eurem Artikel schreibt ihr zutreffend, dass der LH-Gesamtkonzern bis auf die B787 alle Langstreckenflugzeugtypen besitzt. Jetzt soll eben jener fehlende Typ noch hinzukommen. Vom Gefühl und der Logik ist das für mich zuviel. Ich stecke da aber natürlich nicht drin. Sicher denkt man da schon perspektisch schon an die Zeit ohne A330/340-300/-600 und möglicherweise ohne B747-8i/A 380.

  3. In meinen Augen wäre die 787 insebsondere als Austrian 767 und 777 Ersatz geeignet. Diese haben schon einige Dienstjahre. Vor allem gegenüber den 767 wäre es zwar ein gewaltiger Kapazitätszuwachs, aber im Vergleich zu Frankfurt und Zürich hat der Flughafen Wien vorerst keine nennenswerten Kapazitätsengpässe.

    Ebenso könnte man die SWISS A330 und gegebenenfalls sogar die A340 damit ersetzen.

    Sowohl bei der Austrian als auch bei der SWISS gibt es genügend Boeing-Erfahrene Piloten.

  4. Mit meiner Laiensicht hätte ich jetzt auch gedacht, dass es besser wäre, bei der A350 (die ja der nächstliegende Konkurrent zu 787 wäre) zu bleiben. So groß erscheinen mir die Unterschiede in der Passagierkapazität nicht, um die steigende Diversifizierung zu rechtfertigen.
    Aber natürlich ist das eine Außenseitersicht. Die Fluggesellschaften wissen zweifellos am besten, wie es mit den Anschaffungs- und noch wichtiger den Betriebskosten aussieht.
    Nebenbei: um die A340 ist es schade. Die fand ich immer schön. Egal, ob als Eco-Passagier mit der Möglichkeit, sich im tiefergelegten Toilettenraum ein wenig die Beine zu vertreten (LH 340-600) oder erst kürzlich ganz vorn bei SAS. Ja klar sehen die Fluggesellschaften das anders, wohl weniger wegen der Treibstoffkosten als der aufwendigen Triebwerkswartung. Trotzdem schade.

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