Wie sieht die Zukunft der Lufthansa First Class aus?

Die Lufthansa First Class galt lange als eine der besten der Welt und es ist gar nicht so lange her, dass der Kranich auf fast allen Langstrecken eine First Class an Bord hatte. Diese Zeiten sind leider vorbei und schon vor der aktuellen Krise wollte Lufthansa nur auf etwa 50% der Langstreckenziele die Luxusklasse noch anbieten.

Inzwischen hat man das Angebot der First Class aber auf ein absolutes Minimum zurückgefahren, was insbesondere an der massiv eingebrochenen Nachfrage nach Langstreckenflügen liegt und der entsprechend auch zurückgegangenen Nachfrage nach Premium Sitzen.

Da Lufthansa bis auf die Boeing 747-8 alle Flugzeuge mit einer First Class aus der Flotte entfernt hat und es nicht so aussieht, als würden der Airbus A380 oder der Airbus A340-600 in absehbarer Zeit wieder zur Flotte zurück kehren, stellt sich natürlich die Frage, wie die Zukunft der Lufthansa First Class aussehen wird und ob diese überhaupt eine Zukunft beim Kranich hat.

Die aktuelle Schließung des Lufthansa First Class Terminals und fast aller First Class Lounges, sowie dem nicht mehr existenten Limousinen Service, verstärken die Sorge vieler Kunden, dass die First Class bei Lufthansa nach der Pandemie nicht mehr wieder zurück kommt.

Hier gibt Lufthansa selbst aber Entwarnung, denn man will am Premium Konzept der Airline festhalten und hierzu würde auch die First Class als fester Bestandteil gehören. Allerdings ist noch nicht entschieden, wie die First Class bei Lufthansa wirklich in der Zukunft aussehen wird.

Was wir wissen und was denkbar ist, wollen wir in diesem Beitrag zusammenfassen.

Lufthansa First Class: Status Quo

Nachdem das einzige Flugzeug, welches bei Lufthansa noch über eine First Class verfügt die Boeing 747-8 ist, sind die Strecken mit First Class im Winter 2020/2021 recht begrenzt. So findet man die Boeing 747-8 aktuell auf folgenden Flügen und eine First Class ist hier ab Frankfurt auch im Verkauf:

  • Mexico City
  • Sao Paulo
  • Buenos Aires
  • Johannesburg
  • Shanghai
  • Bangkok

Hierbei gilt zu beachten, dass Thailand, China und Argentinien nach wie vor sehr strikte Einreisebeschränkungen haben und es für Ausländer fast unmöglich ist, diese Flüge zu nutzen. Daher ist es durchaus denkbar, dass hier die Flugzeuge auch noch einmal getauscht werden und die First Class wegfällt.

Der Service an Bord ist allerdings noch weitestgehend unverändert und die First Class Passagiere bei Lufthansa können sich weiterhin über ein umfangreiches Menü, Kaviar, Champagner und auch das fantastische Bett mit Turn Down Service freuen.

Am Boden sieht die Situation leider deutlich anders aus, hier wurde der First Class Service fast komplett eingestellt. Zwar gibt es in Frankfurt am Business Class Check-In Bereich noch zwei Schalter, welcher für die First Class und auch Star Alliance Gold Mitglieder genutzt werden, aber Dinge wie das First Class Terminal oder auch der Limousinen Service gibt es seit März 2020 nicht mehr.

Die einzige First Class Lounge, welche aktuell wieder eröffnet wurde ist die First Class Lounge A, welche sich im Schengen Bereich des Flughafens befindet.

Damit ist die Lounge allerdings auch eher für HON Circle Passagiere gedacht, welche auch den Großteil der Gäste hier ausmachen, als für First Class Passagiere, denn für diese Passagiere bedeutet ein Besuch in der First Class Lounge A zwangsläufig noch durch die Passkontrolle zu gehen.

Auf welchen Flugzeugen soll es in Zukunft noch eine Lufthansa First Class geben?

Die Frage danach, wie umfangreich das Angebot an First Class Sitzen bei Lufthansa in den kommenden Jahren sein wird, richtet sich auch insbesondere danach, wie viele Flugzeuge überhaupt mit dem Produkt ausgestattet sein werden. Klar ist, bis mindestens 2023 wird wohl die Boeing 747-8 das einzige Flugzeug bei Lufthansa sein, welches eine First Class hat, wenn nicht die Nachfrage wieder Erwarten sehr rapide ansteigt und man die Airbus A380 und einige Airbus A340-600 wieder aus dem Storage holt.

Vielmehr muss man vermutlich sagen, dass in den kommenden Jahren die First Class nicht die höchste Priorität bei Lufthansa haben wird, denn für die Veränderungen im Produkt und Flotte braucht es hier auch viel Geld und dieses hat man aktuell nicht, in Zeiten in denen die Airline nach wie vor ums Überleben kämpfen muss.

Allerdings würde die First Class bei Lufthansa „heiß diskutiert“ und hiermit ist vor allem gemeint, wie man das Produkt auf mehr neuen Flugzeugen anbieten kann.

So soll es bei Lufthansa ein diskutiertes, aber noch nicht entschiedenes Thema sein, sowohl auf einigen Airbus A350-900, als auch auf einigen Boeing 777-9X eine First Class zu verbauen und hier wird immer wieder davon gesprochen, dass man analog zu Singapore Airlines oder auch Air France nur noch vier, anstelle von acht Sitzen an Bord haben wird.

Wer nun allerdings hofft, dass wir schon in wenigen Monaten einige Airbus A350-900 bei Lufthansa haben werden, welche über vier First Class Sitze verfügen, der wird sicher enttäuscht werden. Die Veränderung von Kabinen, auch bei noch nicht ausgelieferten Flugzeugen ist teuer und aufwändig und Lufthansa konnte uns schon klar sagen, dass nach aktuellem Stand frühestens 2023 die ersten Airbus A350-900 mit einer neuen Kabine (und hier ließ man die First Class bewusst offen) geliefert werden und auch die ersten sieben Boeing 777-9X werden ohne First Class an Lufthansa ab 2022 geliefert.

Gerade bei der Boeing 777-9X gilt es aber als sehr wahrscheinlich, dass es hier auch Flugzeuge mit einer First Class geben wird, denn aufgrund der Größe der Flugzeuge kann man hier damit rechnen, dass man auf den Strecken auf welchen die 777 zum Einsatz kommt, auch eine Nachfrage nach First Class Sitzen bestehet.

Das First Class Terminal wird wieder eröffnet!

Beim First Class Angebot am Boden fehlt aktuell besonders das First Class Terminal, aber auch die anderen First Class Lounges der Lufthansa. Diese sollen auch wieder eröffnet werden und Lufthansa habe aktuell keine Pläne diese dauerhaft stillzulegen.

Besonders das First Class Terminal liegt den Lufthansa Produktmanagern als Prestigeobjekt, mit welchem man sich von allen Airlines der Welt differenziert, am Herzen und man wolle es so schnell wie möglich wieder eröffnen, auch wenn es noch keinen Zeitplan gibt.

Aktuell ist der Betrieb des First Class Terminals nicht wirtschaftlich zu erreichen, da die Nachfrage fehlt. Zu Spitzenzeiten hatte Lufthansa bis zu 800 First Class Passagiere pro Tag in Frankfurt und München, aktuell ist man in einem einstelligen niedrigen Prozentsatz von diesem Wert.

Selbst mit den HON Circle Passagieren, welche aktuell auch deutlich weniger fliegen als vor der Pandemie, würde man aktuell keine vernünftige und rentable Auslastung des First Class Terminals erreichen, welches im Betrieb als eigenständiges Terminal mit komplett eigener Sicherheitskontrolle und Passkontrolle sehr teuer ist.

Momentan würde Lufthansa noch von etwa 20% der normalen Auslastung ausgehen und hier benötigt es erst eine Steigerung des Passagieraufkommens, bevor sich eine Wiederaufnahme des Betriebes für Lufthansa lohnt.

Review: Lufthansa First Class Terminal Frankfurt

Limousinen Service bleibt erhalten

Eine weitere positive Nachricht ist, dass Lufthansa bestätigt hat, dass der Limousinen Service, bei welchem man zu einem Flugzeug auf einer Außenposition gefahren wird, erhalten bleibt. Jedoch ist auch hier noch nicht klar ab wann der Service wieder angeboten wird.

Vor Corona hatte man mehrere hunderte Fahrten pro Tag, allerdings würde der Service aktuell aufgrund der wenigen Außenpositionen und des noch geschlossenen First Class Terminal kaum genutzt werden und man hätte meist weniger als zehn Fahrten pro Tag.

Ich gehe davon aus, dass die Wiederaufnahme des Limousinen Service erst stattfindet, wenn auch das First Class Terminal wieder eröffnet wird, denn hier ist der Limousinenservice für jeden Gast die einzige Möglichkeit zum Flugzeug zu gelangen.

Wie sieht die Zukunft der Lufthansa First Class aus? | Frankfurtflyer Kommentar

Die gute Nachricht ist, man will an der First Class bei Lufthansa und vor allem auch an allem was dazu gehört, wie den Lounges oder dem Limousinenservice, festhalten. Die schlechte Nachricht ist jedoch auch, dass man wohl noch eine ganze Zeit lang warten muss, bis wir im absoluten Luxussegment bei Lufthansa eine Normalisierung des Angebotes sehen werden, was die Anzahl der Sitze angeht.

Ich bin sehr gespannt, wie die Entwicklung hier wirklich sein wird, aber solange es keine deutliche Erholung am Markt gibt, werden wir sicher auch keine Ausweitung der First Class bei Lufthansa sehen und damit wird diese Klasse zumindest über die nächsten Monate oder gar zwei Jahre ein Schattendasein fristen.

Auf vielen Strecken wird die Swiss eine Alternative darstellen, denn die Schweizer haben auf allen Langstreckenflügen eine First Class im Angebot.

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2 Kommentare

  1. Müsste bei Wegfall der First nicht die Höhe der erforderlichen Statusmeilen zum Erreichen desselbigen für SEN / HON gesenkt werden (jetzt:100’000 / 600’000)

  2. Angesichts der Fortschritte bei den Geschäftsreiseflugzeugen frage ich mich immer wieder, ob es die Clientel, für die sich eine First Class lohnt, noch im nennenswerten Umfang gibt. Ich weiß, ich habe die Frage schon einmal geäußert. 🙂
    Buchung zu Budgetratifen ab Kiev oder für Meilen ist natürlich aus unserer Sicht toll, aber das sind aus der Sicht der Fluggesellschaften nur Notlösungen. Die suchen den kurzfristig buchenden Geschäftsreisenden, der den full-flex IATA-Tarif zahlt.
    Für diese Reisenden bietet sich als Alternative beispielsweise eine Gulfstream G650 an. Reichweite fast 13 000 km, einsatzfähig ohne Bindung an eine feste Abflugzeit ab jedem Kleinflughafen. Klar ist das teurer, dem steht aber der Gewinn an Bequemlichkeit und vor allem die Zeitersparnis entgegen.
    Als Preise habe ich übrigens 30 000 €/Flugstunde für den Bereich bis 7000 km ausgemacht und das Doppelte für größere Reichweiten bei jeweils umn die 10 Sitzplätze.
    Der gleiche Artikel nennt auch Vergleichszahlen für eine Reise von 9 Personen von Wien nach Paris und zurück. Macht in einem nicht näher bezeichneten Privatjet 17 100 € und Business im full-flex IATA-Tarif (Austrian Airlines) knapp 10 000 €.

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