Wieviele Meilen bekomme ich für meinen Flug?

Es gab Zeiten, da haben Vielflieger tatsächlich pro geflogene Meile auch eine Meile in ihrem Bonusprogramm gutgeschrieben bekommen. Auf kurzen Strecken kamen verstärkt feste Werte, ein Flug in den Premiumklassen wurde mit einem Bonus belohnt. Doch so simpel ist es schon lange nicht mehr. Auf der einen Seite sind die Vielfliegerprogramme etwas fairer geworden, da flexible und teure Tickets mit höheren Gutschriften kreditiert werden. Günstige und restriktive Angebotstarife werden hingegen gar nicht mehr oder nur minimal berücksichtigt. Zahlreiche Ausnahmen und zusätzliche Regeln machen die Sache immer komplizierter.

Entscheidend bei der Gutschrift ist in erster Linie die Buchungsklasse und vermehrt auch wer das Ticket ausgestellt hat. Die Höhe der Gutschriften für Buchungsklassen der Economy Class liegt häufig zwischen 25% und 150% der tatsächlich geflogenen Entfernung. Einige Buchungsklassen werden gar nicht berücksichtigt. Auch in der Business Class werden z.B. günstige Angebotstarife mit niedrigeren Meilenwerten belohnt. Viele Airlines sind längst dazu übergegangen die Meilenvergabe an den Ticketpreisen zu koppeln. Bei Miles&More trifft dies zumindest auf die Prämienmeilen zu, die Statusgutschrift richtet sich weiterhin nach der Entfernung bzw. der konventionellen Tabelle.

Foto: Miles&More

Prämienmeilen, Statuspunkte, HON Circle Meilen, Select Meilen- alleine beim Lufthansa Programm ist ganz schön komplex geworden. Den Durchblick bei mehreren Programmen zu haben und nicht zu verlieren ist fast unmöglich. Wenn man dann noch mit einer Partnerairline fliegt oder die Buchungsklasse nicht kennt, wird es ganz haarig. Nicht selten können in solchen Fällen auch die Profis an der Hotline keine verlässliche Auskunft geben, auch die Online-Meilenrechner sind überfordert und zeigen einen unzuverlässigen Wert an.

Gebucht bei Airline A, Flugnummer von Airline B, durchgeführt von Airline C, gesammelt im Programm von Airline D

Die Seite wheretocredit.com bietet eine gute Hilfestellung wenn sich die Frage nach der Meilengutschrift stellt. Wer in mehreren Programmen sammelt, kann dort schnell erkennen wo es die meisten Meilen gibt. Und welche Airlines überhaupt Meilen für einen bestimmten Flug vergeben. Dies bezieht sich jedoch nur auf die Prämienmeilen, bei der Statusgutschrift muss man sich gesondert informieren. Leider ändert sich die Vergabehöhe auch kurzfristig und nicht selten ganz ohne Ankündigung. Vorsicht ist auch bei Codeshare-Verbindungen geboten, in der Regel werden die Werte der tatsächlich ausführenden Gesellschaft als Berechnungsgrundlage genommen.

In dieser Situation war ich im vergangenen Jahr als ich einen Trip nach Kreta gebucht habe. Grund der Reise war u.a. der Flug mit einer Boeing 777 von Swiss. Streng genommen handelte es sich hierbei um einen Flug der Edelweiss, wegen der erhöhten Nachfrage wurde dieser mit einem Langstreckenjet der Schweizer Konzernschwester durchgeführt. Statt eines A320 der Ferienfluggesellschaft kam eine B777 der Swiss zum Einsatz. Für die Rückreise habe ich mich für eine Verbindung mit Lufthansa entschieden, dieser wurde zu einem Teil von dem Star Alliance Partner Aegean durchgeführt.

Damit stellten sich Fragen wie: Wieviele Meilen bekomme ich? In welchem Programm sollte ich diese am sinnvollsten sammeln? Wo habe ich die beste Ausbeute? Gibt jeder Flug eine Gutschrift?

Alle vier Segmente (NUE-ZRH-HER / SKG-FRA-NUE) waren in der Business Buchungsklasse P eingebucht. Diese wirft nicht viele Meilen ab, in manchen Programmen wie bei Aegean Miles+Bonus geht man zum Teil sogar ganz leer aus. Während Flüge von Swiss bei Aegean M+B regulär berücksichtigt werden, sind LH-Flüge vom Sammeln dort ganz ausgeschlossen. Beim Flug mit der 777 wurde es noch spezieller- denn hier handelte es sich um einen Edelweiss Flug mit WK-Flugnummer, Swiss war hier quasi nur ausnahmsweise als Wetlease Partner eingesprungen.

Edelweiss ist nicht in der Star Alliance, aber an Miles&More angeschlossen. Damit war klar dass ich zumindest diesen Flug bei M&M gutschreiben lasse. Die Rückreise mit Aegean bereitete mir auch Kopfzerbrechen. In der Buchung war dieser mit LH-Flugnummer in der Klasse P angegeben. Hierfür gibt es laut der M+B Sammeltabelle keine Meilen. Ausschlaggebend ist bei einem Codeshare-Flug aber die ausführende Airline. Die Buchungsklasse P ist bei Aegean allerdings eine Buchungsklasse in der Economy.

Probe aufs Exempel

Wir sind zu zweit geflogen und ich war neugierig. Daher hat einer von uns den gleichen Flug aus derselben Buchung bei Miles&More und der andere bei Miles+Bonus gutschreiben lassen. Was herausgekommen ist, hat mich in beiden Fällen überrascht:

Bei Miles+Bonus wurde der Flug in der Aegean Business-Buchungsklasse Z eingeordnet und mit der tatsächlich ausgeführten A3-Flugnummer gewertet. Dadurch erhielt ich 2.500 Meilen plus 20% Bonus als Gold-Member. Bei Miles&More sah es nach dem Flug auf dem Kontoauszug so aus:

Hier wurde der Flug in die hochwertige Buchungsklasse C eingeordnet. Die Prämienmeilen waren Umsatzbasiert, da das Ticket von einer LH-Group Airline ausgestellt wurde. Die Gutschrift der Statusmeilen hat überrascht, denn die Klasse P hätte nur 750 Statusmeilen gebracht. Beim Flug wurde wie üblich die tatsächlich ausführende Gesellschaft als Berechnungsgrundlage genommen, denn sonst hätte man die Statusgutschrift im Rahmen der Kulanzaktion von Miles&More verdoppelt.

Manchmal ist es sinnvoll in mehreren Programmen teilzunehmen

Selbst wenn Vielflieger einer einzigen Allianz treu bleiben und zum Beispiel nur mit Gesellschaften der Star Alliance fliegen, macht es manchmal Sinn in zwei unterschiedlichen Programmen zu sammeln. Dann wenn die gewählte Buchungsklasse gar nicht oder nur mit verschwindend geringen Werten im Treueprogramm der ersten Wahl honoriert wird. Hinzu kommt, dass einzelne Fluggesellschaften nicht nur mit den Partnern aus dem eigenen Luftfahrtbündnis kooperieren und ihre Programme entsprechend miteinander verzahnt haben.

Bei Miles&More kann man beispielsweise auf bestimmten Strecken auch mit Cathay Pacific oder LATAM sammeln. Die Oneworld-Mitglied Qantas arbeitet in Europa mit Air France KLM aus dem Skyteam zusammen, Sammler der Känguru-Airline bekommen auf entsprechenden Anschlussflügen also ebenfalls Meilen. Ziemlich beliebt sind daher Programme wie Mileage Plan von Alaska Airlines. Die Gesellschaft ist in der oneworld-Allianz, doch neben allen Partnern aus dem Bündnis bekommt man auch Meilen wenn man mit Condor, Emirates oder Singapore Airlines fliegt. Entsprechend kann man diese auch dort einlösen.

KLM & Singapore Airlines: Im Virgin Flying Club vereint

Auch Virgin Atlantic hat ein interessantes Bonussystem, obwohl die Airline kein Mitglied einer Allianz ist. Die Gesellschaft arbeitet aber intensiv mit Delta sowie Air France KLM zusammen. Meilen, Benefits und Einlösungen sind aber auch auf Flügen mit SAS, Air New Zealand, ANA, Hawaiian oder Singapore Airlines möglich. Der Flying Club von Virgin vereint quasi Airlines wie Singapore und KLM, die sonst wenig miteinander zu tun haben. Mit einem Status im Programm kann man beispielsweise deren Lounge nutzen oder mehr Freigepäck mitnehmen.

Ein gutes Beispiel war in der Vergangenheit Top Bonus von Air Berlin. Einige schlaue Kunden in Australien nutzten das Programm, obwohl Air Berlin nie nach Down Under geflogen ist. Die beiden größten Airlines des Landes waren aber Partner bei Top Bonus. Wer also regelmäßig mit Qantas und Virgin Australia geflogen ist, konnte mit einem Programm die Vorzüge von beiden Gesellschaften nutzen.

Wieviele Meilen bekomme ich für meinen Flug? | Frankfurtflyer Kommentar

Wer bei Lufthansa bucht, mit Lufthansa fliegt und bei Miles&More sammelt, hat keine Probleme die Höhe der Meilengutschrift zu berechnen. Diese wird sogar im Buchungsprozess angezeigt. Dieser Wert stimmt allerdings nicht mehr oder wird mit einer Gutschrift von 0 Meilen angezeigt, sofern hier eine bestimmte Partnerairline involviert ist. Ausnahmen und Sonderregelungen machen es weiter kompliziert. Flüge von Turkish werden bei der Statusgutschrift im M&M Programm beispielsweise nur mit 25% berücksichtigt.

Ausschlaggebend ist bei einer Gutschrift in der Regel die ausführende Airline, also das „Metal“. Wie in meinem Beispiel des Aegean-Fluges hat man aber erst im Nachhinein Gewissheit. Partnerschaften haben ja durchaus Vorteile, in Sachen Meilengutschrift wird eine Kooperation aber gerne kompliziert. Umgekehrt ist auch die Einlösung nicht ohne und zum Beispiel oft nicht online möglich. An den Hotlines sind die Mitarbeiter auch schnell überfordert weil es den Buchungssystemen selbst zu komplex wird.

Dieser Faktor macht die Wahl des richtigen Vielfliegerprogramms kompliziert. Durch die nicht standardisierte Meilenvergabe macht es selbst in der gleichen Allianz Sinn, bei zwei Programmen zu sammeln. Wer mit unterschiedlichen Gesellschaften oder verschiedenen Allianzen unterwegs ist, sammelt meist sowieso in mehreren Programmen. Man kann aber Glück haben und die Präferenzen mit nur einem Bonussystem wie dem Mileage Plan abdecken.

 

7 Kommentare

  1. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wenn man M&M sammeln möchte, man möglichst einen Bogen um LH machen sollte. Bsp. Flug nach Portugal mit TAP bringt 2000 M&M, mit Lufthansa je nach Kategorie etwa 1000. Dies hängt natürlich mit umsatzbasierten System zusammen. Aber man kann oft feststellen, dass die Flüge im eigenen Programm schlechter vergütet werden, als ähnliche Flüge mit Partnern.
    Es ist natürlich von Tarif zu Tarif unterschiedlich und ohne Zeit in eine Recherche zu investieren kommt man nicht weit.

  2. Das finde ich bei LH total kompliziert, dass es immer nach Metal geht. Hatte ich gerade bei einem LH gebuchten Flug mit Air Malta, für den es dann nicht mal Statusmeilen gibt, obwohl LH-Flugnummer und LH Buchung.

    Sowas kenne ich von BA nicht. Da bin ich schon Aer Lingus geflogen, aber bei BA gebucht und unter BA Flugnummer und habe alles wie einen BA Flug gutgeschrieben bekommen.

  3. Ich hatte einen Flug von Göteburg über Frankfurt nach Singapore mit SQ gebucht, alle Segmente in D. Eigentlich gäbe es für die Strecke Göteburg-Frankfurt 2000 Meilen mit einem SQ Ticket, mit einem LH plus 25% Bonus. Am Ende bekam ich aber nur 750 Statusmeilen, aber plus 25% Executive Bonus. LH hat das SQ Ticket in Klasse D in ein LH Ticket in Klasse P umgerechnet, und auch als solches in der Meilenabrechnung angegeben. Man hat da wirklich keine Chance durchzublicken, und ist wohl auch nicht gewollt.

  4. Ich habe am Wochenende mal wieder selbst statt übers (dienstliche) Reisebüro bei LH gebucht. Irgendwie sind auf der Webseite die Buchungsklassen nun aber schon wieder anderswo zu finden? Nur wo? Zuletzt immer in der Buchungsübersicht, aber da gabs die nun nicht mehr? Diesmal erst auf dem Ticket?

  5. Liebe FrankfurtFlyer, euer Rat ist gefragt. Miles&More weigert sich, bei Ethiopian in der Businessclass erworbenen Meilen Niamey-Addis-Franfurt-Addis-Niamey/rund 19.000) anzuerkennen mit der Begründung, die entsprechende Klasse (P) sei nicht meilenfähig. Sie verweisen auf eine Liste in der M&M-Seite, auf der dies unter Ethiopian dargestellt sei – da ist aber Nichts zu finden. Lohnt es sich nachzuhaken oder soll ich es drangeben? Danke für peer-to-peer-support

    • Interessanterweise fehlt Buchungsklasse P auf wheretocredit ebenfalls als bei M&M berechtigte Buchungsklasse. Ungewöhnlich ist, dass da nicht mal 0% steht sondern M&M gar nicht aufgeführt wird.

  6. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man für Flüge mit United eher nicht Miles and Bonus Meilen sammeln sollte. Für einen C-Klasse Flug von München nach Washington habe ich 4.400 Meilen gutgeschrieben bekommen, bei Miles and More wären das fast doppelt so viele gewesen.

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