284.862 Meilen und 156 Flüge in 2020 | Mein Vielfliegerjahr 2020

Es ist zur guten Tradition geworden, dass ich jedes Jahr einen kleinen persönlichen Jahresrückblick erstelle, in welchem ich vor allem auch die Anzahl und Strecken meiner Flüge aus dem Vergangenen Jahr zusammenfasse. Meistens sind hier auch immer einige Highlights dabei, doch 2020 war anders. Wie für alle, war auch mein Vielfliegerjahr von Corona geprägt, auch wenn ich im Gegensatz zu den meisten noch reisen durfte, konnte und auch musste.

Wer meine Vielfliegerjahresrückblicke aus dem vergangenen Jahr noch vergleichen will, der kann dies hier machen:

Was sicherlich auffällt ist, dass auch mein 2020 weniger Flüge als die Jahre davor hatte, denn in normalen Jahren bin ich immer sehr konstant zwischen 400.000 und 500.000 Meilen kreuz und quer durch die Welt geflogen. In 2020 hat es nur für 284.862 Meilen und 156 Flüge gereicht, wobei es das mit Abstand anstrengendste Reisejahr für mich war von allen.

Gerade die 156 Flüge sind vor allem dadurch zustande gekommen, dass unglaublich wenig geflogen wurde und man Flüge, welche man normalerweise mit einem non stop Flug erledigt hat, mit mehreren Legs fliegen musste, schlicht und ergreifend, da es die passenden Flüge nicht mehr gab.

Dabei hatte das Jahr eigentlich gut angefangen, unter anderen durfte ich im Januar nach Florida und Australien und gerade in Melbourne habe ich zum ersten mal in den australischen Medien von einem neuen Virus in China gehört, über welches man sich in Down Under empört hat, denn China würde die Herkunft des Virus verschleiern. Wirklich spannend fand ich (und auch jeder in Australien) diese Nachricht allerdings noch nicht, aber dass wir alle noch oft falsch liegen würden, wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Im Februar und März folgten noch einige USA Trips, sowie eine Reise nach Mexiko und eigentlich wollten wir im April einen großen Urlaub antreten. Dass hieraus nichts werden sollte und wir in 2020 tatsächlich nicht eine private Reise unternehmen sollten, war uns im Februar noch nicht klar.

Ende Februar bis Ende März wurde dann auch beim Reisen Corona immer präsenter, auch wenn es eigentlich in vielen Köpfen etwas im weit entfernten Asien war, was uns doch kaum tangiert. Dennoch merkte man deutlich, dass die Flüge immer leerer werden und zwar leerer, als es normalerweise zu der nachfrageschwachen Zeit im Winter der Fall ist. Wie unangenehm es mit diesem Virus noch werden würde, durfte ich dann in der Nacht vom 11. auf den 12. März erfahren, als ich von Washington D.C. nach Frankfurt mit United Airlines geflogen bin.

Am Morgen vor der Landung hat die Flugbegleiterin die ganzen sechs verbleibenden Business Class Passagiere auf diesem Flug mit der Nachricht geweckt: „There is something going on in the US, they are closing the border. You might return asap!“

Nun ich war in Frankfurt und damit zuhause, weshalb ich das Ganze recht entspannt gesehen habe und blauäugig wie man damals nun einmal war, dachte ich, dass dies ein Problem von mehreren Wochen und nicht für den Rest des Jahres sei.

Reisen hat sich in 2020 verändert und nicht zum Besseren

Im März ging es dann auch ganz schnell: Einreiseverbote, Flugstreichungen in historischem Ausmaß und Airlines, die den Betrieb komplett eingestellt haben, schafften eine mehr als surreale Situation, welche ich persönlich auch immer noch nicht ganz verdaut habe. Denn für mich begannen einige der verrücktesten Reisewochen und -monate, die ich je erlebt habe.

Um es direkt vorweg zu nehmen, ab März waren alle meine Reisen in 2020 beruflich und zwingend notwendig. Da sie als essential travel eingestuft wurden, konnte ich auch mit Ausnahmegenehmigungen in Länder einreisen, welche eigentlich geschlossen waren. Dabei ergab sich dann durchaus die Situation, dass ich munter durch die Welt geflogen bin, während ich in den Medien die größte Rückholaktion in der deutschen Geschichte beobachten konnte.

Gerade hierdurch war das permanente Risiko allgegenwärtig, dass man bei diesen Reisen irgendwo auf der Welt hängen bleibt und dann auf unbestimmte Zeit dort fest sitzt. Gerade auch die massiven Streichungen von Flügen durch die Airlines, besonders in den USA, haben das Unterfangen nicht einfacher gemacht, denn von Mitte März Bis Ende April konnte man sicher sein, dass die Flüge nicht wie gebucht stattfinden werden.

Flüge, die man einen Tag vor Abflug gebucht hatte, waren schon am kommenden Tag wieder gestrichen und ich bin tatsächlich auch mehrfach in die USA geflogen, hatte Rückflügen für den folgenden Tag, welche schon gecancelled waren. Das wurde schnell zu einem Problem, welchem man sich annehmen konnte, wenn man mal in den USA war.

Das Auswärtige Amt hat mir dabei übrigens das Leben recht schwer gemacht, denn bis Ende April hat man ausnahmslos alle Sitze bei Lufthansa und teils auch bei anderen Airlines auf Flügen von den USA nach Deutschland für die Rückholaktionen reserviert, nur um manchmal am Tag der Flüge teils hunderte Sitze wieder in den Markt zu schmeißen. Ja, man merkte schnell sehr flexibel und spontan zu werden, wenn man ankommen wollte.

Ab Ende April, Anfang Mai wurde es sehr ruhig auf den Flughäfen dieser Welt, Flugpläne waren auf ein Minimum ausgedünnt und kaum noch jemand durfte überhaupt reisen. Hier entstanden gespenstige Situationen, wie zum Beispiel ein Flug mit nur einem anderen Passagier aus Brüssel oder auch ein Transatlantik Flug nach Boston mit insgesamt nur acht Passagieren an Bord, was laut Gate gut gebucht sei, denn am Vortag hatte man genau einen Passagier gehabt.

Besonders schnell waren Airlines auch dabei, den Service zusammen zu streichen. Lounges wurden zum Beispiel weltweit geschlossen und gerade beim Service an Bord sind viele Dinge schneller verschwunden, als man bis drei zählen konnte. Teilweise aus verständlichen und ganz pragmatischen Gründen, so musste United Airlines z.B. das Essen für einige Wochen aus den USA mitbringen, da man vielerorts einfach nicht mehr beliefert wurde. All zu oft wirkte es aber auch einfach wie eine Sparmaßnahme und mein Highlight im negativen Sinne war hier immer British Airways, welche auf allen Langstrecken in allen Klassen lediglich eine Tüte mit Chips und einem Sandwich verteilt haben.

Man wurde bei dem, was manche Airlines noch geboten haben sehr dankbar, wenn man ansatzweise noch den normalen Service erhalten hat oder auf Langstrecken wenigstens ein warmes Essen. Die Ansprüche haben sich schnell nach unten geschraubt.

Ab Ende April haben dann Airlines auf der ganzen Welt flächendeckend angefangen eine generelle Maskenpflicht an Bord der Flugzeuge einzuführen und auch Hotels haben bis spätestens in diesem Sommer ihre Regelwerke so weit verändert, dass man in allen öffentlichen Bereichen eine Maske tragen muss.

Auch wenn es ein paar Flüge gedauert hat, inzwischen habe ich mich an die Maske im Flugzeug mehr als gewöhnt, nehme sie oft gar nicht mehr wahr und wenn das Tragen einer Maske für eine gewisse Zeit alles wäre, um wieder zur Normalität zu kommen, dann wäre dies für mich ein kleiner Preis.

Über den Sommer haben dann Airlines, Hotels und auch wir Passagiere kurz ein wenig Hoffnung gehabt, dass sich die Situation doch schneller als erwartet normalisieren und verbessern kann, aber diese Hoffnung wurde noch Ende des Sommers mit steigenden Fallzahlen und neuen Lock Downs in Europa wieder zu Nichte gemacht. Auch wenn es gerade nicht mehr ganz so chaotisch auf den Flughäfen der Welt, wie noch im Frühjahr ist, gewisse Parallelen sieht man doch wieder, insbesondere bei den leeren Flugzeugen und Flughäfen, sowie den ausgedünnten Flugplänen. Umsteigezeiten von mehreren Stunden werden mehr zur Regel, als zur Ausnahme, schlicht und ergreifend weil es kaum noch Flüge gibt.

Auch in den kommenden Monaten wird das Fliegen und Reisen wohl noch im Ausnahmezustand stattfinden, allerdings darf man Hoffnung haben, dass sich die Situation in 2021 verbessern wird. Hoffen wir alle das Beste!

284.862 Meilen und 156 Flüge in 2020 | Frankfurtflyer Kommentar

Was war das nur für ein Jahr, auch aus einfacher Vielfliegersicht! Mit 284.862 Meilen bin ich im letzten Jahr etwa 30-40% weniger geflogen, als in den Jahren davor und es hat sich angefühlt, als wäre ich doppelt so viel unterwegs gewesen. Reisen ist tatsächlich anstrengender geworden, nicht zuletzt wegen der diversen Auflagen für die Einreise, auch in EU Länder. Während man vor zwölf Monaten eigentlich nur seinen Reisepass vorzeigen musste, braucht man inzwischen neben dem Pass Dinge wie Health Forms, Passanger Locator Forms, Flight Passes oder einfach nur einen negativen Corona Test, der nicht älter als eine gewisse Anzahl von Stunden sein darf. Natürlich variieren diese Regeln von Land zu Land und können binnen Stunden geändert werden.

Zu manchen Zeiten dachte ich, dass in 2020 das Reisen das letzte bürokratische Abenteuer ist, wenn Ich in einer Woche drei Corona Tests in drei Ländern machen und seitenweise Formulare ausfüllen und online einreichen musste.

Ich kann nicht vorhersagen, was das Vielfliegerjahr 2021 für mich bringen wird, aber ich hoffe, dass es wieder zu einer Normalisierung kommt und insbesondere auch, dass endlich wieder ein Urlaub in fernen Ländern (oder überhaupt ein Urlaub) möglich sein wird. Gerade bei privaten Reisen und Urlauben habe ich gerade einen wirklichen Nachholbedarf.

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6 Kommentare

  1. Naja, ein Sado Maso Studio vor Ort hätte doch viel günstiger sein Können…zwar ohne Meilen zu erwerben….aber für die gesamten Kosten hättest Du Toprestaurants plus 200 Topgirls haben können….360 Tage…ohne jegliche Komforteinbuße…wer tut sich zurzeit diesen Mist an? Ich ganz gewiss nicht. Sollen die Airlines doch weiterhin leer fliegen! Entweder bekomme ich für das viele Geld eine Top Leistung…egal wie…oder ohne mich! Ausreden interessieren mich überhaupt nicht….

  2. Sag das mal dem Arbeitgeber. Ich fliege aktuell auch nicht zum Spaß herum. Doch die Arbeit geht weiter und man muss es leider beruflich bedingt machen.

  3. … und mich würde immer noch interessieren, was du christoph beruflich nun wirklich machst … 🙂
    auf jeden fall wünsche ich dir und dem ganzen team ein gutes neues jahr 2021. möge es für uns reisende wieder besser werden …

  4. Danke Christoph zunächst für diese äußerst spannenden Einblicke in dein Vielfliegerjahr 2020.

    Es ist beeindruckend, wie viel du trotz allem unterwegs warst und ganz besonders spannend sind für mich die geschilderten Beobachtungen, bspw. zu den Passagierzahlen an Board großer Transatlantikmaschinen. Ich selbst bin dieses Jahr auch viel unterwegs gewesen und kann vieles davon nur bestätigen. Meine Eindrücke beschränken sich dabei jedoch auf europäische Flugreisen, wovon ich dieses Jahr etwa 60 angetreten bin.

    Mich würde interessieren, ob du ohne eine Quarantäneauflage durch dieses verrückte Jahr 2020 gekommen bist? (denn manche Länder wie Norwegen verpflichten ja inzwischen sogar beruflich Reisende zur häuslichen Quarantäne)
    Und führst du eine Statistik darüber, wie viele Covidtests du über dich ergehen lassen hattest? Bei mir waren es nur etwa 11, da es im Sommer innerhalb Europas kaum eine Testpflicht gab.
    Als letztes möchte ich mich redshoes Frage anschließen. 🙂

    Schöne Grüße und unkomplizierte Starts ins neue Jahr! 😉

    • Alle meine Reisen waren bewusst sehr Kurz gehalten und auf das nötigste begrenzt. Das umgeht je nach Ort auch schon die Quarantäne, wenn man z.B. weniger als 24 Stunden in den USA ist. (Meistens sind es bei Geschäftsreisen sogar höhere Werte, aber es variiert je nach Bundesland).

      PCR Tests habe ich eine ganze Reihe machen dürfen. Es sind, wenn ich mich nicht verzählt habe (und das ist wahrscheinlich) 24 dieses Jahr geworden. Interessanterweise sind es in den letzten Wochen weniger geworden, da ich nur noch einen Test bekomme, wenn ich in ein Land reise, dass einen Test verlangt für die Einreise. In Deutschland werde ich nur noch als Reiserückkehrer getestet, wenn ich Symptome zeige, was im Sommer anders war. (BTW hat mir das für mich zuständige Gesundheitsamt recht schnell und nicht gerade deutlich mitgeteilt, dass ich gefälligst nicht nach jeder Einreise anrufen solle…. Naja die sind halt überlastet).

      Mit einer Zwangsquarantäne hatte ich bisher keine Begegnung und diese hätte es bei meinen Einreisen auch „nur“ in England, Italien und New York gegeben, allerdings war ich hier als „essential Worker“ immer ausgenommen.

      Ab März waren alle meine Reisen nur noch durch medizinische Transporte begründet und ich habe zum Beispiel Transplantate in die USA begleitet. Leider erkranken Menschen auch während Corona weiterhin an anderen Krankheiten und brauchen dringend Lebensrettende Behandlungen, was gerne vergessen wird.

      Dies ist auch die Erklärung, warum ich auch ab März weiterhin in die USA fliegen konnte, hier gab und gibt es eine CDC Ausnahme.

      LG und auch einen guten Start ins neue Jahr!
      Christoph

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