Review: Air Canada Economy Class Boeing 777-300er Frankfurt nach Toronto

Die Air Canada Economy Class wird gerne als gute Alternative für Reisen nach Nordamerika aufgeführt. So seien die Kanadier deutlich netter als die Amerikaner, die Servicequalität höher und die Flotte moderner. Auch die Einreise in die USA schon in Kanada. sei deutlich angenehmer.

Passend hierzu wurde Air Canada auch von Skytrax als die beste Airline in Nordamerika ausgezeichnet und auch wenn die Ratingagentur nicht unumstritten ist, schmückt sich Air Canada natürlich gerne mit diesem Titel und es ist meist ein gutes Indiz, dass die Airline auch grundsätzlich solide ist.

Auf einer meiner letzten USA Reisen bin ich in der Air Canada Economy Class in der Boeing 777-300 von Frankfurt nach Toronto gereist, um von dort weiter in die USA zu fliegen. Wie mein Flug genau war und warum auch bei der „besten Airline in Nordamerika“ nicht alles perfekt ist, will ich mit Euch in dieser Review teilen.

Air Canada Economy Class Boeing 777-300er| Check-In und Lounge

Ich wollte für meinen Flug online bei Air Canada einchecken, allerdings funktionierte dies aus irgend einem Grund nicht und ich bekam immer eine Fehlermeldung. Möglicherweise lag dies daran, dass die Buchung über ein Reisebüro auf ein United Airlines Ticket, mit United Airlines Flugnummer, gebucht wurde.

Ich bin daher kurz vor acht am Morgen, für meinem 9.45 Uhr Flug am Air Canada Check-In Schalter erschienen. Hier gab es neben zwei Economy Class Schaltern auch einen Schalter für die Business Class und Star Alliance Gold Gäste. Die Wartezeit war an beiden Schlangen sehr kurz und nach wenigen Minuten hatte ich meine Bordkarten bis in die USA in der Hand.

Was das Problem beim Online Check-In war, konnte mir auch die nette Dame am Schalter nicht sagen, denn von ihrer Seite sah alles gut aus und das System hat beim Check-In auch nichts beanstandet. Möglicherweise war dies auch nur eine Ausnahme.

Die Zeit bis zum Boarding habe ich in der Air Canada Lounge im Terminal B in Frankfurt verbracht, welche zu den besten Lounges in Frankfurt gehört, zumindest wenn man von den Lufthansa First Class Lounges absieht. In der Lounge habe ich etwas gefrühstückt, bei 3-4 Kaffee auf meinen Abflug gewartet und noch etwas gearbeitet.

Air Canada Economy Class Boeing 777-300er | Boarding

Das Boarding für meine Flug nach Toronto fand pünktlich von Gate B43 statt. Hierbei wird bei Air Canada grundsätzlich in fünf Zonen eingestiegen.

  • Pre- Boarding: Für Passagiere die etwas mehr Zeit benötigen (z.B. Rollstühle)
  • Gruppe 1: Für Business Class und Altitude Super Elite 100K (Höchster Vielfliegerstatus bei Air Canada mit 100.000 Meilen pro Jahr)
  • Gruppe 2: Für Star Alliance Gold Gäste und Gäste der Premium Economy Class
  • Familien Boarding: Familien mit Kindern unter 6 Jahren und Passagiere, welche mit einem Musikinstrument in der Kabine fliegen.
  • Gruppe 3: Economy Class mit einem Comfort Seat, also einem Platz mit mehr Beinfreiheit oder in den vordern Reihen. Diese Sitze sind kostenpflichtig.
  • Gruppe 4&5: Economy Class je nach Sitzreihe

Das Boarding wurde mit Aufstellern und Personal, welches die Passagier sortierte, sehr schnell und effizient durchgeführt, sodass ich schnell an Bord gehen und mein Handgepäck ohne Probleme verstauen konnte.

Beim Handgepäck gab es aber auch auf diesem Air Canada Flug das übliche Problem bei Airlines aus Nordamerika, denn die Overheadbins waren irgendwann voll und es musste Handgepäck der Economy Class in der Business Class und am Ende sogar im Frachtraum verladen werden. Die Flugbegleiter waren hierbei allerdings sehr hilfsbereit, sodass wir auch pünktlich vom Gate losrollen konnten. Dennoch hat das Einsteigen volle 45 Minuten gedauert.

Air Canada Economy Class Boeing 777-300er | Kabine und Sitz

Die Economy Class in der Air Canada Boeing 777-300er ist erstaunlich groß und erstreckt sich über drei Kabinen mit insgesamt 366 Sitzplätzen. Hierbei setzt Air Canada leider auch auf eine 3-4-3 Bestuhlung, also zehn Sitzen pro Reihe, was leider bedeutet, dass die Sitze recht schmal sind.

Boeing hatte beim Design der Boeing 777 nur neun Sitze pro Reihe vorgesehen, wie man es immer noch bei einigen wenigen Airlines findet. Inzwischen setzt sich in der Economy Class immer mehr die zehn Sitze pro Reihe Konfiguration durch, um Kosten zu senken. So auch bei Air Canada und besonders wenn der Flug wie in meinem Fall voll ausgebucht ist, ist dies nur bedingt angenehm, immerhin sind die Sitze nur noch so breit wie in einem Regionaljet wie dem Canadair Jet 900, welcher für Flüge von ein bis drei Stunden ausgelegt ist.

Dennoch wirkte die Kabine modern und hochwertig. Alle Sitze waren mit individuellen Kopfstützen ausgestattet und natürlich gab es auch in der Rückenlehne eines jeden Sitzes einen eigenen Monitor, auf welchem man das Entertainment System abspielen konnte.

Zusätzlich lagen auf allen Sitzen auch noch kleine Decken und Kissen bereit, damit man ein wenig schlafen konnte. Die Decken hat man auch wirklich gebraucht, denn es war in der Kabine ausgesprochen kalt. Auch wenn es bei Airlines aus Nordamerika üblich ist, die Kabine sehr herunter zu kühlen, 19 °C sind mir tatsächlich noch nicht unter gekommen, allerdings hat die Crew dies verändert nachdem ich nachgefragt habe. Mein Thermometer zeigte am Ende des Fluges knapp 21°C an, was akzeptabel, aber frisch ist.

Wie es sich für eine moderne Flugzeugkabine gehört, gab es an jedem Platz unter dem Sitz eine 110 Volt Steckdose und noch zusätzlich einen USB Anschluss unter dem Bildschirm.

Das Entertainment System hatte eine sehr solide Auswahl an Filmen, Serien und Musik. Zusätzlich gab es Internet an Bord, welches man allerdings hätte kaufen müssen und ich habe es mir auf diesem Flug einmal gespart, da ich tatsächlich vier Stunden schlafen konnte.

Was aktuell auf Eurem Flug im Entertainment bei Air Canada an Filmen und Serien angeboten wird, könnt auf der Air Canada Homepage nachlesen.

Air Canada Economy Class Boeing 777-300er | Essen und Service

Der erste Service begann etwa eine Stunde nach dem Start und was mich hierbei überrascht hat war, dass man direkt mit dem Essenservice angefangen hat. Bei den meisten Airlines wird erst eine Runde Getränke ausgeschenkt und anschließend das Essen (und noch einmal Getränke) serviert. Dramatisch gestört hat mich dieser Sachverhalt allerdings auch nicht, ich war nur etwas überrascht.

Zur Auswahl beim ersten Essen standen ein Nudelgericht und Rindergulasch und ich haben mich für die Pasta Option entschieden, schon alleine weil dem Flugbegleiter gerade das Rind ausgegangen ist, als er bei unserer Reihe angekommen ist. Er versicherte allerdings, dass er gleich noch welches bekommen würde.

Das Tablet mit dem Essen sah recht übersichtlich aus und war für mich etwas enttäuschend. So gab es neben dem warmen Essen (welches ok war) nur noch einen Karrottensalat und ein abgepacktes Brötchen, sowie ein Cookie. Um ehrlich zu sein, fand ich dies etwas mager.

Nach dem Essen wurden noch einmal Getränke serviert und besonders auch Kaffee und Tee angeboten. Der gesamte erste Service dauerte etwa 90 Minuten, was sicher auch der sehr vollen Kabine geschuldet war.

Was mich dann im Verlaufe des Fluges überrascht hat war, dass die Flugbegleiter in der Air Canada Economy Class alle zwei Stunden einen vollen Getränkeservice mit dem Servierwagen durchgeführt haben. Die meisten Airlines bieten hier nur Wasser und Saft an und andere Getränke auf Nachfrage.

Ob ich es allerdings gut finde, wenn alle zwei Stunden der Getränkewagen durch den Flieger gezogen wird, kann ich gar nicht sagen, denn ich bin jedes mal hiervon aus meinem Mittagsschlaf geweckt worden.

Etwa 70 Minuten vor der Landung in Toronto gab es noch einen zweiten schnellen Service. Neben Getränken gab es hierbei noch eine heiße Tasche, welche vernünftig geschmeckt hat und für die kurze Flugdauer nach Kanada als zweite Mahlzeit passend war. Definitiv besser als das Sandwich, welches Lufthansa inzwischen in der Economy Class anbietet.

Air Canada Economy Class Boeing 777-300er | Transit in die USA

Da ich es wirklich zum ersten Mal gemacht habe, hier noch ein paar Gedanken zum Transit in Kanada in die USA. Hierbei gibt es eine eigene Sicherheitskontrolle in Kanada und die Einreise findet bereits in Toronto statt, sodass man in den USA als Inlandspassagier ankommt und einfach den Flughafen verlassen kann.

Was sich extrem angenehm anhört, fand ich sehr nervig und unangenehm, denn der Prozess dauerte fast eine Stunde und das, obwohl ich nur mit Handgepäck reiste und Global Entry besitze. Die Effizienz der Beamten an diesem Tag war alles andere als gut und ich habe noch nie eine sich so langsam bewegende Schlange bei der US Einreise gesehen!

Ich würde Euch beim Umstieg in die USA in Kanada daher einen längeren Transit empfehlen, besonders wenn Ihr mit Gepäck reist, denn dieses muss nach der Landung für Euch gesucht werden und Ihr müsst es identifizieren. 2-3 Stunden Umsteigezeit sollten den Transfer in Kanada dann aber angenehm gestalten.

Dies gilt nur für einen Transfer aus Kanada in die USA, denn ich bin auch schon zu einem Inlandsflug in Kanada und auch nach Südamerika umgestiegen und beides war deutlich entspannter!

Air Canada Economy Class Boeing 777-300er | Frankfurtflyer Kommentar

Ist die Air Canada Economy Class tatsächlich die beste Möglichkeit um über den Atlantik zu fliegen? So pauschal würde ich das nicht mit „Ja“ beantworten. Es gab einiges, was mir an dem Produkt (für eine Economy Class) durchaus gut gefallen hat, wie zum Beispiel die moderne, sehr saubere Kabine, das effiziente Boarding und auch die Flugbegleiter waren sehr kanadisch, also extrem freundlich und professionell.

Was mich allerdings weniger begeistert hat, war die sehr große und auch enge Economy Class, wobei dies inzwischen mehr und mehr Branchenstandard ist und es liegt nunmal in der Natur der Sache Economy Class, dass man hier wenig Platz hat.

Würde ich wieder in der Air Canada Economy Class in der Boeing 777-300er fliegen? JA! Aber ich würde sie auch nicht einem Flug mit Lufthansa oder United Airlines vorziehen, zumindest nicht, wenn die Alternative ein Direktflug ist. Dennoch bewerte ich die Air Canada Economy Class als eine gute und solide Option über dem Nordatlantik.

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4 Kommentare

  1. Super Review, vielen Dank! Ich finde es gut, ab und zu auch mal Economy Class Review zu lesen, ich fliege auch über das Jahr eine gute Mischung aus Business und Eco.

  2. Hallo! Sehr schönes Review, leider kann ich diese positive Erfahrung nicht teilen.
    Ich bin 2017 mit Air Canada ebenfalls über Frankfurt nach Toronto geflogen. Die Maschine war ebenfalls eine Triple7 in ähnlicher oder identischer Konfiguration.
    Schon nach dem besteigen der Maschine fiel mir der recht abgenutzte Zustand des Carriers auf. Sitze und Sitzlehnen wirkten schon mitgenommen. Die Bildschirme
    , die Klapptische und Sitzlehnen waren mitunter übersät mit klebrigen Essenresten, Fingerabdrücken und Krümeln.
    Eine gründliche Reinigung fand offensichtlich nicht statt und der Flieger wirkte eher wie ein Zubringershuttle nach Übersee…
    Das Personal war mitunter recht robust aber dennoch sehr sehr freundlich. Der weibliche Purser der für unsere Reihen verantwortlich war, hätte auch glatt als Drill Instructor der RCMP durchgehen können. Was vermutlich auch aufgrund des Alters und der langen Erfahrung in diesem Job resultierte…..
    Als das Schlimmste an diesem Flug empfand ich selbst als Mann, dass der WC-Bereich kurz nach dem Start extrem streng und beißend roch. Ein Bahnhofs-Urinal riecht da sicher nicht schlechter. Woher dieser Geruch genau kam und warum das schon nach wenigen Fluggästen so roch blieb ein Rätsel und ich war froh einige Reihen vor den Lavatories zu sitzen.
    Mit dem Essen empfand ich es ähnlich wie der Autor dieses Beitrages, jedoch ist der Service lediglich mit Wasserflaschen durch die Reihen gegangen, was ich aber als sehr angenehm und absolut ausreichend sehe.
    Alles in allem war es sicher nicht der schlimmste aber auf keinen Fall der beste Flug in der Economy einer Fluggesellschaft.
    Als Rückflug hatte ich einen Direktflug von Toronto nach Berlin der von Air Canada Rouge durchgeführt wurde. Dieser Carrier ist die lowcost Variante der Muttergesellschaft.
    Jedoch war dies der wesentlich angenehmere Flug wie der Hinflug. Obgleich die Maschine (B-767) wesentlich älter war aber sich in einem viel besseren Zustand befand. Der Service war auch hier sehr freundlich und zuvorkommend.
    Rückblickend ist für mich die lowcost Variante diejenige die ich jederzeit wieder bevorzugt buchen würde….

  3. Zum Umstieg in Toronto: es ist nur dort so nervig. Irgendwie seltsam. Ich habe Pre-clearance auch in Dublin und Vancouver schon gemacht und das war ein sehr viel besseres Erlebnis. Im Prinzip mag ich das sehr, besonders schon Europa, aber bitte nicht mehr in Toronto.

  4. Auch von mir ein großes Lob! Toller Review, AC ist eine Gesellschaft, welche in meiner „Sammlung“ noch fehlt.

    Ich finde es gut, dass ihr bezüglich der Produkt Qualität auch einmal Klartext schreibt. Auch ich beobachte schon seit einigen Jahren, dass speziell in der Eco der Qualitätsgedanke bei den Gesellschaften immer mehr durch Renditedenken ersetzt wird. Wenn sogar bei selbsternannten Premium Airlines, wie der AC oder gar der Swiss in der 773 10 Sitze In eine Reihe gestellt werden, dann kann ich ehrlich gesagt darüber nur noch den Kopf schütteln.

    Ein weiterer Hintergrund dürfte sein, dass man mit der 773 bei vielen Gesellschaften die 744 ersetzt hat, wie z.B. bei ANZ oder CX. Und in dieses kleinere Flugzeug müssen nun irgendwie genauso viele Sitze hinein, wie in den alten Jumbo. Anderen Gesellschaften ersetzen mit der 789 die alte 772 oder den 343. Auch hier das gleiche Bild: in den kleineren Flieger müssen irgendwie genauso viele Sitze hinein, wie den älteren größeren, wobei in der 787 die 3-3-3 Konfiguration zwar eng, aber noch halbwegs akzeptabel ist.

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