Alitalia muss Langstrecken aufgeben | Boeing 777-300er und Airbus A330 verlassen die Flotte

Es steht nicht gut um Alitalia, das dürfte jedem inzwischen klar sein. Die italienische Airline fliegt seit 2017 in der    Insolvenz und kann sich nur noch durch einen Staatskredit über Wasser und in der Luft halten. Inzwischen ist auch klar, dass Alitalia keine weiteren Kredite mehr vom Staat bekommen wird und daher greift man nun zu drastischen Maßnahmen.

Alitalia muss Langstrecken aufgeben und wird sich außerdem von drei Langstreckenjets trennen. Im Detail geht es um die einzige Boeing 777-300er in der Flotte der Italiener und zwei Airbus A330-200, welche schon zum April die Flotte verlassen sollen und an die Leasingfirmen zurückgegeben werden. Verkaufen kann Alitalia die Flugzeuge leider nicht, denn die Airline hat schon seit Jahren keine eigenen Flugzeuge mehr.

Nachdem die drei Langstreckenflugzeuge die Alitalia Flotte verlassen haben, wird man nur noch 11 Boeing 777-200 und 12 Airbus A330-200 in der Alitalia Flotte haben und damit auch das Langstreckenangebot kürzen müssen. Hierfür werden zwei Langstreckenziele von Alitalia ab Rom ersatzlos gestrichen.

Santiago de Chile und Seoul in Korea fallen weg

Ab April 2020 werden sich Santiago de Chile und Seoul in Korea nicht mehr im Flugplan von Alitalia finden. Die Airline begründet dies mit andauernden Verlusten auf diesen Strecken, welche sich teilweise durch die schwierige wirtschaftliche Situation und auch den starken Wettbewerb begründen.

Alitalia macht laut eigenen Angaben jeden Tag einen Verlust von 76.000 Euro oder 2,35 Millionen Euro pro Monat. Alleine durch das Einstellen der zwei verlustreichen Langstrecken will man jeden Monat etwa 1 Millionen Euro einsparen und so den Verlust deutlich verringern.

Alitalia gibt an, dass man pro Monat 675.000 US- Dollar an Leasinggebühren für die Boeing 777-300er, sowie über eine Millionen Dollar für die zwei weiteren Airbus A330-200 bezahlen muss, welche nun die Flotte verlassen werden. Zwar kann man diese Einsparungen nicht 1 zu 1 wiedergeben, aber die nun eingestellten Strecken nach Seoul und Santiago sind sehr verlustreich.

Der Flug von Rom nach Santiago de Chile ist der längste Flug im Alitalia Netzwerk und mit über 7.300 Meilen oder über 12.000 Kilometer, ist dieser auch entsprechend schwer wirtschaftlich zu betreiben. In 2018 sind 120.000 Passagiere mit Alitalia auf dieser Strecke geflogen und haben hierbei einen durchschnittlichen Flugpreis von 600 Euro bezahlt. Die mit einer Boeing 777-200er betriebene Strecke hat hiermit in einem Jahr einen Verlust von 8 Millionen Euro eingeflogen und auch 2019 hat sich dieser Flug in seiner Wirtschaftlichkeit nicht verbessert.

Noch schwieriger ist der Flug von Rom nach Seoul, welcher mit einem Airbus A330-200 bedient wird. Zwar ist die Flugdistanz mit 5.500 Meilen deutlich geringer, jedoch sind in 2018 auch nur 80.000 Passagiere mit Alitalia auf dieser Strecke geflogen, was hier bei einem durchschnittlichen Ticketpreis von 450 Euro pro Passagier einen Verlust von 12,7 Millionen Euro bedeutete.

Gerade auf der Rom- Seoul Verbindung hat Alitalia sehr mit der Konkurrenz aus Asien zu kämpfen. So fliegen sowohl Korean Air, als auch Asiana auf dieser Strecke und alle drei Airlines liefern sich hier einen harten Wettbewerb. Diese Airlines sollen auf der Direktverbindung insgesamt 47 Millionen Euro Verlust erwirtschaftet haben, was bedeutet, dass Alitalia sogar noch besser dasteht, als seine Konkurrenten aus Korea. Dennoch zieht man sich nun von dieser Strecke zurück.

Alitalia muss Langstrecken aufgeben | Frankfurtflyer Kommentar

Dass Alitalia dringend sparen muss, ist inzwischen auch in Italien angekommen und mit der Einstellung von Langstrecken und auch der Rückgabe von Flugzeugen geht man nun einen sehr schmerzhaften Schritt, welcher allerdings ganz offensichtlich nötig ist.

Möglicherweise sind dies schon die ersten Schritte, um sich für Lufthansa hübsch zu machen, denn Lufthansa würde die Airline gerne übernehmen, allerdings nur, wenn die Airline auch bereit ist, schmerzhafte Umbaumaßnahmen hin zu nehmen. Besonders bei der Regierung in Rom fehlte es bisher an Bereitschaft, dies zu tun.

Übrigens wusste ich nicht, dass Alitalia eine einzige Boeing 777-300er in der Flotte hat. Während andere Airlines das Flugzeug für seine Wirtschaftlichkeit lieben, gibt Alitalia das Flugzeug nun zurück, allerdings ist es sicher mit der Einsatzplanung einfacher, wenn man elf gleiche Boeing 777-200er besitzt, als noch eine zusätzliche, einzelne Boeing 777-300er.

Danke: Simpleflying

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3 Kommentare

  1. „Besonders bei der Regierung in Rom fehlte die Bereitschaft, dies (Umbaumassnahmen) zu tun.“

    Falsch, das Alitalia-Personal wehrt sich gegen leiseste Einsparungsvorschläge sofort mit Streik – der letzte in den zurückliegenden Tagen – gerade so als ob das einen Investor für den Einstieg begeistern könnte.

  2. ich hatte tatsächlich alitalie auf dem Schirm für einen Flug nach Seoul. Da ich aber immer früh buche und Alitalia so klamm ist, traut man sich letztendlich nicht, frühzeitig ein Ticket zu kaufen

  3. Ich glaube, dass das Corona Virus im Falle Alitalia tödlich sein wird, wenn ich das mal so despektierlich und zynisch ausdrücken darf. Ich habe keine Idee, wie das Unternehmen diese zusätzliche Bürde ausgleichen möchte. Ein Teil des Personals unwillig und jeder Veränderung ablehnend gegenüber stehend, Liquiditätsprobleme, dazu noch altes Gerät und nun auch noch ein Geschäftseinbruch, speziell auf dem lukrativen Mailänder Markt. Ich fürchte, das wird es gewesen sein. Schade um eine weitere Traditionslinie.

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