Ask the Flight Attendant ✈ Wenn ich Passagier wäre, dann…

Ich reise gerne, oft und viel, nutze jede Gelegenheit dafür und manchmal geht es mehr um den Weg, als das Ziel: Fliegen! Ich liebe es zu fliegen und das verbindet uns alle hier. Und wenn ich nicht gerade Urlaub mache, fliege ich auch. Denn diese Leidenschaft ist mein Beruf und ich kenne dadurch auch den Blick von der anderen Seite. Diese Sicht möchte ich an dieser Stelle gerne mit Euch teilen.

Heutiges Thema: Ich als Fluggast

Als Flugbegleiter verbringt man beruflich bedingt viel Zeit im Flugzeug, lernt zahlreiche Menschen und Orte kennen und kann im Laufe der Jahre durchaus sehen wie sich die Gesellschaft verändert. Ich fliege aber auch privat ganz gerne und nehme dann die Sicht eines Passagiers ein. Dabei nutze ich am liebsten die verschiedensten Airlines um zu sehen was dort so geboten wird- es kann ja auch sonst nie schaden auch diese Perspektive einzunehmen.

Ich halte dann gerne die Fühler weit ausgestreckt und beobachte wie es die „anderen“ so machen. Das Rad hat jetzt keiner neu erfunden, es ist aber durchaus interessant welche Unterschiede es so gibt. Bei einer privaten Flugreise versuche ich mich eher unauffällig und zurückhaltend zu zeigen, auch wenn ich häufig „enttarnt“ werde.

Foto: OneMileAtATime

Ich denke das wichtigste ist – wie auch sonst im Leben – meinen Mitmenschen höflich und respektvoll gegenüberzutreten, schließlich wünsche ich mir genau das von „meinen“ Passagieren. Die absolute Mehrheit verhält sich auch so, die Ausnahmen fallen jedoch leider meist stärker ins Gewicht. Los geht es schon beim Check-in bzw. am Gate. Dort habe ich leider schon Situationen ansehen müssen, die einen den Glauben in die Menschheit verlieren lassen. Insbesondere während des Boardings sind die Mitarbeiter gefordert wenn gleichzeitig das Drehkreuz piept, das Telefon klingelt, Passagiere fragen stellen oder ein Schrankkoffer als Handgepäck aussortiert werden muss.

Traurig, aber wahr: Mir sind schon Hinweisschilder einiger Airlines aufgefallen, die ihre Kunden damit bitten das Personal respektvoll zu behandeln. So zum Beispiel am Serviceschalter der Lufthansa in München oder – wie es Blogger Ben Schlappig von One Mile At A Time – in Stockholm entdeckt hat. Vermutlich bekommen die Mitarbeiter am Boden am meisten ab, bei uns an Bord geht es im Normalfall eher ruhiger zu. Dennoch achte ich als Passagier besonders auf einige Dinge an Bord:

Erstmal: Guten Tag

Was auch immer einem Fluggast im Vorfeld widerfahren ist, es gibt keinen Grund die Crew beim Einsteigen ins Flugzeug zu ignorieren. Ob eine stressige Anreise zum Flughafen, ein vergeigtes Meeting oder eine zu kurze Nacht im Hotel- die Begrüßung darf man ruhig erwidern und selbst mit Maske ein Lächeln verschenken. Das funktioniert sogar mit Kopfhörern oder Telefon am Ohr – sogar dann wenn gerade der Chef am anderen Ende der Leitung spricht.

Foto: Eurowings

Auch Flugbegleiter wohnen nicht im Terminal und müssen sich durch die Straßen kämpfen, pünktlich sein und haben den Einsatz vielleicht erst wenige Minuten vor dem Boarding zugeteilt bekommen. Auch wir müssen uns manchmal noch etwas motivieren und die Gedanken und Sorgen um Ehemann, Kinder, Nebenjob, Großmutter und Haustier in den Hintergrund stellen.

Handgepäck

Ich möchte dieses Thema nicht nochmal aufreißen, es sei jedoch erwähnt dass Flugbegleiter nicht für den mitgebrachten Hausstand verantwortlich sind. Wir müssen aber sehr wohl darauf achten, dass dieser korrekt verstaut wird. Bis auf wenige Ausnahmen wie an einem Notausgang, darf Handgepäck (oder Teile davon) durchaus auch unter den Vordersitz. Das funktioniert in den meisten Fällen ohne weitere Einschränkungen bei der Beinfreiheit und auch bei Kindern, die einen leeren Fußraum gar nicht benötigen.

Ask the Flight Attendant ✈ Heute: Handgepäck

Keineswegs suche ich mir da den nächsten „Uniformierten“ um mich über den mangelnden Platz zu beschweren, ein eigenes Ablagefach einzufordern, darauf zu bestehen dass das Handgepäck exakt über meiner Sitzreihe liegt und zur Krönung auch noch das Staufach laut zuknalle.

Bei der Sicherheitsdemo zusehen

Ist keine Videoanlage an Bord oder ein Bildschirm im Vordersitz eingebaut, gibts die Sicherheitsvorkehrungen als Live-Demonstration von der Besatzung. Wir Flugbegleiter haben diese schon unzählige Male vorgeführt, Ihr habt diese auch schon ebenso oft gesehen.

Als Passagier schenke ich – obwohl ich „vom Fach“ bin – trotzdem den Stewardessen und Stewards dieser Welt meine Aufmerksamkeit. Manchmal kommt ja doch eine neue Information rüber, in jedem Fall hat auch das etwas mit Respekt zu tun.

Anweisungen befolgen

Der Gurt muss geschlossen, die Rückenlehne aufrecht, ein Laptop verstaut und der Tisch hochgeklappt sein. Die Flugbegleiter gehen vor Start und Landung durch die Kabine und überprüfen genau solche Dinge. Erst danach ist die Kabine „klar“. Je nach Maschinentyp umfasst eine solche Liste über 20 Punkte, die abgearbeitet werden müssen. Das meiste sehen Passagiere gar nicht, vieles steht im Zusammenhang mit einer eventuellen Evakuierung.

Foto: Lufthansa

Die Bitte ein Laptop zu verstauen ist also nicht böse gemeint, noch will hier Sicherheitspersonal Macht ausüben und zeigen wer am längeren Hebel ist. Es ist eher als Sorge zu sehen, dass dieses Ding nicht durch die Kabine schießt oder gar einem selbst um die Ohren fliegt.

Service

Man darf gerne einen besonderen Anspruch haben, schließlich ist und bleibt man zahlender Kunde. Aber man darf nicht vergessen: Ich bin ich nicht alleine in einem Flugzeug und die Möglichkeiten in selbigen sind begrenzt. Das gilt insbesondere beim Service. Ob Buy on Board oder „Alles inklusive“, ob Business oder Economy Class- es ist Verständnis gefragt und sowieso macht der Ton die Musik.

Ich hatte bereits Gäste, die uns schon beim Betreten der Maschine aufgefordert haben, nichts mit Nüssen zu verteilen weil jemand aus der Reisegruppe allergisch sei. Auch Ansagen wurden deswegen schon verlangt damit niemand während des Fluges etwas bestimmtes konsumiert.

Manche Airlines haben dazu eine Haltung und bieten das an bzw. verweigern dies. Ich vermute jedoch dass die meisten Menschen, selbst die mit hochgradig allergischen Reaktionen, im Hintergrund bleiben und sich gar nicht bemerkbar machen. Die meisten nehmen wohl das Risiko stillschweigend in Kauf, da es zum Leben im Alltag dazugehört.

Warum sollte etwas was in einer U-Bahn, im Wartezimmer oder im Supermarkt nicht geht, in einem Flugzeug funktionieren? Aber so ist es mit vielen Situationen. Wie gesagt, vermutlich behalten die meisten Menschen ihre Sorgen für sich und wollen weder auffallen noch Aufmerksamkeit haben.

An Bord haben auch viele eine Hemmschwelle den Rufknopf in der Kabine zu drücken. Mir geht es da als Passagier ähnlich und ich hoffe dann sehr, dass ab und zu jemand vorbeikommt wenn ich auf einem Langstreckenflugzeug in der Economy Class am Fenster sitze. Denn da will ich ungerne drücken oder die Nachbarn wecken wenn ich etwas benötige. Legitim ist es allemal (meiner Meinung nach zumindest).

Ordnung

Beim Einsteigen ist es in der Kabine meist ordentlich, zumindest liegt kein Müll auf dem Sitz und es wirkt aufgeräumt. Anders bei der Ankunft. Natürlich machen Kinder Unordnung und Übelkeit mit entsprechenden Folgen ist nicht immer vermeidbar und menschlich. Denn ganzen Abfall lose zurückzulassen, den Sitz, Tisch und sonst was zu verunreinigen oder die Waschräume ins Chaos zu bringen ist allerdings absolut unnötig.

Foto: Instagram

Achtet bei Gelegenheit darauf welche Unterschiede es gibt wenn Ihr vielleicht eines Tages nach Japan kommt und aus dem Flieger aussteigt. Vergleicht dies dann mit einem X-beliebigen anderen Flug. Wisst Ihr was ich meine?

Verabschieden

Auch wenn ich die Crew während des Fluges nicht gesehen habe oder die Flugbegleiter immer nur eilig an mir vorbei sind- sie waren für mich da. Sie haben (auch ohne einen Notfall) etwas für mich getan, was ich nicht hätte tun können. Sei es „nur“ für eine sichere Flugdurchführung zu sorgen.

Vielleicht wurden sie ja von einem anderen Passagier auf Trab gehalten oder haben jemanden medizinisch betreut. Oder sie haben sich ausgeruht weil sie eine 14-Stunden-Schicht haben. Vielleicht haben sie sich um die Piloten gekümmert, einen Konflikt gelöst oder Teambildung betrieben.

Selbst wenn der Service dürftig war und es eine ewige Verspätung gab- der oder die sich am Ausgang verabschiedet kann nicht wirklich etwas dafür. Trotzig sein ist in dem Moment nicht angebracht.

Vom angestauten Frust nach einem schlechten Flug kann man sich aber durchaus etwas befreien:

Feedback geben

Was auch immer schief oder besonders gut gelaufen ist- man kann dies an die Verantwortlichen zurückmelden. Sei es direkt an Bord und wenn es da kein Gehör findet, sollte man die Airline oder deren sozialen Netzwerke anschreiben.

Wir Flugbegleiter melden unserem Produktmanagement auch vieles zurück und siehe da: Manchmal bewegt sich sogar etwas.

Ask the Flight Attendant | Frankfurtflyer Kommentar

Ich will hier wahrlich keine Benimm-Anleitung geben, sondern eher meine Gedanken mit Euch teilen. Letzte Woche ist mir als Passagier wieder aufgefallen wie nervig es ist, wenn sich die Flugbegleiter in der Galley versammeln und sich lauthals austauschen. Gleichzeitig musste ich darüber nachdenken, wie oft ich das wohl schon getan habe und es gar nicht bemerkt habe.

Ähnliche Situation: Während des Nachtfluges stampfend durch die Kabine flitzen…Es schadet mir also nicht die Perspektive zu wechseln und etwas mitzunehmen. Genauso wenig sollte man nicht pauschal meinen, dass Lob und Kritik nicht gehört werden wenn man diese zurückmeldet.

Fluggesellschaften reagieren durchaus wenn ein Produkt nicht angenommen wird, das Personal Probleme meldet oder Beschwerden von Passagieren eingehen. Einige der Verantwortlichen lesen sich auch Reviews durch und achten sicherlich auch auf dort platzierte Kommentare 🙂

 

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7 Kommentare

  1. Wenn dann aber mein „Ding-Dong“ einfach ignoriert wird und man sich nach 3 x läuten endlich dazu bequemt ( Mimik: Was will denn der?), mich nach dem „Kundenwunsch“ zu fragen, so habe ich echt Mühe.
    Wollte nur die fehlende (vergessene?) 🍋🍋 Zitrone im Gin Tonic reklamieren.
    Auf meine Frage, ob das Klingeln nicht gehört wurde, hieß es: „Im Gang während des Services höre ich das nicht!“ Gedacht: Will ich das nicht hören.
    Das Eis war mittlerweile geschmolzen ( das im Glas) und der 2. Apéro wurde kommentarlos gereicht —- diesmal mit Zitrone und frischem Eis.
    Übrigens: Bei SUPER-Service lobe ich die Crew via Kontaktformular, bei schlechtem Service lasse ich es sein. Könnte ja einen schlechten Tag erwischt haben und bringt eh nichts.

  2. Und ich hätte immer gedacht, die Flugbegleiter im Eingangsbereich wären bei der 173.ten Begrüßung dann doch etwas genervt.
    Man muss es einfach wissen, persönlich bin ich bei der für mich 1.ten Begrüßung natürlich keinesfalls genervt. 🙂

  3. Die meisten genannten Punkte sind aus meiner Sicht eigentlich Selbstverständlichkeiten. Ganz einfache Rücksichtnahme eben. 😉

    Interessant finde ich Deine Anmerkung zur Hemmschwelle beim Rufknopf. Ich selbst benutze den auch nie, weil ich es gar nicht mag, wenn wegen jeder Kleinigkeit jemand für mich springen muss. Allerdings fliege ich auf Langstrecke auch nur Business Class am Gang, d.h. ich kann mich problemlos jederzeit selbst auf den Weg machen und mir etwas besorgen. Während der Mahlzeiten läuft ja ohnehin ständig jemand vor und zurück und lässt sich ansprechen.
    Das einzige Mal, dass ich bisher den Rufknopf genutzt habe, war um eine Beschädigung am Flügel mitzuteilen.
    Andererseits habe ich auch Verständnis für alle, die es anders machen. Schließlich gibt es den Service ja, also darf ihn ruhig auch jeder nutzen und gerade bei einem Fensterplatz mit noch zwei Nebenleuten ist es vermutlich die bessere Wahl.

  4. Vielen Dank für den Beitrag. Als Privatreisender schaue ich auf mehr als 250 Flüge zurück. Wenn ich den Beitrag so lese, dann habe ich mich nur ein Mal über das Bodenpersonal geärgert in LHR, als man mich nicht einfach in Ruhe hat warten lassen auf meine Maschine aus MUC nach einer Zwischenladung auf YVR. Und nur ein Mal habe ich mich an Bord eines AF Langstreckenflugs geärgert, weil nach 20 Minuten mein Klingelzeichen ( ich gebe ca. eines pro 50 Flüge ab ) komplett ignoriert wurde. Dabei wollte ich nur ein Glas Wasser……

    Aber insgesamt kenne ich sonst nur positive Erfahrungen an Bord, ist das Personal der amerikanischen Airlines rustikaler, aber dennoch herzlich, ergeben sich die Stewardessen asiatischer Airlines in sklavischer Perfektion und erlebte ich bei europäischen Airlines einen sympathischen liebevollen Service, der sich wirklich nicht verstecken muss……

    Was mir in den letzten 10 Jahren aufgefallen ist, dass eine persönliche Erwiderung des welcome in board, als auch eine Individuelle Verabschiedung meinerseits als Passagier sehr persönlich und freundlich zurück kam, ein gefühl hinterlassend, dass es dem fliegenden Personal alles andere als Lästig war.

    Natürlich nehme auch ich nicht allen Abfall mit von Board, bleibt in ECO schon mal ein Plastikbecher zurück und fällt in der Business Plastikverpackung von Slippern und Decken an. Allerdings schockieren mich immer wieder verfüllte Plätze, wie in diesem Beitrag zusehen und ich frage mich on Leute aus der Businessclass zu Hause diesen Müll zulassen würden…..? Persönlich finde ich das Respektlos den Reinigungskräften und der Crew gegenüber.

    Und ein DANKE am Ende der Reise, ist doch eigentlich eine Selbstverständlichkeit, war ich aus vergnügen 10 Stunden Gast an Board um eine Urlaub zu beginnen, oder wieder sicher nach Hause zu kommen. Mein Gegenüber hat aber die Strapazen in Kauf genommen, um Ihren Lebensunterhalt zu finanzieren und Ihr bestes versucht, damit es mir gut geht. Und dafür sage ich gerne DANKESCHÖN, auch wenn es Ihr/Sein Job ist und er/sie es gerne macht. Ich bin selbst im Dienstleistungssektor und liebe meine Arbeit. Aber ein wenig Dank (oder Applaus) tut der Seele gut und motiviert auch morgen wieder sein bestes zu geben!

  5. Schöner Beitrag („ask the flight attendant“).

    Könnte es sein, daß gerade am Gate es durch fremde Dienstleister zu einem manchmal krassen Abfall der Service- und Freundlichkeitsorientierung kommt, der so gar nicht zum Standard der Airline selbst passen will und sich leicht auf die Atmosphäre beim Besteigen der Kabine überträgt? Innerdeutsch war TXL immer ein Paradebeispiel.

    Mit ist das übrigens auch häufiger an Destinationen aufgefallen, an dem der betreffende Carrier keine eigene Station hatte.

    Ich denke, „der Hund liegt auf beiden Seiten begraben“. Wer zunehmend – bei saftigen Preisen – ruppig behandelt wird, sollte in unserer Gesellschaft nicht überrascht sein.

    Andererseits zögere ich keine Sekunde, wenn ich einen Airliner bei ungebührlichem Verhalten von Mitreisenden in Schutz nehmen kann (inkl. ausführlichem Belobigungsschreiben, um evtl. schriftlichen Beschwerden zuvorzukommen).

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