Coronavirus zwingt Cathay Pacific fast in die Knie

Es gibt wohl kaum eine Airline, die in den letzten 12 Monaten unverschuldet so stark unter Druck geraten ist wie Cathay Pacific. Die größte Fluglinie Hong Kongs, Mitglied der Oneworld Alliance und Kooperationspartner der Lufthansa hatte im Jahr 2018 endlich den Turnaround geschafft und war wieder (leicht) profitabel. Man wollte das Streckennetz ausbauen bzw. Frequenzen auf bestehenden Strecken erhöhen. Doch dann kam alles ganz anders.

Coronavirus zwingt Cathay Pacific fast in die Knie | Zuerst waren die Proteste

Mit dem Beginn der Proteste in Hong Kong reduzierte sich die Anzahl der Reisenden in die Stadt am Perlenfluss merklich. Hinzu kamen die beiden Besetzungen des Flughafens in Hong Kong, die dem Ansehen des Airports als sicheres Drehkreuz für Verbindungen von und nach Asien nachhaltig schadeten. So wurden Mitarbeitern, die sich an den Protesten beteiligten mit Kündigung gedroht und der CEO musste zurücktreten.

Während sich die Proteste immer weiter in die Länge zogen, kam der zweite Rückschlag hinzu: Das Coronavirus. Da Hong Kong durch eine Schnellzugverbindung mit Wuhan verbunden ist, dauerte es nicht lange, bis das Virus seinen Weg in die Metropole geschafft hatte.

Coronavirus zwingt Cathay Pacific fast in die Knie | Aktueller Stand der Entwicklungen

Nach Angaben der South China Morning Post (DIE Zeitung in Hong Kong) hat die Cathay Pacific Gruppe (Cathay Pacific & Cathay Dragon) im März 120 Flugzeuge gegroundet. Das entspricht ungefähr der halben Flotte. Außerdem sollen ca. 75% aller ursprünglich geplanten Flüge ausfallen. Das bedeutet, dass statt 1.470 wöchentlichen Flügen nur noch 350 stattfinden werden.

Dabei geht das Management von Cathay wohl davon aus, dass der Tiefpunkt noch nicht erreicht sei und weitere Stilllegungen drohen.

Bereits 25.000 Mitarbeitende von Cathay sind bereits in unbezahlter Freistellung (entspricht 75% der Mitarbeitenden).

Einige Lounges in Hong Kong und an wichtigen Flughäfen bleiben bis auf Weiteres geschlossen.

Im Vergleich zum SARS-Ausbruch, ist die aktuelle Krise bei Cathay Pacific deutlich schwerwiegender. Damals hat man „nur“ 45% der Flüge abgesagt und ca. 25% der Flotte gegroundet.

(c) Cathay Pacific

Coronavirus zwingt Cathay Pacific fast in die Knie | Frankfurtflyer Kommentar

Das Ausmaß der Krise bei Cathay Pacific ist extrem. Die alte Fußballerweisheit: „Erst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu“ beschreibt die Situation wohl ganz gut.

Es bleibt zu hoffen, dass die Hauptanteilseigner (Swire Group und Air China) nach Ende der Krise bereit sind, Cathay Pacific wieder auf die Beine zu helfen. Es wäre sehr schade, wenn die Airline nicht wieder zu altem Glanz und alter Stärke zurückfinden würde.

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4 Kommentare

  1. Danke für den Beitrag.
    Ist es eigentlich abzusehen was bei einer Insolvenz der Airline passieren würde? Einerseits würden vorhandene Asia miles vermutlich verloren gehen, wohingegen bereits gebuchte Redemptions irgendwie ersetzt werden könnten? Gibt es dahingehend Erfahrungen ob ein redemption Flug ähnlich gehandhabt wird wie ein reguläres Ticket?
    Bin im Dezember auf der Strecke HND-HKG-FRA in der First unterwegs und Sorge mich etwas um die Airline und auch um die eingelösten Asia miles.

    • Bevor Cathay Pleite geht wird die Regierung von Hong Kong eingreifen. Da sollte man sich keine grossen Sorgen machen.
      Hong Kong hatte vor einigen Tagen zum Beispiel jedem Einwohner umgerechnet mehr als 1100 Euro zur kurzfristigen Stabilisierung der Wirtschaft bereitgestellt. Da Cathay systemrelevant ist, wird es auch dort gegebenenfalls staatliche Hilfe geben.

      Wobei Cathay dank SARS schon Erfahrung mit solchen Krisen hat, dank des Hong Konger Rechtes auch flexibel mit Entlassungen/unbezahltem Urlaub reagieren kann, viele Flugzeuge bereits abbezahlt hat/ kurz vor dem Ende der Leasingdauer steht und somit nicht in einer Zwangslage steckt. Des Weiteren steht mit der Swire Group ein potenter Investor hinter der Airline.

      • Ich stimme Max zu. Hong Kong und die Swire Group werden Cathay Pacific wohl nicht fallen lassen.
        Ggf. wird es spürbare Sparmaßnahmen geben, so dass z.B. der First Class Service auf allen innerasiatischen Strecken eingestellt wird. Das wäre bei deiner Route zwar ärgerlich, aber immer noch besser als eine Stornierung des Tickets.

  2. Danke für eure Sichtweise.
    Bleibt zu hoffen, dass es kein hardware downgrade geben wird bzw. bis dahin keine weitere Schließung der First Lounge mehr existiert.

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