Deutsche Bundesregierung ist zu stiller Beteiligung an Lufthansa bereit

Foto: Lufthansa

Letzte Woche entbrannte eine hitzige Debatte über mögliche Staatshilfen für Lufthansa und insbesondere darüber, welche Gegenleistungen der Staat für seine Milliarden bekommen soll. So habe die Deutsche Bundesregierung einen massiven Einfluss auf das operative Geschäft von Lufthansa gefordert. Dies hat man aber seitens der Lufthansa als multinationaler Konzern abgelehnt, denn mit den Regierungen von mehreren Ländern im Aufsichtsrat, sei der Konzern nicht mehr zu führen.

Die Lufthansa ging sogar so weit, dass er in den Verhandlungen um mögliche Staatshilfen das Pokern begonnen hat und eine mögliche Insolvenz von Lufthansa ins Spiel gebracht hatte. Auch wenn eine Insolvenz von Lufthansa eigentlich bis zu diesem Zeitpunkt für ausgeschlossen gehalten wurde, gingen einige Experten sogar davon aus, dass es für Lufthansa die günstigere Option sein könnte, wenn die Staatshilfen an zu viele Verpflichtungen geknüpft sind.

Auch in der Bundesregierung scheint man sich über die Marschrichtung nicht einig gewesen zu sein, denn von einer Reihe von Unionspolitikern hörte man klare Stimmen, welche sagten, dass der Staat kein Mitspracherecht bei Lufthansa haben darf, schließlich sei die Airline unverschuldet in diese Situation gekommen und in der Vergangenheit gibt es keine Airline, welche von der Politik gelenkt wurde, die langfristig wirtschaftlich erfolgreich war.

Unions-Fraktionsvize Carsten Linneman:

Sollte der Staat sich direkt beteiligen und Politiker Einfluss auf unternehmerische Entscheidungen nehmen, dann muss das sehr gut begründet werden. Ich habe bislang noch von keiner solchen Begründung gehört!

Besonders bei der SPD würde man wohl gerne weitreichenden Einfluss in Wirtschaftsunternehmen sehen, um hier auch den sozialen Gedanken durchsetzen zu können und auch gegen jede Wirtschaftlichkeit Arbeitsplätze zu sichern.

SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich kommentierte dies so:

Wenn Unternehmen wie Lufthansa aus Steuergeldern Staatshilfen in Milliardenhöhe bekommen, müssen auch Mitspracherechte für den Bund gewährleistet sein. Das ist schon aus Verantwortung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unerlässlich.

Laut Informationen des Spiegels, in welchem man sich auf den internen Kreis beruft, sollen sich die Bundesregierung und die Lufthansa nun einigermaßen geeinigt haben und die Bundesregierung sei bereit stiller Anteilseigner von Lufthansa zu werden.

Hoher Preis für Lufthansa-Rettung

Wie der Spiegel berichtet, wolle sich Deutschland mit 25,1 Prozent an Lufthansa beteiligen, was man sich 5,5 Milliarden Euro kosten lassen würde. Man würde hierbei als stiller Teilhaber auftreten, allerdings soll das Investment auch mit einer Garantiedividende von neun Prozent versüßt werden. Damit würde Lufthansa auch nach der Krise jedes Jahr hohe Dividenden an den Staat zahlen müssen, denn anders als bei einem Kredit, wird diese Beteiligung nicht abgebaut.

Zusätzlich will die KfW auch eine neue Kreditlinie von 3,5 Milliarden Euro bereitstellen, welche die Bundesregierung absichert. Damit wären der Lufthansa vorerst die nötigen finanziellen Mittel der Lufthansa gesichert, auch wenn man abwarten muss, wie die Branche aus der Krise kommt und wann man wieder fliegen kann.

Aktuell verliert Lufthansa etwa eine Millionen Euro pro Stunde, allerdings ist der Konzern gerade sehr bestrebt diese laufenden Kosten abzusenken. Das Geld vom Bund könnte hierbei durchaus sehr hilfreich sein.

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Es ist schon verrückt! Letztes Jahr feierte Lufthansa noch das dritt erfolgreichste Jahr in der Firmengeschichte und nun muss man um das Überleben kämpfen. Die gesamte Hospitality Industrie wird von dieser Krise überproportional schwer getroffen und man kann sein Geschäft aufgrund von behördlichen Auflagen quasi nicht mehr ausüben. Entsprechend ist es auch nötig dass der Staat hier hilft, denn dazu ist er zum Glück in der Lage.

Wir werden vermutlich in der kommenden Woche die genauen Details zum Deal zwischen Lufthansa und der Bundesregierung über mögliche Staatshilfen bekommen, pünktlich zur Jahreshauptversammlung von Lufthansa.

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5 Kommentare

    • Wenn die Verlautbarungen stimmen, sind es aber keine Zinsen, sondern eine Dividende, und die wird aus dem Gewinn gezahlt, also nur, wenn auch (ausreichender) Gewinn gemacht wird.

    • Wie man die 9% jetzt lesen soll, schreibt eigentlich niemand.
      Nehmen wir einmal an, es wäre eine garantierte Dividende im Verhältnis zum aktuellen Kurs, dann entspräche das bei einer 25%igen Beteiligung 2,25% Zinsen. Das wäre dann eigentlich ganz normal.

      Ist aber nur meine Interpretation der „9%“.

  1. SWISS und EDELWEISS bekommen auch Geld, aber nicht vom Staat. Der bürgt bloss. Auch ist die Vergabe an Bedinungen geknüpft: KEINE Dividenden-Auszahlung und das Geld darf NICHT ins Ausland abfliessen.
    Das Geld muss bei den Banken als Kredit aufgenommen und mit Zins zurückbezahlt werden.

    • Ich habe auch nichts anderes erwartet, als eine Einigung in dieser Art und Weise. Alles, was davor verlautbart wurde, war m.E. lediglich Verhandlungstaktik. Die LH dürfte hierbei als Sieger den Tisch verlassen haben, zumal es für gute Verhandler ein Leichtes ist, einem uneinig agierenden Verhandlungsgegner (Stichwort CDU vs. SPD Vorstellungen) auszukontern.

      Ich bin mal gespannt, ob meine Erwartung eines arrangierten LH – Condor Andienungskuhhandels auch noch Realität wird, sollte sich für DE kein seriöser Käufer finden. Wie sagte Kaiser Franz? Schaun‘ mer mal…..

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