Ein Kuhhandel soll jetzt Alitalia retten

Seit weit über einem Jahr befindet sich Alitalia in der Insolvenz und fliegt nur noch wegen einem 900 Millionen Euro Kredit, nachdem Etihad Airways wie zuvor bei air berlin auch, die Unterstützung überraschend eingestellt hat. Eigentlich wäre die Rückzahlung des staatlichen Hilfskredits nun fällig gewesen, aber die rechtspopulistische Regierung in Italien will diesen nun verlängern, nachdem der Verkauf von Alitalia gelinde gesagt ins Stocken geraten ist.

Zusätzlich will die italienische Regierung allerdings noch 145 Millionen Euro in die marode Airline pumpen. Hierfür soll der Staat dann Aktien als Tilgung erhalten.

Der Masterplan in Rom sah vor, dass man Alitalia mit einem oder mehren internationalen Investoren, sowie der staatlichen italienischen Eisenbahngesellschaft F.S. wieder „Fit für die Zukunft“ macht. Der Saat selbst hätte dann 30-40 Prozent an Alitalia gehalten.

Als Interessenten haben sich nach langem Hin und Her nur noch EasyJet und Delta Airlines herauskristallisiert. Lufthansa wollte Alitalia auch gerne übernehmen und hat daran auch immer noch großes Interesse, allerdings will man die Airline nur im Ganzen übernehmen und massiv umbauen, damit sie wieder rentabel wird.

Nachdem die jetzige rechtspopulistische Regierung in Rom allerdings die Hand auf Alitalia lassen will um sicher zu stellen, dass die Airline auch „die Interessen Italiens bedient und italienisch bleibt“, sind Lufthansa und kurz danach auch EasyJet aus den Verhandlungen ausgestiegen. Auch Delta Airlines will ihr Angebot noch einmal prüfen und eine Übernahme ist wenig wahrscheinlich geworden.

Ein Kuhhandel soll Alitalia jetzt retten

Es klingt, als sei es aus einem schlechten Politdrama entsprungen, aber nachdem die potenziellen Investoren für Alitalia angegangen sind, will die Regierung in Rom nun mit einen Kuhhandel Alitalia retten. Der Infrastrukturkonzern Atlantia soll große Teile von Alitalia übernehmen, so berichten es zumindest italienische Medien, mit Berufung auf Regierungsmitarbeiter.

Dieser Deal wäre deshalb so interessant, da Atlantia gerade der Entzug von Autobahnkonzessionen im Milliardenwert drohen. Dem Konzern, welcher zur Benoten Gruppe gehört, wird eine Mitschuld beim Einsturz der Morandi-Brücke vorgeworfen. Hierbei sind 43 Menschen ums Leben gekommen, da die marode Brücke nicht ordnungsgemäß in Stand gesetzt wurde und wohl hätte gesperrt werden müssen.

Der Deal zwischen Atlantia und der Regierung in Rom solle lauten, dass der Entzug der Autobahnkonzessionen vom Tisch sei, wenn man große Teile von Alitalia übernimmt. Wenn dies stimmt, ist es ein sehr fragwürdiges Unterfangen.

Ein Kuhhandel soll jetzt Alitalia retten | Frankfurtflyer Kommentar

Ich bin gespannt, wie lange sich das Drama rund um die Alitalia Insolvenz noch hinzieht. Wirklich voran kommt man nicht und nachdem nur staatliche Subventionen die Airline überhaupt noch in der Luft halten, besteht die Gefahr, dass die EU hier irgendwann den Stecker zieht und eine Liquidation von Alitalia verlangt. Zum Glück für Alitalia mahlen die Mühlen in Brüssel langsam, wobei die Drohung schon ausgesprochen wurde. Auch in Italien muss man sich an das Wettbewerbsrecht halten.

Für Alitalia wäre es sicher am gesündesten, wenn man sie im Ganzen verkauft und umfassend saniert. Dies wird einige harte Jahre für die Airline bedeuten und auch nicht komplett ohne Einschnitte vonstatten gehen, aber Lufthansa hat sogar angeboten, komplett ohne Kündigungen auskommen zu können.

Ob man Alitalia nun an Lufthansa oder eine andere Airline wie Delta und EasyJet verkauft ist fast egal, allerdings ist das größte Problem der Airline inzwischen die Regierung in Rom, welche eine ordentliche Sanierung der Airline endgültig unmöglich macht und nun offensichtlich mit krummen Deals versucht noch etwas zu retten.

Danke: aero.de

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2 Kommentare

  1. „Dieser Deal wäre deshalb so interessant, da Atlantia gerade der Entzug von Autobahnkonzessionen im Milliardenwert drohen. Dem Konzern, welcher zur Benoten Gruppe gehört, wird eine Mitschuld beim Einsturz der Morandi-Brücke vorgeworfen.“

    Das klingt nicht gerade vertrauenserweckend und eine gute Basis für einen Neuanfang für eine Airline.

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